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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 Vr Vloch's Mochrnptzrtst Seite 473 Landau tritt mit ätzendem Spott auch der Legende entgegen, welche die Freiheit und Unbefangenheit des Denkens der Römer behauptet. Er weist nach, wie lächerlichen und albernen Aberglauben sie huldigten und er zeigt auch, daß sie verlogen genug waren, die Verbrechen, die sie begangen, Anderen zuzuschreiben. „Die Römer, die so oft von den barbarischen Religionen anderer Völker, von den Menschenopfern der Gallier mit heuchlerischer Entrüstung sprachen, den Christen vorwarfen, daß sie Kinderblut bei ihren religiösen Ceremonien benützten, haben eigentlich erst mit Annahme des Christenthums aufgehört, öffentlich und feierlich Menschenopfer darzubringen. Von den zahlreichen Beweisen hiefür sei nur einer angeführt: Nach der Schlacht bei Cannä ereignete sich, wie Livins (XXII 57) erzählt, daß zu allem Unglücke noch zwei Vestalinnen ihr Keuschheitsgelübde brachen. Um die Götter zu versöhnen, ließ der Senat einen Gallier, einen Griechen und eine Griechin im Forum Boarium „an der schon früher zu Menschenopfern benützten Stelle" lebend begraben. Ein ähnliches Opfer war einige Jahre früher während des Krieges mit den Galliern gebracht worden. Es wiederholt sich aber Alles im Leben. Die Christen haben einst unsägliches unter einer fürchterlicher Verleumdung gelitten — das schützt den Juden aber doch nicht Opfer der gleichen Verleumdung zu werden. Nur sind heute auch die Ankläger andere geworden. Unser Autor beweist auch, daß manche scheinbare Tugend der Römer, wenn man sie aus ihren Ursprung prüft, gar viel an ihrem Nimbus einbüßt. „Die Leichtigkeit, mit welcher die Römer neue und fremde Götter ausnahmen und verehrten, ließ die Meinung aufkommen, daß sie sehr tolerante Leute waren, und die modernen Feinde des Christenthums und Judenthums haben sie auch als solche dargestellt, während man die Juden als Erfinder der Intoleranz ausschrie. Nun gibt es aber zwei Arten der Intoleranz: Aufzwingung des eigenen Gottes fremden Völkern, welche ihn nicht anerkennen wollen, und Verfolgung der Bekenner eines fremden Gottes. In letzterer Beziehung waren die Juden bekanntlich so intolerant, daß sie die Anbetung der Götter Caligula und Jupiter in ihrem Tempel nicht gestatten wollten und von den Christen erzählt man, daß sie so eigensinnig waren, den Göttern das Bischen Weihrauch nicht zu gönnen, und sogar ihre Statuen umwarfen und zerbrachen. Für diesen Contrast hatte man auch gleich eine plausible Erklärung bei der Hand: Die Juden und Christen, die nur an einen Gott glaubten, konnten die Anbetung eines zweiten nicht dulden; die Römer aber, die deren einige Dutzend hatten, die fremden Göttern so bereitwillig Tempel bauten, konnten ohne Jnconsequenz und Gewissensangst deren so viele anbeten, als in der Welt zu finden waren." Das abschließende Urtheil über das, was die Römer für die Menschen gethan, lantet in dem Buche Landaus: Original waren die Römer, und Großes leisteten sie nur in der Architektur, in der Kriegskunst und in den Thier- und Menschenhetzen. Und letztere trugen am meisten dazu bei, den Gegensatz zwischen Juden und Römern zu verschärfen." Wir müßten das ganze Werk abschreiben, wenn wir den Lesern alles Gute aus demselben mittheilen wollten. Wir glauben aber, die kleinen Stichproben, die wir hier geboten, werden die Leser begierig machen, das Ganze kennen zu lernen, indem sie sich das Büchlein selbst anschaffen. Das ist wohl auch der richtigere Weg. —a— Correspondewen. Wien. (Auszug aus dem Protokolle der Plenarsitzung vom 30. Mai 1897.) Vorsitzender: Präsident Herr kaiserlicher Rath Klinger. Einlauf: Herr Dr. Leopold Kohn erklärt in einer Zuschrift, das Ehrenamt eines Obmannes der Schiedsgerichte anzunehmen. Die Herren Albert Hohenberg, Albert Wahringer und Eduard Politzer nehmen die Berufung zu Bethausvorstehern des XVI. Bezirkes dankend an. Der Bericht über die constituirende Sitzung des Bethausvorstandes in Fünfhaus und jener des Bethausvorstandes in Ottakring wird zur Kenntniß genommen. Das Dankschreiben des Vorstandes des Bethausvereines „Am Volkert" für die demselben pro 1897 gewährte Subvention wird zur Kenntniß genommen. An S p e n d e n sind eingelangt: Anonym für die Spitals-Aushilfscaffa.fl. 25.— Vom Vorstande der Chewra-Kadischa im XVI. und XVII. Bezirke für Arme dieser beiden Bezirke . „ 100.— Von Herrn Moritz Edlen von Kuffner zur Vertheilung an Anne des XVI. u. XVII. Bezirkes. . . „ 200.— Bon Herrn I. Feitler, I., Johannesgasse 16, anläßlich seines 25jährigen Geschästsjubiläums: fiir das Altersversorgungshaus.. 100.- sür die Armenanstalt.. 100.— für den Waisenverein.. 100.— für den Frauenverein.. . . . „ 50.— für die Chewra-Kadischa.. . „ 50.— Von Herrn Ernst Wolf (mit der Bestimmung, dieselben einer wohlthätigen Anstalt der Cultusgemeinde nach dem Ermessen des Präsidenten zuzuführen) . „ 100.— Von Herrn kaiserlichen Rath Wilhelm Pollak für die Armen des XII. bis XV. Bezirkes zu den letzten Osterfeiertagen ein größeres Quantum Wein im Werthe von. 335.28 Den Spendern wird der Dank votirt. Im Sinne einer testamentarischen Bestimmung der Frau Rosa Goldenthal wurden vom Abhandlungspfleger fl. 1300 zur Errichtung einer „Professor Rosa Goldenthal'schen Jahrzeit- Stiftung" erlegt. Herr Karl Hagenbeck hat spontan den israelitischen Waisenkindern und den Zöglingen des israelitischen Taubstummeninstitutes den freien Eintritt in seinen zoologischen Garten im Prater gestattet. (Zur Kenntniß.) Mit Rücksicht auf die bevorstehende Neuconstituirung des Bezirksschulrathes der Stadt Wien beschließt der Vorstand über die bezügliche Anfrage des k. k. Landesschulrathes, den dermaligen Vertreter für den mosaischen Religionsunterricht in der genannten Körperschaft, das Vorstandsmitglied Herrn k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny auch für die nächste sechsjährige Functionsperiode neuerdings in Vorschlag zu bringen. Im Sinne des Normales für die Verleihung der Ignaz Blumenfeld'schen Widmung für Künstler wird beschlossen, zum Eintritte in die Jury zur Prüfung der eingelaufenen Malerarbeiten die Herren Horowitz, Kaufmann und David Kohn, zur Prüfung der Bildhauerarbeiten die Herren Professor Zumbusch, Kundmann und Hellmer einzuladen. Ueber das Referat des Herrn Vertreter Hieldburghäusser werden drei Personen (darunter ein Ehepaar) in das Altersversorgungshaus der israelitischen Cultusgemeinde ausgenommen und gleichzeitig einer vierten Person die Aufnahme fiir den Fall des Freiwerdens eines Platzes zugesichert. Herr Dr. Gustav Kohn referirt über die Regelung der Kosche^leischfrage. Derselbe hebt die großen Schwierigkeiten in der bisherigen Regelung hervor und nicht minder die besonderen Verdienste, die sich das Vorstandsmitglied Herr Fleischer durch äußerst gründliche Vorarbeiten in dieser Angelegenheit erworben hat. Die Anträge gehen im Wesentlichen dahin, die Schächter und Maschgichim aus Gemeindemitteln zu bestellen, also einerseits die Fleischbänkeinhaber zu entlasten, andererseits die Angestellten von denselben unabhängig zu machen, die Zahl der bisherigen sogenannten Koscherfleischbänke zu reduciren und mit den einzelnen Fleischbänkeinhabern in den verschiedenen Bezirken im Wege des Bertragsverhältniffes solche Vereinbarungen zu treffen, welche die Gewähr bieten, daß das Koscherfleisch consumirende Publicum mit voller Gewiffensberuhigung den Bedarf in diesen Fleischbänken decken kann. Diese Anträge werden insgesammt einstimmig angenommen, und sohin ein Comitö, bestehend aus dem Referenten, sowie den Herren Dr. Berger, Fleischer, von Mises und Dr. Spitzer gewählt, welchem im Einvernehmen mit dem Vertretercollegium die Durchführung übertragen wird. Aus dem Legate des seligen Herrn Jacob Eißler für Wohlthätigkeitsanstalten der israelitischen Cultusgemeinde per fl. 1000 werden im Sinne der erblafferischen Bestimmungen, wonach jene Anstalten in erster Linie zu berücksichtigen wären, welche der Verstorbene bei Lebzeiten zu bedenken pflegte, zugewiesen: Dem israelitischen Blindeninstitute.fl. 200.— dem Frauenvereine im IX. Bezirke „Frauenhort" . „ 200.— dem Vereine zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultnsgemeinde.. 200.—

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