Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 22 Vr. Vlortz's VochenfrtzrM tischen Cultusgemeinde eine größere Anzahl der Cantoren aus Mähren zusammen, um über die Gründung eines Verbandes zu berathen. Die Berathung nahm folgenden Verlauf: Herr Obercantor Heller begrüßte die Anwesenden in herzlicher Weise, dankte dafiir, daß dieselben seinem Rufe bereitwilligst gefolgt und sehr zahlreich erschienen seien. Er ersucht die Versammlung, zur Wahl eines Vorsitzenden zu schreiten, als welcher Herr Obercantor Heller per Acclamation gewählt wird. lieber Antrag des Vorsitzenden werden die Herren Steiner (Groß-Meseritsch) und Kohn (Lundenburg) zu Schriftführern bestellt. Stößler (Neu-Raußnitz) ergreift das Wort, um dem Einberufer diefer Versammlung, so auch dem löblichen Cultusvorstande für die Ueberlassung des Sitzungssaales den Dank zu votiren und habe der löbliche Vorstand hiedurch seine freundliche Gesinnung gegen unseren Stand bekundet. Redner stellt einen Vergleich an zwischen dem Cantor von ehemals und jetzt. Während früher blos die gesangliche Befähigung den Hauptfactor bildete, werden von dem jetzigen Cantor noch vielfache anderseitige Anforderungen gestellt, als: musikalische Bildung, Befähigung als Lehrer, als Gemeindesecretär und dergleichen. Kurz, der Cantor muß intellektuell und moralisch als ganzer Mann dastehen. Trotzdem sei die Stellung des Cantors eine solche, die noch Vieles zu wünschen übrig lasse. Das Damoklesschwert der Entlassung schwebe fortwährend über seinem Haupte und — wie Redner an drastischen Beispielen nachweist — sei oft eine geringfügige Veranlassung hinreichend, um seines Postens verlustig zu werden und im Alter oft den Wanderftab ergreifen zu müssen. Nur einzelne Gemeinden haben in ihrem Statute die Stellung des Cantors entsprechend gewürdigt. Aus diesen Gründen sei eine Bereinigung nothwendig, welche zur Hebung des Standesbewußtseins und zur Beseitigung der angeführten Uebelstände beitragen würde. Nach diesen beifällig aufgenommenen Ausführungen entstand eine sehr angeregte Debatte, an welcher sich lebhaft betheiligten die Herren: Türk (Mährisch-Ostrau), Steiner (Groß- Meseritsch), Schulz (Bisenz), Kohn (Lundenburg), der Vorsitzende und Andere. Ueber Antrag des Herrn Obercantor Heller wurden nun folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Anwesenden geben ihre Zustimmung zur Bildung eines Vereines. 2. Zweck des Vereines sei die Förderung der Interessen des Standes und die Unterstützung von Witwen und Waisen der dem Vereine angehörigen Berufsgenossen. 3. Mit Rücksicht auf das bevorstehende 50jährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers soll der Verein den Namen führen: „Kaiser-Jubiläums-Witwen- und Waisen-Unterstützungsverein der Cantoren Mährens". 4. In das Co mit« zur Ausarbeitung des Vereins statuts wurden gewählt: Obercantor Heller (Brünn), Obercantor Stößler (Neu-Raußnitz), Obercantor Steiner (Groß-Meseritsch), Obercantor Kohn (Lundenburg), Obercantor Schulz (Bisenz). 5. Die nächste Versammlung findet am 1. August l. I. statt. I. St. Prag. Der „Verein zur Beschaffung von Passah-Bedürfnissen", der einzige Verein, der es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an Mazzos durch wöchentliche Einzahlung kleiner Beträge zu decken, hielt am 16. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Obmannstellvertreter Herr Ignaz Perlitz, widmete dem verstorbenen Obmanne Herrn David I. Jeiteles, einen tiefgefühlten, warmen Nachruf, seine Verdienste um den Verein, als auch seinen religiösen und biederen Charakter hervorhebend; ebenso dem verstorbenen Gründer und früheren Obmanne Herrn Leopold Mohr, was die Anwesenden als Zeichen ihrer Trauerkundgebung stehend anhörten. Der hierauf verlesene Cassa- und Geschäftsbericht wurde von den Anwesenden genehmigt. Als Obmann des Vereines wurde Herr Gabriel Lieben per Acclamation neu- und als Cassier Herr I. Perlitz wiedergewählt. Die statutenmäßig scheidenden Vorstandsmitglieder Herr A. Ekstein, M. Kauders und Ephraim Teweles wurden mit Stimmenmehrheit und die Herren Sim. Dewidels, Salomon Knina und Leop. Schnürdreher als Rechnungsrevisoren per Acclamation wiedergewählt. Seite 455 Vom Herrmann'schen Legate wurden 36 Personen zur Betheilung mit Mazzos ausgelost. Der Antrag des Herrn Flaschner, daß diejenigen Mit-; glieder, welche dem Vereine erst nach dem Chanukafeste beitreten.! nur auf Mazzos, nicht aber auch auf die Vortheile des Vereines Anspruch erheben können, wurde einstimmig angenommen. 1 Prag. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich hoffe, daß Sie dem Angegriffenen ein Wort der Abwehr gestatten werden. > Es wird in dieser Angelegenheit das letzte sein und ist . nur zu dem Zwecke ergriffen, damit es conftatirt werde, daß es sich - bei meiner in der vorletzten Nummer Ihres geschützteu Blattes veröffentlichten Berichtigung — wie dies doch der Schlußsatz ganz deutlich zeigte — durchaus nicht darum handelte, mein Vorgehen anläßlich der letzten Reichsrathswahlen irgendwie zu rechtfertigen oder, wie Ihr Prager Correspondent Z—y sagt, ' mich von meinen politischen Sünden remzuwaschen. Hielte ich dies für nöthig oder wollte ich dies thun, ich fände schon das com- ] petente Tribunal: in diesem säße allerdings weder Herr Zy, * noch seine Gesinnungsgenossen, die zu führen ich gewiß am wenig- \ sten aspirirte. * Uebrigens gibt meiner Behauptung ja selbst Herr Z y '' recht: denn wenn er sagt, daß ich mich „gewissermaßen" reine waschen wollte, so bedeutet dies nach langjähriger Stylerfahrung, daß ich mich eigentlich nicht reinwafchen wollte. 1 Blos um dies zu constatiren, habe ich mir nochmals ihre c Freundlichkeit erbeten, in eine Polemik werde ich mich nicht einlassen. Abgesehen davon, daß das Hauptargument des Z— y- - Correspondenten wieder nur persönliche Ausfälle sind, wäre es J zwecklose Zeitvergeudung, mit Jemandem zu polemisiren, der das Wesen unserer böhmisch-jüdischen Organisation nicht kennt oder 5 absichtlich verkennt, dabei aber sich durch eine geradezu rührende politische Naivetät auszeichnet. Oder kann man es anders nennen, wenn er einen! Partei manne zumuthet, anläßlich einer Wahl, bei der die Partei K a m p f candidaturen durchzusetzen sucht, mit g Anhängern anderer gegnerischer Parteien sich in's Ei ni, vernehmen zu setzen? Und ist es nicht bloße Naivetät, n. dann wäre wohl gegenüber dem mit „Selbstachtung" nur so :. herumwerfenden Z—y-Correspondenten die Frage am Platze, ob l, das von ihm beantragte Vorgehen von Selbstachtung zeugte und e ob durch ein solches Vorgehen die Achtung der Partei gewonnen > würde? n Ich könnte noch auf die Schwierigkeiten Hinweisen, mit e denen ich zu kämpfen gehabt hätte, wenn ich — dem ex post e geäußerten Wunsche des Herrn Z—y entsprechend — im Wahln ausrufe wohl nicht den B. Breznovskv, noch den Socialdemokraten, - aber auch nicht Wahlenthaltung hätte empfehlen wollen, allein r ich schließe, indem ich Euer Wohlgeboren für die Veröffentlichung t, dieses Schlußwortes bestens danke, hochachtend r Prag, am 17. Mai 1897. “ J. U. Dr. I a c. Schar s, » Landtags abgeordneter. 11 Saaz, 24. Mai. (V e r u r t h e i l un g eines antisemitischen R e d a c t e u r s.) Auf die Privatklage des hiesigen liberalen Redacteurs Joses Zörkler gegen den Redacteur des hiesigen antisemitischen Hetzblattes, Edmund P u m m e r, wegen Ehrenbeleidigung nach § 496, begangen durch die Presse, fand heute bei dem städtisch-delegirten Bezirksgerichte Brüx die Hauptverhandlung statt, wobei der Angeklagte P u m m e r r schuldig erkannt und zu acht Tagen A r r e st, zum Kosten-;, ersatze und zur Pnblicirung des Strafurtheiles in seinem Blatte r verurtheilt wurde. Der Privatkläger hat gegen das Strafausmaß a die Berufung angemeldet. Die heutige Berurtheilung war die £i vierte, die Pummer in letzter Zeit wegen Preßdelicte erfahren , hat. Zahlreiche weitere Preßklagen sind gegen ihn noch anhängig. Lemberg. In den verflossenen Pessachtagen ließ Herr Dr. Wilhelm Holzer, der bekannte Philantrop, ans seine Kosten mehr als 40 Personen auf das Beste bespeisen. Der Verein „Schowse Schabat" der diese Bespeisung aus eigenen Mitteln nicht hätte durchführen können, wurde so in den Stand gesetzt, ■ seine edlen Bestrebungen während des Jahres fortzusetzen. Dem ' edlen Manne gebührt Dank und Anerkennung. I In der vertraulichen Sitzung des Gemeinderathes am 6. d. M. wurde Herr Sokaler als ordentlicher Lehrer an der ' Czackischule gewählt. Die Genkeinderäthe Dr. Goldmann, M. Jonasz und Rabbiner Dr. Caro traten sehr warm für die n 1 dieses jüdischen Lehrers ein. d ’