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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-05-07 · 19 (7.5.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 400 Nr. 19 Vr. V Lochs Wochenschrift Mädchen wurde in einem entlegenen Dorfe aufgefunden, wohin dasselbe von ihrem Anbeter entführt wurde, um die Rivalen los zu werden. Zur großen Freude der männlichen Dorfjngend kam das Mädchen wieder in ihr Heimatsdorf zurück, wo man nunmehr die Juden wohl für längere Zeit nicht mehr des „Ritualmordes" zechen wird. Pretzburg, 3. Mai. Fünfundzwanzig Jahre find es im vorigen Monate geworden, daß die hiesige israelitische Religionsgemeinde gegründet wurde. Es war dies eine Zeit großer innerer Stürme und heftiger Kämpfe unter den israelitischen Glaubensgenossen Ungarns überhaupt, als Biele der angesehensten und intelligenten Juden Preßburgs sich von der damaligen Gesammtgemeinde lossagteu, um eine s e l b st st ä n d i g e, moderne, für die Verwaltung verantwortliche und auf geläuterter religiöser Basis r u h e n d e G e m e i n d e ins Leben zu rufen. Trotz der vielen Aufgaben und Lasten, die diese neuconstituirte Gemeinde auf sich nahm, und trotz mancher Ungunst der Zeiten und Verhältnisse, hat sie sich nach jeder Richtung hin selbstständig entwickelt und erhalten. Seit dem Frühjahr 1872 besteht sie unter dem behördlich fanctionirten Namen „Israelitische Religionsgemeinde" oder „Congreßgemeinde" — fälschlich aber von Privaten und Aemtern „Neologengemeinde" genannt — ganz separat, vollberechtigt und voll ausgerüstet neben der andern Gemeinde, die sich „autonom-orthodoxe Cultusgemeinde" nennt und hat ihren neuen Tempel, ihre neue Schule und ihren eigenen Friedhof. Aus Anlaß der 25. Jahreswende des Gemeindebestandes hat Rabbiner D r. D a v i d am verflossenen Passahfeste drei Reden gehalten, die aus die Geschichte der Gründung zurückgingen, Vergangenheit und Gegenwart beleuchteten und das Zukunftsbild zeichneten, welches sich ergebe, wenn die Gemeinde ihre religiöse und cnlturelle Ausgabe stets zielbewußt im Auge behält. Der Redner plaidirte auch für eine friedliche, einander entgegenkommende Vereinigung der beiden Gemeinden, die den gerechten Forderungen und Wünschen beider Theile der hiesigen jüdischen Religrousgenossen entspreche und genüge. X. A. Aussig, 3. Mai. Mit Bezug auf Ihre Notiz „Eine andere Rothschild-Anecdote" und die Anfrage des Herrn Dr. Kayserling theile ich Ihnen mit, daß die Geschichre nicht von Jokai, sondern von Sacher-Masoch erzählt ist, und zusammen mit einigen anderen Erzählungen in der jüdischen Nationalbibliothek lBrandeis, Prag) erschienen ist. Dort spielt die Geschichte im russisch-türkischen Krieg; es handelt sich um Gewehre, 1 Rubel per Stück, die Pointe ist dieselbe, trägt aber den Stempel der Erfindung an der Stirne, da in der Türkei Inden keine Kriegsdienste leisten dürfen. Offenbar handelt es sich um eine jener althergebrachten Geschichtchen, die nach jedem Krieg modernisirt als neu erzählt werden. Hochachtungsvoll Dr. K o h n. Hohenau, 5. April. An Spenden sind zum Tempelbau weiter eingelausen von den Herren: H. Kuffner, Fabriksbesitzer Lundenburg 50 fl.; Dr. Schläfrig, Poisdorf 10 fl.; Löbliche Cultusgemeinde, Kostel 5 fl.; hiezu die bereits ausgewiesenen 1684 fl., 85 kr. zusammen 1749 fl. 85 kr. — Wir bitten nochmals inftändigst die geehrten Cultusgeureinden und gutherzige Glaubensgenossen um Unterstützungen zu diesem dringenden Temp.elbau, da wir in Folge der hier stattfindenden antisemitischen Umtriebe kein Betlocal gemiethet bekomnlen können. Wir können nirgends unsere Andacht verrichten und sind daher gezwungen, noch Heuer den Tempel zu bauen. E. B. Prosnitz. (Neubau des Brecher-Siechenhaus-Stiftungshauses und der Volksschule.) Wie bereits gemeldet, befindet sich das Gebäude, in welchen die Brecher-Siechenstiftung untergebracht ist, in baufälligem Zustande. Das eifrige Bestreben des Stistungsvorstandes Herrn Markus N e u m a n n war es daher schon seit Langem, für einen Neubau zu sorgen und in dieser Richtung an die Munificenz der Gemeindegenoffen zu appelliren. Der bekannte Wohlthäter Herr Sigmund M a n d l, Gesellschafter der Großindustriellenfirma M. & I. Mandl, hat sich sofort mit dem ansehnlichen Betrage von 1000 fl. an die Spitze der Subscription gestellt und hiedurch bewirkt, daß seitens der Gemeindevertretung der Beschluß gefaßt wurde, den Bau eines würdigen Stistungshauses in Angriff zu nehmen. Der Präses unseres Cultusvorstandes Herr Josef S i n H c r hat sich nun beeilt, zu diesem edlen Zwecke ebensals 1000 fl., weiters aber auch 1000 fl. zum Neubau der Volksschule zu spenden. Weiters spendeten zum Siechenhausbau Frau Julie AL a n d l 1000 fl., Herr Arnold Mandl 250 fl. und sind noch weitere ansehnliche Spenden seitens der Wohlthäter- Familic M a n d l bestimmt zu gewärtigen. Möge dieses tobens- und dankenswerthe Beispiel von Großmuth Schule machen und Nachnahmung finden, damit unsere Gemeinde ein würdiges Heim für arme und kranke Glaubensgenossen zu errichten im Stande sei. Prag, 2. Mai. Bei der heute stattgefundenen Ergänzungswahl des III. Wahlkörpers der israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz wurden die ausscheidenden Mitglieder Dr. Ludwig Bendiner, Großkansmann Moritz Hahn, Buchdrucker Gottlieb Schmelkes wieder- und Dr. Isidor Petschek au Stelle des verstorbenen Kammerrathes Josef Bunzl neugewählt. Die drei Wiedergewählten haben sich als tüchtige Vertreter bewährt und von dem Nengewählten hat man berechtigten Grund, zu erwarten, daß er das ihm übertragene Ehrenamt mit pflichttreuer Hingebung ausüben wird. In jüngster Zeit hat einer der Vorgenannten, Moritz Hahn, durch seine Opferwilligkeit der Gemeinde einen großen Dienst geleistet. Durch die Assauirung der ehemaligen Judenstadt mußten mehrere Stiftungsgebäude, in welchen sich Rabbinerwohnungen und Betstuben befanden, in den Besitz der Stadtgemeinde übergehen, und die Cultusgemeinde-Repräsentanz hatte die Ausgabe, ein oder mehrere Häuser anzukaufeu, eine Aufgabe, die um so schwieriger war, als die Verkaufspreise, wie in allen Fällen, wo dem Käufer das Expropriationsrecht zugestanden, niedrige, die Häuserpreise in den von der Assan.irung unberührten Stadttheilen dermalen, wo 680 Häuser demolirt wurden und viele Tausende Wohnungen suchen, exorbitant hohe sind. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreise und dem Anschaffungswerthe erschien als eine vollkommen unerschwingliche. Durch die vom Präsidenten der Cultusgemeinde, Dr. Rosenbacher, mit großer Umsicht geleiteten Verhandlungen mit der Stadtgemeinde und, tu:e mit voller Anerkennung ausgesprochen werden soll, das freundliche Entgegenkommen der Stadtgemeinde wurde seitens der Letzteren ein Tauschgeschäft proponirt, wonach sie der israel. Gemeinde als Gegenwerth ein. für diese völlig geeignetes Gebäude überlassen wollte, das sie zwar noch nicht besaß, aber für kurze Frist das Kanfrecht erlangt hatte. Nun aber mußte, da es sich um Stiftnugen handelte, zum Ankäufe die Genehmigung der Dtatthalterei erlangt werden. So lange konnte die Stadt-' gemeinde aber nicht warten und die Cultusgemeinde konnte es nicht wagen, ein Haus um circa 50.000 fl. zu acquiriren, für das sie möglicher Weise kaum Verwendung hatte. In dieser schweren Verlegenheit erklärte Herr Moritz Hahn, im Interesse der Gemeinde das Haus zu kaufen, für den voraussichtlichen Fall der Genehmigung der Statthalterei es der Gemeinde zu überlassen, andernfalls es für sich zu behalten. In Folge dieses großmüthigen Offertes, das unter ungünstigen Umständen für Herrn Hahn mit einem schweren Geldopfer verbunden gewesen wäre, wird es, da die Statthalterei hiezu die Genehmigung ertheilte, der Cultusgemeinde ermöglicht, ein Object zu erwerben, in welchem alle Stiftungsrabbiuer untergebracht, eine hübsche Synagoge und ein herrliches rituelles Bad eingerichtet werden konnte. Szenitz in Oberungarn. Am letzten Tage des Passahfestes hielt unser Landsmann, der Schrifsteller Heinrich Steiner (New-Iork) hier einen Vortrag über „Neue Strömungen im Judenthum". Er reserirte ausführlich über die herrlichen Vorträge des Geheimrath Prof. L az aru s und seiner Frau R uth Laz a r u s, die der jüdischen Empfindung in Wien einen kräftigen Impuls brachten. Er sprach dann über die .Bvei Brith“ und die jüdischen Vereine Wiens. Zum Schluß kam er auf den Zionismus zu sprechen, den er historisch schilderte und in seiner Bewegung von heute hervorgerusen durch die Broschüre „Der Judenstaat" von Doctor T h e o d o r H e r z l. Von tiefer Wirkung waren folgende einleitende Worte des Redners: Der verblüffende Inhalt dieser Broschüre wurde in seiner Wirkung an mir noch überboten durch die Persönlichkeit des Autors. Herzl ist kein Declassirter — kein Mann, dem die Zugehörigkeit zum Judenthum persönlich Schaden gebracht hätte. Er ist erfiillt von allen Elementen der modernen Bildung, ein geistreicher und erfolgreicher Literat nach jeder Richtung hin, wohl-

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