Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 Seite 453 Vr. Vloch's WochrnlchrM. zu verlieren. Als er schließlich zu einem Hoch aus die Handelskammer aufforderte, löste sich die Stille in einen Beifallssturm, der den tiefen Eindruck dieser vollendeten Darstellung vom Werthe der Arbeit und des Kaufmannsstandes mächtig verkündigte. Die Cultur eines judenreinen Landes. Ueber Spanien gibt ein Brief der „Kölnischen Zeitung" ans Madrid lehrreiche Auskunft: Wenn Orden und Klöster das geistige und materielle Wohl eines Landes zu heben vermöchten, dann müßte Spanien unbedingt an der Spitze der Civilisation marschiren. Denn Klöster und Ordensniederlassungen finden sich hier sozusagen an jeder Straßenecke und in jedem größeren Dorf, und noch immer neue schießen wie Pilze aus der Erde, während für öffentliche Bauten, für Schulen, für Hebung der Industrie und des Handwerks u. s. w. kern Geld vorhanden ist. Selbst in den berüchtigten Zeiten Ferdinands VII. gab es nicht so viele, und ihr Einfluß ist fast unbeschränkt. Und wie sieht es nun im Lande aus? Welches Bild zeigt sich uns auf geistigem uud materiellem Gebiete zum Theil als directe Folge dieser „Ordensthäligkeit"? Auf geistigem Gebiete: völliger Stillstand; der größte Theil der Bevölkerung vermag nicht einmal zu lesen und zu schreiben; keinen irgendwie hervorragenden Gelehrten hat Spanien aufzuweisen, denn der wissenschaftliche Geist wird ja systematisch erstickt; dagegen Zunahme der Stiergefechte in einem Maße, das z. B. in Madrid in den letzten Tagen sechs Stiergefechte stattgefunden haben, von den zahllosen draußen im Lande veranstalteten gar nicht zu reden. Daneben eine unerhörte Verkommenheit in der öffentlichen Verwaltung und gleichzeitig ein immer weiteres Sinken der Sittlichkeit innerhalb der Geistlichkeit und der Orden selbst. Trotzdem Alles aufgeboten wird, damit gewisse Dinge nicht in die Oeffentlichkeit dringen, mehren sich in erschreckender Meise die Fälle, die die wachsende moralische Entartung dieser Kreise darthun. Sie sind meistens derart, daß ihre Besprechung ausgeschlossen ist. Aus materiellem Gebiete: Bereicherung der Orden, oft durch scandalöse Erbschleicherei, aber Rückgang des Volkswohl st an des, da erstere das Volk bis auf das Mark aussaugen. In vielen Theilen des Landes herrscht Armuth, in einigen geradezu Hungersnoth. Daß die reichen Klöster etwas zu ihrer Linderung rhun, hat man nicht gehört; ebensowenig haben sie etwas für die krank und verwundet aus Cuba und den Philippinen zurückkehrenden Soldaten gespendet, und doch ist der Aufstand auf den Philippinen lediglich durch die „Thätigkeit" der dortigen Orden hervorgerufen. Daß die Bettelei hier in höchster Blüthe steht, ist ja weltbekannt. Schon Napoleon sagte: „Spanien ist das Land der Mönche und Bettler". Und aus dieser verarmten Bevölkerung rekrutiren sich dann die arnachistischeu Elemente, die nirgends einen solchen Umfang angenommen, nirgends zu solchen Greuelscenen Anlaß gegeben haben, wie in dem von Klöstern und Orden überschwemmten Spanien". Moritz Hortmann. Die „Wiener Arbeiter-Zeitung" errinnert daran, daß am 13. Mai ein Vierteljahrhundert feit dem Tode des Poeten und Menschenfreundes Moritz Hartmann verflossen ist. Am Schluß des mit großer Wärme geschriebenen Aufsatzes heißt es von Hartniann: „Ein seltsamer Zauber umfließt seine Persönlichkeit. Von der Natur mit aller männlichen Schönheit begabt, vereinigt er seiner Dichtung tiefen Ernst mit unendlicher Milde und Weichheit. Er ist aber nicht blos ein Dichter und Denker — wo es zu handeln gilt, da ist er dabei, und mehr als einmal stand er im Kugelregen. Aber bei aller Weichheit und Sinnigkeil seines Wesen ist er unbeugsam und starr, wo es noththut. Er hat sich immer nur vorwärts entwickelt und es nie verstanden, den Mantel nach dem Winde zu drehen. Deswegen ist.er alle Tage seines Lebens bis zu seinem Ende jung geblieben. Und wir gedenken heute seiner in treuer Erinnerung. Er war ein reiner Kämpfer für die bürgerliche Freiheit, und schon ahnt er die kommende Bedeutung des Proletariats, das er mit derselben Liebe umfaßt wie alle Leidenden und Gedrückten. Nickt was er geschrieben und nicht was er gethan hat. verbürgt ihm die Unsterblichkeit. Sie liegt in der Ganzheit seiner Persönlichkeit, im Einklang seines Wesens, in der Harmonie seiner menschlichen Erscheinung. Wenn kommende Geschlechter höherer Gesittung und reinerer Art, als die ist, die wir heute um uns sehen, einst darangehen werden, den Vorläufern und Vorkämpfern menschlicher Culturfördermrg Erinnerungstempel zu bauen, so wird auch Moritz Hartmann einen Platz in ihm erhalten, und mit Beziehung-,, vielleicht auf niedere Streitigkeiten des 19. Jahrhunderts wird man an den Sockel seines Bildes einmeißeln: Ein Jude, ein Deutscher, ein Mensch!" Datz Christus ein Aude war, will unfern Rassenantisemiten gar nicht in den Kops. Th. Fritsch hat ihn daher auch einfach zum Arier gemacht. Unlängst hat nun eine deutsche Kunsthandlung die Idee gehabt, sich neun Christusporträts voll den Malern Gabriel Max, F. v. Uyde, F. Skarbina, K. Zimmermanrn K. Marr, F. Brütt, H. Thoma, F. Stuck und A. Kampf malen zu lassen. Weil mm Koch-München Christus als Juden gemalt hat, dagegen fünf Maler als Arier, weiß sich die „Deutsche Zeitung" Dr. Lange's vonr 16. Mai vor Freude nicht zu fassen. Und doch haben die Maler nur das männliche Idealbild ihres Milieus gezeichnet, das natürlich blauäugig und blond ausfiel. Man weiß, das Reger sich dem Heiland nach ihrem Typus vvrstellen, wie es beispielsweise in Centralamerika nicht wenig bildliche Darstellungen der Jungfrau Maria gibt, auf denen sie einer Farbigen gleicht. All die Bestrebungen, Christus zllln Arier zu stempeln, thut Engen D ü h r i u g ttt seinem ,,Ersatz der Religion" mit den Worten ab: „Jene pme Berlegenheitshvpvlhese von der nicht rassenjüdischen Natur von Christus ist nämlich, genauer untersucht Pure Willkür und die wäre nie ausgestellt worden, wenn man nickt das heurige Chrrstentl'uin moderner Völker von der Mißliebigkeic hakte bewahren wollen, auch persönlich einen rein rassenjüdischen Ursprung und überdies zum Gegenstand seines Cirlttrs oder wenigstens der rnornlischen Achtung einen Stammesiuden zu haben". Correspondemen. Wien. (A n s d e in V o r st a n d e de r W i e n e r israelitischen C u l t n s g e m e i n d e.i Ter Vorstand hat in acht aufeinanderfolgenden mehrstündiger! Plenarsitzungen mit der Berathnng und Erledigung der eingelangten Steuer-Reclamationen sich beschäftigt. Angesichts der Gründlichkeit, mit welcher dieser Gegenstand behandelt wird, und insbesondere da noch mannigfache Erhebungen gepflogen werden müssen, wird^dieEnderledigung dieser schwierigen Angelegenheit noch einige Sitzungen in Anspruch nehmen. Wie wir des Weiteren erfahren, wird sich der Vorstand demnächst mit der Berathnng über eine ihm vorliegende Eingabe der Bethausvereine, einer Angelegenheit, deren Wichtigkeit und schwierige Lösung man in Kreisen des Vorstandes nicht verkennt, befassen, und ebenso die vielfachen Anregungen betreffend die Veranstaltung einer Enquete wegen Herbeiführung einer Ceutralisirung der Armenpflege zum Gegenstände der Berathnng machen. In der nächsten Plenarsitzung \oü über Einladung des Landesschntrathes die Nominirung eines Vorstandsmitgliedes für den Bezirksschulrath, sowie die Zusammensetzung einer Jury für die Blnmenseld'sche Künstlerstiftung erfolgen. __ Die Arbeiten zur Adaptirnng des Ul. Stockes im Altersversorgungshause befinden sich bereits in vorgerückten! Stadium. Wien. Geehrrer Herr Redacteur! _ In Folge einer Aufforderung an die israelirischen Schüler des Leopoldstädter Communal - Real- und Obergymnasiums, deren Gesuche um Schnlgeldbefreiung vom Wiener Skadtrarhe in Bestätigung der heute bei dieser „Behörde' geübten conseisionellen Hetze zurückgewiesen wurden, sind nicht allein diese Schüler und derer, Eltern bei mir erschienen, es sind mir auch unausgeforderr Spenden zugeflossen, über deren Verwenduna ich hiermit Rechnung lege. Ich erhielt von E. M. 20 sl., E. H. 100 fl., Dr. Felix Katzau 20 fl., Julie K. 3 sl.. Dr. Alfred Berger 5 fl., Arthur von Mises 5 fl., S. C. 25 sl.. Jda Gomperz 20 fl, R. T. 50 fl., A. Ch. 1 sl., I. S. 10 sl., A. S. 10 fl.. L. S. U) ft., Dr. Alfred Stern 20 fl. Vom ..Wiener Tagblatt" wurden mir. als Ergebniß einer Sammlung, fl. 430'50 zur Verfügung gestellt. Gesammtsumme fl. 729 50. Hiervon verwendete ich zur Zahlung des Schulgeldes für 19 gut gualisiicirte, arme israelitische Schüler, welche sich bei nur gemeldet hatten, je 2o fl. zusammen 475 sl., welchen Betrag ich am 15. Mai. dem l e tz t e n Tage, an welchem bei sonstigen Ausschlüsse der Schüler das Schulgeld entrichtet werden mußte, an die Direction sandte, wozu ich unter Einem auch noch einen Betrag von 100 sl. für die, den Schülern ohne Unterschied der C o n f e s s l o n an diesem Gymnasium zu Gute kommende Schülerlade anschloß. Ich bin überzeugt, auch mit dieser letzteren Verwendung den edlen Gesinnungen aller Spender entsprochen zu haben. Den noch verbleibenden Restbetrag per 145 fl. 50 kr. glaubte ich. der, gegenüber der höchst beklagenswertben antisemitischen Strömung an unseren Hochschulen, gebildeten, gesellige und wissenschaftliche Zwecke fördernden Bereinigung der israelitischen Studierenden, nämlich der „Jüdisch-akademischen Lesehalle in Wien" widmen zu sollen. . _ Und nun noch ein Wort des Dankes an die edlen Spender. In so kleinen Rahmen sich die „Hilfsaction" darstellr. sie gibt doch ein sehr getreues Miniaturbild unserer heutigen Wiener Zustände, der in denselben herrschenden sittlichen Entartung, deren tonangebender Factor die höchste autonome comniuriale Behörde, der derzeitige Wiener Stadtrath ist.