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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-28 · 22 (28.5.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
22 (28.5.1897)
Date
1897-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 450 Dr Vwrtz's Moqrn,rtzrtfL Nr. 22 Wir haben für das abgelaufene Jahr eine Reihe überaus schmerzlicher Verluste an Förderern und Freunden zu verzeichnen. (Die Versammlung erhebt sich.) Am 21. April verschied Herr Baron Moritz Hirsch de Gereuth, ein Wohlthäter der Menschheit im Allgemeinen und seiner Glaubensgenossen im Besonderem. Seine Thätigkeit ging häufig Hand in Hand mit der unserigen, wie dies unseren Mitgliedern wohlbekannt ist. Wir erinnern nur an unsere gemeinsame galizische Schulactivn, die durch die reichen und überaus freigebig gespendeten Mittel des Verewigten zu der weltbekannten Schulstiftung führte. Nicht minder vertraut sind Jedermann seine fast beispiellosen Versuche, in Argentinien Hunderttausenden russischer Glaubensbrüder eine neue, glücklichere Heimat zu gründen. Wir haben auch aus unserem engeren Kreise den Verlust zweier bewährter, hochangesehener Collegen zu beklagen. Am 8. November verblich unser allgemein hochgeachtetes Vorstandsmitglied Herr Moritz Dub und am 19. März 1897 Herr Joses M. Ritter von Pfeiffer, ein Mann von hoher geistiger Begabung und fester Liebe zum Judenthum. Beide Verewigte waren treue Freunde und Berather unseres Vereines. An deren Stelle erlaubten wir uns die Herren Emil Horner und Leopold T r eb i t s ch vorzuschlagen, an denen wir wohl eine ausgezeichnete Acquisition gemacht haben, und welche wohl das Collegium wesentlich stärken werden. Dieselben haben sich mit Freuden zur Annahme des Amtes bereit erklärt. (Beifall.) Am 26. August verstarb weiters der Obmann unserer Filiale in Triest, Herr Giacomo Z e r k o w i tz im Alter von 77 Jahren. In jedem Berichte widmeten wir seiner rastlosen, aufopferungsvollen Bemühung zu Gunsten unseres Vereines die verdiente Anerkennung. Seine Wirksamkeit und sein Andenken bleiben bei uns hochgeehrt. Ank 28. September folgte ihm mit dem Tode nach Herr Salomon Chase s, der langjährige Obmann unserer Filiale in Brody, der sich um den Verein vielfach verdient gemacht. Einen weiteren empfindlichen Verlust erlitten wir in Folge Hinscheidens zweier unserer besten Freunde, deren Thätigkeit zwar kaum in die Oeffentlichkeit drang, aber darum nicht weniger segensreich sich äußerte. Am 10. Februar verblich Herr Julius Stern in Wien und am 22. Februar Ehrwürden Herr Dr. Emil Hoff, Rabbiner in Proßnitz. Am 28. April 1897 verschied unser Cassabeamte, Herr Leopold Epstein, der dem Verein seit dessen Bestände seine unermüdliche und pflichttreue Thätigkeit widmete. Das Andenken unserer verewigten Förderer und Freunde wird stets in unserer Mitte in Ehren bleiben. Zum Rechenschaftsbericht erhält das Wort das Vereins- Mitglied Herr Dr. Arnold Rabl, welcher den Bericht in mehrfacher Richtung nicht genug ausführlich findet. Wie die „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris alljährlich ein ganzes Buch über alle ihre Agenden veröffentliche und genaue Daten anführe, haben auch die Mitglieder der Wiener Allianz ein berechtigtes Interesse, einen tieferen Einblick hinsichtlich der Thätigkeit des Vorstandes zu gewinnen; durch einen erschöpfenden Bericht würde das Interesse der Mitglieder gesteigert und wohl auch außerhalb des Vereines erweckt werden. Wohl wurde über Rußland, Rumänien, Kreta rc. gesprochen, aber von Oesterreich kein Wort erwähnt, wo doch ohne Zweifel die Juden auch zurückgedrängt werden; sie haben hier in der Leopoldstadt und in Chodorow um ihres Glaubens willen gelitten, wir brauchen uns daher gar nicht zu geniren, im Berichte darüber zu sprechen, es sollen sich vielmehr jene schämen, die solche Vorkommnisse anzetteln. Auch über die letzte Generalversammlung wurde eine Erwähnung gemacht; im vorigen Jahre habe ein Mitglied den Antrag gestellt, ein Comite von jungen Leuten zu bilden, für den Verein Propaganda zu machen. Der Vorstand habe diesbezüglich eine wohlwollende Erwägung zugesichert, aber im Bericht stehe nichts darüber, ob und mit welchem Erfolge diesfalls etwas geschehen sei. Präsident v. G u t m a n n erwidert, daß die Allianz insbesondere hinsichtlich der Emigration russischer Juden ungeheuer viel geleistet habe, und wenn nicht durch die Baron Hirsch-Stiftung in Galizien eine fo namhafte Entlastung eingetreteu wäre, hätte der Verein dort seine Aufgabe nicht erfüllen können. Der Unterschied gegenüber der Pariser Allianz liege in den Mitteln. Hier herrsche eine unglaubliche Teilnahmslosigkeit, so daß der Verein nur über Einnahmen von 17.000 fl. bis 18.000 fl. verfüge; allerdings betragen die Berwaltungskosten über 6000 fl., aber die Administration des Vereines sei für große Actionen eingerichtet, das nöthige Personale müsse immer bei der Hand sein und könne nicht erst beschafft werden, wenn in einem Falle dringender Hilfe es vorhanden sein soll. Mit 12.000 Gulden könne man nicht viel ansangen, aber der Verein habe in mancher Richtung Großes geleistet. Gewisse Vorgänge, bei denen der Verein Beträge ausgegeben, entziehen sich der Discussion, darüber könnten aber aus Wunsch im Bureau nähere Aufklärungen ertheilt werden. Den Beschädigten in der Leopoldstadt sei nach den jüngsten Excessen der Schaden voll vergütet worden (Beifall), davon werde erst im nächsten Bericht erzählt werden. Die Excesse in Chodorow stehen mit den W a h l e n in Zusammenhang, da man aber an den Verein nicht herangetreten sei, so habe er bei seiner Finanzlage von selbst nichts leisten können. Es geschehe seitens des Vorstandes, was nach den geringen Mitteln möglich sei, wenn daher der Bericht nur mager sei, so wäre dies bei der nicht üppigen Casse nicht zu verwundern. Vereins Mitglied Dr. Bloch betont, daß die Allianz in Oesterreich selbst große Aufgaben zu lösen hätte, da auch hier die Juden so zu leiden hätten, wie in irgend einem Staate des Orientes, aber es fehle an den Baarmitteln. Es sei begreiflich, daß die Pariser Allianz, die große Summen habe, bei der relativ geringen Zahl der Juden in Frankreich mehr für auswärtige Glaubensbrüder leiste. Der Vorstand sollte aber in Erwägung ziehen, ob und wie die Pariser Alliance auch für Oesterreich zu gewinnen, es ließen sich wohl Mittel und Wege finden mit dem Schwesterverein sich zu vereinigen, nach dessen Programm wir zur Hilfe berechtigt wären, da er die Juden dort zu unterstützen habe, wo immer sie zu leiden haben. Der verehrte Präsident habe dargethan, daß die Allianz nach Maßgabe ihrer Mittel ihrer Aufgabe nachzukommen trachte und helfe, wie und wo sie nur könne. Nachdem er aber auch Präsident der Baron Hirsch-Stiftung sei, die für ganz Oesterreich segensreich wirke und nicht allein für Galizien, denn was aus dieser Stiftung dort geleistet werde, wirke auf uns alle zurück, da es doch den westösterreichischen Juden nicht gleichgiltig sein könne, ob die galizischen Juden ohne jede Bildung oder mit einem gewissen Maß von Bildung zu uns Herkommen, beantragt er, dem Herrn Ritter v. G u t m a n n in seiner Eigenschaft als Präsident den Dank der Versammlung auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Präsident v. G u t m a n n dankt zunächst dem Vorredner für die ihm gezollte Anerkennung. Bezüglich der im vergangenen Jahre in der Generalversammlung gegebenen Anregung eines Herrn Königsberg, daß junge Leute für die Allianz Propaganda machen, erwähnt der Präsident, daß der Vorstand den Projektanten wiederholt im Bureau empfangen habe und darauf eingegangen sei, der Herr Königsberg habe zwar angeregt, in seinem Kreise junge Leute für die Propaganda zu werben, aber es sei bloß bei dieser Anregung geblieben. Mit der Pariser Alliance sei wiederholt eine Verständigung wegen finanzieller Unterstützung für Oesterreich angebahnt, aber kein Erfolg erzielt worden. Es heiße immer, es sei unbegreiflich, daß man sich an sie wende, da doch Wien so viele reiche Juden habe, sie wären auch noch nicht zu uns wegen Unterstützung gekommen. Schließlich spricht der Präsident Namens des Vorstandes und der Versammlung dem Beamtenpersonale den Dank aus. (Zustimmung.) Vereinsmitglied Herr Gottlieb Bettelheim tritt gleichfalls für eine rege Propaganda ein, aber nicht durch Circuläre und Aufrufe, sondern durch die Thal- Die Allianz werde prosperiren, wenn sie beweise, daß sie nothwendig, existenzberechtigt und eine Repräsentanz der österreichischen Judenschaft sei, ihre Leistungen müssen also überall bekannt werden, sie dürfe aber nicht mit Ausschluß der Oeffentlichkeit arbeiten, dann werden viele neue und wohl auch manche opferwillige Mitglieder j eintreten. Der Verein soll demnach von Zeit zu Zeit Berichte über seine Thätigkeit veröffentlichen, wie es seinerzeit bei der russischen Judenvertreibung mit Erfolg geschehen sei. Es gebe noch genug zu thun, aber Jeder will wissen, was mit dem Gelde geschieht, .welches beigetragen werde, und wenn wenn der Verein für sich auf diese Art guasi Reclame macht, so werden auch die österreichischen Juden nicht Zurückbleiben, denn sie können dasselbe leisten, was die französischen und englischen Juden thun.

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