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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 466 Br. Vloch's Wochrnschrlst. Nr. 33 hast Du Dich selbst erkannt. Wer aus erbärmlicher, kindischer Eitelkeit selbst ins Hepp. Hepp! mit einstimmt, der verdient es sicherlich. Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, ihre Ueberzeugungstreue, ihren Glauben an die Vorfahren, ihre Fähigkeit zum Martyrium, aber auch ihr dem Studium allein geweihtes Leben, ihre Liebe zu ihrem viel tausendjährigen Schriftthum, ihr Setbstbewußtsein, ihren Stolz auf das Judenthum als Urquell der Religionen, ihre offene Hand für die Armen und ihr offenes Herz für alles Gute, das Alles gilt es, alle Tage zu erneuern, um es zu besitzen. Nur so können Männer aus unserer Mitte entstehen, deren Thun und Lassen den Antisemitismus widerlegt, wie das hohle Treiben der jüdischen Antisemiten seine gehässigsten Behauptungen zu rechtfertigen scheint. Wehe dem Besiegten, dem innerlich Ueberwundenen! An äußeren Druck sind wir gewöhnt und wissen ihn zu überstehen; erst wenn der innere Halt verloren ginge, daun wäre Zion verloren und mit ihm die Erlösung der Menschheit von Pfaffentrug und Waffendruck. Da sei Gott vor! Also schlagen wir es unseren Kindern in die Zähne, wie der jüdische Antisemit von dem christlichen Schriftsteller verachtet wird. Vom Jahrmarkt des Lebens. Fräulein Wertheim, die „Antisemitin". In ber ungarischen Hauptstadt hat es einen Theaterscandal gegeben. Es wurde ein wenig gejohlt und ein wenig gepfiffen, wie dies allüberall vorzukommen pflegt, wo nicht alle Interessen im Heurigen ersäuft werden und das Backhendel nicht das „Ding an sich" bedeutet. Es ist hier nicht am Platze, darüber zu urtheilen, ob die Demonstration, die im Budapester Lustspiel-Theater gegen einige Wiener Burgschauspieler inscenirt wurde, einen Beweis für besonderen Geschmack bedeutet. Auch darüber brauchen wir uns nicht den Kopf zu zerbrechen, ob ein oder der andere abgetakelte Heldenvater, eine oder die andere penfionirte Schauspielerin thatsachlich eine würdige Vertretung der ersten deutschen Bühne in einem sremdsprachigen Lande bedeutet. Was uns an dieser Stelle obliegt, das ist die energische Zurückweisung des frechen Versuches, aus jenem Theaterrummel Capital für die Judenhetze zu schlagen. Man hielte derlei nicht für möglich und es läge Derartiges auch thatsachlich außerhalb dem Bereich der Möglichkeit, wenn Wien sich nicht des traurigen Vorzuges erfreute, den Gemeindeobligationär von Mühldorf und sein Blatt in seinem Weichbilde zu beherbergen. Für Ernst Vergant ist der Theaterrummel von Budapest ein Werk der Pester Judenbuben. Als Stilprobe des Berichtes wollen wir die nachstehenden . Zeilen unseren Lesern zur Kenntniß bringen: „Abends strömte eine große Menschenmasse, darunter in überwiegender Mehrheit jüdische Ladenschwengel und die Stammgäste der Branntweinschänken am Waitznerboulevard, echte Bassermann'sche Creaturen, vor das Lustspieltheater, wo sich bald eine tausendköpsige Menge angesammelt hatte. Mehrere jüdische Reporter hatten sich unter die Leute vertheilt und dirigirten das Chorgebrüll. „Abzug Wien!", „Nieder mit den Deutschen!" u. s. w. wurde gebrüllt und ab und zu das Spottlied Mögis hnnczut a nSmet“ gesungen. Trotzdem massenhaft Polizei aufgeboten war, schritt dieselbe nicht ein, ja einige Constabler brüllten sogar selbst mit". Das Preßjüngel des Herrn Vergani findet in jenem Theaterscandal eine Racheaction der Budapester Juden gegen die Wiener Antisemiten. Wie der Schelm ist, so denkt er. Herr Vergani und Seinesgleichen mag es passend erscheinen, Revanche für politische Niederträchtigkeiten auf dem neutralen Boden der Kunst zu suchen. Die Juden müssen sich für diese Unterschiebung besonders bedanken. Und die Budapester Juden wissen sicherlich seriöse Schauspieler und die Tingl- Tangl-Comödianten und Schmieranten äla Greg orig und Schneider von einander zu unterscheiden. Aber Herr Vergani glaubt vielleicht, daß man in Budapest die Wiener Bnrgschauspieler durchwegs für Antisemiten hält. So naiv sind nun die Inden wieder nicht. Daß hinter den Coulissen der Hofbühne ganz gehörig antisemitelt wird, daß ist in weiteren, auch in jüdischen Kreisen bekannt. Aber die Juden sind bekanntlich Theaterfreunde, und wer einmal im Burgtheater war, wird — Herrn Schreiner und Krastel auseinanderkennen. Der jüdische Ingrimm in Budapest hat sich aber nach dem „Deutschen Volksblatt" hauptsächlich gegen — Fräulein Wertheim gerichtet. Damit man uns keine schlechten Witze zutraut, citiren wir das Verganiblatt wörtlich. Verganew selber soll mittheileu, wie die Budapester Juden die Antisemitin W e r t h e i m behandelt haben, Vergani sagt nämlich: „Nun f jlgte der Augenblick, in welchem die so oft gerühmte magyarische „Ritterlichkeit" Fiasco macht. Des. demona (Fräulein W e r t h e i m vom Raimnnd-Theaier) erschien auf der Bühne. Im Parterre wurde in kurzen Absätzen gepfiffen, die Galerie fiel mit Zischen und Hochrufen ein und von der Brüstung flatterten unzählige der bereits näher beschriebenen Zettel herab in den Zuschauerraum. Dazwischen ertönten Rufe wie: „Nix daitsch!" „Marsch nach Wien!" ,.Abzug Gesindel!" u. s. w., und endlich — das war wohl die größte Heldenthat der jüdischen Ritter — wurde mit faulen Eiern nach Fräulein Wertheim geworfen. Der Vorhang fiel und es entstand ein Tumult. Da ertönte plötzlich der Ruf: „Stürmt die Bühne!" Erst jetzt, im Augenblicke der höchsten Gefahr, schritt die Polizei ein, die insgesammt 21 Verhaftungen vornahm." Wenn übrigens L ö w Max Anton und Consul P o r z e r Racenantisemiten sind, Vergani und Mittermayer auf freiem Fuße belassen werden, dann kann man auch füglich nichts gegen die Be. hauptung einwenden, daß die Budapester Juden in Fräulein Werth e i m den Wiener Antisemitismus vernichten wollten. Die Ausnahmsjuden des Polenelubs. Es ist einer der häufigst erhobenen Anwürfe, ein Schlagwort, auf das die Antisemiten allerorten eingeschworen sind: Wie aufdringliche Juden. „Aufdringlich" werden unsere Stammesgenossen gescholten, die Tugend der Zurückhaltung spricht mall ihnen ab. Und es gibt keine Ausnahmsjüden! Absolut keine! Nicht die edle Bescheidenheit eines Mendelssohn,! nicht der keusche Seelenadel eines Ludwig Boerne hat dem Racenantisemitismus diese bornirte Generalisirung aus der Hand winden können. Bis in die jüngste Gegenwart zum Milldesten! Jetzt lvird es besser, jetzt vollzieht sich eine gedeihliche Umkehr. Unsere erbilteristen Gegner werden es zugeben, daß Ausnahmsjuden existiren, die sich verschämt im Hintergrund halten, sich in stiller Selbstentsagung ducken und verkriechen. Sie lassen Jedermann den Vortritt. Nur beschwerlich wollen sie nicht fallen und nicht lästig, dem Grafen B a d e n i nämlich. Wahrlich die modernen Ausnahmsjuden verdieneil eine nähere Betrachtung. Gesegneter Boden, dieser Polenclub, wo die Ausnahmsjuden nnt schlingpflanzenhafter Ueppigkeit gedeihen. Der Herr Byk und seine Genossen bis herunter zu dem wackern Trachtenberg sind nicht zu vergessen, das ist das fünfblätterige Ausnahmsjudenkleeblatt, Juden, die im bescheidenen Hintergrund bleiben, wenn die staatsgrundgesetzlich verbrieften Rechte ihrer Stammesgenossen mit Füßen getreten werden. Juden, die es in der Selbstverleugung soweit gebracht haben, daß sie die Wählerschaft, der sie mittelst brutaler Gewalt lind verlogener Kniffe aufoctroyirt wurden, in Einem verleugnen. Im hohen Haus wird eine Interpellation eingebracht, die von der nnbeschnittenen Justiz erzählt, die darüber Klage führt, daß die jüdischen Rechtspraktikanten Galiziens bei staatlichen Anstellungen principiell übergangen werden. Das Fundament unseres Verfassungsleben wird durch die Praxis des Oberlandesgerichtspräsidenten von Lemberg erschüttert. Die Justiz verlangt für ihren Dienst außer Rigorosen- und Staatsprüfungszeugnissen noch das Taufzeugniß und mit regem Eifer machen hohe Beamte Proselyten. Freisinnige aller Schattirungen haben sich zusammen gefunden, um gegen dieses Vorgehen der Justizbehörden zu prptestiren. Ein Kind muß einen Namen, eine Interpellation Unterschriften haben. Eine bunte Gesellschaft hat sich unter jener Eingabe unterschrieben, die der Abgeordnete T i t t i n g e r in der Sitzung von 24. Mai an den Justizminister richtete. Aber soll man mit den Liberalen rechten, daß nur einzelne von ihnen gegen die crasseste Ungerechtigkeit in der Verwaltung der Gerechtigkeitspflege

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