Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 422 Nr. 20 Vr. Vloch's Wochenschrift Wie«. Einer Einladung des Herrn Obercantor Singer Folge leistend, besuchte ich am 10. d. M. das Baron Königswarter'sche Blindeninstitut, woselbst Herr Singer seit 17 Jahren als Gesangslehrer fungirt. Die Erfolge bei diesen Kindern, denen doch der Mangel eines der wichtigsten Sinne die Perception eines Unterrichtes gewaltig erschwert, übertrafen alle meine Erwartungen. Es gelangten vierstimmige gemischte Chöre aus der „Schöpfung" von Haydn, ein religiöser Choral von Randhartinger und ein „Ma towu" von Storch zum Vortrage, dessen Exactheit besondere Anerkennung Hervorrufen muß. Bedenkt man noch die Schwierigkeiten, die bei diesen Schülern dem Unterricht im Wege stehen, so kann man nur Bewunderung empfinden für die Kunst und Energie, mit der Herr Obercantor Singer seine Zöglinge den mühevollen Pfad des Studiums zu führen weiß. Ein F a ch m a it n. Wie«. Der Verein jüdischer Mädchen „Hadaffa" hielt Sonntag den 2. d. M. einen zahlreich besuchten Vortragsabend ab. An demselben zeichnete sich Herr Dr. Grünwald in einem Vorträge über Moses Mendelssohn in bemerkenswerther Weise aus. Frl. Cilly Lederer las zwei in poetische Form gebrachte Talmudsachen, welche sie zur vollen Geltung brachte. Sonntag den 16. d. M. findet der nächste Vortragsabend statt und wird Herr Rieß eine eigene Arbeit, „Der Rabbi von Saragossa", vortragen. Den Samstag vorher, am 15. d. M., feiert der Verein ein Frühlingsfest, welches im Prater in Weintraub's Restaurant „Zum schwarzen Bären" stattfindet. Der Entree ist nur mit Einladung gestattet. Die Vorträge finden im Vereinslocale, Claviersalon Saphir, II., Praterstraße 23, statt und sind Gäste willkommen. Bade«. Donnerstag den 20. Mai findet um 1 Uhr- Nachmittags im hiesigen Tempel die Trauung von Frl. Cilla Mandl, Tochter des Herrn Wilhelm Mandl, mit Herrn Max Löwen st ein aus Alt-Schallersdorf bei Znaim statt. Uug.-Brod. Die hiesige Cultusgemeinde veranstaltete gemeinschaftlich mit dem Bikur cholim-Bereine am Jahrzeitstage des großen Philantropen Baron von Hirsch Gereuth eine Gedächtnißfeier, bei welcher Gelegenheit Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Jung die Gedenkrede hielt. Nikolsburg, 10. Mai. Der Cultusvorstand veranstaltete Sonntag den 9. d. M., dem Jahrzeitstage des sel. Herrn Baron Moritz Hirsch, in der Hauptsynagoge eine würdige Gedenkfeier mit Predigt und dem üblichen Rituale; ein zahlreiches und andächtiges Publicum wohnte der Feier bei. Trebiftch. (Silberne Hochzeit.) Am 9. d. M. be - ging der hiesige ehrwürdige Rabbiner Herr Dr. Samuel Pollak mit seiner biederen Gattin, Frau Babette Pollak geb. Schiller das Fest der silbernen Hochzeit. Welch hohen Ansehens und welcher Beliebtheit sich dieser fromme und gelehrte Seelenhirte in unserer Gemeinde erfreut, geht daraus hervor, daß Jung und Alt miteinander wetteiferte, dem Jubelpaare in überaus herzlicher Weise die Sympathie und Ehrerbietung zu bezeugen. Der Vorstand der Cultusgemeinde überreichte als Zeichen seiner Verehrung einen Silberpocal mit einem pietätsvollen Widmungsschreiben. Die Tempelverwaltung veranstaltete in dem aus diesem Anlaffe zierlich decorirten Gotteshause einen solennen Festgottesdienst, an dem sich die ganze Gemeinde betheiligte. Nach dem Einheben der Thora richtete Herr Dr. Pollak an die Versammlung eine kurze Ansprache, in der er hervorhob, daß die ehrsame Gemeinde gegen seinen Willen, das Fest im enAten Familienkreise zu begehen, einen rühmlichen Eifer an den Tag legte, ihn und sein Haus zu ehren, wofür er in rührenden Worten den tiefgefühltesten Dank aussprach und am Schluffe den Priestersegen ertheilte. Audrychau, im April 1897. Mittwoch den 31. April wurden am hiesigen israelitischen Friedhofe unter großer Beteiligung jüdischer und nichtjüdischer Leidtragenden die sterblichen Reste der Frau Rosalie U n g e r zu Grabe getragen. Die Verewigte, eine geborene S ch a n z e r, -war seit vielen Decennien mit dem in unserer Gegend rühmlichst bekannten, ihr vor einigen Jahren im Tode vorausgegangenen, Vorstandspräses Herrn Moriz Unger in glücklichster Ehe verbunden und gründete im Vereine mit ihren Gatten ein Haus, welches zu den edelsten Familienhäusern unserer Gegend gezählt wurde. Galt der Hausvater Herr Moriz Unger allgemein als vorsorglicher Vater der Andrychauer Gemeinde, welche er nach jeder Richtung zu fördern und zu heben suchte, so schätzte man die Heimgegangene Frau Rosalie U n g e r nicht minder als zartfühlende und edelwaltende Priesterin ihres Hauses, wie auch als edle Wohlthäterin der Ortsarmen, und man kann und muß es betonen, daß ans ihrem Hause kein Hilfesuchender ungehört entlassen, ja zumeist die Bedürftigen von ihr selbst aufgesucht und unterstützt wurden. Um die verehrte Heimgegangene trauert eine stattliche Schaar von Kindern, Enkeln, Urenkeln und Anverwandten, wie nicht minder alle Jene, denen sie im Leben eine zuverlässige Freundin und Helferin gewesen. Prag. (Verein d er jü di sch en H o ch sch ü ler in Prag.) Der am 8. d. M. veranstaltete Vereinsabend, an welchem Herr M. U. C. Emanuel Sachs in einem Vortrage das Thema: „Nathan der Weise und Shylock" behandelte, verlief in glänzender Weise. Ein zahlreiches, distinguirtes Publicunl, darunter viele Damen, folgte den Ausführungen des Redners mit lebhaftem Interesse. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn Director Falkowicz, Obmann des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, sowie mehrere Vorstandsmitglieder desselben, Herrn Dr. Sachs, Obmann des Vereines „Afike Jehuda", Herrn Rabbiner Dr. Grün, Herrn Oberlehrer- Springer, Obmann des „Israelitischen Landeslehrervereines" und viele Andere. Der Vortrag, der mit wohlverdientem Beifall ausgenommen wurde, rief eine lebhafte Debatte hervor, an welcher sich Herr Director Falkowicz, Herr Dr. Weltsch, Herr Rabbiner Dr. Grün, Herr Welsch und Andere betheiligten. Prerau, 10. Mai. (G e d ä ch t n i ß f e i e r.) Im Vorjahre verschied plötzlich der Fürst unter den jüdischen Wohlthätern, der denkende Förderer der culturellen Interessen der Menschheit und namentlich der vielfach verfolgten Israeliten, Baron Moritz Hirsch de Gereuth. Zum Andenken seines ruhmvollen Namens hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Jacob Tauber eine Alle begeisternde Gedenkrede „über die erhabene Liebe und Treue zu seinen Glaubensgenossen", die den frühverklärten Philantropen beseelten, die unvergänglich von Geschlecht zu Geschlecht zu seiner Ehre und zur Ehre seiner an Herzensgüte unvergleichlichen wohlthätigen Frau sich erhalten werden. Der Rabbiner verrichtete auch für das Heil seiner Seele die üblichen Gebete. E B Protznitz. (Todesfall.) Ende voriger Woche verschied hier Frau Lisette Steinschneider im hohen Alter von 84 Jahren. Sie stammte aus einer angesehenen und achtbaren Familie und war eine würdige Matrone, eine gottergebene Frau. Friede ihrer Asche! E. B. Protznitz. (Iubiläu nt.) Am 18. Mai begeht Herr Director Alois Blümel das vierzigjährige Jubiläum seiner Thätigkeit im Hause der Großindustriellenfirma M. & I. Mandl. Der Jubilar erfreut sich nicht nur bei seinen Chefs, sondern auch beim gesammten Beamtenkörper der größten Beliebtheit. Nachod, 11. Mai. Die allgemeinste und aufrichtigste Theilnahme erregte iu unserer Stadt der Tod des hiesigen Advocaten Dr. Daniel Wicsner, der in seinem 37. Lebensjahre seiner greisen Mutter nach kurzer Krankheit entrissen wurde. Als Sohn unseres verewigten Kreisrabbiners.') Jonas Wiesner, der durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft in Gelehrtenkreisen rühmlichst bekannt ist, hatte der Verblichene durch die Vornehmheit seines Wesens, durch den Adel feiner Gesinnung, durch die Makellosigkeit seines ausgeprägten Charakters den Namen seines Vaters ehrenvoll fortgeführt und in seinem ganzen öffentlichen Wirken es verstanden, in verhältnißmäßig kurzer Zeit die Hochachtung der gesammten hiesigen Bürgerschaft, ohne Unterschied der Confession, in reichstem Maße sich zu erringen. Diese allgemeine Werthschätzung des Verewigten fand ihren Ausdruck in der imposanten Leichenfeier, an der die gesammte Bürgerschaft, die Geistlichkeit, die Behörden und viele Freunde und Collegen des Verstorbenen aus der Umgebung theilnahiuen. Auf dem Friedhofe hielt unser Rabbiner- Herr Dr. Goitein dem leider -zu ftüh verschiedenen Verwandten einen überaus warmen Nachruf. Darauf hielt der christliche Advocat Dr. Dwok-ak im Namen der Collegen eine längere Rede, in der er den Verewigten als eine Zierde des Advocatenstandes hinstellte und ihn als Menschen und Berufsgenoffen in der ehrendsten Weise feierte. Podgorze bei Krakau, 11. Mai. Unsere Stadt, die bis nun von der Fluth des Antisemitismus verschont war, nahm sich jetzt mehrere Städte Galiziens zum Vorbild, beziehungsweise die dort bestehenden „Kolka Rolniczy" und hatte zu diesem Zweck einen antisemitischen Verein gegründet. N. B o r n st e i n.