Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-14 · 20 (14.5.1897) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021189--06734-3031029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 20 Vr. Vloch's Wochenkchrifr Seile 407 den kleinen Filialen und Dorfschulen? Und da soll die Rabbinerbildungsanstalt Wandel für die Zukunft schaffen, bei der Organisation, die auf die Heranbildung von tüchtigen Religionslehrern so gut wie gar keine Rücksicht nimmt!? In Deutschland hat man früh genug es eingesehen, daß Lehrerbildungsanstalten die Grundbedingung für die Erziehung der jüdischen Kinder in religiösem Sinne sind. Dort gibt es wohl sogar drei Rabbinerbildungsansialten, aber zwölf Lehrerbild ilngssch ulen. Man hat sich also.^rotz des Bestehens dreier Rabbiner - seminarien, der richtigen Ansicht nicht verschlossen, daß diese zur Ausbildung von Lehrern nicht genügen. Auch Ungarn hat eine ausgezeichnete Lehrerpräparandie viel früher als eine Rabbinerschule gehabt, obwohl und trotzdem, daß das ausgebreitete Jeschibaleben und besonders die ausgezeichnet geleitete Rabbinerschule zu Preßburg viele junge Leute, die es nicht zum Rabbiner bringen, veranlassen, sich dem Religionslehrfache zu widmen. Ueberhaupt leiden wir gegenwärtig an einer auffälligen R abbin erüberpr oduct ton, viäe Budapest. Dort wirken am Seminar ausgezeichnete wissenschaftlich geschulte Kräfte, vom Rector angefangen, der ausschließlich für das talmudische Fach ausersehen, aus der Reihe der Gedolim — der Talmudgrößen — genommen wurde, bis auf jeden Einzelnen für ein specielles, dem modernen Rabbiner nothwendiges Fach Mlsersehenen Professor. Und was hören wir von dort? Achtzehn fertige Rabbinen, die das Seminar mit Diplomen versehen verlassen haben, gehen stellenlos herum und das Parteiblatt „Egyenlöseg", ist es, welches bereits die neologe Welt in Ungarn darauf vorbereitet, daß die obere Abtheilung vorläufig nichtweiter geführt werden werde und daß man sich mit der Absicht trage, eine unterste Abtheilung hiefür dem Seminar anzugliedern. Wie wird es erst in Oesterreich sein, wenn da von Jahr zu Jahr ein Dutzend fertiger Rabbiner ausgeschult wird? Noch eine andere Consequenz tritt aus diesem Zustande hervor, eine sich hieran anschließende Aufgabe des Gemeindebundes, die geeignet ist, sowohl dem Mangel an Religionslehrern, als der Ueberproduction der Rabbiner zu steuern. Einerseits muß die Organisation der Rabbinerbildungsschule eine solche sein, daß nur eine geringe Zahl von Rabbinern jährlich aus derselben hervorgehe, indem das Lehrziel für talmudische, exegetische und religionsphilosophische Fächer erweitert wird, so daß gleichsam nur die Creme der Hörer auf den Rabbinerstuhl gelangt, die als Lamdonim im besten Sinne des Wortes gelten, unter gleichzeitiger hervorragender, wissenschaftlicher und rhetorischer Ausbildung; die untere Abtheilung aber erweitert und auf breiterer Basis gestellt wird, die es ermöglicht, eine ungleich größere Zahl von Religionslehrern heranzubilden. Ferner in den Landeshauptstädten selbstständige Religionslehrerbildungsanstalten zu errichten, um pädagogisch geschulte Kräfte für Volks- und Bürgerschulen zu gewinnen. Andererseits aber gilt es im Anschlüsse hieran, auch einen Fehler der neuen Verordnungen im Sinne des Gesetzes für die äußeren Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden gut zu machen, daß die Rabbinatssprengel vergrößert werden und die zusammenzulegenden Gemeinden als Filialen um die Hauptgemeinde sich gruppiren. Wie sieht es da beispielsweise diesbezüglich in Niederösterreich aus? Da gibt es eigentlich kaum drei Gemeinden — wie beispielsweise Baden, Floridsdorf — die im Stande sind, ihren Seelsorger angemessen zu erhalten, zehn andere, die es nur mit Zuhilfenahme der Steuerschraube in der pressantesten Weise vermögen, ihren Beamten ein Existenzminimum zu bieten; nicht anders ist das Verhältniß in den 197 neuconstituirten Gemeinden Böhmens; — so daß die Kräfte zersplittert werden, die Anstellung von Religionslehrern vernachlässigt wird und Rabbiner angestellt werden, die nicht ihrem Stande entsprechend leben können. Hiezu soll nun ein junger Mann in eine Rabbinerbildungsanstalt eintreten, ausgestattet mit dem Reifezeugnisse, um welches er acht Jahre die Schulbank drückte, dann nach Jahren die höchste Stufe der rabbinischen Kenntnisse, aller andern modernen Wissenschaften und der rhetorischen Gabe erklimmt, und das Resultat, der Lohn der Mühe? — in einer kleinen böhmischen, oder älplerischen Cultusgemeinde verkümmern zu können! Also, resumiren wir, die allerersten Aufgaben, die an den Oesterreichisch-Jsraelitischen Gemeindebund zur innern Organisation der österreichischen Judenheit herantreten: Errichtung von Religionslehrerbildungsanstalten in den Landeshauptstädten; Reorganisation des Rabbinerseminars in der Weise, daß mehr Religionslehrer und weniger Rabbiner, letztere aber mit den besten und höchsten Erfordernissen ausgestattet, aus demselben hervorgehen; Zusammenlegung mehrerer schwächerer Cultusgemeinden in einen Bezirk, um in erstern, als in Filialen, mehr Religionslehrer und in letztern, als dem Sitze des Rabbinates, besser situirte Seelsorger anzustellen. Das sind wohl der lohnenden Aufgaben für den Beginn der Thätigkeit des zu constituirenden Oesterreichisch- Jsraelitischen Gemeindebundes genug, die öffentlich zur Besprechung gebracht zu haben ich mich auch deshalb berufen fühle, weil ich mich wohl in meiner Gemeinde als saturirt ansehen und mein Wort als nur zur Ehre der Wahrheit gesprochen angesehen werden kann. Die 2 Kreuzer-Ausbeuter von Chodorow. Nur Geduld! Nur nicht verzweifeln! Wir leben in einem Rechtsstaat. Das Gut und Blut rühriger Bürger, friedlicher Steuerträger ist vor den räuberischen Eingriffen blutbefleckter Hände geschützt. Und unser braves, unser ausgezeichnetes, unser unübertreffliches Parlament ist der beste Hort der staatsbürgerlichen Rechte. Wenn ein Uebergriff geschieht und wenn sich die Executive nicht mächtig oder nicht entschloffen genug erweist, den Frevel abzuwehren, dann ruft unsere Volksvertretung ihr mächtiges, ihr weithin schallendes Veto, dann tönt am Franzensring ein flammendes »Caveant consules!« Freilich erleben muß man es, und wir haben es erlebt, daß über Chodorow, über die Plünderungen und Greuel, die dort von einer sanatisirten Menge begangen wurden, im Parlament gesprochen wurde. Zuerst zirpte der Polenclub, leise, ganz leise. Es schien, daß er sich vor seiner eigenen Interpellation fürchte, und als die Interpellation der edlen Herren aus der Polakei unbeantwortet blieb, da ließen sich die wackeren Männer, die edlen von . . . ski und die verschiedenen . . . wieze, deshalb kein graues Haar wachsen» sie grollten nicht ihrem Schutzherrn mit der eisernen Hand, der ihnen zur Entschädigung aus seiner großen Bonbonniere einige Berstaatlichungszuckerln fauler polnischer Bahnen zur Verfügung stellte. Nach dieser Scheininterpellation der podolischen Club-Eunuchen kam lange, sehr lange nichts. Jetzt endlich hat sich das österreichische Abgeordnetenhaus seiner Pflicht erinnert. Das ist doch nett. Nach der Obstructions-Spielerei kommt der Ernst der Samariter-Arbeit. Man erinnert sich der armen unglücklichen Opfer einer wüsten fanatischen Hetze. Vergangenen Montag ist in dieser Angelegenheit noch einmal im Parlamente interpellirt worden. Es fand sich doch ein Abgeordneter, der neugierig war, wie sich die Regierung dazu verhalte, daß in Chodorow ein Mensch todtgeschlagen und Viele, darunter Weiber und Kinder, schwer, zum Theile tödtlich verletzt worden sind. Aber Halt! Da läuft uns ein wenig Schönfärberei unter. Soweit geht die Neugierde des Herrn P a t t a i nicht. Herr P a tt a i fragt um ganz andere Dinge. Er fragt, ob die Regierung im Wege der Gesetzgebung und Handhabung der Verwaltung Maßnahmen treffen wolle, welche eine gröbliche Ausbeutung der Arbeiterschaft und n ' :r; n*:,-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.