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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-21 · 21 (21.5.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
21 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 Vr. Vloch's WochrnptzrM. Seite 435 Menschen beizubringen, war mir leitendes Princip in meiner fünfzigjährigen Wirksamkeit". — Gelegentlich der Wahlen für den Trencsiner Comitatsausschuß entfaltete Pfarrer Josef Bad ik eine maßlose antiseniitische Agitation. Er machte sehr häufig gehässige Ausfälle gegen die jüdische Confession, weshalb die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Aufreizung gegen ihn erhob. Badik wurde zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die königliche Curie bestätigte dieser Tage das Urtheil. — Das Adele Brody- Kinderspital, eine dem edelsten Gefiihle entsprossene, dem edelsteu Zweck geweihte Schöpfung werkthätiger Menschenliebe, wurde heute seiner Bestimmung übergeben. Diese neue Stätte der Humanität verdankt ihr Entstehen dem edlen Entschlüsse eines Mannes von großem Herzen, der bei der israelitischen Cultusgemeinde den Betrag von 640.000 Kronen hiefür erlegte. Mit opferfreudiger Hingebung führte die Gemeinde — allen voran der nimmermüde warmfühlende Präsident Herr Siegmund K o h n e r — die großartige Stiftung, die in unserem Vaterlande ohne Beispiel dasteht, der Verwirklichung zu, so daß dieses im Schmerze des Gattenherzens der Heimgegangenen Lebensgefährtin gewidmete Denkmal nunmehr in glänzender Vollendung dasteht. Mit der Verwerthung der neuesten Errungenschaften der Hygiene und der Technik erbaut und eingerichtet, ist diese Heilstätte,welche Allen ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität ihre Pforten öffnet, ein leuchtendes Wahrzeichen wahrhaften Gemillus Chesed. Die Stiftung des Oberhausmitglieds Herrn Sigmund Brody wurde noch von einzelnen Menschenfreunden mit 150.000 Kronen ergänzt. Für den Unterhalt votirte die städtische Verwaltung auf fünf Jahre eine Jahresunterstützung von 10.000 Kronen. Unter selten lebhafter Theilnahme der Behörden und der Gemeindemitglieder ging die heutige Einweihungs-Feierlichkeit von Statten. Unter den Anwesenden befanden sich der Ministerpräsident Baron B an ffy, der Minister des Innern Pe r cze l, der Oberbürgermeister Rath, die drei Bicebürgermeister, zahlreiche Abgeordnete, Professoren, Stadtverordnete rc. — Der Cultus- und Unterrichtsnlinister bewilligte der K l a u s e u b u rger orthodoxen Cultusgemeinde zum Bau einer jüdischen Volksschule aus dem jüdischen Landesfond ein zinsenfreies Darlehen im Betrage von 120.000 Kronen. — Auf Initiative des Rabbiners Dr. Venetianer wurde in .N e u p e st ein „Jüdischer H a n dw e r k e r g e h il f e n - V e r ei n" gegründet, der schon 250 Mitglieder zählt. Der Rabbiner hält wöchentlich einmal einen Vortrag, um auch in diesen Kreisen den religiösen Sinn zu heben. — Der „Verein zurFörderung des Ackerbaues und des Handwerks unter den Juden Ungarn's" erstattet seinen Jahresbericht. 441 Handwerkerlehrlinge standen unter der Obhut des Vereines, von denen 28 im Lehrlingsheim untergebracht waren. Achtzehn Zöglinge erhielten eine ausgiebige Unterstützung für ihre weitere Ausbildung und 8 Meistern wurde die Errichtung einer Werstätte ermöglicht. Sowohl der Verein, als auch viele Zöglinge erhielten Ausstellungs-Prämien. Verausgabt wurden nahezu 32.000 Kronen, die Einnahmen beliefen sich auf 26.000 Kronen. Karlsbad. Die Nummer 14 Ihrer geschätzten Zeitschrift brachte einen von einem „Menschenfreund" gezeichneten Artikel „Aus Böhmen" in welchem in völliger Unkenntniß der thatsächlichen Verhältnisse auf den anwachsenden Antisemitismus hingewiesen wird, der, den Erfahrungen des „Menschenfreundes" zufolge, nun auch in den böhmischen Curorten zur Geltung kommen soll. Der „Menschenfreund", der wohl einzig und allein diese Erfahrung gemacht haben dürfte, und der offenbar weder eine sehr freundliche Gesinnung gegen die böhmischen Curorte, noch gegen die daselbst wohnhaften Juden, noch gegen die curbedürftigen Juden hegt, geht soweit, der gesammten Judenschaft die Abstinenz von den böhmischen Curorten auf die Dauer von zwei Jahren zu empfehlen, um dadurch „die Kellner und Hausknechte zur Einsicht zu bringen". Die gänzlich aus der Luft gegriffene Behauptung, „daß der Jude in jeder Beziehung eine ungünstigere Behandlung erfahre als jeder andere Mensch, daß er alles theuerer zahlen müsse, daß man ihn in jeder Weise zu brüskiren, hintanzusetzen, zu prellen, zu übervortheilen und zu chikaniren suche" muß ich und mit mir ein Jeder, der die hiesigen Verhältnisse und Zustände auch nur oberflächlich kennt, in allen Punkten auf's Entschiedenste bestreiten, und kein Jude, der Karlsbad, sei es als Badegast oder als Tourist je besucht hat, wird umhin können, die Ausführungen des „Menschenfreundes" geradezu als absurd zu erklären. Hier, wo es Niemandem in den Sinn kommen würde, den Fremden nach dem Religionsbekenntnisse zu fragen, wird der jüdische Curgast, ob er sich nun als Jude gerirt oder nicht, von Jedermann mit genau derselben entgegenkonnnenden Höflichkeit behandelt, wie der Curgast christlicher Confession, und noch nie, auch nicht in einem einzigen Falle kam mir eine Beschwerde seitens eines jüdischen Curgastes über unziemliche oder unfreundliche Behandlung zu Ohren. Daß der Antisemitismus hier keinen Boden findet und nicht Wurzel zu schlagen vermag, beweist das gute, ja freundschaftliche Einvernehmen, in welchem die christliche und jüdische Bevölkerung Karlsbads zu einander steht; es beweisen es auch die kürzlich stattgehabten Reichsrathswahlen, bei welchem der deutsch-fortschrittliche Candidat Dank der freisinnigen^Denkungsweise unserer Stadt mit erdrückender Majorität den Sieg davontrug; es beweist es endlich die Zusammensetzung unserer Stadtvertretung, in welcher sich von 36 Stadtverordneten nicht weniger als 7 Juden, darunter 1 Stadtrath, befinden. Der jüdische unbemittelte Curgast genießt gleich dem christlichen alle Vortheile der öffentlichen Unterstützungsfvnde, ihm werden ebenso die Freibäder, die Curtaxbefreiungen, kurz alle Begünstigungen zu Theil, wie jedem Andern, und _ hat er bei den Organen der Stadtverwaltung eine Klage zu führen oder ein Anliegen vorzubringen, so verläßt er die Bureanx gewiß mit der festen Ueberzeugung, daß in Karlsbad der Antisemitismus noch keine Heimstätte gefunden hat. Die Intelligenz seiner Bewohner wird dies auch für alle Zukunft zu verhüten wissen. Ludwig Moser, Vorsteher der Karlsbader israelitischen Cultusgemeinde. RoLnau. (Siebzehntes Spenden - Ver - z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte RoLnau sind weiters nachstehende Spenden eingegangen : Dr. Leopold Frank, Prag 5 fl.; Adolf Beck, Karolinenthal 5 fl.; Marcus Zaharie, Foscani 5 fl.; N. A. Farchi, Turn Sewerin 2 fl. 50 kr.; Sigmund Wagschal, Husiatin 2 fl.; Karl Maschler, Tarnow 2 fl.; I. Schwanendorsf, Tarnow 1 fl.; Josef Jmberman, Hvrodenka 1 fl.; Chewra - Kadischa Wallisgrün 5 fl.; Chewra - Kadischa Tolprona 5 fl.; Chewra- Kadischa Tyrnau 5 fl.; Chewra - Kadischa Drohobycz 3 fl.; Chewra - Kadischa Czaba 2 fl.; Chewra - Kadischa Brezowa 2 fl.; Israelitische Cultusgemeinde Bellovar 5 fl.; Frauen-verein Effek5 fl.; Frauenverein DunaSzerdahely3 fl.; zusammen58fl. 50 kr., letzter Ausweis 3512 fl. 8 kr., Summe 3570 fl. 58 kr. Prag. Bei der Sonntag, den 16. Mai ftattgefundenen Ergänzungswahl der Cultusgemeinde-Repräsentanz wurden vom ersten Wahlkörper die Llusscheidenden: Kaufmann David Banzl - Federn, Großgrundbesitzer Jacob Edler v. Dormitzer, Fabrikant Her m a n n Grab wiedergewählt. — Oberrabiner Dr. E h r e n f e l d hielt heute nach dem Minchagebete in der Altneusynagoge dem verstorbenen Rabbiner Josef Wodniansky, da dessen Leichenbegängniß an einem Halbfeiertage stattfand, nachträglich eine Trauerrede, welche die Verdienste des Verstorbenen, der das hohe Alter von neunzig Jahren erreicht hatte, würdigte. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich die Söhne des Verstorbenen, dann der älteste Bezirksarzt der Prager Stadtgemeinde, der Präsident der Cultusgemeinde-Repräsentanz Dr. Rosenbacher, deren dienstältestes Mitglied Schriftsteller K o h n, die Rabbiner und Religionsprofessoren Dr. B a ck, Dr. B^o n d y, Dr. G rün, Dr. Hirsch, K n ö p f e l m a ch e r und Stark; der Präses des Beerdigungsvorstandes David Lieben u. A. Prag. Die bevorstehende ErRchtung einer Lehrkanzel für österreichisches Privatrecht an der Wiener Universität und die dadurch gegebene Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer Berufung des Vertreters dieses Faches an der hiesigen deutschen Universität, Professor Krasnopolski, nach Wien veraniaßte das Professoren-Collegium der deutschen juristischen Facultät zu dem einhellig gefaßten Beschlüsse, den Professor Krasnopolski zu ersuchen, im dringenden Interesse der Facultät, der er seit 52 Jahren als Lehrer angehört, eine etwaige Berufung nach Wien abzulehnen und an der Prager Universität zu verbleiben. — Hochgeehrt durch diesen Beschluß, erklärte Professor Krasnopolski bereitwillig, sein persönliches Jntereffe hinter das der deutschen Universität und ihrer juristischen Facultät zurücktreten zu lassen und dem an ihn gestellten Ersuchen seiner Cvllegen Folge zu geben. Das Professoren-Collegium nahm diese Erklärung mit dem einhelligen Ausdrucke des Dankes entgegen. Czernowitz Die jüdischen R e ch t s p r a k t i k a ir- \ ten am hiesigen Landesgerichte haben die fortgesetzte Präterirung

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