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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 468 Vr. Vlortz's Wochrnfchrifi Nr. 33 Diese aus reiner Menschenliebe vollbrachten Thaten unseres Glaubensgenossen schildere ich Ihnen mit der Bitte, diese zu veröffentlichen, um einestheils die uns von unseren Gegnern stets vorgeworfene Feigheit ad absurdum zu führen, andererseits würden sich vielleicht edle Menschen finden, die diesem Bedauernswerthen zur Wiedererlangung seiner Gesundheit verhelfen, um ihm nachträglich eine Existenz gründen zu können. Indem ich Ihnen für Ihre Güte und für die Aufnahme dieser Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte im Vorhinein bestens danke, zeichne ich mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Berthold Manuel. Ein Ideal. Die lebhafte Discussion, welche über das Herzliche Buch „Der Judenstaat" in diesen Blättern schon eine geraume Zeit andauert und mit Recht erst jüngstens durch eine sehr hervorragende, längst vermißte, geistliche Stimme fortgesponnen wurde, drückt auch mir die Feder in die Hand, um dieser, jeden Juden tief berührenden Frage etwas näher zu treten. Herzl's Idee der Gründung eines Judenstaates ist nicht lteu, denn schon vor 30 Jahren, ich besuchte damals die Schule, hörte ich darüber sprechen und wäre in der Lage, den Mann zu nennen, der diese Idee ventilirte; neu ist nur der ganze Plan zur Verwirklichung des Judenstaates, gewiß ein sehr großes Verdienst, welches dem Autor keineswegs geschmälert werden soll. Herzl ist Poet, und als solcher mit einer gottbegnadeten Phantasie ausgestattet, welche uns in seinen zahlreichen Arbeiten erfrischt und erquickt, aber für Probleme, wie den Zionismus, nicht ausreicht. Haben wir es denn im Herzlichen Buche mit Zionismus zu thun? Wie man große Colonien gründet, hat der uns Allen unvergeßliche, leider zu früh dahingegangene Baron Hirsch gezeigt. Weise und zielbewußt sind diese Colonien geschaffen worden, ohne Lärm und insbesondere ohne Schaden für die zurückgebliebenen Glaubensbrüder. Einfach, wie Herzl meint, nach Palästina pllgern und dort das zu leisten, was man im Mutterlande geleistet hat, ist kein Zionismus, ist nicht das, was der G l ä ub i g e anstrebt. Unter Zionismus verstehe ich jene Bewegung, welche danach strebt, die geistige und materielle Wiedergeburt des jüdischen Reiches von Ehedem zu erreichen, d. h. den Tempel wieder aufzurichten, Priester und Leviten einzusetzen, die heilige Sprache einzuführen. Wie denkt sich das Herzl? Diese Frage wirb von ihm einfach gar nicht berührt und doch bildet sie sozusagen den Kernpunkt des Ganzen. Herzl will eine Colonie im modernsten Sinne des Wortes, ein Sprachenconglomerat, etwas streng Internationales; dagegen ließe sich nichts einwenden, wenn auch der jüdische Charakter zur Geltung käme, davon wird aber nichts gesagt. Ist das das Ideal, welches in dem Spruche „Uebers Jahr in Jerusalem" liegt? Weit höher als das materielle Interesse steht das religiöse! Da die religiöse Idee fehlt, werden auch nicht jene Massen, auf die Herzl zählt, auswandern. Was hat die Kreuzzüge zu solcher Bedeutung erhoben? Die religiöse Idee. Und diese Idee fehlt dem Herzlichen Vorschläge. Um den Zionismus wahr zu machen, müßten alle jene Institutionen, wie sie einsteus bestanden, wiederhergestellt werden. Wer ist das auszuführen im Stande? Der Messias müßte erscheinen und eine messianische, vom Propheten genau präcisirte Zeit müßte kommen. Wer kann sagen, daß diese Zeit angebrochen? Wo ist der Messias? Gerade jene Schichten, auf welche Herzl am meisten rechnet, nämlich die breiten Volksschichten, die Armen, "die auswandern sollen, weil sie nichts zu verlieren haben, gerade diese würden überall eher hingehen, als nach Palästina, weil sie nur ein Messias dahinbringen könnte, bei diesen wurzelt die Messiasidee am Tiefsten. Gufach in Palästina eine Colonie schaffen, mit modernen Mitteln und auf moderner Basis kann nie den Erfolg haben, den sich der Autor vorstellt, selbst dann nicht, wenn die Mittel zum Ländererwerb vorhanden und die sonstigen, noch zu bewältigenden Hindernisse beseitigt wären; es müßte rein ein jüdischer Kceuzzug, so paradox das auch klingen mag, entbrennen und allenorts gepredigt werden. Wie lächerlich das ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Max Nordau sagt in einem in der „Neuen Fr. Presse" erschienenen Feuilleton, daß sich unser Name nur deshalb erhält, weil er ein Ideal besitzt, und dieses Ideal ist die M e s s i a s i d e e. Alle Leiden, die unser Stamm durch die vielen Jahrhunderte erfahren und leider Gottes noch erfährt, er erträgt es, überdauert es, gleich einer wetterfesten Eiche, der Regen und Sturm nichts anhaben kann, weil die Messiasidee fest in ihm wurzelt. Herzl meint ferner, der Antisemitismus würde durch Gründung des Judenstaates verschwinden. Ich glaube nicht. Die Zurückgebliebenen würden ihn schon verkosten. Wann hat es denn keinen Antisemitismus gegeben? Nur die Form hat sich mit der Zeit verändert: er ist eine Art socialistischer Krankheit, etwa wieder Communismus und Anarchismus. Was also Herzl will, ließe sich ebensogut in einem anderen Punkte unseres Planeten ausführen und hätte viel mehr Erfolg als in Palästina. Bauen wir einfach im Sinne de?- edlen und unvergeßlichen Baron Hirsch weiter; er hat den Weg gezeigt, wie jenen geholfen werden kann, welche von der Heimat verfolgt und ausgestoßen wurden. Welcher Staat würde es sich übrigens gefallen lassen, einen Theil seiner Unterthanen ziehen zu lassen, wenn kein Grund zu deren Auswanderung vorhanden wäre? Jeder Staat würde sich nur selbst schädigen, die Wehr- und Steuerkrast bedeutend schwächen, nur um einer Clique genehm zu sein. Man vergesse nicht, wie bereits staatliche Maßnahmen getroffen wurden, um die Auswanderung der bäuerlichen Bevölkerung in gewissen Theilen von Europa einzudämmen, und da handelt es sich doch nur um ein Häuflein im Vergleiche mit jener Auswanderung, wie sie Herzl sich denkt. Sofort würden Gesetze geschaffen werden, um so etwas zu vereiteln, und dann wäre die ganze Sache abgethan. Nicht zu sprechen von der ungeheuren Preisumwälzung, welche eintreten müßte, wollte man selbst bei successiver Liquidirung sein bischen Hab und Gut veräußern. Bleiben wir unserem Ideale treu, kehren wir lieber zu den alten erprobten Gesetzen zurück und bewahren wir die Messiasidee, dann ist unser Zionismus echt. Wien, 31. Mai 1897. 8. W. Der Bischof von Heiligenkreuz. War das ein Aufsehen, als vor ein paar Jahren die Kunde durch die Welt flog, eines der ältesten und reichsten Erzbisthümer der Welt, das von Olmütz, sei einem veritablen „Kohn" zugefallen! So was wäre wirklich noch nicht dagewesen, meinte man allenthalben, und die überraschte Welt meinte ohneweiters: dem guten, alten Ben Akiba sei diesmal ein Schnippchen geschlagen worden, von dem er sich nicht sobald erholen würde! Und doch hat Uriel Acosta's weiser Mahner vollkommen Recht. S. H. Sonnenschein erzählt nämlich in der Deborah: Ich habe ihn persönlich gekannt (nicht den Ben Akiba, dazu bin ich nicht alt genug), aber den Mann, welcher von unmittelbarer jüdischer Herkunft gewesen und der, was die Hauptsache, mit unverhüllten jüdischen Sympathien, vom Jahre 1851 bis zum Jahre 1874 auf dem Bischofsitz von „Heiligenkreuz" der uralten oberungarischen Sohler Diöcese thronte. Und „Moyses" hieß er, ein Name, der heute noch zu den verbreitetsten und geachtetsten unter den jüdischen Familien in Croatien zählt. Bischof Moyses war ein Mann, zum Kirchenfürsten wie geschaffen. Eine Cavaliergestalt von. Kraft und Adel, eine imposante geistige Persönlichkeit, voll gewinnender Suada und vielseitiger Gelehrsamkeit. Zur Zeit des Ausbruches der ungarischen Revolution war der dreißigjährige Priester bereits der populärste Professor am erzbischöflichen Seminar zu Agram, und als Ban Jelacic die dynastische Fahne gegen die entfesselte Freiheitsströmung der edlen Magyaren ins Feld führte, schloß sich der für die croatischen Sonderinteressen begeisterte Moyses als redegewaltiger Volksführer den Gränzer-Schaaren an. Die siegreiche Dynastie vergaß ihren Getreuen nicht, und nach völligen Niederbruch der Revolution empfing Moyses als Lohn für seine Loyalität das slovakische Sohler Bisthum. In den Comitaten Bars und Sohl, welche den Haupttheil und die reichsten Pfründen seiner Diöcese bildeten, durften vormärzlich Juden nicht wohnen. Der Revolutionssturm aber hatte diese Ausnahmszustände hinweggefegt. Und Bischof Moyses war ein Freund, ein treuer, ein unentwegt treuer Freund der Juden. Er machte seinen ganzen Einfluß geltend, um die jüdische Freizügigkeit zu fördern, die erbgesessenen Borurtheile zu bannen oder wenigstens zu dämmen, besonders aber dem unduldsamen Fanatismus des niederen Clerus mit aller Macht entgegenzuarbeiten.

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