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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-21 · 21 (21.5.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 438 Vr. VLoch's Wochenfchrifi Nr. 21 kürzester Frist wird man die Häuser ihrer Bestimmung übergeben können. New Aork, 5. Mai. Es ist meine traurige Pflicht, Ihnen anzuzeigen, daß unser Freund Louis Schnabel uns entrisset wurde. Gestern küßte der Me erlösende Tod seine edle Seele ins ewige Jenseits. Louis Schnabel, einer edlen Familie in Proßnitz, Mähren, entstammend, wurde 68 Jahre alt. Er war ein Mann, der sich nicht nur ein großes Wissen aneignete, sondern reiche fruchtwirkende Erfahrungen zum Wohle feiner Mitmenschen erwarb. Er war vielfach literarisch thätig. Er gab eine Jugendschrift „Ioung Israel" heraus und deutsche, englische, französische und hebräische Zeitschriften brachten seine Artikel unter dem Namen Mi Jodea, welche gerne gelesen und beachtet wurden. Er lebte, die letzten 33 Jahre in New-Iork und verbrachte mehrere Jahre vorher in Paris. Er war in der ersten Zeit, durch mehr als 12 Jahre Director des jüdischen Waisenhauses, später der Leiter der Industrieschule, derselben, aus welcher das eine mit Recht berühmte „Jewish polytecnical Institute" hervorgegangen ist, und die letzten Jahre zierte er die Baron Hirsch'sche Erziehungsanstalt als leitender Director. Sein liebenswürdiges, menschenfreundliches Wesen gewann das Herz eines Jeden, mit dem er in Berührung kam. Darum drängte sich eine Schaar wahrhaft Trauernder zu den letzten Ueberresten des edlen, treuen Freundes, um ihm den letzten thränenden Scheideblick ' zu weihen. Sein specieller Freund, der greise Dr. Jastrow, eilte von Philadelphia nach New-Iork um die Worte des Abschiedes am Sarge des Verblichenen zu sprechen. Keinen besseren und würdiger» Sprecher konnte die Trauerversammlung sich bei dieser Trauerandacht wünschen. Von oft mit Thränen erstickter Stimme pries er die Tugend und Treue des Verstorbenen. Als er seine Gelehrsamkeit erwähnte, da neigte, was New-Iork an Talmudgelehrsamkeit birgt, beistimmend thränenfeucht das Haupt. Als er aber die Wirksamkeit des Hingeschiedenen als Director des jüdischen Waisenhauses darstellte, wie er durch viele Jahre es verstanden, elternlose Judeukinder zu existenzfähigen Menschen zu erziehen, da stöhnten in dumpfem Schmerz gar viele der anwesenden Männer und Frauen, die einst seine Zöglinge waren und ihn wie einen Vater ehrten. Als die Baron Hirsch'sche Schule ins Leben gerufen wurde, da wurde die Leitung derselben dem erprobten Louis Schnabel anvertraut. Und wie gut hat er diese wichtige Stelle verwaltet! Mit Recht hob Dr. Jastrow hervor, daß der Verstorbene zu dieser Stelle berufen wurde, in einem Alter, wo gewöhnliche Menschen sich zur Ruhe setzen. Ihn verjüngte dieser Wirkungskreis. Hohes, Erhabenes hat er bis zur letzten Stunde seines Lebens als Director der Baron Hirsch'schen Erziehungsanstalt geleistet. Er hat das lernbedürftigte Element der russischen Einwanderung geistig gehoben, den Geistesarmen das Licht des Wissens angezündet, dem Armen den Weg des Fortbestandes in der neuen Welt gezeigt und dadurch für spätere Generationen wohlthätig fortwirkend Gutes gestiftet. Sein Gedenkeu bleibt unvergeßlich in unserer Mitte. M. T. Wien. (Ovation für Professor Oser.) Herr Professor Oser, den kürzlich, wie wir bereits mittheilten, Seine Majestät der Kaiser durch die Verleihung des Titels eines Regierungsrathes auszeichnete, erhielt bei dieser Gelegenheit von allen Seiten die herzlichsten Ovationen. Vom Rothschild-Spitale haben ihn der Verwalter Herr Doctor Ko rany i, der erst e Assisie nt Herr Dr. R o s enth al B e l a, sowie die Herren Secundarärzte Dr. Sigmund Bloch, N. Nofsal, Pfeffer beglückwünscht. Der Director des Stefanie-Spitales Primarius Rossanets sandte gleichfalls seine besonderen Gratulationen. Unter den vielen Zuschriften dürfte Herrn Professor Oser besonders ein Glückwunschschreiben erfreut haben, das chm von einer Anzahl Patienten im Rothschild-Spitale zukam und das überaus warm gehalten war. Wien. Donnerstag den 20. Mai fand um y*l Uhr Nachmittag im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung von Fräulein Paula Hauser, Tochter des Herrn Jacob Hauser, mit Herrn Dr. Heinrich H a a s e, und um 3'/» Uhr Nachmittag die Trauung von Fräulein Olga Schlesinger, Tochter des Herrn Sigmund Schlesinger mit Herrn Alexander K o h n, Associö der Firma Stroheim und Comp., statt. Im israelitischen Tempel IX., Müllnergasse 21, hat am selben Tage um 4 Uhr Nachmittags, die Trauung von Frälein Esther Kläger, ^Tochter des Obercantor dieses Tempels Herr Ppilipp Kläger mit Herrn Dr. T h a l e r stattgefunden. Im israelitischen Tempel, VI., Schmalzhofgasse, hat am selben Tage um 7,1 Uhr Nachmittag die Trauung von Fräulein Clementine Sachs, Tochter des M. U. Dr. Simon Sachs in Pisek, mit Herrn Aurel K r a m m e r stattgefunden. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a".) Mit dem nächsten am Sonntag den 23. d. M. stattfindenden Vortragsnachmittage beendet dieser Verein seine Sommersaison. Herr I. Werner w ird über die Offenbarung am Berge Sinai und das Wochensest sprechen. Gäste (Damen) sind herzlich willkommen. Vereins locale I., Schottenring 23. Beginn 3 Uhr. Wien. Die akademischenVerbiu düngen „Jvria", „Kadimah", „Libanon ia" und „Unrtas" hielten Samstag den 8. Mai a. c. im Ballsaale Ronacher den Eröffnungscommers für das Sommersemester ab. Der festliche Abend wurde von dem Altburschen der akademischen Verbindung „Libanonia" Cand. med. vet. Josef Frey geleitet, welcher an die Versammelten Worte der Begrüßung richtete und unter den erschienenen Gästen speciell Dr. Th. Herzl sowie die „alten Herren" der Verbindungen hervorhob. Das altehrwürdige „Gaudeamus" leitete den Commers ein, an welches anschließend der Präses der „Jvria" Ing. D. Racher die mit vielem Beifall begleitete Festrede sprach. Den eigentlichen Glanzpunkt des Commerses bildete die hierauf folgende „Tendenzrede" des Präses der „Kadimah" Med. S. W a s s e rm a ii n. Cand. jur. Richard Wagner aus der „Unitas" brachte einen Toast auf die „alten Herren" der Verbindungen und der Vicepräses der „Libanonia" Cand. med. Jul. Wolf einen Toast auf die jndischen Frauen aus, in welchen die Corona begeistert einstimmte. Nach den genannten Rednern ergriff Dr. Th. Herzl das Wort, welcher die jüdischen Studenten aufforderte, unerschrocken in den richtigen Bahnen für die Freiheit ihres Volkes weiter zu kämpfen. Seinen Worten folgte lauter Jubel und Beifall. Der inofficielle Theil, welcher sich hieran anschloß, vereinigte die Betheiligten an dem Commerse zur fröhlichen Unterhaltung. Von befreundeten Vereinen hatten ihre Vertreter zu diesem Feste gesandt. Die akademischen Verbindungen „Veritas" und „Zephira" aus Brünn, „Astra" aus Kanitz, jüdischer Verein und „Zion" aus Brünn, Jüdische akademische Lesehalle, theologischer Verein „Zion" und „Emmah", Verein jüdischer Mädchen „Moria" und „Hadaffah". Wien. (Großes Gesangsconcert.) Noch in diesem Monate gelangt unter Leitung des angehenden Tonkünstlers Isidor I. Fettig ein großes Gesangsconrert in Wien zur Aufführung. Die Proben des aus 30 Personen bestehenden Chores finden bereits statt. Zur Aufführung gelangt: 1. Fellig: „Präludium" in v-ckur, Cyor mit Orgelbegleitung. — 2. Fellig: Fragment aus „Kaufmann von Venedig", Antonius I. Auftritt mit Clavierbegleitung, singt Opernsänger Herr Oscar Lamberti. — 3. Purcell: „Oratorium" in G-moU mit Einleitung von Knecht, Chor mit Orgelbegleitung. — 4. Glinke: Arie aus der Oper „Das Leben für den Czar", mit Clavierbegleitung, singt Herr I. Gluschak. — 5. Fellig: „An Edon", Lied mit Clavierbegleitung, singt. Fräulein Hansi Rolando. — 6. Fellig: „Harfnerlied" mit Clavierbegleitung, singt Herr Oscar Herrenfeld. — 7. Mozart: Arie ans der Oper „Die Zanberflöte" mit Clavierbegleitung, singt Opernsänger Herr Oscar Lamberti. — 8. Mendelssohn: Doppelchor Nr. 3 in Ls-ckur aus „Athalia" mit Einleitung von Rinck, mit Orgelbegleitung. Die Chöre leitet persönlich Isidor I. Fellig. Tag der Aufführung wird veröffentlicht. Anfragen wegen Karten: „Wiener Blatt", IV., Wienstraße 13. Wie». Das Epos „F ü n f D e c o r i r t tn von Rudolf Christoph Jenny, welches am 21. April im großen Festsaal des Wiener Ingenieur- und Architektenvereins durch Herrn Richard Feldhaus, Vorstandsmitglied der deutschen Friedensgesellschaft, vorgetragen werden sollte, wurde in letzter Stunde von der Censurbehörde verboten, wogegen es in Innsbruck, Görlitz, Löwenberg, Breslau, Königsberg, Berlin und Magdeburg etc. durch Herrn Richard. Feldhaus mit großem Beifalle zum Vortrag gebracht wurde. Das Werk, dessen buchhändlerischer Vertrieb zur Zeit noch frei ist, kann durch die österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde zum ermäßigten Preis von 90 kr. portofrei bezogen werden. Floridsdorf, 18. Mai. Der Chordirigent am polnischen Tempel in Wien, Herr David Weiß, wurde zum Cantor der israelitischen Cultusgemeinde Floridsdorf gewählt. Mödling. Unser langjähriger Secretär und Cantor Herr Josef Benedict feierte mit seiner Frau Rosalia, geborene B e n d i n e r, am 20. d. M. in voller Körper- und Geistessrische das schöne Fest der silbernen Hochzeit.

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