Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021189--06745-3031040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 418 Nr. 20 Dr. Vloch's Wochrnlchrist Großmann fl. 25Theodor Schrecker fl. 10; Adolf Schramek fl. 10; Dr. M. Waldmann fl. 10; G. König & Bruder fl. 5; Alb. Oppenheim fl. 5; I. Friedmann fl. 3; Alois Weltmann fl. 3; M. Hirsch fl. 2; Adolf Altmann fl. 2; Ph. Eisler fl. 1; W. Todesko fl. 1; B. Groß fl. 1; A. Schulhof fl. 1; A. Schrubatz fl. 1; in Summa fl. 120; bereits ausgewiesen fl. 10.641; im Ganzen fl. 10.761. Wien. (Politik im S ch ulh ause.) Nicht nur ins öffentliche Leben hat die antisemitische Strömung Haß und Zwietracht gestreut, sondern auch der Friede in der Schule ist ihr zum Opfer gefallen. So hat sich im Staatsgymnasium im 2. Bezirke eine zwei Claffen umfassende antisemitische Vereinigung gebildet, deren Mitglieder nicht nur die israelitischen Mitschüler vom Verkehre excludirten, sondern auch einen christlichen College» boycottirten, weil er — mit Juden verkehrt. Ein israelitischer Schüler, Isidor Schwätzer, der den „Christen" schon lange ein Dorn im Auge war und gegen den sich das Hauptbombardement der „Vereinigten Christen" richtete, entdeckte diese Vereinigung dem Claffenvorstand, Prof. Dr. Richard C. Kuckul a, der ihn jedoch abschlägig beschied, weil „kein strafbarer Grund vorliege", und die Sache zu vertuschen suchte. Ganz anders Schwätzer. Er ergriff gegen diesen Bescheid des Professors beim Director Dr. Gustav W a n i e k Beschwerde, über die vor Kurzem verhandelt wurde. Dr. Richard Kuckula suchte jede Schuld von sich abzuwälzen, und da es ihm nicht gelang, Schwätzer Lüge zu strafen, wurde er von diesem selbst der Lüge überführt. Daraufhin sagte Prof. Dr. Kuckula, der sich in die Enge getrieben sah, auf den Israeliten Schwätzer zeigend: „Uebrigens glaube ich, sind nicht die christlichen Schüler, sondern dieser da strafbar." Die Beschwerde wurde abgewiesen, weil Schwätzer — keine Statuten des Vereines vorlegeu konnte (!!!). Wohl führte er christliche Schüler an, die vor dem Director angaben, sie seien aufgefordert worden, dem Bunde gegen die Jude» beizutreten. Der Director gestand in einer Anrede an die Claffe, daß in derselben eine antisemitische Strömung herrsche, doch ertheilte er Schwätzer eine strenge Rüge, weil er ja gegen die Antisemiten ausgetreten war. Wie verlautet, hat Schwätzer diese Affaire dem Landesschulrathe vorgelegt und wird sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln der Oeffentlichkeit zur Beurtheilung übergeben, damit mau wisse, wem mau seine Kinder anverttaut. PreHburg. (Cardinal und Rabbiner.) Als Beleg für die liberale und humane Denkweise eines hohen Kirchenftirsten veröffenttichen wir hiemit einen Briefwechsel zwischen dem Cardinalbischof Dr. Schlauch in Großwardein und Rabbiner Dr. David in Preßburg. Der Letztere nämlich hat den Ersteren anläßlich seiner Priester Jubiläumsfeier mit folgenden Zeilen beglückwünscht: „Preßburg, 3- Mai 1897. Eure Eminenz! In erfreuender Erinnerung an die ehrende Bekanntschaft, die ich in Ischl mit Eurer Eminenz machte, und gedenkend Ihrer bezaubernden Persönlichkeit, Ihrer hohen Weisheit und Ihres vorurtheilslosen Geistes, erlaube ich mir Ihnen zu Ihrem Priester-Jubiläum aufrichtig und ergebenst zu gratuliren. Nach den Worten des Propheten Jesaias, 66, 21, daß Gott auch von anderen Völkern zu seinen Priestern nimmt, darf ich Sie auch vom Standpuntte des Judenthums als auserwählten Gottespriester betrachten. Die Vorsehung erhalte Sie als Heilsboten der Religion und der menschlichen Gesellschaft noch lange in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische. Amen! In Verehrung und Hochachtung Dr. David." Hierauf beehrte Kirchenfürst und Magnatenhausmitglied Dr. Schlauch den jüdischen Seelsorger Dr. David mit folgender Antwort: „Großwardein, 5. Mai 1897. Euer Hochwürden! Erfteut durch Ihre liebenswürdigen Zeilen, beeile mich, meinen auftichtigen Dank auszusprechen dafür, daß sie sich meiner an meinem großen Feiertag erinnerten. Meine ganze Thättgkeit im Leben war immer von dem Bestreben erfüllt, dem hohen Gebot der Liebe meines Erlösers treu zu bleiben und habe ich davon Niemanden ausgeschlossen und seien Sie überzeugt, hochwürdiger Herr, daß auch in dieser Beziehung Ihre ausgezeichnete Liebenswürdigkeit mir eine angenehme Erinnerung bleiben wird. Empfangen den Ausdruck meiner Achtung, mit der ich bin Euer Hochwürden ergebener Diener Dr. Laur. Schlauch." E. B. Budapest. (Zuzug österreichischer I nd u st r i e nach Ungarn.) Die Schirmfabrikanten Beer, Drab und Co. in Wien haben auf dem hiesigen Platze eine Fabrik errichtet. Außer der gesetzlich gewährleisteten Steuerbefteiung wurde der genannten Firma auch seitens der ungarischen Regierung eine auf fünf Jahre sich erstreckende namhafte Subvention in Baarem zugesichert. Dem Vernehmen nach beabsichtigen auch andere österreichische Industriezweige entweder ganz nach Ungarn zu ziehen, oder zumindest eine Filiale zu gründe, um von diesem Theile der Monarchie, in welchem Handel und Industrie freie volle Bethätigung ermöglicht ist, eine von Intoleranz und Scheelsucht unbehinderte Thätigkeit zu entfalten. Lemberg, 9. Mai. Man schreibt uns aus Lemberg: Die huldvollen Worte, die Seine Majestät an den Wiener Oberrabbiner gelegentlich der Audienz, in der er ihn empfing, richtete, haben auch hier eine freudige Stimmung hervorgerufen. — Der Oberrabbiner Schmelkes hat jüngst in einer Audienz beim Statthalter Fürsten Sanguszko uni E i n s ch r ä n k u n g d e r Sonntagsruhe für die hiesigen israelittschen Kaufleute angefucht. Seitens der hohen Statthalterei wurde nun verfügt, daß die Kaufleute Sonntag bis 12 Uhr Mittags, anstatt wie bisher bis 10 Uhr, die Greislereien bis 12 Uhr Mittags und von 7 bis 8 Uhr Abends, die Brodverkäufer den ganzen Tag offen halten dürfen. Die hiesige israelitische Bevölkerung bereitet sowohl für die hohe Statthalterei, als für Seine Ehrwürden den Oberrabbiner und den Cultuspräsidenten Edlen von Horowitz für deren warmes Eintreten Danksagungen vor. — Die Streitigkeiten zwischen den hiesigen Conservativen und der Fortschrittspartei betreffs der Statuten sind wohl beigelegt, immerhin wurde von einer Wählerversammlung beschlossen, falls der Cultusvorstand betteffs der strittigen Punkte Wahl blos zweier — anstatt dreier — Curien und Statutenänderung nicht nachgebeu werde, Protest zu erheben. — Es verlautet, daß dem Ober r abbin er Schmelkes anläßlich seines 40jährigen Rabbinerjubiläums eine kaiserliche Auszeichnung zu Theil werden soll. F. H. Lemberg, 6. Mai. (W a h l e x c e s s e.) Vor dem Kreisgericht in Przemysl hatten sich neuerdings fünf r u t heil i s ch e Bauern wegen der Wahlexcesse bei den jüngsten Reichsrathswahlen zu verantworten. Der Anklageschrift zufolge sollen dieselben gedroht haben, daß sie die Juden und die Herreuleute in Folge des ungünstigen Ausfalles der Wahlmännerwahlen erschlagen werden; sie kündigten ferner an, daß sie sich an dem Ortsrichter Nowak rächen werden. Der Hauptangeklagte Z i n k i e w i c z sen. wurde zu zwei Monaten Kerkers, die vier anderen Bauern zu je zwei Wochen A r r e st s v e r u r t h e i l t. Krakau. Am 9. Mai fand im israelitischen Tempel zu Krakau eine Generalversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand die Wahl eines Predigers, beziehungsweise die des Candidaten Dr. Thon, dessen Proberede allgemeinen Beifall fand. Die vom Cultuspräsidenten Dr. Horowitz geleitete Versammlung dauerte von 3 Uhr Nachmittags bis 8 Uhr Abends. Dr. Thon hatte zahlreiche Sympathien, allein die zionistische Richtung seiner bisherigen Wirksamkeit hat ihm zahlreiche einflußreiche Kreise hier entftemdet. Man fand es bedenklich, in Krakau einen jüdischen Prediger von ausgesprochen zionistischer Richtung zu bestellen. Umso bemerkenswerther ist es, daß Männer wie Arthirr E i b e n s ch i tz und Professor Dr. R o s e n b l a t t, welche den Standpunkt der Assimilation mit Eifer festhalten und vertheidigen, die Candidatur des Herrn Dr. Thon nicht nur nicht bekämpften, sondern eifrig befürworteten, mit denk Bemerken, daß eine Zeit kommen kann, welche die Juden Galiziens nöthigen werde, in das zionistische Fahrwasser einzulenken. Keineswegs aber dürfe der Zionismus bei einem Gelehrten und Theologen ein Hinderniß bilden, zumal dessen Wirkungskreis nie auf das politische Gebiet sich erstrecken kann. Die Versammlung endete mit einem Sieg des Candidaten, der mit überwiegender Majorität gewählt wurde. Nach der Wahl fand im „Hotel London" ein Bankett statt. Jul. S. Krakau. Wie die „Wiener-Zeitung" amtlich gemeldet hat, hat der Kaiser den außerordentlichen Professor an der Universität Lemberg Dr. A d o l f Beck zum ordentlichen Professor der Physiologie an der genannten Universität ernannt.. Prof. Beck, der im 34. Lebensjahre steht, ist der jüncste Professor an den beiden Universitäten Galiziens und auch der einzige Jude, der es zur wirklichen Professur in Galizien gebracht hat. Prof. Beck, gebürtig in Krakau, stammt von armen Ellern und hat sich durch besondere Fähigkeiten, große Energie und rastlose Arbeit zu einer überaus geachteten Stellung in der Gelehrtenwelt emporgearbeitet. Seine bedeutende., fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit auf dem Gebiete der Physiologie