Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33 Vr. Vloch's Wochrnptzrifr. Sette 467 protestirten, soll man die Socialisten anklageu, daß nur ein Theil von ihnen den Muth besaß, für die in ihren Bürgerrechten gekränkten Juden einzutreten, wenn es jüdische Abgeordnete gibt, Badeni-Ennuchen, die ihrem hohen Serailsherrn zuliebe sich zu Ausnahmsjuden degradiren, ihre Stammes- und Glaubensgenossen verrathen, und wo war der Herr Abgeordnete Roschmann, der Erkorene der jüdischen Borsteher von Sereth, Radautz und Suczawa? In seiner Candidatenrede zu Sereth hat er sich als Socialpolitiker bekannt und versichert, daß er die Grundsätze vertheidigen werde, nach welchen es keinen Unterschied geben darf zwischen den Menschen in confessioneller und nationaler Beziehung und in seinem Schreiben an einen orthodoxen Rabbiner bezeichnete er es als „s e l b st v erst ä n d l i ch", „daß kein B o l k s st a m m und keine Co nfes sion zu kurz kommen darf". — Warum hat er die Interpellation seiner Collegen aus der Bukowina nicht gezeichnet? Der Tag der -Abrechnung wird kommen. Die Herrlichkeit der Hausjuden des Polenclubs dürfte ein rasches Ende nehmen, und die von Inden gewählten jüdischen Abgeordneten, nach Art des Herrn Byk werden Gelegenheit bekommen, den Lohn für ihre „Selbstentäußerung" oder sagen wir Selbstentmannung einzuheimsen. Die Trinkgeld erfrage. In keiner Stadt der Welt ist das Trinkgelderwesen, respective Trinkgelder-Unwesen so ausgebildet, als hier in Wien; wohin der Fuß tritt, der Schritt sich wendet, begegnen wir Leuten, die jederzeit die Hand offen haben und sich für die geringste Gegenleistung — Trinkgeld verabfolgen lassen. Ganz abgesehen von der unrichtig gewählten Bezeichnung ist dieses Moment wahrlich nicht geeignet, namentlich in unserer Zeit, hauptsächlich jedoch in unserer Stadt von den Juden gehandhabt zu werden, denn es ist ja hinlänglich bekannt, daß alle unsere öffentlichen Anstalten nach jeder Richtung hin die Antisemiten zu ihren treuesten Angestellten zählen, demnach das Judentrinkgeld gerne angenommen, aber andererseits gegen uns mit allen Mitteln vorgegangen wird. In dieser Beziehung leisten'speciell unsere Verkehrsunternehmungen ein Hanptcontingent und wurde es erst jetzt abermals bewiesen, wie die Bediensteten, die Condncteure und Kutscher, denken. In der Volkshalle des Rathhauses tagten die Bediensteten der Tramway-- und beider Omnibus-Gesellschaften, und was hörten wir da? Die schönsten Reden des heiligen Karl, die Floskeln Geßmann's, Steiner's, des ber—ühmten Mittermayer und ihrer Consorten! Der Tenor dieser Heldenthaten ist zu bekannt, als daß hier eine Recapitulation am Platze wäre, aber die Thatsache allein, daß nur die Koryphäell und Zierden der Radaupartei in dieser Versammlung das große Wort führten, spricht eine sehr beredte Sprache, die uns Juden besonders in den Ohren gellen sollte; denn wer ist denn so freigebig mit Trinkgeldern, als unsere Glaubensgenossen? Betrachten wir nur einen jüdischen Fahrgast, wie selten finden wir. daß er nicht mindestens 20 Percent des bezahlten Fahrpreises dem antisemitischen Tramway- oder Omnibusconducteur als Trinkgeld gibt, während der Antisemit sichs nicht gestattet, seinem gleichgesinnten Bruder auch nur 5 P e r c e n t zu lassen! Ist denn das Vorgehen dieser Bediensteten nicht geradezu ein Menetekel für uns, wie wir uns in Zukunft zu verhalten haben? Weg mit dem Trinkgeld, halten wir unsere Kreuzer, die sich mit der Zeit zu einem ziemlich großen Betrag gestalten, für unsere Vereinszwecke, denen wir damit viel mehr bieten, und die dieser Gabe sich würdig erweisen! Sparen wir bei jeder Fahrt die dem judenfeindlichen Conducteur bestimmten Trinkgelderkreuzer und weisen diese den jüdischen Armen zu, das ist eine gottgefällige, menschenfreundliche That, und andererseits sollen und müssen es die Verehrer Lueger's und Consorten auch spüren, die den ihnen so ergebenen Bediensteten ihre Taschen öffnen sollen. Darum nochmals: Kein Trinkgeld an Kutscher und Condncteure unserer Berkehrsinstitute! E. I. Biblische Lehren. Im Parlamente wurde der christlichsociale Abgeordnete Mittermayer in einer der letzten Sitzungen von dem deutschnationalen Abgeordneten I r o an das alttestamentarische Gebot: „Du sollst nicht stehlen!" erinnert. Ms ob die Zierde der christlich-socialen Partei dieses Gebot nicht kennen würde! Der Abgeordnete Wolf, der neben B e r g a n i — eine andere Zierde der christlich-socialen Partei — stand, fügte hinzu: „Auch Gemeinde-Obligationeu nicht!" Als ob Bergani das nicht ebenso genau wüßte. Man muß wirklich staunend fragen, warum gerade diese beiden christlich-socialen Abgeordneten von unverfälscht antisemitischer Seite mit solchen Reminiscenzen an die Bibel erfreut werden. Oder sollte das einen bestimmten Grund haben? Wie Dr. Max Anton Löw feine Eltern ehrt. Kremsier, 31. Mai. Wie alljährlich, wurden auch heute, am Sterbetage Wilhelm L ö w's, zwei arme Mittelschüler, die die Talmud-Thora-Schule besuchen, im Sinne des Stifters mit dem von diesem errichteten Stipendium betheilt. Wilhelm Löw war der Vater des derzeitigen clerical-antisemitischen Wiener Agitators Dr. Max Anton Löw, der wiederholt in öffentlichen Versammlungen über den Glauben seiner Väter in der unfläthigsten Weise losgezogen ist. Testamentarisch wurde Dr. Max Löw, der einzige Sohn des Erblassers, mit der Verwaltung der Stiftung betraut. Er hat nach dem Tode seines Vaters diese Pflicht eine Zeit lang aus persönlicher Freundschaft Herrn Jsak Werner überlassen, nach dessen Hinscheiden aber die Verwaltung der Stiftung selbst in Anspruch genommen. Er that dies in einem vom 15. September 1883 datirten Schreiben, in dem es wörtlich heißt: „Ich halte es nun für meine Pflicht, mich selbst mit der Sache zu befassen, weil es der Wille meines Vaters war, und außerdem gewährt es mir Freude, da ich ja dadurch noch das Glück genieße, mit meiner Vaterstadt und deren Bewohnern immer in Verkehr zu bleiben. Möge die löbliche Cultusgemeinde von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß ich, wenn auch in der Ferne weilend, erfteut sein werde, fördern zw können das Wohl unserer gemeinsamen, so schönen Vaterstadt." Zum Schlüsse spricht Dr. Löw dem Cultusvorstande seine „ausgezeichnete Verehrung" aus. — Das aber war vor 15 Jahren. Seither hat Dr. Löw nicht blos seinen Glauben geändert, sondern ist auch ein fanatischer Parteigänger Schneid er's und der Bertheidiger aller gegen die Juden verübten Niederträchtigkeiten eines Pfarrers Deckert geworden. Er hat jetzt selbstverständlich keine Zeit mehr, sich um den letzten Witten seines braven Vaters zu bekümmern. Im Gegentheil, er hat sich erst vor wenigen Jahren in einer öffentlichen Versammlung gerühmt, daß e r s e i n e Ellern verleugnet habe, um der heiligen katholischen Kirche dienen zu können. Ein kleiner Dialog. Ein Mitglied der Schönerergruppe und ein Führer der Christlich-Socialen führten in den letzten Tagen in den Couloirs des Parlamentes ein recht neckisches Gespräch. Der Letztere machte eine spöttische Bemerkung über die kleine Mitgliederzahl der Schönerergruppe. Die Antwort, die ihm hieraus zutheil wurde, lautete: „Geb't nur Acht, daß Eure Partei nicht noch viel kleiner wird — es stiehlt sich ja jeden Augenblick ein anderes Mitglied aus Eurem Kreis e." „Jüdische Feigheit." (Wien.) Löbliche Redaction der „Oesterreichi-schen Wochenschrift"! Gestatten Sie mir, daß ich mir erlaube, Ihnen die nichts weniger als feigen Thaten unseres Glaubensgenossen Herrn Michael Hauser, der für die zweimalige Rettung von Menschenleben von Seiner Majestät dem Kaiser mit dem silbernen Berdienstkreuz ausgezeichnet wurde, in kurzen Worten schildere: Im Jahre 1884 sprang ein junger Mann Namens Alexander Doleschitzki von der Ferdinandsbrücke in die Donau; unser Glaubensgenosse, Herr Michael Hauser, der zufälligerweise die Brücke passirte, sprang ohne jede Ueberlegung von derselben dem Ertrinkenden nach und rettete mit eigener Lebensgefahr den sich verzweifelt Wehrenden. Am 24. December 1890, die Donau war halb zugefroreu, ging Hauser über die Brigittabrücke; in demselben Augenblicke schwang sich ein Student Namens Julius Grebner über das Geländer, um in den eisigen Fluthen der Donau wegen schlechter Fortgangsnoten sein Leben zu beenden; kaum sah Hauser den Ertrinkenden im Wasser, so war er auch sofort mit einem Sprung über dem Geländer und zog den halb Erfrorenen und halb Ertrunkenen an's Land, der dann bei den Barmherzigen wieder zum Leben und zur Gesundheit zurückgeführt wurde. Dieser letzte Fall kostete dem zweifachen Lebensretter seine Gesundheit, da er sich bei dieser Lebensrettung die Füße erkältete und Mangels an Mitteln nicht in der Lage ist, seine Gesundheit in einem Curorte wiederherzustelleu; auch versagen ihm die Füße sehr oft den Dienst, so daß er nicht im Stande ist, eine Viertelstunde darauf zu stehen ....