Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 21 (21.5.1897)
- Date
- 1897-05-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 436 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 21 tief und schmerzlich empfunden. Die Ernennung eines Collegen sofort nach seiner Taufe hat das Maß der aufrichtigen Entrüstung vollgemacht, so daß sie mit Einmüthigkeit den Beschluß gefaßt haben, an die Abgeordneten der Bukowina ein Memorandum zu richten, damit diese crasse Verletzung des Staatsgrundgesetzes, welches auch voni k. k. Oberlandesgerichte b e s ch w o r e n worden ist, im Parlamente zur Sprache gebracht werde. Wenn auch den Rechtspraktikanten damit keineswegs wird geholfen sein, so wollen sie doch wenigstens, daß die Welt erfahre, wie man mit den allezeit patriotischen und loyalen jüdischen Staatsbürgern verfährt. Das Memorandum führt die Sprache ehrlicher Entrüstung. Es steht zu erwarten, daß insbesondere die Abgeordneten Dr. Benno Straucher, T i t t i n g e r und Ro sch manu sich die Gelegenheit nicht werden nehmen lassen, den Justizminister diesbezüglich zu interpelliren. Lemberg. Es dürfte viele Leser Ihres geschätzten Blattes interessiren, die Wahrheit über den hiesigen Statutenstreit zu erfahren. Die vom Cultusrath und den Vertrauensmännern berathenen Statuten sind in der That wegen einiger formeller Bedenken in Folge eines hochtrabenden Protestes der Orthodoxen an den Vorstand zurückgeleitet worden. Außer einigen unwesentlichen Steuerangelegenheiten beanstandete die hohe Statthaltcrei die Benennung der sogenannten Magid für die innere Stadt als Rabbinats-Stellvertreter. Der Cultusrath hat nun nach eingehender Berathung und unter Berücksichtigung einiger, von den Protestirenden vorgebrachter Wünsche, das Statut fast in derselben Gestalt wie früher angenommen. Hienach stellt die Gemeinde zwei vollkommen gleichberechtigte Rabbiner an, von denen der eine der conservativen, der andere der fortschrittlichen Richtung angehören muß. Beide führen den Titel Gemeinderabbiner. Der Magid in der inneren Stadt erhält den Titel Synagogenrabbiner. Diese drei Rabbiner von denen der vom Vorstand von Fall zu Fall hiezu designirte Rabbiner den Vorsitz führt, bilden das Lemberger Rabbinat. So verhält sich die Sache der Wahrheit gemäß. Krakau. Die Statutenfrage und die Einführung des Gesetzes vom 21. März 1890 in Galizien, die schon oft eingehend in der „Oefterreichischen Wochenschrift" besprochen wurde, scheint endlich einer befriedigenden Lösung entgegenzugehen. Um den Statutenentwurf für die Krakauer Cultusgemeinde endlich zu vollenden, hat das Präsidium der hiesigen Cultusgemeinde beschlossen, vorher eine Concurrenz einzuberufen, bei der sämmtliche Parteien in unserer Gemeinde ihre Wünsche darlegen könnten. Diese Conferenz fand am 16. d. M. unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Leon Hvrowitz statt, zu welcher auch die Vertrauensmänner der Regierung eingeladen waren. An der interessanten Debatte betherligten sich besonders der Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Dr. Leon Hvrowitz, der Vicepräsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath und Handelskammerrath Hirsch Landau, sowie die Gemeinderäthe Dr. I. Popper, Dr. Leon Rotwein, Advocat Dr. Klein, H. Fränkel, Advocat Dr. Tischler und Dr. Wechsler. Bei der nächsten Sitzung des Vorstandes wird das Statut endgiltig durchberathen und nachher der Statthalterei vorgelegt werden. Nun wird es Sache der Regierung sein, eine rasche Erledigung des Entwurfes und Einführung des Gesetzes herbeizuführen. Der Handelsminister hat zu Mitgliedern des k. k. Staatseisenbahnrathcs aus Galizien von unseren Glaubensgenossen die Kammerräthe Lazar Bloch, Moritz Dattner, Sigmund Szancer und Arthur Szaucer, den Letzteren als Ersatzmann, berufen. Bei der letzten Sitzung des Cultusvorstandes hat der Präsident Dr. Leon Hvrowitz über den Wiener israelitischen Gemeindetag Bericht erstattet und hat der Vorstand beschlossen, der Wiener Cultusgemeinde den Dank für die freundliche Aufuahme schriftlich auszudrücken. Gleichzeitig bat der Vorstand sowohl dem Präsidenten Dr. Leon Hvrowitz, als dem Vicepräsidenten Hirsch Landau für die Vertretung bei dem Gemeindetage den Dank votirt. Berlin, 10.Mai. Aus ärztlichen Kreisen wird der „Jüdische Presse" geschrieben: „Für jeden Juden war es sicherlich schmerzlich, in den Tagesblättern zu lesen, mit welchen Schwierigkeiten die Leitung des XII. intern a t i o n a l e n m e d i c i n i s ch e n C o n g r e s s e s. welcher nächstens in Moskau stattfinden soll, hinsichllich des' unbehinderten Aufenthaltes der jüdischen Aerzte in Rußland zu kämpfen hatte. Nunmehr ist es endlich gelungen, für die jüdischen Collegen während der Dauer des Congresses die Schranken hinwegzuräumen: wer von den jüdischen Aerzte» will, kann hingehen. Zweck dieser Zeilen ist es aber, darauf hinzuweisen, daß es sich meines Erachtens nach den eben angedeuteten Thatsachen für einen charaktervoll denkenden und fühlenden Juden nicht geziemt, dorthin als Gast zu gehen, wo ihm erst nach langen und demüthigenden Verhandlungen die Thür geöffnet wurde. Ist es nicht schon traurig genug, daß man uns im eigenen Vaterlande vorwirft, wider Willen des Wirths das Gastrecht zu gebrauchen, daß man uns in der Heimat, in der wir geboren sind, als aufdringliche Fremdlinge behandelt? Warum sollen wir uns auch noch anderswo es gefallen lassen, nur geduldet zu werden? Nie und nimmermehr dürfte ein jüdischer Arzt eine solche Selbsterniedrigung über sich gewinnen. Wir wollen doch auch zeigen, daß wir ein Empfinden haben, ein jüdisches Empfinden, das trotz der tausendfältigen Nadelstiche, Gott sei Dank, nicht geschwunden ist. Im eigenen Vaterlande sind wir leider — bis jetzt noch — ohnmächtig gegen die Brutalitäten, mit denen man uns von Seiten der „Besten der Nation" täglich überhäuft; sich aber zum Vergnügen — und sei es auch zu einem wissenschaftlichen — dorthin zu begeben, wo man uns am Liebsten mit Fußtritten tractirte, das ist ftir einen anständigen Menschen unmöglich. Blutet nicht jedem Juden das Herz, wenn Männer wie Senator, A. F r ä n k e l, M u n k, Julius Wolfs, Rosenthal und die vielen anderen medicinischen Größen unseres Stammes vor einer Corona von Männern sprechen müssen, deren Sinnen und Trachten — wenigstens zum Theil — darauf gerichtet ist, gerade diesen Zierden des jüdischen Volkes alle Wege zum Fortkommen zu verlegen? Darum gibt es nur Eins für die jüdischen Aerzte: den Moskowitern zu zeigen, daß der jüdische Stamm nicht nur große Aerzte und Forscher, sondern noch weit mehr Männer von großem Denken und Fühlen hervorzubringen im Stande ist." . Berlin, 10. Mai. Wie Sie zur Zeit berichteten, fand am 3. März eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Delegirten der hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, Wohlfahrtsanstalten, Stiftungen u. s. w. statt, deren Zweck die Berathung über die Gründung eines Verbandes für jüdis ch e W o h l t h ä t i g k e i t s p f l e g e zu Berlin bildete. Nach den provisorisch entworfenen Satzungen erstrebt der Verband die gegenseitige Förderung der Humanitären Ziele der sich anschließenden Vereine, den Austausch und die Verbreitung wichtiger Erfahrungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, was durch Zusammenkünfte, Berichterstattung und gegenseitige Aussprache der Delegirten, sowie durch Benutzung der seit etwa l'/z Jahren bestehenden „C e n t r a l st e l l e für die W v h lt h ä t i g k e i t s a n st a l t e n innerhalb der jüdischen Gemeinde" erreicht werden soll. Die Constituirung des Verbandes ist nunmehr in einer zu diesem Zwecke am Donnerstag den 6. d. Mts. stattgehabten Delegirten-Conferenz definitiv erfolgt. Etwa 40 Vertreter hiesiger jüdischer Wohlthätigkeits- Anstalten und -Vereine waren der Einladung des Gemeindevorstandes gefolgt und stellten in eingehender, zunc Theil recht lebhafter Debatte die 11 Paragraphen umfassenden Satzungen des neuen Verbandes fest. Zu Mitgliedern des geschäftsfübrenden Ausschusses wurden außer Herrn Martin Simon als Vorsitzenden der „Centralstelle" noch gewählt: die Damen Frau Julie N e u m a n n und Frau Dr. M a y b a u m, die Herren Rechtsanwalt Breslauer, Julius G r ü n w a l d, Doctor Hirsch Hildesheimer, Dr. Georg M i n d e n, Gustav Sachs und Siegfried Sachs. Gießen, 9. Mai. (Habewns papam!) Nein, gleich zwei und zwar einen gemäßigt liberalen und einen hochorthodoxen Provinzialrabbiner. Die Großherzogliche Provinzialdirection macht unterm 1. d. M. bekannt: „Nachdem Seine königliche Hoheit der Großherzog allergnädigst geruht haben, die Rabbiner Dr. David Sander in Karlsruhe und Dr. Leo Hirschfeld in Gießen zu Provinzialrabbineir, beide mit dem Amtssitze in Gießen zu ernennen, so wird dies zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Der Amtssprengel des erstgenannten Rabbiners hat sich aus diejenigen Judengemeinden zu erstrecken, deren Vorstände ihre Zugehörigkeit zur gemäßigten liberalen Richtung des Judenthums beschlossen haben beziehungsweise beschließen, wogegen der Amtssprengel des anderen Rabbiners die Judengemeinden der orthodoxen Richtung umfaßt, — unbeschadet des Rechtes der einzelnen Gemeinde-Angehörigen, für sich und ihre Familien-Angehörigen auch die Amtsthätigkeit des anderen, ihrer religiösen Richtung am nächsten stehenden Rabbiners in Anspruch zu nehmen".