Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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^eite 464 Nr 23 Dr. Vloch's Wochenschrift. der wohlverdienten Ehrung eines der hervorragendsten zeitgenössischen jüdischen Künstler angefangen, — von den beleidigenden Zumuthuugen an die freiwillige R e t t u n g s g e s e l l s ch a f t, an den Wärmestubenverein und an die protestantischen Schulen angefangen, bis herab zur Verdrängung armer Dien st Männer aus ihren Standorten, der pflichttreuen Stenographen, aus chren Stellungen und weiter herab bis zur Verweigerung der Subvention für die armen Waisenkinder und herab bis zur Versagung der pflichtmäßigen Befreiung der ärmsten jüdischen Schulkinder von dem Schulgelde herab bis zu der erst gestern erfolgten Ablehnung der Unterstützung des M a r i a - T h e r e s i e n - K r e uz er - Vereines, — überall und in Allem, wie nicht minder in dem vergewaltigenden Verhalten gegen die jüdischen Beamten und Lehrer derselbe Zug der Rechtsverkürzung und Rechtsvereitelung, derselbe Charakter der Gesinnungsrohheit. Sittenverwilderuug und Geistesvergiftung. (Stürmischer Beifall.) Wenden wir uns ab von diesem Bilde einem Schrecken ohne Ende, welchem noch lange nicht ein Ende ohne Schrecken droht, so begegnen wir in unserer vorjährigen Vereinsthätigkeit zweien Actionen, auf die wir mit einiger Genugthuung zn reflectiren in der Lage sind. Als im März v. I. neben und unter vielen Kundgebungen blindwüthiger antisemitischer Excesse auch ein Theil der arischen Studentenschaft der Wiener Universität sich zu dem diffamirenden Beschlüsse Hinreißen ließ, ihren jüdischen Collegen, vollwerthigen und ganz gewiß nicht minderwerthigen akademischen Bürgern dieSatisfactionsfähigkeit abzusprechen, da war es wiederum unser Verein, welcher sich iu seiner Plenerarversammlung vom 19. März gegen diesen Act der Vergewaltigung erhob und sich mittelst einer in jener Versammlung gefaßten Protestkundgebung unseren jüdischen Studenten an die Seite stellte, welche übrigens selbst tapfer und muthvoll für chre frevelhaft angegriffene Ehre eingestanden waren. Wir beschlossen damals zugleich, in den Kreisen unserer Glaubensgenossen Geldmittel zu sammeln, um gemeinsamen Zwecken der jüdischen Studentenschaft materiell nachhelfen zu können und sind in der angenehmen Lage, Ihnen nunmehr mitzutheilen, daß das von Ihrem Vorstande zu diesem Behuse gebildete Comite derzeit über ein Nettocapital von rund 8060 fl. ö. W., sowie über zugesicherte Jahresbeiträge von circa 225 fl. verfügt und überdies im Verlause seines einjährigen Bestandes für studentische Zwecke, einschließlich individueller Unterstützungen, den Betrag von 1200 fl. aufgewendet hat. (Beifall und Händeklatschen.) Ueber die definitive Anlage und Verwendung dieses derzeit in der Postsparcaffe hinterlegten Capitales, sowie über die muthmaßliche Gründung eines diesbezüglichen Specialvereines sind die Berathungen im Schoße des Comites im Zuge und die Beschlußfassuug unmittelbar bevorstehend. Die zweite jener Actionen, welche sich vortheilhast abhebt von den politischen Zerrbildern, betrifft das wirkungsvolle Eingreifen unseres Vereines bei den im November v. I. stattgehabten Neuwahl« in den Vorstand der Wiener Cultusgemeinde. Angesichts des neuen Statuts und der mit demselben verbundenen Neuorganisation dieser größten israelitischen Cultusgemeinde kam diesen Neuwahlen eine erhöhte Bedeutung zu, welche sich auch in der außerordentlich lebhaften, durch uns geweckten Theilnahme der Wählerschaft an unseren großen Wählerversammlungen und an den Berathungen daselbst bekundete. Wir verzeichnen mit Genugthuung die Thatsache, daß das von Ihrem Präsidenten entworfene und in unserer Plenarversammlung vom 13. September v. I. einstimmig zum Beschlüsse erhobene Wahlprogramm, sowie unsere Feststellungen über die Miffion und Aufgaben des neuen Vorstandes sich im Sturme den Beifall der gesammten Wählerschaft eroberten und weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus im Jnlande wie im Auslande die höchste Anerkennung und weite publicistische Verbreitung gefunden haben. Wir ermangeln nicht, die Thätigkeit des neuen Cultusvorstandes mit Aufmerksamkeit und mit unseren besten Wünschen zu begleiten, steuen uns, wahrzunehmen, daß der vierte unserer Programmpunkte, betreffend die Organisation der österreichischen Judenschaft durch die Gründung eines österreichisch-israelitischen Gemeindebundes seiner Verwirklichung näher gerückt erscheint. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Nach einigen weiteren Mittheilungen über die interne Thätigkeit und Lage des Vereines, der in stetiger Zunahme seiner Mitgliederanzahl derzeit 655 Mitglieder zählt, und nach dem Hinweise darauf, daß die Mitwirkung des Vereines bei der Bildung und Organisation der Cultusgemeinden in den Provinzen mehrfach und mit Erfolg in Anspruch genommen wurde, bespricht Herr Dr. F i a l l a zum Schluffe die jetzige Gestaltung des Reichsrathes, dessen derzeitige Blockirung durch die Obstruction der Minorität der Redner vom Standpunkte des Parlamentarismus durchaus nicht gefährlich zu finden vermag. „Schon stüher bei uns", sagt Redner „und nahezu in allen Parlamenten und nicht am wenigsten bei den parlamentarischen Lehrmeistern hat es ähnliche Situationen gegeben, und die Erkenntniß des Vorhandenseins und der furchtbaren Wirksamkeit dieser Waffe wird endlich und dauernd die Lehre befestigen, daß ansehnliche Minoritäten in ihrem Bestände, in ihren Rechten und Bestrebungen zu respectiren sind und nicht einem gefälligen numerischen Uebergewichte ausgeliefert werden dürfen. (Sehr richtig.) Und die Verdichtung dieser Erkenntniß kann wahrlich uns Juden am allerwenigsten zum Schaden gereichen. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Darum bedauern wir es aber auch lebhaft, daß jene elf jüdischen Abgeordneten vermöge ihrer vollständigen Zersplitterung speciell für uns und unsere Lage so gänzlich werthlos erscheinen, daß es fast besser wäre, wenn wir diese sogenannte Vertretung im Hause gar nicht besäßen. (Stürmischer Beifall.) Konnten wir doch erst in den letzten Tagen wahrnehmen, daß eine.Interpellation wegen Rechtsverkürzung der Rechtspractikanten desLemberger Oberlandes gerichtssprengels von keinem einzigen jener sechs jüdischen Abgeordneten unterzeichnet war, welche sich dem Zwange des Polenclubs unterworfen haben! So haben wir Abgeordnete, welche mittelst jüdischer Stimmen gewählt erscheinen und ihres Ursprunges vergessen, sobald es sich um eine Frage ihrer Glaubensgenossen handelt, welche überdies eine flagrante Verletzung der Staatsgrundgesetze zum Gegenstände hat." (Rauschender Beifall.) An diesen mit lebhaftem Interesse entgegengenommenen Geschäftsbericht knüpft sich eine lebhafte Debatte, welche die eingehendere Erörterung der politischen Lage, sowie die Wahlen iu die Cultusgemeinde zum Gegenstand hat und an welcher die Herren Professor Dr. Weiß, Sternberg, Director Langbank, Redacteur H o l i t s ch e r, Communallehrer Schulhof, I. Welsch, Dr. Templer und Bezirksausschuß S. Waldstein theilnehmen. Herr Dr. M i n tz bemerkt speciell eine Lücke des Geschäftsberichtes, in welchem der außerordentlich wirkungsvollen und erhebenden Veranstaltung der beiden Lazarus-Abende keine Erwähnung geschieht, — wahrscheinlich deshalb, weil diese erst im laufenden Vereinsjahre stattgefunden haben; gleichwohl sei es eine angenehme Pflicht, dieser beiden bedeutsamen Kundgebungen des berühmten Gelehrten und seiner illustren Gattin zu gedenken, welche unsere Herzen und Geister in den Jungbrunnen des Judenthums getaucht und uns den Blick in dessen Ewigkeit erschlossen haben. Redner erstattet unter dem lauten Beifalle der Versammlung dem Vereine und insbesondere dem Präsidenten desselben Herrn Dr. F i a l l a den wärmsten Dank für diese zwei weihevollen Feste, welche er der überaus zahlreichen Zuhörerschaft gewidmet und kann nur wünschen, daß der Verein auf diesem Wege die Führung bewahren und ähnliche Leistungen wiederholen möge. Herr Otto Lang, den gleichen Empfindungen Ausdruck gebend, beantragt ein solennes Dankesvotum an den Vereinspräsidenten, sowie zugleich den speciellen Dank an Hrn. Dr. Fi alla für dessen thatkräftige Initiative und persönliche Thätigkeit anläßlich der vorjährigen Cultusvorstandswahlen. Die Versammlung votirt unter lebhafter Acclamirung diesen doppelten Dank und genehmigt zugleich den ihr erstatteten Geschäftsbericht.