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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-07 · 19 (7.5.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 19 Vr. Vwltz s Mochrnfitzrift. Gelte 403 Glogau, 26. April. Das Doppeljnbiläum unserer Gemeinde zu Ehren der Herren Dr. Rippner und Fraenkel wird dadurch vereinfacht, indem das Jubiläum des Ersteren aus den 1. September hinausgeschobeu wurde, weil Herr Dr. Rippner sein Amt am 1. September 1872 definitiv übernahm. Das Jubiläum des Herrn Fraenkel wird am 8. Mai gefeiert werden. Brüssel, 28. April. Aus Brüssel geht uns die schmerzliche Nachricht zu, daß Herr Dr. W. Herzberg, der Verfasser der „Jüdischen Familienpapiere" und langjährige Direetor des Deutsch-Israelitischen Waisenhauses zu Jerusalem, im Alter von 70 Jahren verschieden ist. Das Leben und Wirken des vortrefflichen Mannes, seine literarische Bedeutung und seine Verdienste auf mannigfachen Gebieten jüdisch-öffentlicher Wirksamkeit leben in der Erinnerung jüdischer Zeitgenossen. Einer der Besten ist mit ihm dahingegangen, ein Mann von hoher Begabung und reinem Herzen. Seine „Familienpapiere" werden noch lange Zeugniß von seiner tiefen Liebe zum Jndenthum geben. Wir hoffen, daß einer der Freunde des Verblichenen ihm in diesem Blatte einen seiner würdigen Nachruf schreiben und seine Bedeutung weiten Kreisen anseiuandersetzen wird. Herzberg's Name aber wird fortleben in seinen Werken. Have pia amma. Feuilleton. „Besten Urtheil gerecht ist." Von Samuel Gordon. (Fortsetzung.) So wartete ich meine Zeit ab und eines Tages, als ich ihn in seinem Wagen hatte fortfahren sehen, ging ich in sein Haus, um mtt der alten Frau zu sprechen, die ihm die Küche besorgte. Ich nahm eine Schnitte Honigkuchen und eine Flasche starken Rosinenweines mit. . „Da, Katrinka," sagte ich, „ich habe Dir ein Geschenk gebracht, das Dich erfreuen wird. Der Kuchen ist weich und erfordert weder Beißen noch Kauen und der Wein wird Dir wie Feuer durch die Adern rinnen." So saßen wir plaudernd beisammen und ich fragte sie vorsichtig, aber fleißig aus, endlich löste ihr der Wein die Zunge und sie sprach. „Ja, Ja!" sagte sie, „seit der alte Priester tobt ist, führe ich hier ein trauriges, einsames Leben, denn mein neuer Herr hat viele Geschäfte in der Fremde und ist kein Stubenhocker. In der letzten Zeit geht er oft in das Kloster von Tschenstochau, wo er einer Novize beisteht, die vom Teufel besessen ist." Da wußte ich, wo ich meine Tochter zu suchen hatte. Ich wartete die Rückkunft des Priesters ab, übergab meine beiden anderen Kinder einer Verwandten und machte mich nach dem Kloster auf, das zwei Tagreisen zu Fuß entfernt war. Vielleicht würde Gott mir einen Weg zeigen, sie ihren Feinden zu entreißen. Unterwegs färbte ich meine Zähne mit Safran und Hände und Füße mit Walnnßsaft, damit ich nicht erkannt würde, auch würden sie nicht vermuthen, daß ich ihre Sprache verstünde, wenn ich mich als Zigeunerin ausgab. Als ich anl Morgen des dritten Tages ankam, verbarg ich mich in dem Gebüsch, das den Hof des Klosters umgab. Nicht lange darauf kamen zwei Nonnen heraus, eine dritte in ihrer Mitte, die einen dichten schwarzen Schleier aus dem Kopfe trug, so daß man sie nicht erkennen konnte. Als sie sie auf und ab führten, erkannte ich meine Tochter Esther daran, wie sie ihre Arme in die Luft warf. Diese Gewohnheit hatte sie als Kind gehabt und ich wunderte mich, daß sie ihr nach so langer Zeit wiedergekehrt sein sollte. Ich betrachtete die Begegnung als ein Zeichen, daß sie bald von ihren Kerkermeistern erlöst fein würde. So hielt ich jeden Tag Wache, aber ich gewann außer dem Anblik meines Kindes nichts dabei. Endlich kam eine Zeit, wo sie länger nicht erschien und ich vergebens auf ihr Kommen wartete. Eine Woche später, als ich in der Hecke stand und dieselbe in meinem Schmerze so umklqmmerte, daß mir das Blut unter den Nägeln hervorspritzte, kam ein Mann auf die Terrasse heraus und blickte sich um. Da gewahrte er mich zufällig und rief aus: „Was thust Du hier, Du Landstreicherin? wenn Du eine Mahlzeit haben willst, so komm' herein und verdiene Dir eine auf ehrliche Weise, so daß Du es nicht nöthig hast, zu stehlen." Bei der Aufforderung ging ich zitternd durch das Thor, ich wußte nicht, was das bedeuten sollte. Da zeigte es sich, daß eine der Scheuerfrauen in Ohnmacht gefallen war und ich einen Theil ihrer Arbeit verrichten sollte. Ans dem Gespräch der andern entnahm ich, daß am folgenden Morgen eine Novize den Schleier nehmen und mt§ diesem Anlaß ein großes Fest stattfinden tvürde. Da wußte ich. daß nlir das Messer an der Kehle stand, und es eines Wunders dringend bedurfte. Ich war zufälligerweise im zweiten Stock und da hörte ich ans einer Thür zu meiner Rechten Stimmen — eine Stimme sprach laut und eifrig, die Worte der Anderen kamen schwach und zögernd. Und wie ich so auf Händen und Füßen dalag und mit aller Macht lauschte, wurde die Thüre geöffnet und der Priester trat heraus, den ich kannte, und als er vorbeiging, stieß er mit dem Fuße nach mir und befahl, mir, ihm aus dem Wege zu gehen. Als er fort war, drückte ich leise die Klinke auf und blickte in das Zimmer, und da, in ihrer ganzen Länge auf dem Sopha ausgestreckt, lag meine Tochter Esther, oder vielmehr ihr Schatten. Und als sie mich erblickte, hauchte sie: „Mutter, Mutter, komni schnell — sie haben mich getödtet!" So erkannte sie mich denn trotz meiner Verkleidung und daraus schloß ich, daß sie dem Tode verfallen sei. denn die Todten wissen Alles. Und ich flog zu ihr und bettete ihr Haupt auf meine Brust und hieß sie das Glanbensbekenntniß Israels wiederholen: „Höre, der Herr ist dein Gott." Und ihre Lippen bewegten sich schwach und bemühten sich, die Laute nachzusprechen, während ihre Arme immerfort in die Höhe fuhren, wie ich es im Hofe gesehen hatte, nur hatte sie nicht die Kraft, sie hoch genug zu heben. Endlich war mir Alles klar, ich öffnete ihr das Kleid und da sah ich auf ihrer Brust ein Kreuz ans Jaspis. Das riß ich empor und schleuderte es zu Boden, daß es in tausend Stücke zersprang. Da erhob sie ihren Kopf und sagte: „Ich danke Dir, theure Mutter; ich konnte nicht sterben, so lange das auf meiner — —". Und sie athmete noch einmal und noch ein einziges Mal. Dann küßte ich sie und sagte: „Gesegnet sei er, dessen Urtheil gerecht ist," denn sie hatten nur ihren Körper, nicht ihre Seele getödtet. In dem Augenblicke kamen drei Nonnen herein und sie sahen mich und meine Tochter und die Splitter am Boden an. Aber ich hatte eine Erklärung bereit: „Ich hatte einerr lauten Schrei gehört, und als ich hier eintrat, fand ich die Jungfrau sterbend; und bevor sie starb, streckte die Mutter hier — und ich wies auf die große Thonfigur, die auf einem Brett über dem Sofa stand — ihre Hand aus, nahm das Crucifix von der Brust der Jungfrau und schleuderte es zu Boden. All' das sah ich mit meinen eigenen Augen und farm das Wunder bezeugen." Und sie wagten es nicht, meine Worte mit Unglauben aufznnehmen, denn das hätte einen Zweifel auf die Mutter Gottes geworfen. Nachdem ich das Kloster verlassen hatte, zerriß ich meine Kleider und wartete bis zum folgenden Tage, um zu sehen, wo sie meine Tochter begruben; und in der Nacht kam ich und riß das Kreuz herab, das sie über ihrem Grab befestigt hatten und Pflanzte einen Kreis von Kieselsteinen um ihr Grab, damit sie abgesondert liege von den Christen. Darauf eilte ich fort in meine Heimat, um da die gebotene Trauerzeit zu verbringen. So Hab' ich meine Tochter verloren — ja, gesegnet sei er, dessen Urtheil gerecht ist. Aber warum hast Du zu weinen aufgehört, während Du eben noch einen solchen Jammer um Dein Kind erhobst, das noch nicht aus den Windeln war? Nun blieben mir noch zwei — Isaak und David, die gleichzeitig zur Welt gekommen waren. Wenn ich sie anblickte, so wußte ich, daß ich im Alter nicht mühsam einherwanken, sondern starke Stäbe haben würde, um mich darauf zu stützen. Aber ach, es war mein Schicksal, eine tinbevtoje Mutter zu sein, und hätte ich hundert Kinder geboren, so wäre ich nur hundertfach kinderlos gewesen — aber gesegnet sei er, dessen Urtheil gerecht ist! Und die Beiden wurden mir in einer Weise entrissen, die ihresgleichen nicht hat seit Menschengedenken — Einer starb durch die Hand des Anderen. Zwar bist Du eine Fremde in diesem Lande, doch hast Du gewiß von dem großen Aufstand gehört, in welchem sich das Volk gegen seine Bedrücker erhob, denn der Ruf desselben hat die Welt überfluthet, wie ihr Blut den Boden ihrer Väter überfluthete. Aber nirgends war der Erdboden mehr von Blut gefärbt, als an der Stelle, wo das Blut meiner Zwillingssöhne Isaak und David floß. Denn sie hörten nicht auf die Stimme

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