Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 20 Vr. Vloch's Wochrnschrtst Seite 419 und Pathologie, sowie die Originalität seiner Arbeiten und das immense Wissen erregen Aufsehen bei den Gelehrten des In- und Auslandes. Prof. B e cf war Docent in Krakau und ist, kaum daß er anderthalb Jahre außerordentlicher Professor war, in so jungen Jahren zum ordentlichen Professor ernannt worden. Die Gelehrtenwett setzt große Hoffnungen auf den jungen Gelehrten. Der hiesige Cultusvorstand hat unter Vorsitz des Präsidenten Gemeinderath Dr. Leon Horovitz über Antrag des Bice-Präsidenten der Cultusgemeinde, Gemeinderathes und Obmannes der Spitals-Section Hirsch Landau beschloffen, die von einem hiesigen israelitischen Bürgereomils gespendete Ehrentafel für den seligen Universitäts-Professor, Primararzt des israelitischen Spitales Doctor Josef Oettinger im israelitischen Spitale zum ewigen Andenken anzubringen. Das Ehrendenkmal für Prof. Oettinger hat di>. israelitische Cultusgemeinde schon früher auf dem Grabe des verstorbenen Gelehrten errichtet. Ro2»au. (Sechzehntes S p e n d e n - B erzeich n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Eurorte R o 2 n a u sind weiters nachstehende Spenden eiugegangen von: Humanitäts-Loge Beuthen 18 Mark fl. 10*72; Humanitäts-Loge Posen 20 Mark fl. 11/72; Brüll und Schreiber, Wien, fl. 20; D. Fischl's Söhne, Prag, fl. 5; Carl Burger, Prag, ft. 5; Emil Pinnelles, Wien, fl. 5; Julie Koffler. Wien, fl. 5; S. N. Kohn, Arad, fl. 3; Alois Lemberger, Wien, fl. 2; Emanuel Metzel, Wottitz. fl. 1; Chewra- Kadischa Kesmark fl. 5; Chewra-Kadischa Luck fl. 5; Chewra- Kadischa Nagy-Bittse fl. 5; Chewra-Kadischa Bellenyes fl. 3.40; Chewra-Kadischa Czeglev fl. 5; Tonche Cholm, Przemysl fl. 2; zusammen fl. 93*84; letzter Ausweis.* fl. 3418*24: Summa fl. 3512*08. Dr. L. S. Skreink a, 'Adolf P 0 l l a k. Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n u, Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Stratznitz, 10. Mai.- Anläßlich der ersten Jahreswende seit dem Sterbetage des rühmlichst bekannten Philantropen weil. Moritz Baron Hirsch wurde in der hiesigen Synagoge ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, solenn und würdig dem ruhmwürdigen Andenken des verdienstreichen Mannes, welchem der'schöne ergreifende Gottesdienst gegolten. Nachdem passende Psalmen vom Cantor und den zahlreichen Tempelbesuchern recitirt waren, bestieg unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Dr. Friedmann die Kanzel zu einer Gedächtnißrede, welche den Glanzpunkt der tiefempfundenen Gedächtnisfeier bildete. Der wirkungsvollen Predigt folgte ein vom Herrn Rabbiner eigens verfaßtes und bei, offener heil. Bundeslade verrichtetes tiefergreifendes Gebet für das Seelenheil des edlen Menschenfreundes Baron Hirsch und für das lange Leben seiner hochherzigen Gemahlin Fran Baronin Clara Hirsch. Suezawa. Am 9. Mai Abends fand sowohl in der hierortigev israelitischen deutschen Schule als auch in der Hauptsynagoge aus Anlaß des Gedächtnißtages der verewigten Baron Hirsch eine erhebende Seelengedächtnißseier statt. Mehr denn 200 Schüler der israelitischen Schule versammelten sich in den mit den Insignien der Trauer ausgestatteten Schulzimmern, um innige Gebete für das Seelenheil des allzufrüh dahingeschiedenen großen Philantropen zu verrichten. Herr Oberlehrer B. Frankel betrat die schwarz decorirte Tribüne und erklärte den Schulkindern den herben Verlust, den das Jndenthum, die Menschheit, insbesondere jüdische Jugend durch den Heimgang dieses großen unsterblichen Mannes erlitten. Hierauf geleitete der Lehrkörper die Kinder in die Synagoge. Herr Lehrer S e i d n e r intonirte einen Psalm mit dem Schülerchor in Herz und Gemüth ergreifender Weise. Darauf bestieg Herr Oberrabbiner Dr. Abraham Löwy die schwarz decorirte Kanzel und hielt vor einem dichtgedrängten Publicum eine ergreifende Rede. Sodann trat Herr Oberlehrer B. Fränkel vor die Bundeslade und verrichtete für das Seelenheil des Verewigten ein rührendes, andächtiges Gebet. Hierauf wurde das EI mole raebmin von Lehrer S : idner mit dem Schülerchor gesungen und zwei Waisenkinder verrichteten das Kadisch-Gebel; damit schloß in erhebender Weile diese alle Anwesenden rührende Trauerandacht. Saaz, 6. Mai. (Preßproeeß.) Heute gelangte der Preßproceß des Komotaner Kaufmannes Sigmund Kohn gegen den Schriftleiter des hiesigen antisemitischen Hetzblattes Edmund P u m m e r, welchen seinerzeit die Brüxer Geschwornen trotz mißlungenen Wahrheitsbeweises nicht schuldig gesprochen hatten, in Folge Cassirung des bezüglichen Urtheiles vor dem vom Obersten Gerichtshöfe hiezu delegirten Pilsener Kreisgerichte zur euerlichen Verhandlung. Pummer, welcher heute den wegen mittlerweile eiugetretener Verjährung nicht mehr verfolgbaren Verfaffer des injuriösen Artikels namhaft machte, wurde nun von den Geschwvrnen einstimmig wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge schuldig erkannt und vom Gerichtshöfe zu einer Geldstrafe von 120 fl., eventuell 24 Tagen Arrests, zum Kostenersatze und zur Veröffentlichung des Straferkenntnisies verurtheilt. Prag, 9. Mai. Bei der heute stattgefundenen Wahl für die Israelitische Gemeinderepräsentanz wurden vom zweiten Wahlkörper: kaiserl. Rath Sigmund H a u r o w i tz, Schriftsteller Salomon K o h n wieder- und an Stelle des nach Wien übersiedelten Sigmund Nt a u t h n e r Fabrikant Max Kohn neugewählt. Kaiserl. Rath H a u r o w i tz. ein allgemein verehrter Manu, ist einer der größten Gemeindewohlthäter, Schriftsteller Kohn. der Verfaffer von „Gabriel", ist das dienstälteste Mitglied der Gemeinderepräsentanz, welcher er schon durch fast drei Decennieu ununterbrochen angehört, Max Kohn, ein noch jüngerer Mann, schon jetzt als Vorsteher gemeinnütziger Institute ersprießlich wirkend, wird, >vie allgemein erwartet, den Ehrenplatz, zu dem er berufen wurde, in würdiger Weise ausfüllen. Prag. Dr. I. Scharf unv der Antisemit Brzeznowdky. Wir erhalten aus Prag folgende Zuschrift*. Geehrte Redaction! In Ihrer Nummer vom 30. April lesen wir eine Zuschrift des Landtagsabgeordnete» Dr. I. Schar f. in welcher dieser sich gewissermaßen reinwaschen will von den politischen Sünden, die er und seine Gesinnungsfreunde in der Wahlcampagne der V. Curie in Prag verbrochen haben. Herr Dr. Scharf behauptet, er habe nicht für den antisemitischen Brzeznowsky agitirt. Gleichzeitig betont er in dem Wahlaufrufe, den er und einige seiner Gesinnungsgenossen in den „Narodni Listy" veröffentlichten, für den antisemitischen Brzeznvwsky animirt zu haben, sowie daß er anderen unentschlossenen jüdischen böhmischen Wählern empfohlen habe, sich zu dessen Wahl zu entschließen. Ist es nicht einerlei, ob Herr Dr. Scharf mit Herrn Brzeznowsky bei den jüdischen Kaufleuten, um seine Wahl zu fördern, bettelt, oder ob er in den Zeitungen für einen der ärgsten Antisemiten Propaganda macht? Herr Dr. Scharf nmßte als Jude doch wissen, daß ein solcher Aufruf den unentschlossenen Wähler in das socialdemokratische Lager jagen wird. Aber er vergaß, daß sich die jüdischen Wähler, ob deutsch oder böhmisch, einfach nicht commandiren lassen und einen ihnen feindlich gesinnten Abgeordneten ^nicht wählen, mögen auch die Herren Dr. Scharf, Dr. Zoluo, I. S. Kraus, und wie sie Alle heißen mögen, __ das Commando hiezu ertönen lassen. Es war Pflicht eines jüdischen czechischen Parteiführers, auf den sich doch Herr Dr. Scharf seit letzter Zeit gern aufspielt, Fühlung mit den Juden aller Parteien zu erlangen, damit man erkenne, daß nlan heute im politischen Leben auch mit den Juden rechnen müsse. Das hat aber Herr Doctor Scharf nicht gethan, er wollte, gestützt auf fein politisches Czechenthum den jüdischen Wählern, ob deutsch ^oder böhmisch, den ärgsten Antisemiten vonl Schlage eines Schneider aufoctroyiren. Solche Machenschaften führen aber nur dazu, daß die Juden, deren Führer so wenig Selbstachtung zeigen, bei allen Parteien au Achtung verlieren. Herrn Dr. Scharf möchten wir aber, wenn er sich weiter um die politische Führung der böhmischen Juden kümmern sollte, die Frage zur Erwägung vorlegen : Ist es besser, ein guter böhmischer Jude oder ein schlechter jüdischer Böhme zu sein? 3—*)•. TemeAvar. (Wohlthütigk eit.) Ueber einen Wohlthätigkeitsact, welcher auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient, zumal es sich um die schöne That eines in Wien domicilirenden Philantropen handelt, entnehmen wir der „Neuen Temesvarer Zeitung": Von einem Wohlthätigkeitsa k t e im großen Style verständigt uns das Präsidium _ der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde. Ein Kind unserer Stadt, der gegenwärtig zum Besuche seiner Verwandten hier weilende Herr Eduard Weiß, welcher der hiesigen Großhandlungsfirma Sandor Weiß' Söhne 25 Jahre hindurch als Mitchef Vorstand und sich hier ebenso als einer _ der hervorragendsten und vornehmstell Repräsentanten der Geschäftswelt, als auch in Folge seines concilianten Wesens und hauptsächlich als hochherziger Philantrop und allzeit zur Hilfe bereiter Menschenfreund stets der ungetheilten Hochachtung und Verehrung aller Kreise erfreute, richtete nämlich an Herrn S a l a m o n St er nt h a l als Präses der Temesvarer -israelitischen Religionsgemeinde n