Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-07 · 19 (7.5.1897) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021188--06727-3031021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 19 Vr. Vloch's WochrnschrM. Seite 401 angesehen und sind alle seine Beziehungen zum Leben wohlgeordnete. Welche Fülle von Schmerz um die bedrängte Jndenschaft muß nicht das Herz dieses Mannes zerfleischt haben, ehe er, gerade er sich entschloß, die Fahne des jüdischen Bolksthums auszurollen. Ich sagte mir, einen solchen Rufer im Streite muß man folgen, und näherte mich alsbald ihm und seiner, meiner — unserer Sache. Die Besprechung dieses Buches erregte das höchste Erstaunen. Atbemlos lauschte die ganze Gemeinde den kühnen Ideen, die so einfach vorgetragen wurden, daß sie sofort Herz und Sinn gefangen nehmen. Herr Steiner schloß seine Ausführungen mit einem lebhaften Appell an seine Landsleute, das Judenthum stolz zu bekennen und, auf der herrlichen Vergangenheit unseres Volkes fußend, ihm eine schöne Zukunft vorznbereiten. Der Gemeiudevorstand Herr Schlesinger hatte im Einverstündniß mit dem Rabbiner Herrn M a rm o r st e i it zu diesem Vortrage unsere prächtige Synagoge zur Verfügung gestellt. Das zahlreich erschienene Publicum bereitete dem Redner eine stürmische Ovation und sprach den Wunsch aus, an der zionistischen Idee mitzuarbeiten, so daß die Gründung eines zionistischen Vereines in Aussicht genommen ist. Berlin. In dem Jahresberichte des Evangelische n K i r ch e n b a n v e r e i n e s für Berlin für das Jahr 1896/97, den der Obe r h o f m e i st e r de r Ka i s er i n Freiherr v. Mirbach am 29. April in der Generalversammlung des Vereines erstattete, wird auch auf die Behauptung Bezug genommen, daß die meisten Kirchen mit „I u d e u g e l d" gebaut seien. Der betreffende Passus des Berichtes lautet: Auch im vergangenen Jahre sind von cxlremer Selke unsere Arbeiten wieder zum Gegenstände heftiger Angriffe und Verleumdungen gemacht worden. Da man in frivolster Weife sogar unsere hohe Protettorin und Seine Majestät beu Kaiser hineinzvg, schritt ich gerichtlich ein. Die Einzelheiten sind Ihnen aus meinen Zeugenaussagen und der strengen Sühne, welche das Vergehen erfuhr, bekannt. Ich möchte nur einen Punkt, welcher Jahre hindurch gegen uns als wirksames Kampfmittel gebraucht wurde, hervorheden, die R e d e n s a r t: „Die meisten Kirchen sind mit Judengeld gebaut und ihnen dafür allerhand Concessionen gemacht! Die genauen Abrechnungen in meinen Bucheergeben, daß in acht Jahren 2 5 Millionen für Kirchenbauteu in und um Berlin verwendet wurden, daß dabei sich etwa 19.000 Mark von patriotischen Juden befinden, wela,e für die f a st v i e r Millionen ko st ende Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche gespendet wurden! Es sieht gewiß Manches in der Welt sehr ernst und traurig ans, sowohl bei Jaden als bei Christen, und muß bekämpft und ge ändert werden. Aber glaubt man, einen Menschen oder gar einen ganzen Kreis Von Menschen durch fortwährende Angriffe, Kränkungen und Verdächtig nagen zu beslern? — und wieviel Unschuldige werden mit verletzt und zurückgestoßm, besonders wenn ein solcher Kampf von kirchlicher Seite geführt wird. Ich möchte absichtlich erwähnen, daß wiederholt hier jüdische F a b r i k s h e r r e n Gaben für Kirchbauten, welche im Bereich ihrer Fabriken und für ihre Arbeiter ansgeführt wurden, spenden wollten. Sie wurden wegen der gehässigen Stimmung in Bern» a b g e l e h n t; aber mir wurde auch von ernsten, gläubigen Pastoren in den Provinzen erzählt, daß sie solche Gaben mit herzlichem Danke angenommen haben, und man kann es wahrlich ohne Bedenken gutheißen, wenn ein jüdischer Fabriksherr seinen christlichen Arbeitern eine Kirche bauen hilft; unter Umständen zum Beispiel als Großgrundbesitzer, ist er sogar dazu verp lichtet. Ein treuer Förderer unserer kirchlichen Angelegenheiten seit vielen Jahren ist im Magistrat ein bescheidener, frommer, jüdischer Stadtrath. Bor Kurzem spendete ein Jude eine sehr große Gabe, welche zum Besten für Kranken-, Waisenhäuser aller Confessionen, für die Armen-Krankenpflege, für arme Wöchnerinnen verwendet wurde und viel Sorge und Elend lindern wird. Solche Dinge sind der Ausj druck des Dankes und der Anerkennung der versöhnlichen Arbeit i unserer Vereine, und es ist meine Pflicht, sie dankend zu erwähnen. j Es will uns zweifelhaft erscheinen, ob durch diese Ans- : führungen jener fanatische Judenhaß gewisser Kreise gemildert! werden wird, den die seinerzeit von hoher Seite protegirte! Antisemitenbewegung gezüchtet hat. Die böse Saat, die gesäet j wurde zu der Zeit, als Herr v. Putrkamer Minister des Innern in Preußen war, ist üppig ins Kraut geschossen, und es lvird so leicht nicht gelingen, den Acker von derselben wieder zu reinigen. '< Richard Wagner war kein Freund der antisemitischen Bewegung. Der „Ring der Nibelungen" wurde 1881 in Berlin zum ersten Male am Victoria-Theater unter Angelo Nenmann's Leitung ausgesührt. Während der Vorarbeiten kamen an Reumann Briese des Inhalts, daß Richard Wagner der antisemitischen Bewegnilg nahestehe. Eine Anfrage des Operndirectors rief die folgende Antwort Wagner's hervvr: „G^hclkstcr Fcrnuo mio Göiuni ' Der gegenwärtigen „antisemitischen" Bewegung stehe ich v o l lst ä n d i g f e r n; eia nächstens in den „Bayreuttn r Blättern" erscheinender Aufsatz von mir wirb dies in einer Weise bekunden, daß Geistvollen es sogar unmöglich werden dürste, m i ch mit jener Bewegung in Beziehung 3 u bringen — Dennoch geht mein Rath dahin: — Geben Sie Berlin ans und gehen Sie Mai und Juni nach London. ... — Es wäre nicht übel, wenn Ihre — und unsere — Unleriiehmung durch U n s i n n i g k e i t e n der An, wie sie jetzt in Berlin florire», in eine vollständig schiefe Bahn gerielhe. Ihr ergebenster B a y r e u t h, 23. Februar 1881. Richard W a g n e r." Berlin, 25. April. (D e r A 6 6 1* it ch d e s I s r a e lschen Häuserblockes) au der Ecke der K ö n i g s st r a ß e 57 a; SPand a u e r st r a ß e 25 und 26, hat begonnen. Da die Baulichkeiten m i t t e l a l t e r l i ch e R e st e enthalten,so har sich die Direction des„M ä r k i s ch e n P r 0 v i n z i a l m u s e n nr s"an die beiden Herren Israel als Besitzer mit der Bitte gewendet, etlva vorkommende alterthümliche Funde den städtischen Sammlungen zu überweisen. Zu erwarten sind unter Anderem eiserne Kuustgußofeuplatten, in den Fundamenten vergrabene oder eingemanerte Bauopser, wie K r ü g e u. dgl., Grundsteine mit allerhand Votivgaben 11. dgl., entsprechend den zahlreichen interessailten Funden, die vor 8 Jahren beim Abbruch des Häuserblockes der Rosenstraße zwischen der Neuen Friedrichstrasie und dem „Neuen Markt" gemacht und dem genannten Museum überwiesen worden sind. Wiesbaden, 13. April. Die Frau Geheime Commercienrath, Banquier M a r k n s Bert Witwe hat im Jahre 1881 der Stadtgemeinde Wiesbaden ein Capital vvn 5000 Mark unter folgenden Bedingungen überwiesen: 1. Die Zinsen desselben sollen verwendet werden zur Unterstützung von in Wiesbaden geborenen und erzogenen bedürftigen jungen Leuten, nicht unter 14 Jahren, behufs Erlernung eures Handwerkes. Junge Leute israelitischer Religion erhalten^ den V 0 r z it g. Dieselben müssen gute Schulzeugnisse besitzen und sich tadellos ausgesührt haben. Eine Commission, bestehend aus dem jeweiligen ersten Bürgermeister als Vorsitzenden, deni Director der städtischen Oberrealschule und dem Vorsteher der i s r a e l i t i s ch e n C n l t n s g e m e i n d e, Herrn Simon H e ß, hier, hat nach vorheriger in hiesigen Localblättern ergangener Aufforderung, zur Meldung über die Zntheilnng zu beschließen. 2. Jeder Stipendiat soll die vollen Zinsen während der Dauervoll drei Jahren, in denen er Handiverkslehrliikg ist, derart erhalten, daß zunächst das Lehrgeld und die nöthigen anderen Ausgaben daraus bestritten lverden. Der hieicach verbleibende Rest sott bei der Nassau'schen Sparcasse angelegt und ihm beim Eintritt der Mündigkeit ansgehändigt lverden, um als Capitalbeitrag bei der Selbstständigkeitsmachnng zu dienen. Stirbt ein Stipendiat während der Lehrzeit, so soll nach Vorschrift des tz 1 ein Anderer an seine Stelle treten. Stirbt ein Stipendiat nach zurückgelegter Lehrzeit, aber vor seiner Mündigkeit, so soll der bei der N a s s a u'schen S p a r k a s s e angelegte Betrag dem Stiftnngscapitale zugeschlagen lverden. Bewerbungen um das jährlich 187 Mark 50 Pfennig betragende Stipendium für die Jahre 1897, 1898 und 1899 sind unter Vorlage der Schnlzeugniffe bis znm 15. Mai d. I. einznreichen. Vermischtes. Lvien. (Trauung.) Donnerstag den 20. Mai findet um halb 1 Uhr Mittag im Tempel der Leopoldstadt. II. Bezirk, Tempelgaffe, die Trauung von Frl. Aranka Herzfeld', Tochter des Herrn Dr. Adolf H e r z s e l d, mit Herrn Dezsö Justus aus Budapest statt. Wie»,. ^G e d ü ch t n i ß s e i e r für Baron Moritz H i r s ch.) Im israelitischen Gemeinde-Bethanse, I., Seitenstettengasse 4, findet Sonntag den 9. Mai um halb 10 Uhr Vormittags für den im Vorjahre verstorbeilen Philantropen Baron Moritz Hirsch eine solenne Gedächtnißseier statt. 2Vten. (Spenden für das Inserat: „In st ä n d i g st e Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brnstleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.