Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 420 Vr. Vlorh's Wochrnzchrift. Nr. 20 (deren Ehren-Vorstandsmitglied Herr Weiß ist) eine Zuschrift, deren Inhalt ein glänzender Beweis dafür ist, daß Herr Eduard Weiß, obgleich er seit zwei Jahren anderwärts domicilirt, den Institutionen seiner Vaterstadt das wärmste Interesse bewahrt hat. Derselbe übermittelt in dieser Zuschrift dem Gemeindepräsidium behufs pietätvoller Verewigung des Namens und des Andenkens seiner im vorigen Jahre im Zenithe ihres dem Wohlthun gewidmeten und an allen Tugenden reichen Lebens dahingeschiedenen treuen Lebensgefährtin weiland Frau Sofie Weiß, geborene Fischl einen Betrag von 7000 fl. mit dein Ersuchen, diese Summe den nachfolgenden wohlthätigen Zwecken zuzuführen und zwar: 1. Der Te m esv ar er israelitischen Religio nsge mein de: 4000 fl. zum Zwecke der Erwerbung einer neuen Orgel in der inner städtischen Synagoge; — 2. 500 fl. als Requiemsstistung zum Andenken an seine gottselige Frau Sofie Weiß geb. Fischl, welche ihm stets^als würdige Gefährtin in seinen edlen, menschenfreundlichen Bestre- ■ bringen treu zur Seite stand; — Z. 1000 fl. zur vorläufigen weiteren Erhöhung seiner zu Gunsten vorr Beamtenswitwen und Waisen der Gemeinde schon vor mehreren Jahren gegründeten Wohlthätigkeitsstiftung, welche mit dieser Erhöhung auf 2400 fl. angewachsen ist. — 4. Dem Temesvarer Bruderschafts- Vereine (Chewra-Kadischa) 100 fl. — 5. Dem Temesvarer interconfessionellen Wohlthätigkeüs- und Krankenunterstützungsvereirre „M a s k i J e ID o 1" 100 fl. — 6. Dem M ä d ch e rill n t e r st ü tz u n g s f o n d e der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde 100 fl. — 7. Dem inn erst ä d ti s ch e n israelitischen Frauenvereine 100 fl. — 8. D e m Fabriker israelitischen Fra neu vereine 100 fl. — 9. Dem Josef st ädter israelitischen Frauenvereine 100 fl. — 10. D e m Temesvarer Giselaw a i s e n h a u s s o n d e 50 fl. — 11. Der Temesvarer freiwilligen Rettungsgesellschaft 50 fl. — 12. Zur Ergänzung der — aus Anlaß des im vorigeil Jahre erfolgten Ablebens seiner gottseligen Frau geb. Fischl gesammelten Kranzspe ndenstiftung 400 fl. — 13. Ferner zur sofortigen Bertheilung an Arme: Der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde 200 fl. (an 3 Familien zu 50 fl., an 10 zu 5 fl.) — und schließlich soll dem Herrn Bürgermeister gleichfalls behufs sofortiger Bertheilung an Arme der Betrag von 200 fl. übergebeir werden. Diese edle großherzige That des Herrn Eduard Weiß spricht lauter als alle Lobeserhebungen, die wir ihm widmen könnten — zumal der edle Spender bei der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde schon eine gar stattliche Anzahl von ansehnlichen Wohlthätigkeits-Stiftungen gegründet hat, auf deren Aufzählung wir mit Rücksicht auf seine bekannte Bescheidenheit, die jeder öffentlichen Zurschaustellung seiner philantropischen Werke gerne aus dem Wege geht, verzichten wollen — und wollen wir uns deshalb nur darauf beschränken, ihm aufrichtigen Herzens zu wünschen: Möge ihm für seine Hochherzigkeit der reichste Gotteslohn beschieden sein! — Das Präsidium der Temesvarer israelitischen Religions-Gemeinde hat sofort nach Erhalt dieser Zuschrift auf Sonntag den 9. d. M. die Repräsentanz zu einer außerordentlichen Plenarversammlung einberufen welche dem edlen Spender voraussichtlich große Ovationen bereiten wird. — Wie wir vernehmen, beabsichtigt Herr Eduard Weiß sein Domicil demnächst nach Brüssel zu verlegen, um dort die Ausbildung seiner einzigen Tochter Stefanie fortzusetzen und beenden zu lassen. Möge er überzeugt sein, daß ihn auf allen seinen Lebenspfaden die besten Wünsche seiner ihm mit innigster Anhänglichkeit zugethanen Landsleute begleiten. Breslau. 30. April. Sonntag Vormittag fand in schlichter, aber darum nicht minder eindrucksvoller Feier die Einweihung der von Herrn Rittergutsbesitzer Julius S ch o t t l ä n d e r errichteten und als „Julius und Anna Schottländrr'sche Stiftung" bezeichneten Israelitischen Alte rs Versorgung s- A n st a l t statt. Ein zahlreiches Publicum, unter welchem wir neben dem Stifter und seiner Familie die Spitzen des Vorstandes, des Repräsentantencollegiums, sowie einer Reihe von wohlthätigen Vereinen der hiesigen Synagogengemeinde bemerkten, hatte sich eingefunden. Im Namen des Vorstandes der Israelitischen Kranken-Verpflegungsanstalt unternahm dessen derzeitiger Vorsitzender, Herr Eduard Sachs, mit einer längeren Ansprache die neu errichtete Anstalt. Zugleich sprach er dem hochherzigen Stifter, und seiner Gemahlin, welche bescheiden jede größere Einweihungsfeier abgelehnt hatten, für ihr menschenfreundliches Werk, sowie allen Denen, welche zur Errichtung und Ausschmückung der Anstalt beigetragen hatten, für ihre Thätigkeit den herzlichsten Dank aus. Redner erwähnte, daß die Anstalt zur Zeit von 36 Insassen belegt sei, daß sie aber Rauin für die Aufnahme von 80 Personen biete, gedachte mit dankbaren Worten einer von Herrn Schottländer und dessen Familie noch besonders errichteten Stiftung, ferner einer den Namen „Rosa Pfeffer-Stiftung" tragenden Schenkung des Herrn Simon Pfeffer, und schloß mit einem warmen Appell, durch Zuwendung von Geschenken die knapp bemessenen Mittel der Anstalt zu erhöhen, um die Aufnahme weiterer Insassen zu ermöglichen. Nachdem auch Herr Stadtrath Pringsh e i m namens des Vorstandes der Synagogengemeinde Herrn Schottländer und seiner Gemahlin gedankt hatte, nahm Rabbiner Dr. R o s e n t h a l die Weihe des Hauses vor. In gedankenreicher Rede pries sodann Herr Rabbiner Dr. G u t tm a it n die Macht der Liebe und des Glaubens. Mit Absingung des Psalms 150 schloß die erhebende Feier. Im Anschluß an dieselbe erfolgte unter Führung des Vorstandes ein Rundgang durch die Räume des Hauses, wobei den zweckmäßigen, allen hygienischen Anforderungen entsprechenden Einrichtungen allgemeine Anerkennung gezollt wurde. Lübeck, 30. April. Bei Gelegenheit der vor Kurzem dahier abgehaltenen ersten Sitzung des Vorstandes der Fleischereibe r u f s g e n o s s e n s ch a f t, die am 1. Jänner d. I. in's Leben gerufen wurde, das heißt aus der Nahrungsmittelberufsgenossenschaft ausschied, wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Schächter, die in einem allgemeinell öffentlichen Schlachthause thätig sind, auch unfallversicherungspflichtig seien; einige Fälle sind der Genossenschaft bereits bekannt geworden, in denen sich die Schächter der Unfallversicherungspflicht unterworfen haben. Aus den weiteren Verhandlungen ging hervor, welch' rege Thätigkeit die Fleischereiberufsgenossenschaft seit ihrem Bestehen bereits entfaltet hat; sind doch in dem ersten Vierteljahre ihres Bestehens schon 14.000 Ein- und Ausläufe zur Erledigung gekommen. Der. Schwerpunkt der Thätigkeit der Genossenschaft liegt hauptsächlich in dem Einbeziehen der noch ansstehenden, nach Tausenden zählenden versichenlirgspflichtigen Betriebe. Die in der Nahrungs» mittelbernfsgenossenschaft angemeldeten Fleischereibetriebe beliefen sich am Schluffe des vorigen Jahres auf 14.800, es sind nun neuerdings so viel versichernngspflichtige Betriebe zur Genossenschaft zngezogen worden, daß man mit dem Schluffe des ersten Arbeitsjahres der neuen Fleischereiberufsgenossenschaft die Zahl dieser Betriebe auf 20.000 zu bringen hofft. Da bekanntlich auch solche Unfälle von der Berufsgenossenschaft gesetzlich entschädigt werden müssen, die in nicht angemeldeten oder versicherungspflichtigen Betrieben Vorkommen, so wird diese Thätigkeit einerseits der Berufsgenoffenschaft große Summen pflichtschuldiger Prämien hereinbringen und andererseits die über die Versicherungspflicht unwissenden Betriebsunternehmer eintretenden Falles vor großen Strafen bewahren. Die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit der Nahrungsmittelindustrie-Bernfsgenossenschaft, Theilung des Betriebs- und Reservefonds von nahezu einer Million Mark, findet demnächst in einer eigens hierzu bestimmten Sitzung von Vertretern beider Berufsgenossenschaften in Mannheim statt. Frankfurt, 1. Mai. In der Angelegenheit der galizischen Schnorrer hat jetzt Herr Bezirksrabbiner Dr. A. Salvendi in Dürkheim a. d. H. eine Warnung veröffentlicht, in der er auf Grund sorgfältig eingezogener Erkundigungen bestätigt, daß sämmtliche von Wolf Richter in K u d r y n c e seit mehreren Jahren erlassenen Aufrufe für alle möglichen Nothstände, darunter auch für einen erblindeten Greis von über hundert Jahren, für Witwen und Waisen, deren Männer und Väter durch eine Epidemie hinweggerofft wurden, für Shnagogenbauten u. dgl., vollständig auf Lug. und Trug beruhen- Mit Wolf Richter stehe in Verbindnug ein gewisser Osias K r o h n, der sehr schreibgewandt sei und in seinen Bettelbriefen aus Skala sich für einen aus Rußland ausgewiesenen Rabbiner ausgegeben habe; später habe er seinen Wohnsitz nach Borsczow verlegt, versende aber Bettelbriefe aus noch vielen anderen Orten Galiziens. Mit Richter und Krohn seien noch andere Leute geschäftlich verbunden, die gemeinsam die jüdische Wvhlthätigkeit mißbrauchen und das Beuteergebniß unter sich theilen. Herr Dr. Salvendi hat es für seine Pflicht gehalten, dies zu veröffentlichen, um das Publicum vor betrügerischer Ausbeutung zu schützen. Im Anschluß an diese Warnung haben wir aus unserem Leserkreise eine Zuschrift erhalten, in der es heißt: „Als ich vor Jahren wiederholt mit verdächtigen Bettelbriefen aus Galizien belästigt wurde, ersuchte ich den Bürg e r m e i st e r des betreffenden Ortes um Auskunft über den Bittsteller. Antwort wurde mir erst, als ich nach langem Warten mit einer Beschwerde an den Vorgesetzten