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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-21 · 21 (21.5.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 31 Vr. Bloch's Wochenschrift. Ung.-Hradisch. (T r a u e r g o t t e s d i e n st für } Baron Hirs ch.) Sonntag den 16. Mai, als am ersten Jahrzeitstage des Philantropen Baron Moritz Hirsch-Gereuth fand auf Beschluß des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde um 11 Uhr Vormittags im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Das Gotteshaus war hell erleuchtet, die Kanzel schwarz drapirt. Im Tempel waren versammelt: Der Vorstaild der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, der Vorstand der Chewra- Kadischa, der Vorstand des Minjanvereines Kunowitz mit dem Vorsteher Herrn Adolf Kohn, sowie auch sümmtliche jüdische Studenten des hiesigen deutschen k. k. Staats-Real- und Obergymnasiums. Rabbiner Phil. Dr. Josef Burstyn hielt die Gedenkrede. Nach Absingung eines Chorals von Sulzer und einiger Psalmen war der erhebende Gottesdienst zu Ende und wurde hierauf die Betheiluug der hiesigen Armen aus dem Legate des Verstorbenen vorgenommen. Ottynia. (T rauergo ttesdien st.) Am 10. d. M. als am Sterbetage des Hinscheidens des Philantropen M. Baron Hirsch fand im Locale des Vereines „Ose Chesed“ ein Trauergottesdienst statt, an dem sümmtliche Mitglieder des Vereines theilnahmen. Die Trauerrede hielt der Obmann des Vereines Herr David Sofer. Prostnitz. (Baron H i r s ch - G e d e n k s e i e r.) Anläßlich. des Sterbetages des großen Philantropen Baron Moritz Hirsch fand im hiesigen Tempel eine solenne Trauerfeier statt, welcher zahlreiche Andächtige anwohnten. Rabbiner Dr. Josef Hoff versah die Trauerfunction in würdiger Weise und verrichtete ein Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen. Jezierna. Montag den 10. Mai l. I. wurde auf Veranlassung des hiesigen Gutsverwalters Herr I. Ostersetzer als Correspondent, und Herrn A. Nagelberg als Leiter der hiesigen Schule der Baron Hirsch-Stiftung eine Andachtsseier für den vor einem Jahre verblichenen Stifter Herrn M. Baron Hirsch in der hiesigen Synagoge abgehalten. Um 9 Uhr früh stillte sich die imposante Synagoge, die in Trauerschmuck gehüllt war, mit Andächtigen. Der Obercautor aus Zloczüw, der eigens berufen wurde, executirte mit seinen trefflich geschulten Chore die rituellen Psalmen. Dann hielt Herr I. Ostersetzer einen eindrucksvolleu Nachruf, zeichnete die ausgezeichneten Tugenden und Verdienste des Verklärten. Nach dem Absingen des El mole ergriff der hiesige Stadtarzt Herr F. Hirschhorn das Wort, um die Wohlthaten des gottseeligen Baron Hirsch im Allgemeinen und insbesonders in Jezierna aufzuführen. Kostet, 11. Mai. (T r a u e r f a ll.) Unsere Cultusgemeinde wurde von einem herben Schicksalschlage heimgesucht. Am 8. Mai verschied nach längeren schweren Leiden der Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herr Moritz Baruch Böhmer. Nicht blos die Cultusvertretung und die Familienangehörigen, sondern alleMitglieder unserer Cultusgemeinde betrauern den Hingang dieses edlen Mannes, der mit einer bewundernswerten Geistesschärfe die größte Uneigennützigkeit, Ehrlichkeit und Herzensgüte verband. Durch viele wohlthätige Schöpfungeu, welche der Verblichene in's Leben rief, so lange er an der Spitze unseres Gemeindewesens stand, hat er sich ein rühmliches unvergängliches Denkmal gesetzt. Das Leichenbegängniß des theuren Verblichenen fand Sonntag den 9. d. M. statt, und die große Menge Leidtragender, die aus Nah und Fern herbeigeströmt war, sowie die große Menge von Beileidskundgebuugen bewies die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich der Verschiedene allenthalben erstellte. An seiner Bahre hielt unser Herr Rabbiner Sr. Ehrwürden Dr. Simon Mandl eine ergreifende Trauerrede, in welcher er besonders die Uneigennützigkeit und den edlen Opfernmth des Verblichenen hervorhob. Stanislau. (Verlobung.) Herr Dr. Karl Halpern. Sohn unseres Cultnspräses und Großgrundbesitzers Herrn Hirsch Halpern, hat sich mit Frl. Sabine Sußmann aus Ostrog (Wolhyniöe) verlobt. Leitmeritz. Am 12. Mai l. I. feierte Herr Sprachlehrer Moritz R ü b e n st e i n hier im engsten Familienkreise in voller Körper- und Geistesstische seinen 82. Geburtstag. Herr M. Rüben st ein ist auch seit 16 Jahren Vorsteher und ersprießlicher Förderer des Wohlthätigkeitsvereines Ovewra Kadischa. Sniatyn, 11. Mai 1897. Anläßlich der am 10. d. abgehaltenen Trauerandacht für Herrn Baron Hirsch, hat der vom hiesigen Local-Comitä gegründete Verein „Kindersteund" unter den Seite 439 Stistuugsschülern 80 Sommerauzüge und Kappen vertheilt. Die in den Schullocalitäten abgehaltene Trauerandacht fiel herrlich aus. Alles war zu Thränen gerührt. Berlin, 17. Mai. Herr Laudesrabbiuer Tr. F e ilch e n f e l d in Sch w e r i n feiert am 18. Juni seinen 70. Geburtstag. Ehemalige Schüler des Jubilars, die sich an einer angemessenen Ovation (Adresse) betheiligeu wollen, belieben ihre Adresse an den Redacteur Levin, Berlin, Schilliugstraße 32 zu senden. _ Feuilleton. Der Gefangene von Srbastopol. Bon S. Gordon. Ich hing bezaubert an den Lippen Salomvns. Seine Erzählung war wie ein Feuerwerk, das als Asche uiederfiel, bevor man' dessen wundervolle Tinge hatte sehen können. Tie Leere, welche sie in mir zurückließ, war beinahe eine schmerzliche Empfindung. Und doch verstand ich die gehaltvolle Kürze, die Berzichtleistuug auf jedes schmückende, für ihn schmeichelhafte Detail in den einfachen Worten des alten Mannes; dieses Abenteuer war schon so alt und seiner Erintternng so geläufig; es hatte für ihn eben gar keine Bedeutung. Es lebte uicht in seinem Gedächtnisse um seiner selbst willen, sondern als Folge einer Ursache, und die Ursache war größer als die Folge und erdrückte sie. Nicht oft hat ein Mensch in der Weise wie Salomou seinen Lebensüberdruß an den Tag gelegt. „Jawohl, Salvmon, jeder hat seine Sorgen", sagte ich, gewissermaßen als Antwort auf meine eigenen Gedanken, und gleich darauf schämte ich mich dieses Gemeinplatzes. „Es kommt nur daraus an wie wir sie tragen; manche von uns trifft eine Kleinigkeit wie ein Hammer, andere tragen das schwerste Leid wie eine Seifenblase des Geschicks." „Sagen nicht unsere Weisen, daß unser Herz weniger gebrechlich ist als Eisen?" fragte er mit mehr Theilnahme als meine Gemeinplätze verdienten. „Ich könnte Dir die Geschichte eines Mannes erzählen ...."; er hielt inne und sah auf die Uhr, die sich auf dem Balkon zwischen den zwei Frauengalerien befand und demselben das Aussehen eines Cyclopenkvpfes verlieh. „Die Leute werden vor einer Stunde nicht zurück sein; wenn Du Lust hast, einem alten Plauderer zuzuhören, will ich etwas erzählen, was sich vor Jahren in meiner Heimat zugetrageu hat." Ich nickte, um mir nicht merken zu lassen, wie gespannt ich war; freilich hätte ich lieber seine eigene Geschichte gehört, aber ich hatte eine stille Hoffnung, daß er von einer Sache erzählen würde, die ihm naheging und daß ich etwas von seinem eigenen Schicksale durch die Parabel erhaschen würde. „Sein Vater war der reichste Mann in Kadaan," begann Salomvn ohne Umschweife; „er hatte eine Schenke und da sie einige hundert Ellen vom Dorfe entfernt auf der Straße stand, so lvar sie den Bauern und Händlern, die auf den Markt kamen, die nächste, und auf ihrem Heimege die letzte, bevor sie Trenka erreichten, und dieser Umstand hatte einen großen Einfluß auf das Geschäft. Fawisch, der Sohn — eben der Mann, von dem ich Dir erzähle — half in der Schenke, aber die Beschäftigung sagte ihm nicht zu. Die fremden, stechen Gesichter flößten ihm Schrecken ein. Er saß viel lieber in feiner Dachkammer nnd blies mit seinem Flügelhoru beinahe das Dach vom Hause herab. Als er. ein Knabe von zwölf Jahren war, brachte ihnr sein Onkel ein Flügelhorn und das bestimmte seinen Lebensberuf: er wollte ein Klesmer werden, ein Musiker, sonst nichts. Als er in's Jünglingsalter trat, war er schon sehr geschickt und in der ganzen Umgebung gesucht. Jetzt war er bereits ein Mann, gerade so zurückhaltend lvie sonst, stets gern allein, häßlich und ungeschickt, aber bereit, sein Herzblut herzugeben für diejenigen, welche er liebte. Eines Tages kam Chananja, der hausirende Glaser aus Uldrodno, der, nebenbei gesagt, auch der Straßenkehrer der Gegend war, weil er Alles aufhob, was Niemand mehr anrühren wollte, zum Vater des Fawisch in's Geschäft. „Mendel", sagte er hüstelnd und kichernd, „Dein Sohn — hundert Jahr soll er leben — ist bereits vierundzwanzig Jahre alt. Es ist Zeit, daß er, wie es einen! guten Juden ziemt, seinen Hausstand gründe."

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