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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-14 · 20 (14.5.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. ®>etie 408 Dr. Vloch's Wochrnfchrifi. Nr 20 der minder bemittelten Claffen, wie sie in Chodorow angeblich geübt wurde, hintanzuhalten geeignet sind. Der ermordete Jude, die zum größeren oder geringeren Theile zu Tode geprügelten Judenweiber und Judenkinder haben für Herrn Pattai so gut wie gar kein Interesse, für den erleuchteten Socialpolitiker steht es vielmehr fest, daß die Judenkinder gemeine Ausbeuter waren und durch den wirthschaftlichen Druck, vielleicht auch durch physische Mißhandlungen, die sie den beim Bahnbau beschäftigten mazurischen Arbeitern zufügte», sich die kleinen Widerwärtigkeiten, die ihnen sodann zustießen, selbst zugeFv-tzen haben. Uns nimmt es nur Wunder, daß Herr Pattai aus der trefflichen Stilisirung seines Antrages nicht die nothwendigen Consequenzen zieht und leider den Dringlichkeitsantrag vermiffen läßt, die verdienstvollen Chodorower Arbeiter, die so deutlich den Weg gewiesen haben, wie man jüdische Ausbeutung brseitigt, auf Staatskosten zu prämiiren. Wahrlich, zur rechten Zeit veröffentlichte, die Wochenschrift, die „Zeit", einen Artikel, in dem recht deutlich gewiesen wird, was es mit der wirthschaftlichen Ausbeutung der Chodorower Arbeiter durch die dort ansäffigen Juden für eine Bewandtniß habe. Gerne lassen wir dem geschätzten Autor, der auf Grund eines unanfechtbaren authentischen Materials berichtet, selbst das Wort. Er erzählt unter Anderem : „Der unmittelbare Anlaß zum Streite war dadurch geg>ben, daß der Arbeiter Buczek am Sonntag den 4. April ohne jeden Grund die Obsthänclerin Rachla Krolem anrempelte und ihren Korb mit Orangen ausschültete. Der daneben stehende Samuel Strauchler nahm sich der Frau an und gerieth mit Buczek ins Handgemenge. Darauf entstand eine Ansammlung von Bahnarbeitern und Juden, die zu einer Prügelei ausartete. Die rurhenischen Einwohner haranguirten dabei die Bahnarbeit r gegen die Juden, besonders der Schuster Michael Szmer und der Notariatscandidat Rudnicki. Da sich die Mazuren in Chodorow nicht genau austannten. so bezeichneten die Ruthenen ihre Häuser mit Kreuzen. Nun erfolgte die Metzelei, wobei ein 81jähriger Greis todtgeschlagen, fünfzehn Personen schwer und mehr als fünfzig Personen leicht verwundet worden sein sollen." „Die einzige geschäftliche Verbindung zwischen den Bahnarbeitern, die alle ihre Lebensmittel im Wege des Trucksystems von der Bauunternehmung beziehen, und den Juden bestand darin, daß sie bei den Juden wohnten. Aber auch nur zwanzig von ihnen; dafür z a h lten sie zwei Kreuzer per Nacht." Zwei Kreuzer für ein Nachtquartier, das ist also die wirthschaftliche Ausbeutung, die der Herr Pattai beseitigt wissen will. Aber es märe zuviel der Ehre, wenn wir uns länger mit den christlichsocialen Beutelschneidern befchä'tigen würden. Aus einem anderen Grund erscheint der citirte Artikel der „Zeit" sehr bedeutsam. Er gibt nämlich eine sehr beachtenswerthe Antwort auf die Fruge, worum die Bahnarbeiter die Juden mißhandelten und warum B a d e n i dazu schwieg. Die Arbeiter wollten dafür Rache nehmen, daß die Juden von Chodorow in Folge mehr oder weniger sanfter Gewalt ihre S t im men für die Schlachzizen adgaben. Deshalb prügelten sie die Juden und die Gendarmen sahen wohlwollend zu. Hätten aber die Juden im Sinne der Arbeiterschaft gestimmt, dann wären sie eben, wie sich dies an anderen Orten Galiziens zeigte, von den Gendarmen geprügelt worden. Geprügelt werken die Juden auf jeden Fall im Königreiche Badeni, im österreichischen Parlament aber interpellirt man über die Zwei-Kreuzer-Ausbeuter, welche sich erfrechen, für ein Nachtquartier vier Heller zu verlangen. Im Uebrigen erhallen wirvon wohlinformirter Seite einen „Waraungsrus" an die galizischen Juden, den wir nachstehend folgen lassen: Politische Zustände in Galizien. Das Land mit seinen vielen Besonderheiten, seinem,wie es von authentischer Seite, einem polnischen Ministerpräsidenten, bezeugt wurde, niedrigen Culturniveau, seiner be—rühmten Schlachte Herrschaft und -wirtyschaft macht jetzt einen eigenthümlichen Proceß durch. Das arme geknechtete und ausgebeutete Volk beginnt sich zu regen. Neue Parteien mit fteiheitlichen Tendenzen erwärmen die Gemüther. Das polnische Volk merkt es, daß das Schlagwort von der Jnteressensolidarität der polnischen Nationalität nur zum Wohle einer geringen Schlachtaclique erfunden, die Massen, vornehmlich den Bauernstand, der Ausbeutung anheimliefert. Das ruthenische Volk sieht sich in seinen nationalen und materiellen Interessen arg geschädigt, und so kommt es, daß radicale Volksbewegungen entstehen, die bei der galizischen — Cultur einerseits und der brutalen Vergewaltigung seitens der herrschenden Cliquen andererseits zu elementaren Eruptionen der Volksleidenschaft, ja sogar zu Blutvergießen führen. Wir sahen bei den letzten Wahlen in Galizien eine polnische Volksbewegung, eine radical-ruthenische Bewegung, eine socialistische und eine radical christlich-sociale Bewegung, welche trotz der großen Vergewaltigungen sich doch, wenn auch nur in geringen Vertretungen, ins neue Abgeordnetenhaus Bahn brachen. Ein Grundzug aller dieser radicalen Bewegungen ist aber -- vielleicht nut alleiniger theilweiser Ausnahme der socialistischen — der Haß gegen die Juden, der bereits zu den traurigen Excessen in Chodorow geführt, die ärgsten wirthschaftlichen Vexationen hervorgerufen und, unter der Asche glimmend, stets nur des gegebenen Momentes harrt, um, wie die Vorzeichen schon verkünden, unberechenbaren Schaden anrichtende Dimensionen anzunehmen. Die Ursache dieser betrübenden Erscheinung, daß gerade freiheitliche Bewegungen mit unerbittlichem, gefahrdrohenden Haß gegen die Juden gepaart sind, liegt leider in den Juden selbst, aber nicht in den armen, geknechteten, um ihre tägliche Existenz ringenden Massen, sondern in den sogenannten leitenden Kreisen, in einigen Mandatjägern, die um das Linsengericht eines stummen Ja-Sager-Mandates ihr Volk verkaufen und der Schlachta zur Befestigung und Erhaltung ihrer Herrschaft, die auf dem eigenen Volke mit dem gleichen Druck wie auf den Juden lastet, behilflich sind. Da werden wunderliche Compromisse geschlossen und selbst ausgesprochenen Antisemiten iuit Hilfe der bethörten und irregeleiteten Glaubensgenossen Mandate gesichert, um nur auch für die eigene Person ein Mandatchen zu erhaschen. Vide, um nur ein Beispiel anznführeu, das berüchtigte Compromiß Byk— Pietak. Mit Hilfe der Rabbiner, der Propinationspächter und sonstiger um die Gunst der Mächtigen buhlenden „jüdischen Koryphäen" werden die Massen haranguirt und jede freiheitliche Volksbewegung, jeder Versuch, das wirthschaftliche Joch abzuschütteln, der Schlachta zu Gefallen unterdrückt. Die daraus sich nothweudig ergebende Consequenz ist, daß diese Volksbewegung sich dann gegen die Juden selbst kehrt, und sie, die an ihrer Unterdrückung mitschuldig erscheinen, zum Gegenstände ihres unauslöschlichen Hasses macht. Wie dies aber schon zu gehen pflegt, werden von diesem Hasse nicht die Schuldigen betroffen, die es verstehen, sich schlau aus der Affaire zu ziehen, und auf ihren Reichsrathssitzen fern vom Schuß ausharren, sondern die Bedrückten und Beladenen, die immer das Bad auszugießen haben, das sind die armen jüdischen Hungerleider, deren wirthschaftliche Existenz durch Kolka rolnicze und ähnliche schölle Institutionen untergraben wird. Dieser Haß gegen die Juden steigert sich von Tag zu Tag, und es sind untrügliche Zeichen vorhanden, daß wir einer sehr traurigen Zukunft entgegengehen. An allen Ecken und Enden wetterleuchtet es bereits, und wenil wir Juden uns nicht energisch aufraffen, um jene gewissenlosen Streber von uns abzuschütteln, die sich aus persönlichem Ehrgeiz zu jüdischen Vertretern aufspielen, und die das Blut armer, um ihretwillen leidender Glaubensgenossen ganz kalt läßt, ist das drohende Gewitter unausweichlich. Wir Juden haben uns nicht dazu hergegeben, Henkersdienste gegen freiheitliche Bewegungen und unterdrückte Nationalitäten zu leisten, um einigen Strebern zu Mandaten, Titeln und Orden zu verhelfen. Wir Juden haben uns in das Parteiengetriebe nicht zu mengen. Jeder thut nach seiner Ueberzeugung seine politische Pflicht, aber die Wahlmache überlassen wir anderen. Wenn wir keine anderen Vertreter für unsere Interessen im Parlamente haben als bisher, so ist für dieselben besser gesorgt, wenn wir gar keine haben. Man schaue sich nur diese Vertreter an, die nichts sind, als eitle Streber, die vor den Wahlen den Mund voll nehmen, aber noch nichts gethan haben zur Linderung der Noth in den jüdischen Massen, all diese Bolksmänner, die keinen

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