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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 470 Vr. VUntz's MochLnMrM Nr. 23 habe. Das ist ein unlauteres und auch vom Standpunkte unserer Religion verdammenswerthes Manöver, eine nackte Fälschung, denn es schlägt der Wahrheit ins Gesicht und durch dasselbe wird nicht nur der gute Ruf der betroffenen Firma, sondern auch die Ehre und das Ansehen so ausgezeichneter und um das Judenthum verdienter Männer, wie es der Erlauer Oberrabbiner Simon Schreiber ist, in unverantwortlicher und leichtfertiger Weise untergraben. Glaubt man wirklich, daß fromme in Amt und Wurde befindliche Rabbiner fähig sind, ihre Hand zu solchem Betrüge zu leihen und die rituelle Reinheit des Franck-Kaffee mit ihrer Unterschrift zu bezeugen, wenn derselbe wirklich Schweinefett enthielte oder sonst „trefe" wäre? Die nachtheiligen Folgen dieser bedauerlichen Agitation zeigen sich ja auch schon in den von unserem Gewährsmanne gemeldeten Zwistigkeiten und geschäftlichen Schädigungen unserer galizischeu Glaubensbrüder. Ist es nicht genug der Schmähungen und Verunglimpfungen, welche von antisemitischer Seite gegen die Führer und Berather des Judenthums gerichtet werden, sollen dieselben in ihrer Ehre und in ihrer Vertrauenswürdigkeit auch noch von den eigenen Glaubensgenossen herabgesetzt werden? Maßgebende Autoritäten des orthodoxen Judenthums wissen es lange, daß alle über die Herstellung des „Franck- Kaffee" ausgestreuten Gerüchte und Behauptungen unwahr sind, daß zu demselben kein Schweinefett verwendet wird und daß der frömmste Jude denselben ruhig genießen kann. Wir möchten aber die Sache nicht so kurzer Hand äbthuu. Den Inhabern jener jüdischen Firmen, welche die Agitation gegen ihre christlichen Concurrenten betreiben, ist gewiß der Fall Münzer bekannt, welcher beweist, zu welchen Verirrungen, ja Versündigungen die geschäftliche Spekulation auf die antisemitische Bewegung führen kann. Wir setzen in die persönliche Ehrenhaftigkeit und das jüdische Gefühl dieser Herren so viel Vertrauen, um anzunehmen, daß sie nicht nach dem mehr als bedenklichen Ruhm der Brüder Münzer geizen. Wir richten an die jüdischen Kaffee-Surrogat-Fabrikanten in Galizien und auch in Ungarn hiemit öffentlich die dringende Bitte, auf die Ehre des gesammten Judenthums Bedacht zu nehmen und sich damit selbst als gute, gottesfürchtige Juden zu erweisen. Man ist heute nur zu leicht geneigt, die Thaten oder Unterlaffungeu der Einzelnen unserer ganzen Glaubensgemeinschaft aufs Kerbholz zu schreiben. Wir bitten dieselben weiters, nicht den Vorwurf auf uns zu laden, daß wir uns kein Gewissen daraus machen, durch Anwendung unzulässiger, vom Standpunkte der bürgerlichen wie der kaufmännischen. Moral bedenklicher Mittel die Existenz und den guten Ruf anständiger christlicher Firmen zu untergraben. Wie würden unsere Glaubensgenossen über antisemitische Niedertracht schreien, wenn eine christliche Concurrenz-Firma gegen sie und ihre Fabrikate in ähnlicher Weise vorginge? Wir sind überzeugt, daß unser Appell an das jüdische Gewissen dieser unserer Glaubensgenossen kein vergeblicher sein wird. Es gibt ja andere Mittel genug, um eine wirksame Concurrenz zu betreiben, zumal ja die Güte ihrer eigenen Fabrikate von Niemandem in Zweifel gezogen wurde. Und schließlich müßte ja die Unwahrhaftigkeit solcher Behauptungen ihnen selbst zum Schaden gereichen, denn gegen die anerkannten Autoritäten, welche die Reinheit des Franck-Kaffees bezeugen, werden sie zuletzt doch nicht ankämpfen. Nichts kann in diesen Tagen schwerer Bedrängniß dem Judenthum gefährlicher werden, als ein Chillul haschem, Unfrieden und Unmoral im eigenen Lager, Untergrabung unserer eigenen Autoritäten. Das geben wir allseitig dringend zu bedenken und hoffen, daß unsere Mahnung auf fruchtbaren Boden fallen wird. Christliche Stimmen über den Indenhast. Von Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r. Ein Blick in die Geschichte genügt, um uns zu überzeugen, daß der Judenhaß, der nichts anderes als die natürliche Folge des Neides, gar oft des unbegründeten Neides ist, so alt als das Judenthum sei. Schon die Patriarchen hatten Ursache, über Neid und Haß zu klagen. So erzählt uns die heilige Schrift vom Patriarchen Jsak, daß er, als er in Gerar wohnte und sich des blühendsten Wohlstandes erfreute, so sehr von den Philistern beneidet und gehaßt wurde, daß der König Awimelech sich genöthigt sah, ihm zuzurufen: „Ziehe hinweg von uns, verlaß unsere Stadt, denn Du bist uns schon zu groß, zu mächtig. Wir können es nicht mit ansehen, wenn Hebräer bei uns zu Reichthümern gelangen. Bescheiden zog sich Jsak zurück, und Gott war mit ihm. Als jedoch später die Philister die Ueberzeugung gewannen, daß ihre materiellen Verhältnisse durch Jsak's Entfernung sich nicht nur nicht im Entferntesten gebessert, sondern sich vielmehr verschlimmert haben, fühlte der König Awimelech lebhaft das Bedürfniß, mit dem gottbegnadeten Patriarchen Jsak ein Schutz- und Trutzbündniß zu schließen. Er verfügte sich in höchsteigener Person, in Begleitung seines Gefolges, zum Patriarchen Jsak, um ihn gleichsam durch eine solch hohe Auszeichnung captiviren und für seine Interessen gewinnen zu können. Jsak jedoch, der Selbstbewußtsein und Charakterfestigkeit genug besaß, als daß er sich durch das Erscheinen Awimelech's hätte einschüchtern und täuschen lassen, rief seinen hohen Gästen erstaunt zu: „Warum seid Ihr zu mir gekommen, Ihr seid doch ausgesprochene Feinde der Hebräer und habet Euch doch von Euerem Hebräerhasse bestimmen lassen, mich ansznweisen, weil es mir mit der göttlichen Hilfe gelungen ist, bei Euch Reichthümer zu erwerben." „Wir haben", entgegnete kleinlaut Awimelech, „nunmehr die Ueberzeugung gewonnen, daß Du nicht, wie die Philister behaupten zu müssen glaubten, auf Kosten Anderer, sondern auf ehrliche und redlicke Weise Dir Deine Reichthümer in Gerar erworben, daß Du Dich des göttlichen Beistandes und der göttlichen Fürsorge erfreuest, daß Du ein gottgesegneter Mann bist atto atta beruch Adonai, daher sind wir gekommen, um einerseits Dir unsere Hochachtung und Anerkennung zu zollen und andererseits mit Dir ein Freundschaftsbündniß zu schließen, daß wir uns nie gegenseitig bekriegen und bekämpfen werden", welchem Wunsche der edle großmüthige Patriarch bereitwilligst entsprochen hatte. Ein ähnliches Geschick hatte der Patriarch Jakob. Infolge eines Bruderzwistes sah er sich genöthigt, die theuere Heimat zu verlassen. Esan, der den Jakob grimmig haßte, weil dieser ebenfalls vom Vater gesegnet wurde, al habrocho ascher berachan awiw, faßte den Vorsatz, seinen Bruder, sobald der Vater sterben wird, umzubringen. Dem Jakob blieb nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Mit Wehmuth und Schmerz verließ er das geliebte theure Elternhaus und zog in die kalte, frostige Fremde hinaus. Was mußte er dort nicht Alles ertragen und erdulden? „Am Tage verzehrte mich die Svnnengluth und in der Nacht der Frost, und der Schlaf wich von meinen Augen", klagte er bitter. Und als er sich später nach der Heimat, nach Ruhe, Freiheit und Selbstständigkeit sehnte, überfiel ihn in seiner Einsamkeit die Nacht. Es herrschte überall noch dichte Finsterniß, die Geister waren wahnumnachtet. Und diese finstere Nacht des Aberglaubens und des Fanatismus benutzte sein größter Feind, Sar sehe] Esow, um ihn zu vernichten. Dieser erbitterte und unversöhnliche Gegner kämpfte und rang mit ihm die ganze Nacht, um ihn, den Glaubensstarken, geistig ruiniren zu können. Jakob wehrte sich wacker und konnte daher von seinem Feinde nicht besiegt werden. Als jedoch die Morgenröthe alaus hoschacher der Aufklärung und der Freiheit zu dämmern anfing und der Feind die Ueberzeugung gewann, daß er ihm nicht beikommen könne, verletzte er ihn körperlich, damit er wenigstens entstellt sei, und sprach dann: „Entlasse mich, denn es ist hell geworden, hi olo hoschacher, die Zeit ist eine andere, eine freiere geworden, daher ich den Kampf nicht weiter fortsetzen kann. Jakob aber entgegnete ihm: Ich entlasse Dich nicht eher, bis Du eingestehst, daß Du trotz der Riesenkraft, die Du entwickelt, trotz allen Mitteln, die Du angewendet' hast, mich doch nicht besiegen konntest." „Nicht Jakob, sondern Israel, Gotteskämpfer, sollst Du genannt werden", rief der Feind ihm zu, denn Du hast geistig und körperlich, für die erhabene Gottesidee, wie für die

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