Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 22 Seite 457 Dr. V Lochs WochrnptzrM auch preußische und andere deutsche Orden). An höchster Stelle ist er persona grata. Wrefchen, 13. Mai. (Hohe Gemeindesteuern.) Die Vertretung der hiesigen Synagogeu-Gemeiude hat die Zuschläge an directeu Gemeindebeitrügen für das Rechnungsjahr 1897/98 auf 90 Percent der Einkommensteuer festgesetzt. Der israelitische Schulvorstand hat seinerseits die Schulbeiträge auf 50 Percent von der Einkommensteuer bestimmt. Jnowrazlatv, 17. Mai. D i e A n s i e d l u n g von Inden inJnowrazlaw fällt, nach einem vom vorigen Dienstag von Rabbiner Dr. Lewin im Verein Achusath Mereim gehaltenen Vortrage, in das Jahr 1795. Gleichzeitig erwähnte Redner die Gründung der Synagoge und Schulen, die älteste ist nach seiner Darstellung die Beth-Hamidrasch-Synagoge von 1790, Die heutige Synagoge stammt vom Jahre 1831. Dr. L. ging dann weiter aus die Schreckenszeiten der Cholera ein und erwähnte dabei, daß vom 5. bis 20. September l. I. 120 Personen gestorben wären. Bei dieser Gelegenheit berührte er die sociale und politische Lage der Juden bis zum heutigen Tage. Wiesbaden, 18. Mai. Das conservative Werben um die Stimmen der Antisemiten für den Cartell-Candidaten Bartling scheint erfolglos gewesen zu sein. Wie antisemitische Blätter melden: ist von ihrer Partei ein Herr- Wolf IV. aus Stadecken in „Rheinhessen" als Candidat proclamirt worden. Bei der Wahl im Jahre 1893, wurden 1245 antisemitische Stimmen abgegeben! Manheim, 17. Mai. (Antisemitische Richter! 3 Monate Gefängniß für 10 Pfennige!) Der Agent Moses B o d e n h e i m e r in Mannheim, wurde am 24. März 1897 von Landesgericht M a n n h e i m wegen Betruges im wiederholten Rückfalle zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt, weil er die Trambahn um 10 Pfennige geschädigt hatte. Er war bisher abonnirt bei der „Societe anonyme de Tramway de Mannheim ä Ludwigshafen“. Am Tage nach Ablauf des Abonnements bestieg er einen Trambahuwageu der gedachten Linie und erklärte dem Conducteur, der ihm ein Billet geben wollte, er sei abonnirt. Der Conducteur ließ sich dadurch täuschen und glaubte es. Als aber ein Coutrolor kam, sprang Bodenheimer schleunigst ab. Zu seiner Vertheidigung gab er an, er habe ganz vergessen gehabt, daß seine Karte abgelaufen sei; das hastige Abspringen motivirte er damit, er habe einen Geschäftsfreund, den er gesucht habe, gerade vorübergehen gesehen. In seiner Revision gegen das Urtheil rügte er, die Sooiöte anonyme de Tramway de Mannheim ä Lndwigshafen besitze keine Cvrperativnsrechte, sie könne daher auch nicht, wie das Urtheil ausführe, als die Geschädigte figuriren, das Reichsgericht verwarf die Revision Judenfeindliche Kundgebungen in Algier. Oran, 19. Mai. Die Mißstimmung gegen die Juden, welche gewissenlose Hetzer seit Jahren in der Provinz Algier zu erzeugen bemüht sind, hat nun doch zu einen Zusammenstoß zwischen Juden und Antisemiten geführt. In dem benachbarten Städtchen Mostaganem, das unter 14.374 Einwohner nur 390 Juden zählt, fanden Radfahrwettrennen statt, zu denen auch von hier aus viele Theilnehmer gefahren waren. Einer darunter, der berüchügte Munzipalrath Irr, Bicepräsident der antisemitischen Loge und zugleich der Urheber der Maßregeln, durch die verdiente städtische jüdische Beamte in Oran aus ihren Stellungen verdrängt wurden, benützte die Gelegenheit, um in dem Judenviertel eine Demonstration zu veranstalten. Die Juden wollten sich dies nicht gefallen lassen, es kam zu einem Streit und schließlich einer Prügelei, bei der die Radfahrer den Kürzeren zogen und Irr verwundet wurde. Die Polizei schritt ein und verhaftete vier Israeliten, die Araber aber, welche schon seit lange auf die Juden eifersüchtig sind, benutzten die Gelegenheit zu Plünderungen der jüdischen Magazine. Da auch die Araber der Umgegend in die Stadt strömten und sich an den Excessen zu betheiligen Miene machten, schritt die Behörde zu einem energischen Eingriff, rief die Truppen auf und ließ die Stadtthore schließen. Dies war am Sonntag, aber am Dienstag erneuerten sich die Krawalle und ehe die Truppen einschreiten konnten, war die Synagoge zerstört, so daß nur die leeren vier Mauern stehen blieben, außerdem wurden wieder 15 jüdische Buden geplündert. Die Erregung hat sich aber schon weiter verbreitet, heute kam es hier zu einem Exceß, bei dem ebenfalls die Truppen einschreiten mußten, um die Ruhe herzu stellen und eine ganze Allzahl Verhaftungen vorgenommeu wurden, darunter die eines Juden Mvrdichai, der in seiner Augst auf die Excedenten geschossen und einen derselben schwer verletzt hatte. Auch aus den Dörfern der Umgegend kommen böse Nachrichten über allerlei Excesse antisemitischen Charakters, es scheint, als sei eine förmliche Epidemie der Judenkrawalle in der Entwicklung begriffen. Und das in der französischen Provinz, 100 Jahre nach der glorreichen Revolution! Paris, 14. Mai. In dem Judenviertel zu Oran (Algier» kank es zu einem Messerkampf zwischen Katholiken und Israeliten. Der Vicepräses der Antisemitenliga wurde am Unterleib verwundet, zahlreiche Israeliten wurden verhaftet. Oran, 21. Mai. Seit zwei Tagen dauern die judenfein d l i ch e u Manifestationen an. Es wurden 19 Be r- Haftungen vorgenommen. Die Garnisonistconsignirt. Nach einem ziemlich rlihig verlaufenen Tage begann gestern Abends die G ä h r u n g von Neue m. Ein gewisser M a rd o ch ä u s schoß aus seinem Hause auf die Menge und v e rletzte eine Person t ö d t l i ch. Er wurde verhaftet. Mehrere andere Personen wurden durch Revolverschüsse leicht verwundet. I u d e n f e i n d l i ch e Unruhen fanden gleichfalls in der Ortschaft Cassaigne statt, wo Araber die jüdischen Läden plünderten. Paris, 21. Mai. Der Minister des Innern Bart hon couserirte mit dem Gelieralgouverneur C a m b o u über die j u d e n f e i n d l i ch e u Unruhen in Algier. Den Blättern zufolge dauern die Ruhestörungen in Bi o st a g a n e m und O r a n fort und griffen auch auf die Nachbarorte über. Arabische Banden im Innern Algiers benützen die herrschende Erregung, um sich in die Nähe der größeren Ortschaften vorzuwagen. Es wurden über ~ militärische Maßnahmen getroffen, um Plüud rungen zu verhindern. Algier. Von der Macht, die die antisemitische Bewegung hierzulande erlangt hat, kann man sich einen Begriff machen, wenn man hört, daß die Judenfeinde fast alle Aemter und in den meisten Städten die Majoritäten in den Stadträthen rc. besitzen. Auch die Deputirteumandate sind ihnen meist zugefallen, da selbst die hiesigen Socialisten ausgesprochene Judenfeinde sind. Mr. Samary, der reine Antisemit, und Viviani, der antisemitische Socialist, beide Deputirte der Stadt Algier., hatten kürzlich eine Volksversammlung einberufen, wozu ihnen die Stadtverwaltung das städtische Theater überlassen hat. Beinahe 2000 Personen waren anwesend und folgten den Hetzreden, in denen Gouvernement und Regierung, Senat und Kammer ebenso wie die Juden auf das Gehässigste angegriffen wurden. Nur Mr. Cambon, der Gouverneur von Algier, wurde geschont, ja sogar als Antisemit gefeiert, weil er die Streichung so vieler jüdischer Wähler aus den Wählerlisten von Algier und Oran bewirkt habe. Er dürfte von diesem Lobe nicht sonderlich erbaut gewesen sein, aber er hat es durch seine antijüdischen Maßregeln reichlich verdient. Vermischtes. (Politischer Bolksverein.) Samstag den 29. d. M. halb 8 Uhr Abends findet im Saale des Restaurant Khnner (I., Schottenring 19), die diesjährige Generalversammlung des Politischen Volksvereines unter Vorsitz des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Herrmann F i a l l a mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes über das Vereinsjahr 1896. 2. Bericht der Casfarevisoreu. 3. Neuwahl des Präsidenten. 4. Neuwahl der neun Vorstandsmitglieder. 5. Neuwahl der zwei Casfarevisoreu. 6. Politische Discussiou. Die Herren Bereinsmitglieder werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. Wien. (Verein zur U n t e r st ü tz u n g israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Am 25. d. M. hat unter dem Vorsitze des Baurathes S t i a ß n y die VIII. Generalversammlung dieses Vereines stattgeftmden. Dem vom Schriftfiihrer Dr. T a u s s i g vorgetragenen Rechenschaftsberichte entnehmen wir, daß der Verein zwei Ehrenmitglieder, die Herren Fabriksbesitzer Bernhard K o h n