Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 22 Vr. Vlortz's WochrnschrtfL. Serie 459 Prag. Seine Majestät der Kaiser hat den Großindustriellen Herrn Josef Jnwald zum Mitgliede des Landesschulrathes für das Königreich Böhmen für die laufende Functionsdauer ernannt. Essegg. Rabbiner Dr. Gabor Schwarz aus Karlsstadt hielt vorige Woche eine croatische und deutsche Predigt mit dem Thema : „Bedeutung des Sabbath im Judenthum". Dr. Schwarz verfügt über ziemliche Redegewandheit und besitzt ein fympathifiyes Benehmen. Die Predigten übten wirkungsvollen Eindruck auf die Andächtigen. Derselbe, ein Kind aus Slavonien. ist der erste des Croatischen in Wort und Schrift mächtige Rabbiner in Croatien. E. B. Proßnitz. (2oui§ Schnabel.) In unserer Gemeinde hat das durch die „Oesterreichische Wochenschrift" bekannt gewordene Hinscheiden unseres Landsmannes Louis Schnabel in New-Iork den schmerzlichsten Eindruck hinterlassen. Die jetzige Generation kennt den Verblichenen allerdings nur den Namen nach, allein die älteren Genleindemitglieder erinnern sich seiner noch lebhaft. Nahezu vierzig Jahre ist es, daß Schnabel nach Amerika auswanderte, da er für seine hohe Intelligenz, Befähigung und Individualität auf heimatlichen Boden keine Bethätigung zu finden vermochte. Bon sehr achtbaren aber armen Eltern abstammend, mußte er, um seine Studien zu persolviren, sich durch Privatunterricht die Substistenz suchen. Schnabel besaß nicht nur universelle, moderne Bildung, sondern war auch vorzüglicher Hebräist. Mit nie erkaltender Liebe und Anhänglichkeit war er seiner Vaterstadt ergeben, interessirte sich für alle Vorgänge und Begebenheiten in unserer Gemeinde und förderte materiell und geistig jede humanitäre Institution. Seine Vaterstadt wird ihin ein treues Andenken bewahren. Dem Vernehmen nach ist beabsichtigt, für den treuen Sohn seiner Vaterstadt eine Gedenkfeier zu veranstalten, die er sich redlich verdient gemacht hat. Ehre seinem Andenken, nröge ihm die Erde leicht sein. Karlsbad. Königin Karola von Sachsen hat vor ihrer Abreise ihren hiesigen Ordinarius, Badearzt kaiserlichen Rath Dr. Grünberger, zum Diner geladen und demselben den Dank für seine ärztliche Behandlung während des Curgebrauches ausgedrückt. Stratznrtz, 24. Mai 1897. In unserer Zeit, welcher es Vorbehalten geblieben eine „Aera Lueger" zu Tage zu fördern,! wird es wo hl die P. T. Leser Ihres geschätzten weitverbreiteten : Blattes mit einiger Genugthuung und Befriedigung erfüllen, zu erfahren, daß in unserer Nachbarstadt Wessely a. d. March, am 22. d. M. unser wackerer, durch seine Menschenliebe, hochherzige Wohlthätigkeit und herzgewinnende Bescheidenheit allgemein beliebte Glaubensgenosse Herrn Josef Ornstein wieder und zwar zum fünften Male zum Bürgermeister der Stadtgemeinde Wessely einstimmig gewählt worden ist. Wenn man bedenkt, daß der größte Theil der Wähler der Tschechenpartei angehört und nur ein geringer Percentsatz aus Deutschliberaleu besteht, wird man es begreiflich finden, wie! hochverdient sich der Jude um die Bürgerschaft gemacht haben \ mußte, welcher sich in allen Schichten der Bevölkerung solch großer Popularität erfreut, daß ihm trotz aller versuchten | Agitationen seitens klerikaler Elemente, die vollste Anerkennung i und die höchste Ehre, welche die Bewölkerung zu vergeben hat, > unter spontaner Ovation zu Theil wurde. In den 3300 Ge-; meinden Mährens sind außer Herrn.Ornstein, noch zwei unserer Glaubensgenossen Bürgermeister, und zwar der Großindustrielle , Herr H. Kuffner in Lundenburg und Glasfabrikant Herr Reich; in Kraßna, von welchen Herr Josef Ornstein in Wessely aber auch als streng konservativer, glaubenstreuer Israelit rühmlich . hervorgehoben zu werden verdient. F j Rom, 6. Mai. Die hiesige Cultusgemeinde (vniversitL ( l8rLelitica) ist jetzt in einen interessanten Proceß verwickelt , worden. Das Mitglied unserer Gemeinde, A n g e l o di C a v e, besaß nämlich auf dem alten jüdischen Friedhofe, der aber vor Kurzem geschlossen worden ist, eine Familiengruft. Bor einigen Tagen wollte er nun seine verstorbene Tochter in dieser Gruft beisetzen lassen, was ihm aber nicht gestattet wurde. Er mußte daher die Leiche nach dem neuen jüdischen Friedhofe (Campo Verano) überführen und dort beisetzen lassen. Cave fordert nun von der Cultusgemeinde, daß sie ihm gestatte, die alte Familiengruft wieder zu benützen, oder daß sie ihm auf dem neuen Friedhofe eine neue Gruft erbaue und einrichte. Auch gegen das Municipium von Rom, das den alten jüdische» Friedhof in sein Eigenthum übernommen, erhebt genannter di Cave dieselbe Klage. Da es sich hier um eine Frage handelt, die alle jüdischen Gemeinden des Königreiches interessirt, so ist man mit Recht auf den Ausgang dieses Procesfes gespannt. Petersburg, 12. Mai. Der bekannte Philantrop Herr M. P o s n a n s k i in Lodz ist mit dem Stanislaus- Orden III. Classe, Herr M. K e r n b a u m in Warschau mit der goldenen Medaille am Bande des St. Annen-Ordens ausgezeichnet worden. Kischinev, 12. Mai. Herrn Dr. M. O. Blumenfeld, Arzt am Gouvernements-Krankenhause, ist aus Anlaß seines 25jährigen Dienstjubiläums der Wladimir-Orden IV. Classe verliehen worden, mit welchem der erbliche Adel verknüpft ist. Berlin, 15. Mai. Herr Professor Dr. A. B a g i n s k y ist mit dem Commandeurkreuz des Ordens Jsabella's der Katholischen ausgezeichnet worden. London. „Jewish Cronicle" nimmt energisch Stellung gegen den „Nationalismus" des Dr. H e r z l, der von den österreichisch-ungarischen Verhältnissen ausgehend, nur Schaden anrichten kann, wenn er auf andere Länder übertraget! tverden soll. Der wahre Zionismus, der in der Liebe zu Palästina besteht, wird durch solche Extravaganzen nur empfindlich geschädigt werden. London. Folgende Damen wurden beim letzten Empfangstage (Drawing Room) der Königin Victoria vorgestellt.' Miß Edith Jsaacs von Lady Samuel; Miß Mary, Miß Gwendoline und Miß Margaret Lewis von ihrer Mutter, Lady Lewis; Miß Harry Marks von Lady C«cil Scott Montagu. Es waren ferner anwesend: Mrs. Bischoffsheim, Mrs. Herbert M. Jessel, Mrs. Langenbach und Mrs. Edward E. Sassvon. Die „Daily News" bringen einen längeren Artikel über den Empfang und erwähnen als eine der schönsten und geschmackvollsten Roben die der Miß Marks. Paris. Baronin Alphonse de Rothschild hat der geographischen Gesellschaft ein Porträt Nansen's zum Geschenk gemacht, das sie selbst gemalt hat und das als wunderbar gelungen bezeichnet wird. Paris. Eine jüdische Dame, welche ungenannt bleiben will, hat 2'/- Millionen Francs geschenkt zu einer Stiftung, welche jährliche Renten ä 3000 Francs an Frauen oder Mädchen auszahlen soll, ohne Unterschied des Glaubens, die unverschuldet aus Reichthum in Armuth gerathen sind. Feuilleton. Der Gefangene von Sebastopol. Bon S. Gordon. (Fortsetzung.) „Aber ich würde Dir ja nur zu Deinem Unglücke verhelfen", jaminerte Mendel. „Ich muß sie heiraten, Vater, irnd wenn ich darüber beide Welten verliere", rief Fawich. „Ich habe meine Gesundheit, meine Kunst verloren. Alles, was das Leben angenehm macht. Gestern versuchteich es, meinen Kummer hinwegzumusiciren, der David meines eigenen Saul zu werden, aber ein eiserner Griff hielt mich an der Kehle fest und benahm mir den Athem. Und so wird es bleiben, solange ich lebe — hilf mir, Vater! „Wenn es sein muß", sagte Mendel zitternd, „so sei es in Gottes Namen. Wenn Du Deine Hoffnung auf mich gesetzt hast, so will ich Dich nicht verzweifeln sehen. Und überdies — kann ich es mir herausnehmen, die Vorsehung zu spielen?" Bei diesen Worten sprang Fawisch mit einem Freudenrufe auf, ergriff die Hand seines Vaters und küßte sie immer wieder. Es wurde festgesetzt, daß Mendel am folgenden Tage zu Chanaiya gehen und mit ihm die Sache besprechen sollte. Was zwischen ihnen vorging und was für Heiratscontract geschlossen wurde, erfuhr Fawisch niemals, mochte es in seinem Freudenräusche auch nicht erfahren. Als Mendel zurückkanl und die Zustimmung Chananja's meldete, war sein Gesicht nicht wie das eines Menschen, der eine Freudenbotschaft überbringt; die Furchen in seinem Antlitze hatten sich vertieft und sein Haar war vielleicht einen Gedanken grauer geworden. Aber Fawisch sah nichts, und als er zum ersten Male Jenta in den Armen hielt, fühlte er Riesenstärke in sich und war daran überzeugt, cs selbst mit dem Schicksale aufnehmen zu können.