Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-14 · 20 (14.5.1897) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021189--06748-3031043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 20 Seite 431 Dr. Vloch's Wochrnschrifi. Bezirkshauptmann gedroht hatte; die Antwort lautete, daß der Mann bedürftig und würdig sei und darauf sandte ich Geld ab. Späterhin reichte ich zwei andere Bettelbriefe der Statthalterei in Lemberg ein mit der Bitte um Nachforschungen; in dem einen Schreiben jammerte nämlich ein angeblich von dem antisemitischen Postmeister ungerecht entlassener jüdischer Briefträger und diese Angaben waren vom Bürge rm e i st er bestätigt worden! Erst nach längerer Zeit erhielt ich mein Schreiben mit Bescheid zurück; es war von der Statthalterei an den zuständigen Bezirkshauptmann und von diesem an den G en d arm er iep o st e n f ü h r e r abgegeben worden; letzterer bekundete die Richtigkeit der von den beiden Bittstellern gemachten Angaben. Ich hatte diese Angelegenheit fast vergessen, da brachte die in Berlin erscheinende „Indische Presse" einen Warnungsartikel, in dem jene galizischen Bettelbriefschreiber offen als Schwindler! gebrandmarkt wurden. Diesen Artikel reichte ich sogleich der Statt- , Halterei in Lemberg ein, fügte den mir früher gewordenen,! anderslautenden Bescheid des Bezirkshauptmannes und des Gendarmeriepostenführers bei und bat um Aufklärung dieser sonderbaren Sache. Bis heute ist hieraus von keiner Behörde eine Aufklärung erfolgt; wohl aber hat der p. p. Osias Krohn von meinem erneuten Schreiben an die Statthalterei Kenntniß erhalten, und darauf in einem längeren hebräischen Briefe an mich eine Rechtfertigung seines Verhaltens versucht, die jedoch keinerlei Wirkung haben konnte. Ich stehe hier vor einem Räthsel, für dessen Lösung wohl Manche mit mir dankbar sein werden." In Galizien ist Alles möglich, auch das, daß die Behörden ihre klingenden Gründe Huben, den Schwindel nicht zu verfolgen. Stockholrri, 12. April. Herr Rabbiner Dr. G. Klein hat im Laufe des letzten Winters im Aufträge des Königs von Schlveden vor diesem' einem Theile der Hofgesellschaft und den angesehensten Gelehrten des Landes sechs Borträge über Jndenthnm und Christenthum gehalten. Derselbe wurde vom König, der mit großem Berständniß und starker Bewegung die Reden auhörte. am Schluß der Vorlesungen durch das Geschenk seines Porträts mit eigenhändiger Widmung und einer goldenen Medaille »in sui memoriam« geehrt. Jetzt sind ihm ans Antrag der philosophischen mit Unterstützung der theologischen Facultät der Universität Upsala, wo Dr. Klein seit einem Decennium als Docent lehrt, Ehren. Titel und Würden eines Professors ertheilt worden. Es wäre nicht ohne Interesse, die Vorträge über Judenthum und Christenthum kennen zu lernen, welche die Anerkennung der christlichen theologischen Facultät gefullden haben. London. (Seine königliche Hoheit d e r H e rz o g von C am b ri d ge im jüdischen W a is en h aus e.) Der nenerbaute Flügel und die Centennarhalle im jüdischen Spital und Waisenhaus (Jews Hospital and Orphan Asylum) sind vom Herzog von Cambridge feierlich eröffnet worden. Die Feier war eine großartige. Eine ungeheure Menschenmenge erwartete die Ankunft des erlauchten Gastes. Die London-Brighton und S-outh- Coast-Eisenbahnen hatten Tour- und Retourbillets erster Classe zu bedeutend ermäßigten Preisen für diesen Tag ansgegeben. Interessant ist, daß diese Billets auch eigens für die Feier gedruckt wurden und die Inschrift trugen: »Jews Hospital and Orphan Asylum.« In vollem Staate kaillen der Herzog von Cambridge, der Bürgermeister und seine Gemahlin und die Sheriffs zu Wagen daher. Eine Ehreinvache und die Militärcapelle des 1. Bataillons des West Surrey-Regiments erwarteten Seine königliche Hoheit. Unter den Anwesenden sah man: Sir Joseph Sebag Atontefiore, Lady Montag», Dr. Adler, Professor Marks, Dr. Gaster, Mr. Mocatta, Lewis Solomon, H. Banden Bergh, Dr. Alfred Wolff, Sylvester Samuel rc. rc. Nach einem kurzen Gottesdienste sprach Chief-Rabbi Dr. Adler das Gebet, worauf der Herzog, von lauten Hochrufen empfangen, eine längere Ansprache hielt, in welcher Seine königliche Hoheit hervorhob. daß seine Familie sich stets für diese Wohlthätigkeitsanstalt interessirt habe, deren bedeutende Vergrößerung dem weisen Walten d?s Bürgermeisters von London zu verdanken sei, und daß er vorn Herzen wünsche, es gäbe viele solcher Männer wie der Bürgermeister im englischen Volke. Der Herzog dankte ferner für den herzlichen Empfang und erklärte die Centennarhalle für eröffnet. Daraus wurden Spenden übergeben, die im Augenblicke die Summe von 700 Pfund überstiegen. Darauf dankte der Bürgermeister dem Herzog von Cambridge für sein Erscheinen und setzte die Bedeutung des Tages auseinander. Dann wurde die englische Volkshymne gespielt und der Herzog von Cambridge enthüllte die Büste der Königin, ein Geschenk Mr. Daniel Marks'. Nachdem der Herzog und die Gesellschaft des Bürgermeisters eine leichte Erfrischung genommen hatten, entfernte sich Seine königliche Hoheit mit dem Bürgermeister und dessen Gemahlin unter den Hochrufen der Menge und den Klängen der Musik. Die Kuabencapelle brachte eine Reihe von Stücken vortrefflich zum Vortrage. Vermischtes. Wie». Die vierundzwanzigste ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz in Wien findet am 2.3. Mai 1897, um 10 Uhr Vormittags, im Saale der israelitischen Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, statt. Tagesordnung : 1. Bericht über die Thüligkeit des Vereines im Jahre 1896; 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1896; 3. Wahl von fünf Vorstands-Mitgliedern mit vierjähriger und eines Mitgliedes mit zweijähriger Functionsdauer (§ 6 der Statuten). Die Reihe zum 'Austritte trifft die Herren: Einanuel Baumgarten, Moritz Dub. s A., Dr. Arthur Kuranda, Bernhard Pollak, Julius Reitlinger. 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Wien. (Spenden für das Inserat: „I n st ä n d i g st e Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns anonym aus Wien 1 fl. und 1 fl.; Berger, I., Bäckerstraße 22, 1 fl.; Frau Clotilde Wiener, Bielitz, 1 fl.; Herrn Jacab Spitzer, Krapina, 3 fl.; Fritz und Alice, Wien, 1 fl., zusammen 8 fl. zngekommen, welche wir der Bestimmung zugeführt haben. Wien. Montag den 10. Mai, am Jahrzeitstag des gottseligen großen Philantropen Baron M. H i r s ch, hielt der rühnilichst bekannte jüdische Gelehrte und Schriftsteller Herr Marcus Weiß m a n u Chajes, nach Vorlesung des Wochenabschnittes, eine vortreffliche Rede im Polnischen Bethamidrasch (Verein „Ohel Jacob") II., Kleine Schiffgasse 17, worin derselbe viele auf die Wohlthaten des seligen Barons und dessen hochherzigen Frau Gemahlin paffende Talmndische Stellen kunstvoll verwendete. Wien. Am 4. ü. Ä. starb in Lovrana bei Adbazia Herr Julius Jalowetz im 55. Lebensjahre. Das Leichenbegängniß fand unter außerordentlich großer Theilnahme am 9. v. M. am Central- Friedhofe statt. Der Verstorbene gehörte zu jenen imner seltener werdenden Philantropen, denen das Wohlthun Herzensbedürfnitz ist. „Wer die Hand hinhält, dem muß man geben", pflegte er zu sagen. Wie oft er auch getäuscht wurde, es berührte ihn nicht, nie ermüdete er, niemals wurde er überdrüssig. Weit über seine Verhältnisse übte er unermüdlich Wohlthaten. Die fluchwürdige sociale Bewegung nahm er sich sehr zu Herzen und noch vor Kurzem faßte er den Entschluß, Wien zu verlassen, um nach Pest zu übersiedeln. Sein warmes jüdisches Empfinden, die Feinfühligkeit seines edlen Herzens war tief getränkt, wenn er von den Verfolgungen seiner Glaubensbrüder las oder hörte. In höchste Anfregung konnte er kommen, wenn er ein absprechendes Urtheil über das Juoenihum aus jüdischem Munde hörte. Herr Julius Jalowetz stammte aus einem kleinen Orte bei Olmütz. Als Kind strenggläubiger, rechtlicher, geachteter, aber sehr bedürftiger Eltern brachte er es aus eigener Kraft durch Fleiß und hohe Begabung zu einer angesehenen, sehr geachteten socialen Stellung als Eisenbahn-Ingenieur, um nach 20jähriger fruchtbarer Thätigkeit auf diesem Gebiete Ich dem Kaufmannsstande zu widmen. Der Verblichene hinterläßt eine untröstliche Gattin, an der er in zärtlichster L-ebe hing und die auch in aufopferndster Weise den Kranken bis zum letztem Aihemzuge betreute. Der einzige Sohn ist ein hoffnungsvolles Kind, Vorzugsschüler der vierten Classe am Communal-Öbergymnasium in der Sperlgasse und verspricht nicht nur die Freude und die Stütze der tiefgebeugten Mutter, sondern auch der Stolz des Judenthums zu werden. Fünf Brüder und eine Schwester beweinen den treuesten besten Bruder. Sab. Wien. (T o d e s f a l l.) Montag den 10. d. M. starb hier die wegen ihrer Herzensgüte und Wohlthätigkeit in weitesten Kreisen bekannt gewesene Frau Regina Fuchs geb. Q u i 11 n e r, die Gattin des Secretärs des hresigen Rabbinats und pädagogiscben Schriftstellers Rudolf Fuchs. Sie hinterließ vier Söhne, von denen der Aelteste Redacteur der „Neuen Freien Presse", der Zweite Secretär der hiesigen israelitischen theologischen Lehranstalt, der Dritte Hörer au derselben Anstalt und der Jüngste Hörer der elektrotechnischen Hochschule in Darmstaöt ist, und drei Töchter. Die Verstorbene, deren Wesen von wahrem Seelenadel und innigster Menschenfreundlichkeit zeugte, wird Allen, die sie kennen zu lernen Gelegenheit Hallen, stets in ehrenvoller Erinnerung bleiben. Friede ihrer Asche!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.