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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-14 · 20 (14.5.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr 20 Vr. Vlortz s WochrnMrW. Seite 413 Archivdirector Dr. Uhlirz, Magistratssecretär Dr. Löwy, Reichsrathsabgeordneteu Tittinger, den türkischen Oberrabbiner Chacham Papo, Präsidenten der israelitischen Cullusgemeinde kais. Rath; Klinger, Vicepräsident Dr. Alfred Stern, die Präsidenten der türkisch-israelitischen Gemeinde Marcus M. Russo und Licco Adutt, Dr. Hermann Grünbaum, die Directoren Brünner, Fischer und Heller, Rector Dr. Schwarz, die Professoren Dr. Biichler, Graubart, Langfelder. Dr. Tschiaßuy, Dr. Weinberger, die Schriftsteller Fräulein Hermine von Sonnenthal, Dr. Bloch. Dr. Karell, Dr. Robert Stiaßny, Ortsschulrath Heit, Obercantor Bauer, eine zahlreiche Vertretung der „Jüdisch-akademischen Lesehalle", Universitätsprofessor Dr. Adam Politzer und Andere. Der Präsident würdigte in schwungvollen Worten die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Kunst und besprach sodann die Thätigkeit der Gesellschaft. Derselben gehören trotz ihres erst kurzen Bestandes bereits 5 Stifter und 63 Mitglieder an. Die Gesellschaft war auch bereits in der Lage, Dank der Munificenz zahlreicher Gönner und Förderer, insbesondere des Baron Albert Rothschild, ein Museum jüdischer Kunstdenkmaler in ihrem Vereinslocale in der Rathhausstraße anzulegen. Curator Theodor Ritter von Goldschmidt verliest den Cassabericht und den Rechnungsabschluß, der einstimmig genehmigt wurde. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die Maler Isidor Kaufmann und Leopold Horowitz zu Curatoren gewählt und zahlreiche correspondirende Mitglieder, unter Anderen Rev. Dr. H. Adler, Chief-Rabbi von England, London, Zadoc Cahn, Grand-Rabbin de France, Paris, Professor Dr. Ignaz Goldziher, Budapest, Staatsrath Dr. A. Harkawy, St. Petersburg. Professor Dr. David Kaufmann, Budapest, Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar der Bodleana in Oxford, Professor Dr. Moriz Steinschneider, Berlin; zu Revisoren die Herren: Leo Hildesheimer, Emil Jellinek, Arthur Edler von Mises ernannt. Universitätsprofessor Dr. D. H. Müller berichtete über eine interessante Pessach-Agada aus Bosnien mit interessanten Illustrationen. Im Anschlüsse an die Versammlung hielt der erste Vicepräsident der Gesellschaft, Hofschauspieler Adolf v. Sonnenthal eine poetische Vorlesung, deren Themen mit den Bestrebungen der Gesellschaft in einenr gewissen Zusammenhänge standen, er las nämlich den vierzehnten Gesang von „Ahasver's Wanderungen" und eines der bekannten scharfen Charakterbilder unseres geschätzten Mitarbeiters S. Kohn aus dem Prager Ghetto. Nach der ergreifenden Tragik der Ahasver-Sage kam der charakteristische Humor dieser Zeichnungen aus denk jüdischen Ghettoleben zur besonderen Geltung. Die tief-gemüthvolle Art Sonnenthal's gab diesen liebevollen Detailbildern einen poetischen Reiz, und es entbehrte überdies nicht einer gewissen Pikanterie, wenn der Faust und Lear unserer Hofbühne bei einem Gespräch zweier Greise den Jargon des Prager Ghetto getreulich zu köpften versuchte. Kein Zweiter vielleicht versteht es wie Sonnenthal, der Interpret des echten Humors zu sein, der unter Thränen lächelt. Die Juden im griechisch-türkischen Kriege. C o n st a n t i n o p e l. Daß die Türkei auf die Tüchtigkeit der jüdischen Unterthanen zählen kann und daß unsere Glaubensgenossen, das in sie gesetzte Vertrauen glänzend rechtfertigen, wird im „Seraskerat", dem Kriegsministerium, anerkannt. Einer der tüchtigsten Marschälle ist MahmudHamdi Pascha, der Commandant des ll. Armeecorvs in Adrianopel, welcher sich als Platzcommandant von Stambul das unbegrenzte Vertrauen des Großherrn erworben und'durch die Pacificirnng Kretas seinen Feldherrnruf über die Türkei hinaus begründet hat. Im Kriege 1877—78 commandirte er die Truppen an der Serbischen Grenze; seit dieser Zeit ist er Befehlshaber des ll. Armeekorps an der bulgarischen Grenze. Se, Excellenz wird mir verzeihen, wenn ich seinen wirklichen Namen und seine Abstammung hier bekannt gebe. Der „talentvollste Guerilla-Commandant", wie ihn die Türken nennen, entstammt einer jüdischen Familie in Ungarn und heißt Freu n d. Schon jetzt stehen viele Juden in der Armee, welche sich allesammt vortrefflich bewähren. In besonders großer Zahl sind sie im Sanitätsweseu thätig. An der Spitze desselben steht unser Glaubensgenosse der D i v i s i o n s-G e n e r a l Excellenz Dr. Elias K o h e n Pascha, Leibarzt des Padischah und Oberinspector der hohen Sanitätscommission. Der Rangnächste ist Dr. I s a a c Molcho Pascha, Brigadegeneral und Jnspector des Marine-Sanitätscorps. Die Oberste Dr. Elijah uBey F o r a d z i, Dr. Mentesch Bey Galimidi und Dr. Dalmedigo aus Kreta (ein Sprößling des berühmten Arztes Dalmedigo aus Kandia», die Majore Dr. G a b b a y, Tr. B a r z i l a i, Dr. A k s ch i o t t e, Dr. Galimidi, Dr. P a r ch i und noch viele andere Glaubensgenossen sind als Militärärzte hervorragend thätrg. Daneben zählt die türkische Armee eine Reihe von Pharmaceuten jüdischen Glaubens. Nicht uninteressant dürfte es sein, daß auch eine sehr große Anzahl der sogenannten „Sabbatianer" im Heere recht ansehnliche Stellungen, und zwar meistens bei den Genie- und Jngenieursectionen bekleiden. Aber auch in der griechischen Armee zeichnen sich die jüdischen Soldaten aus. Tie griechische Nationalliga in Athen, Ethnike Hetairia, hat den Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde, Carl Rothschild einen eingewanderten Deutschen, selbst zu ihrem Mitglied ernannt: sie zählt auch viele andere jüdische Mitglieder. Die Zahl der in Athen lebenden Israeliten beträgt zur Zeit 350 Seelen, worunter einige Aschkenasim. Die Sephardim stammen aus Constantinopel, Smyrna, Salonichi, Janina oder den jonischen Inseln. Die Niederlassung der Juden in der griechischen Hauptstadt hat vor ungefähr 50 Jahren ftattgefunden. Auch inr Peloponnes gibt es mehrere jüdische Gemeinden, von denen die bedeutendste diejenige von Theben ist, wo sich heute noch — wie es heißt — hebräische Inschriften befinden sollen. Diese Gemeinden haben unter dein zerstörenden Einfluß früherer Kriege gelitten, und ihre Ueberreste wurden nach allen Seiten zerstreut. Die Gemeinden von Janina, Arta, Tyrnavos, Trikalla, Corfu, Zante, Kanea, Volv, Larissa zählen zusammen über 9000 Mitglieder. Die größten Gemeinden sind I a n i n a und Sari s s a, das in diesem Kriege den Mittelpunkt bildete; es hat zwei Synagogen, einen Oberrabbiner und zwei Chachamim mehrere kleine Bethäuser, eine Schule, in welcher alle Gegenstände seit der Occupation griechisch gelehrt werden. Es ist sehr interessant — und die orthodoxen Stürmer bei uns mögen sich das besonders merken —, daß in vielen Gemeinden Thessaliens auch in der»synagogalen Liturgie, besonders bei der Thoravvrlesung, die griechische Sprache in Gebrauch ist! Am schlimmsten ist es während der ganzen Zeit wohl den Juden in Kreta ergangen. So schreibt der Oberrabbiner von Kreta, Elbagon, nach London: Ich bin kaum im Stande, alle die Verluste aufzuzählen, welche der Aufstand auf unserer Insel unseren Glaubensgenossen, arm wie reich, zugefügt hat. Die armen hiesigen Juden, die von der Hand in den Mund übten, verloren ihre Verdienste, als der Aufstand ausbrach, und waren genöthigt, sich ihr Brod anderswo zu suchen. Die meisten gingen nach Smyrna, und ihre Einschiffung ging nur mit Mühe und unter Lebensgefahr durch die Kugeln der Insurgenten von Statten, und die Elendesten unter ihnen, welche in Kreta Zurückbleiben mußten, leben nur von den Wohlthaten unserer westlichen Brüder, denn hier stockt jedes Geschäft. Haben doch selbst die Reichen ihr ganzes Vermögen in den fortwährenden Bränden und Zerstörungen eingebüßt. Namentlich die Gemeinden Corfu und Smyrna wurden durch die Flüchtlinge vom griechisch-türkischen Kriegsschauplatz sehr stark in Anspruch genommen. Entgegenkommenderweise überließ der Bürgermeister Psorulla in Corfu denselben das alte englische Fort zur Wohnung. Es handelt sich um 250 Seelen, meist aus Arta, welche hierher geflüchtet sind, während jeder Mann aus der jüdischen Gemeinde Corfu, der waffenfähig ist, mit den griechischen Soldaten in den Krieg aezogen ist. Jüdisches Beamtenelend. Aus Böhmen. Wer über das moderne Rabbinerelend sich unterrichten will, der werfe einmal einen Blick aus die Gemeindeverhältnisse in Böhmen. Was soll man dazu sagen, wenn die Cultusvorstände in Böhmen Concurse ausschreiben ftir einen autorisirten und akademisch gebildeten Rabbiner, der Cantor, Koreh und Religionslehrer sein soll, bei 450, 500, 550. 600 st. Jahresgehalt bis Maximuni 800 fl. (dies aber ohne Wohnung — bei den ersteren ist die fteie Wohnung) erhält, deutsch und böhmisch sprechen und schreiben solle — aber nicht über 40—45 Jahre alt sein dürfe. Also ein Mann von 46—50 Jahre z. B. darf sich um solch einen Posten nicht bewerben. Nun sollte man glauben, es werden die Rabbinen selbst Remeöur schaffen und sich einfach um solche Stellen nicht bewerben —; aber nein — das geschieht nicht, 8—10 und noch mehr Bewerbungsgesuche laufen ein und die Gemeinden fömteit sich die geeignete Kraft aussuchen. Man sollte aber meinen, daß jener bis 45 Jahre alte Candidat definitiv angestellt wird und seine Gemeinde ihn bei Alter oder Dienstunfähigkeit — oder seine Hinterbliebenen peusionirt. Daran denken unsere Gemeindegewaltigen nicht, sie

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