Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 21 (21.5.1897)
- Date
- 1897-05-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 434 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 21 S ch ü ck an das Rathsgremium zurück und trug diesem stricte auf, daß alle für die Besetzung der Revidentenstelle in Betracht kommenden Beamten ihre Beförderuugsgefuche einzubringen hätten. Dies ist geschehen, und bei der nun erfolgten neuerlichen Bewerbung wurde — wie nicht anders zu erwarten — trotz der Empfehlung des Natbsgremiums der jüdische Oificial präterirt. Dr. Lueger hat zwar das Wörtchen „Haß" aus seinem Wörterbuche gestrichen, aber er hat schon seine Organe, welche das Odium gehässiger Maßregeln gerne auf sich nehmen. Sollte es einem Mitgliede der Opposition einsallen, über diesen neuen Act der Ungerechtigkeit den „Friedens-Bürgermeister" zu interpelliren, so wird er um eine humoristische Antwort nicht verlegen sein. Wien. (Arische R o h h e i t.) Eine fast unglaubliche Rohbeit wird uns aus der Leopoldstadt berichtet. Der bei dem Gemischtwaarenhändler Ludwig Berger, II., Wallensteinstraße 58, bedienstet gewesene Kutscher Johann Suczek und sein Freund Moritz Fink, Beide in der Brigittenau wohnhaft, banden einem Pferde des genannten Gemischtwaarenhändlers einen Strick au die Zunge und rissen so lange an demselben, bis die Zunge herausgerissen war. Herr Berger fand in der Früh sein Pferd im Stalle in einer Blutlache liegend und ließ dasselbe ins Thierärztliche Institut bringen. Gleichzeitig erstattete er gegen die beiden rohen Bursche die Anzeige. Suczek und Fink sind flüchtig. Wien. (Auszug aus dem Protokolle der Plenarsitzung des Bo rsta udes am 16. Mai 1897.) Einlauf: An Spenden sind eingegangen: Anonym 50 fl., von Herrn Maximilian Jellinck anläßlich des Ablebens seines Sohnes Norbert 400 fl. mit der Bestinunung, daß je 50 fl. dem israelitischen Spitale zur Bertheilung an Reconvalescente, dem Altersversorgnngshaus, dem Taubstummeninstitute, dem Blindeninstitute, der israelitischen Kinderbewahranstalt, dem Verein „Edelsinn" zur Unterstützung armer Wöchnerinnen, dem Vereine zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen und dem Verein „Ferienheim" zugewiesen werden. Von Frau Philippine Samson für das israelitische Blindeninstitut 20 fl. Den Spendern wird der Dank votirt. Zuschrift des Statthalters Grafen Kielmansegg des Inhaltes, daß Sr. Majestät mit Allerhöchster Entschließung vom 20. April d. I. dem Primarärzte des israelitischen Krankenhauses in Wien außerordentlichen Professor der internen Medicin an der k. k. Wiener Universität und Sanitätsrath Dr. Leopold Oser in Anerkennung seines vieljährigen, sehr verdienstlichen Wirkens den Titel eines Regierungsrathes zu verleihen geruht haben. Die Herren Comm.-Rath Moritz Leinkauf, Dr. Leopold Libitzky, Adolf Singer und Dr. Wilhelm Zucker erklären die ans sie gefallene Wahl zu Obmännern der Schiedsgerichte dankend anzunehmen. Einzelne Bestimmungen der Geschäftsordnung für den Cultusvorstand und die Sectionen werden amendirt. Dem Tempelvereine im VIII. Bezirk wird für das Jahr 1897 eine Subvention von 500 fl., dem Vereine „Gemlas Chesed" im XVII. Bezirk werden für die von ihm erhaltene Bibelschule 250 fl. bewilligt. Die Subvention für den Bethausverein im III. Bezirke (Erdbergstraße) wird pro 1897 auf 300 fl. erhöht. Sigmund Stern'sche Stiftungen: Der am 3. Februar 1892 verstorbene Herr Sigmund Stern hat für den Fall des kinderlosen Ablebens seines Sohnes Benedict die Wiener Cultusgemeinde als Legatarin eines Capitales von 20.000 fl. mit der Bestimmung substituirt, daß aus diesem Betrage auf seinen Namen lautende Wohlthätigkeitsstiftungen errichtet werden. _ Nachdem nun dieser Substitutionsfall eingetreten ist, wird gemäß den Subventionen des Erblassers und im Sinne des Wunsches der erblasserischen Witwe Frau Marie Stern beschlossen, von dem Stiftungscapital nach Abzug sämmtlicher Gebühren, den Betrag von 12.000 fl. für zwei Bettstiftungen im israelitischen Altersversorgungshause zu verwenden. Der verbleibende Rest von 6000 bis 8000 fl. wird zu einer Reconvalescentenstiftung für das Spital der Cultusgemeinde bestimmt. Für den Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen wird ein Gründungsbeitrag von 100 Gulden votirt. Herr Philipp Oehler wird zum definitiven Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde ernannt. „Politik in der Schule^. Herr Redacte nr! Um Mißverständnisseil vorzubeugen, bitte ich zu constatiren, daß der in der Nummer Ihres wertsten Blattes vom 14. Mai d. I. unter der Spitzmarke „Politik im Schulhause" publicirte Bericht nicht aus meiner Feder stanunt und ich die Veröffentlichung desselben in keiner Weise beeinflußt habe. Ueberdies entspricht es nicht den Thatsachen, daß „ich", wie es im genannten Artikel heißt, „mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln die Affaire der Oeffentlichkeit überliefern werde". Wahr ist vielmehr, daß es mir genügt, dem Landesschulrathe einen Wink gegeben zu haben. Indem ich Sie um Aufnahme obiger Zeilen ersuche, zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung Wien, 15. Mai 1897. Isidor Schwätzer. Preftburg. Ans Anlaß der Anwesenheit Sr. Majestät iir Preßburg gelegentlich der feierlichen Enthüllung des Maria Theresien - Denkmals am Krönungshügel erschien unter den anderen Deputationen am 16. d. Mts. auch eine gemeinsame Deputation der beiden jüdischen Gemeinden Preßburgs, deren Führer Rabbiner Dr. David an Se. Majestät folgende Ansprache richtete : „Ew. k. u. k. apostolische Majestät! Allergnädigster Herr und König! In tiefster Ehrfurcht und mit dankbaren Gefühlen erschienen wir als Vertreter der israelitischen Religionsgemeinde vor Ew. Majestät gur huldigenden Begrüßung. Es gehört zu den beglückendsten und glorreichsten Thaten Ew. Majestät, daß die Israeliten Ungarns gleichberechtigt und gemeinsam mit den übrigen Staatsbürgern zum Gedeihen und Aufblühen des geliebten Vaterlandes beitragen, Freud' und Leid mit denselben theilen dürfen. Die Bekenner des jüdischen Glaubens werden sich aber auch stets der Huld und Gnade Ew. Majestät würdig erweisen. Der Allmächtige möge Ew. Majestät, den treuesten Vater des Vaterlandes, reichlich segnen und lange in ungetrübter Freude erhalten! Amen." (Begeisterte Eljenrufe.) Hierauf sprach Oberrabbiner S ch r e j b e r den rituellen Segen. Se. Majestät erwiderte: „Mit Dank nehme Ich Ihren huldigenden Gruß und rituellen Segen Ihrer Religion an. Ich zweifle nicht, daß Sie in Erfüllung Ihrer patriotischen Pflichten mit den übrigen Staatsbürgern wetteifern werden und in dieser Hoffnung versichere Ich Sie gern meiner ferneren Gnade." Nachdem der Kaiser die Antwort ertheilt und zum Rabbiner Schreiber gesagt hatte: Sie sind von der orthodoxen Gemeinde"! wendete er sich zum Rabbiner der Religionsgemeinde, Dr. David, und frug ihn: Sie sind Rabbiner der andern Gemeinde? „Zn dienen, Majestät, der andern Ge-, meinde", erwiderte der Angefprockene. „Haben Sie im Auslande studirt", frug ihn Se. Majestät weiter, worauf Dr. David antwortete: Majestät, ich habe an der Wiener Universität meine Studien absolvirt. — Hierauf verabschiedete Se. Majestät, nochmals dankend und freundlich winkend, die israelitischen Deputationen. Budapest, 10. Mai. DerCardinalbischof Dr. Lorenz Schlauch war anläßlich seines fünfzigjährigen Priester-Jubiläums Gegenstand herzlicher Ovationen. Die beiden jüdischen Cultusgemeinden und. der israelitische Frauenverein in Großwardein waren bei den Feierlichkeiten durch Abordnungen vertreten. Cardinal Schlauch antwortete auf jede der an ihn gerichteten Ansprachen und betonte, daß er Zeit seines Lebens sowohl als Geistlicher, wie als Patriot und Mensch bestrebt war, feine Pflichten zu erfüllen, die Wissenschaft mit der Religion, den Idealismus mit dem Realismus in Einklang zu bringen, seinen Mitmenschen ohne Unterschied der Confession zum Wohle zu gereichen. Auf die Ansprache des Rabbiners Moriz Fuchs erwiderte der Kirchenfürst: „Das Judenthum und das Christenthum stehen auf einer Grundlage; sie werden niemals untergehen, um ewige Zeugen der Offenbarung und des Christenthums zu sein". Auf die Ansprache des Predigers Dr. Leopold Kecskemeti erwiederte der Cardinal: „Tief empfinde ich die Wahrheit der Worte, das Wissenschaft und Religion in Harmonie seien, daß ihre Gegensätze ausgeglichen werden müssen. Gott schrieb zwei Bücher: die Bibel und die Natur. Die Harmonie zwischen beiden dem Verständniß der