Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 23 Vr. Blortz's WochrMchrM Seite 471 Humanität hi 3oriso im klanhiw weavoschim wacker gekämpft und wattichol glänzend gesiegt." Nun fing ihm an die Sonne zu scheinen, wajisrach Jan üaschemesch, es kam eine bessere lichtvollere Zeit, nichtsdestoweniger empfand er noch lange die Schmerzen der Wunden, die ihm der Feind während des Kampfes beigebracht, und er hinkte an seiner Hüfte. Ebenso erging es Israel, den Söhnen Jakobs, wie schon unsere Weisen bemerken, hol ma scheira leowans simon lebonun, „daß in den wechselvollen Erlebnissen der Patriarchen die ihrer Nachkommen sich abspiegeln." Nach der Zerstörung Jerusalems mußten die Nachkommen der Patriarchen die theure Heimat verlassen und in die Fremde hinansziehen. Trotz ihrer edelsten Bestrebungen, das Heil und Wohl des Staates, in welchem sie Aufnahme gefunden, nach jeder Richtung hin zu fördern, wurden sie dennoch nur als Fremde, aus Erbarmen Geduldete, die jeden Augenblick verjagt zu werden befurchten mußten, betrachtet. Der sehnsuchtsvoll erwartete Tag der Freiheit wollte lange nicht erscheinen, die finstere Nacht des grausamen Mittelalters schien gar nicht enden zu wollen, sie wurde nur erhellt, wenn Scheiterhaufen angezündet und sogenannte Ketzer, angeblich „zur Ehre Gottes", verbrannt worden sind. In dieser trüben, düstern Zeit, in der die Feinde des Judenthums es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Stamm Inda zu entwurzeln, indem sie sich gegenseitig zugerufen: „Kommt, laßt uns fest zusammenhalteu, auf daß es-uns gelinge, dieses uns so sehr verhaßte Volk zu vernichten, damit der Name Israel auf dem ganzen großen Erdenrunde nicht mehr genannt werde" blieben die Söhne Jakobs standhaft, schmückten sich mit der Krone des Märtyrerthums, leisteten ihren, ihnen an Zahl, Macht und Größe weit überlegenen Feinden Widerstand und konnten daher nicht besiegt werden. Wenn auch viele von ihnen fahnenflüchtig geworden, die meisten jedoch blieben dem Gotte ihrer Väter treu und kämpften mit ihrem Herzblute für den Glauben an Adonai, der ihnen Kraft und Math verliehen, den gewaltigen gegen sie heranbrausenden Stürmen zu trotzen und die gefährlichen Pläne ihrer Widersacher zu vereiteln. Als nun endlich die Zeit eine andere geworden, die Morgenröthe der Freiheit und der Aufklärung zu dämmern begonnen und die Finsterlinge die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Menschen sich nicht mehr am Anblicke brennender Ketzer ergötzen, daß Auto dafe*, Jnquisitionstribnnate und Scheiterhaufen nicht mehr „zeitgemäß" seien, suchten sie Israel wenigstens zu verwunden, zu entstellen. Sie verbreiteten falsche Gerüchte, thörichte, lügenhafte, „b l u t r ü n st i g e" Märchen, um auf diese Weise die Söhne Jakobs zu allen Zeiten den Mißhandlungen des rohen habsüchtigen Pöbels preisgeben zu können. Auch in unserer krankhaften Zeit, in der leider der Antisemitismus Orgien feiert, fehlt es nicht an erleuchteteil, vom Geiste der Humanität und der wahren Religiosität durchdrungenen Christen, die den Antisemitismus entschieden verurtheilen und dem Judenthum die ihm gebührende Anerkennung zollen. Die „Breslauer Zeitung" brachte unterm 15. October 1870 folgenden Artikel: In der hiesigen Haupt- und Pfarrkirche zu St. Elisabeth hielt Herr Kircheninspector Prim. Dr. Späth die letzte Sonntags-Amtspredigt über das Evangelium Matthäus, Cap. 22, V. 34 über die vornehmsten Gebote: Du sollst Gott lieben, Deinen Herrn, und Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst." Hiebei nahm der Redner Gelegenheit, über die scandalöseu Agitationen gegen unsere jüdischen Mitbürger zu sprechen. Er äußerte sich ungefähr, wie folgt: „Leider feien die Menschen zu jeder Zeit geneigt gewesen, zu trennen, was Gott nach feiner heiligen Ordnung unzertrennlich verbunden habe. Io sei es auch mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es habe zu keiner Zeit, so lange dies Doppelgebor bestehe, an Leuten gefehlt, welche es wagten, sich der Liebe zu rühmen, während sie doch um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen sich wenig oder gar nicht kümmerten, wohl gar sich nicht scheuten, dieselben zu hassen und ihnen wehe zu thun, ja selbst sie zu verfolgen, als thäten sie Gott einen Dienst damit. Wie viel Schmach sei doch auf die christliche Kirche von ihren eigenen Bekennern durch solches Verhalten gewälzt worden! Man möge sich nur erinnern an jene Unmenschlichkeiten, welcher sich einst nach der Eroberung Mexikos die glaubensstolzen Spanier schuldig gemacht haben, natürlich zur Ehre Gottes und zum Besten seines Reiches oder . an jene Frevel, welche in den Zeiten des Mittelalters auch auf j deutschen Boden an den Juden verübt wurden. Noch in den letzten Jahren mußten wir erröthen über die Jndenhetzen an der untern Donau, und es scheine, daß ähnliche ärgerliche Auftritte auch im deutschen Volke, auch in nuferer Stadt im Anzüge seien. Gewisse Blätter werden nicht müde, in der gehässigsten und kränkendsten Weise unsere jüdischen Mitbürger der össentlichen Verachtung preiszugeben und durch Nährung der 'Abgunst mtd des Hasses darauf hiuzuwirkeu, daß denselben die bürgerliche Gleichberechtigung wieder entrissen werde. Die bübische Zerstörung, welche in den letzten Tagen in der Nähe der Synagoge verübt wurde, zeige hinlänglich, welche Früchte durch solche Agitationen gezeitigt worden. Ob etwa Jemand glauben könne, daß ein derartiges Treiben sich mit dem Geist und Wort und Vorbild Jesus Christus vereinbaren lasse? So lange solche Tinge unter uns geschehen, sei unser Ruhm nicht sein. Es gelte, sich mit Ernst dagegen zu erheben." Der berühmte Naturforscher Schleiden schrieb: „Die Juden sind und bleiben das merkwürdigste Volk, und wenn man sich auf die Symbolik einer Vorsehung einlassen will, darf man sie wohl das anserwählte Volk Gottes neunen. Schon daß sie sich fast zwei tausend Jahre laug, trotz der schwersten und I blutigsten Verfolgungen, die sie von Heiden, Persern. Muhamedanern uild Christen zu erdulden hatten, als ein Volk und bis zum heutigen Tage ihrem ursprünglichen geistigen Charaktertreu, nicht nur erhalten haben, sondern sich auch fort und fort ansbreiten und in günstigerem Verhältnis als irgend ein anderes Volk vermehren, und zwar unter jedem Klima, läßt sie als eine der interessantesten Aufgaben für eine ernste und sinnige Betrachtung der Geschichte erscheinen. Sie sind das älteste Volk, das als Träger des reinen Monotheismus dasteht und eben wegen der Reinheit des Gottesglaubens das Sittengesctz und seine Bethätigung im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hingestellt und festgehalten hat. Ganz Europa hat sein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Rohheit, des geistigen und sittlichen Versalls, wie er trauriger nicht gedacht werden kann, nur die Juden machen davon eine Ausnahme. Trotz Zerstörung und Bedrückung, die ihnen oft die einfachsten Menschenrechte, ja selbst die Berechtigung zum Leben raubte, haben sie sich bis zum Ende des Mittelalters ununterbrochen in ihrem geistigen Leben fvrtentwickelt und den übrigen Völkern die Grundlagen der Sittlich'eit und des geistigen Lebens bewahrt i und überliefert. Wie geistig edel angelegte Naturen strauchelten i sie wohl zuweilen, wenn glückliche Augenblicke ihnen das Leben | zu leicht machte, aber jede Widerwärtigkeit, jedes Elend, das j ihnen nur eine halbwegs menschliche Existenz ließ, hat nur den Erfolg gehabt, sie zu veredeln, sie zu höherer geistiger und silt-! licher Anstrengung zu beleben." Der christliche Prediger der l freireligiösen Gemeinde in Mannheim hielt vor ungefähr einem! Decenninm in Heidelberg einen Vortrag über die Mission des Judenthums in der Weltgeschichte, in welchem er unter Anderem sagte: „Man mache den Juden den Vorwurf, daß sie Landban und Handarbeiten scheuen, mit Vorliebe dem Handel obliegen, durch Ipeculatioueu sich bereichern, nur nach Gelderwerb trachten und durch Wucher das Volk in betrügerischer Weise ausbeuten, i daß sie ihren Reichthnm dann in unkluger Schaustellung der ' selben und in übertriebenem Luxus, was nam ntlich von der I jüdischen Frauenwelt gesagt werden müsse, verwenden und so Neid und Mißgunst Andersgläubiger erregen, daß sie ferner durch Vorwitz, Vordringlichkeit und Anmaßung im öffentlichen Leben sich bemerklich machen und endlich, daß sie in der öffentlichen Presse durch Käuflichkeit und Charakterlosigkeit den Volkscharakter in nachtheiliger Weise beeinflussen und so die öffentliche Sittlichkeit gefährden. Wenn nun, wie nicht zu leugnen sei, Juden sich dieser Schwächen und Vergehen schuldig machen, so seien es doch immer nur einzelne Juden, so seien es doch nicht die ' Inden in ihrer Gesammtheit. Es sei doch nicht das Jude n- ' t h u m, welches dafür verantwortlich zu machen sei. Die Hand j auf's Herz gelegt und bei sich selbst Umschau gehalten, müsse ' man vielmehr gestehen, daß auch Christen, viele Christen, ganz ' in derselben Weise sündigen. Wucher werde auch von Christen, j und nicht nur erst in der Jetztzeit, in der herzlosesten Weise getrieben, sondern sei im Mittelalter von.aus auf das Schamloseste getrieben worden, so daß Ullrich van Hutten sich veranlaßt sah, dieses Treiben in einem eigens diesen Gegenstand behandelnden Buche, welches den sehr bezeichnenden Titel „Die Räuber" führte, zu brandmarken. Und sei denn das nicht auch Wucher, abscheulicher Wucher gewesen, wenn man bis in s vorige Jahrhundert den Juden jeden Grundbesitz, jede Kunst, außerdem Handel, dem Geldgeschäfte und der Arzneikunde verwehrt, und sie, wenn sie auf diese Weise sich bereichert hatten und zu