Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 21 (21.5.1897)
- Date
- 1897-05-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. äi Vr. VLortz's Wochrnphrkst. Seile 437 Dauzig, 9. Mai. (S y n a g v g e n v e r b a n d f ü r Westpreuße n.) Unter der Leitung des Vorsitzenden der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn G. Davidsohn, fand am 2. d. M. im großen Saale des Restaurant Franke eine Versammlung von Vertretern der Synagogengemeinden der meisten Städte unserer Provinz statt — im ganzen 52 Theilnehmer — in der über die Gründung eines Synagogengemeinde-Verbandes siir die Provinz Westpreußen berathen wurde. Der Hauptzweck des zu gründenden Verbandes soll die Hebung des jüdischen Religionsunterrichtes in den Volksschulen der kleineren Städte sein, und es soll durch denselben hauptsächlich dafür gesorgt werden, daß die Kinder israelitischer Eltern nicht ohne jeden Religionsunterricht bleiben. Nach der Sitzung vereinigten sich die Theilnehmer zu einem gemeinsamen Mahl im obigen Restaurant; Nachmittag wurde eine Fahrt aus See mit Anlegen an der Westerplatte unternommen. In den Ausschuß wurden gewählt: Die Herren G. Davidsoyn, Rechtsanwalt Behrendt und Rabbiner Dr. Blumenthal von hier, Rabbiner Dr. Rosenstein-Graudenz, Grabowski- Konitz und Schick-Zempelburg, Kanfleute D. Wolfs-Thorn, K. Landshut-Neumark, Löwenstein-Elbing, Steruberg-Kulmsee, Lewinneck-Neustadt und Beigeordneter Goldfarb-Pr. Stargard. Bad Königsdorff in Schlesien, 14. Mai. lieber die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb versendet die Verwaltung von Gleiwitz aus soeben den 5., 6. und 7. Jahresbericht, die Zeit von 1894 bis einschließlich 1896 umfassend. Wir entnehmen demselben Folgendes: In der Saison 1895 hat die Anstalt 74 Kindern, 35 Knaben und 39 Mädchen, und im Jahre 1895: 76 Kindern, 32 Knaben und 44 Mädchen, Aufnahme gewahrt. Im Jahre 1896 hat die Anstalt eine bedeutende Erweiterung erfahren. Um den immer mehr gesteigerten Anforderungen Genüge zu leisten, die zumal während der Schulferien an sie herantraten, sind zehn neue Betten hinzugefügt worden. Jnsgesanlmt hat die Anstalt im Jahre 1896: 83 Kindern, und zwar 35 Knaben und 48 Mädchen ihre gastlichen Pforten geöffnet. 33 Kinder erhielten Freistellen, 26 wurden halbe Freistellen gewährt und 24 zahlten einen Satz, der den Selbstkosten annäherungsweise gleich kam. Von der guten, zweckmäßigen Pflege der Kleinen liefert das beste Zeugniß die außerordentliche Zunahme des Körpergewichtes, welches bei vielen Kindern innerhalb 4 Wochen 3 Kilogramm und sogar 3% Kilogramm gestiegen ist. Als Curmittel wurden angewendet: Soolbäder, Sool-Trinkcnr, Sool-Jnhalationen, Sool-Umschläge, Sool-Gurgelungen, Massage, Elektricität rc. Die Curzeit der Pfleglinge betrug in der Regel vier volle Wochen; bei mehreren wurde dieselbe bis zu sechs Wochen, bei Einzelnen bis zu acht Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung erziehliche Aufsicht, ärztliche Behandlung, Bäder und andere Curmittel, beziehungsweise Arzneien zu Theil geworden. Als sehr wichtige Heilfactoren müssen noch die kräftige, gute Kost, die vorzügliche Pflege, der freie Aufenthalt in der gesunden Luft erwähnt werden, die den Anstaltskindern hier in so reichlichem Maße zu Theil wurden, und was zu einem wirklichen Erfolge einer Badecur durchaus nöthig ist. Am Schlüsse des Berichtes wird den Einzelpersonen und Körperschaften, welche in den verstrichenen drei Jahren die israelitische Kinderheilstätte unterstützt haben, für die Spenden und sonstigen Zuwendungen gedankt und besonoers mit Rücksicht auf die nothwendig gewordenen baulichen Neuanlagen um weitere Gaben gebeten. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind an Rabbiner Dr. W i l h e l in Münz-Gleiwitz und Beiträge sowie sonstige Geldsendungen an Bankdirector Jacob Fraenkl-Gleiwitz zu senden. Der Cassenbestand betrug am 31. December 1896 1268'01 M. Außerdem sind vorhanden 20.000 Mark Baufond und 1900 Mark unantastbares Capital aus Vermächtnissen und Stiftungen. L. L. Braila. (David S chwar zm ann'sche Stiftung s s ch u l e.) Wie alljährlich wurde auch Heuer ein Ball arrangirt, dessen Erträgniß zu Gunsten der von dem Großindustriellen Herrn David Schwarzmann in Wien für seine Vaterstadt Br a il a gestifteten israelitischen Volksschule bestimmt war. Der Ball, der von den Honoratioren aller Confessionen zahlreich besucht war, fiel glänzend aus. Besondere Verdienste hat sich der Präsident des Ballcomitss Herr Theodor M e n d l erworben. Demselben zur Seite standen die Comitemitglieder, Frauen: Laura S. Straß, Julie D. K o f f l e r, Dora D. K o f f l e r, Reb. I. N e u m a n n, Charlotte D. K o f f l e r, Friderike M. W e i n t r a u b, Adele H. Schloimowitz, Libertina M. W e i n t r a u b, Lina G. R o s e n z w e i g, Ernestine S. Straß, Amalie D. G o l d e n b e r g, Carlonina und Rachelle D. F r i e m a n n, Dora N e st o r i a n u und die Fräuleins; Marie M. S i l b e r st e i n und Mathilde S. Gründe r g. Das Reinerträguiß des Festes, zu welchem Herr David Schwarz m a n n 100 Francs spendete, belief sich auf 5552 Francs, welche dem humanen Zwecke zugesührt wurden. Petersburg. Es scheint wirklich eilte Epidemie der I u d e n k r a w a l l e zu geben und der erfahrene Bölkerpsychologe wird gewiß diese Regungen der Volksseele leicht in Zusammenhang bringen können. Kaum ist der Jammer von Spola verhallt, kommen Nachrichten über Judenverfolgungen aus der Stadt Minsk, in der circa 50.000 Juden unter 90.000 Einwohnern leben. Am 28. v. Mts. ging ein Officier an der Spitze einer Compagnie von Soldaten durch die Straßen der Stadt mit dem Rufe: „Tödtet die Juden!" Als sie in das Judenviertel kamen, war die Menge immer mehr angewachsen. Der Polizeimeister befahl den Juden, ihre Häuser zu schließen und sich zu verbarricadiren. Diese Anordnung wurde auch befolgt, und die Juden suchten sich selbst zu vertheidigen. In dem Hause eines sehr bekannten Kaufmannes, M. Kaplan, wurde ein Mann durch einen Degenstich schwer verwundet. Schließlich lvar es auf Plünderung der Geschäfte und Wohlhabenden abgesehen. Da sie aber bei dem Angriff auf das Haus des reichen Eisenhändlers Schabath ernstlichen Widerstand erfilhren und Mehrere sogar erheblich verwundet wurden, warfen sie sich aus die Häuser und Kramläden der armen Juden und demolirten hier alles. Fünf Stunden lang dauerte der Krawall, bis der Polizeichef ihnen drohte, nach Petersburg zu telegraphiren. Da erst commandirte der Officier die Mannschaft in die Kaserne, und nun zerstreute sich auch das Gesindel, das der Compagnie in das Judenviertel gefolgt war. Wie es heißt, sind viele Juden verwundet, drei todt, und eine Anzahl jüdischer Kinder wurde in den Straßen erdrosselt aufgefunden! Auch von den Soldaten sind 30 ernsthaft verwundet. Die Ursache des Krawalls ist bis heule nicht bekannt. Aber was bedarf es fiir einen russischen Pöbel noch besonderer Gründe? Auch in Kantazulow, Chersoner Gouvernement, kamen, laut telegraphischen Meldungen, große Judenverfolgungen vor. Sämmtliche jüdische Kaufläden wurden zerstört und ausgeplündert, die Häuser der jüdischen Bevölkerung dem Erdboden gleich gemacht, drei jüdische Einwohner erschlagen. Nur die Synagoge blieb unversehrt. Die entsendete Militärabtheilung kam zu spät. Tiberias, 10. Mai 1897. Unter hiesiger Bevölkerung gibt es nur circa 500 Muhammedaner und 200 Christen, die der griechisch-unirten Kirche angehören, während der Rest aus etwa 4500 Inden bestehen dürste. Dagegen gibt es im Orte bisher kein jüdisches Krankenhaus, obwohl es für die arme Bevölkernng ein dringendes und unabweisliches Bedürsniß ist. Wohl aber haben wir hier ein griechisch-russisches Hospitz und eine protestantisch-schottische Mission, die in einem prachtvollen Hause unentgeltlich ein Krankenhaus unterhält mit 20 im Bedürfnißfalle sogar mit 35 Betten. Jedoch muß jeder der Kranken die Predigt mit anhören, und wird, so er sich weigert, im Bette dazu hinuntergetragen. Jetzt wird nun aus Kosten der Frau Rosalie Poliakoff, der Gemahlin des wirklichen Staatsraths Poliakoff, ein kleines Krankenhaus eröffnet, das normal zehn Betten hahen soll, jedoch bis zu 15 erweitert werden kann. Das Haus allein kostete 3000 Francs, während der nöthige Umbau nach 5500 Francs erfordert. Im Verlauf eines Monats wird der Hausbau vollendet sein. Herr und Frau Poliakoff gebeu noch außerdem 15 Betten nebst Wäsche für die Kranken, sowie sämmtliche Möbel und fiir einige hundert Mark nöthige chirurgische Instrumente. Ein aschkanasischer Meschulach, der jetzt mit seinem Bruder als Meschulach für den Jerusalemer Waiad Kol-hakolelim in Amerika reist, schickten ferner von dort 1200 Francs, die er für das jüdische Hospital in Tiberias gesammelt hatte. Jaffa, 10. Mai 1897. Die fünf Häuser von Rehoboth „Esra", welche der Verein „Esra" von Berlin vor Rehoboth hat aufführen lassen, sind nebst fünf dazu gehörigen Ställen vollendet und von der Commission für gut befunden worden. Die Häuser, die jedes 15X12 Meter gebaut sind, haben zwei große Zimmer, und bekommen noch einen Anbau für eine Küche. In jedem Falle ist es auch erfteulich, daß die Kosten geringer sind, als mall beim Voranschlag dachte. Nunmehr wird die Commission daran gehen, fünf Familien von den Arbeitern auszuwählen, denen diese Häuser überwiesen werden. Schon in