Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 19 (7.5.1897)
- Date
- 1897-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Vwch's »ocheuschrlst Gerte 399 Mitgliedern keine neuen Pflichten ausbürden will, so braucht er . nur die Trauungstaxen für in anderen Tempelbezirken wohnhafte! Bräute entsprechend der am Bezirkstempel der Braut normirten niedrigsten Trauungstaxe herabzusetzen, um alle Theile zufrieden zu stellen. Jedenfalls wird durch Bewilligung des im Punkte 3 ausgedrückten Wunsches dem unwürdigen Wettlaufe um Trauungen Einhalt gethan. Am 17. December 1895 haben die ergebensten Vereinsleitungen, nachdem eine Erledigung ihrer Eingabe vom 26. Mai 1895 noch nicht erfolgt war, sich erlaubt, eine Urgenz einzubringen und um Erfüllung ihrer Bitte zu ersuchen. Der löbl. Cultusvorstand hatte die Güte, in seiner Zuschrift vom 21. Jänner 1896, Zahl 5128 ex 1895 anher bekannt zu geben, daß unmittelbar nach erfolgter Genehmigung der neuen Gemeindestatuten eine wohlwollende Erwägung unserer Eingabe eventuell eine mündliche Berathung mit den Borständen der bittstellenden Vereine erfolgen werde. Nachdem nun die Genehmigung des Statutes längst erfolgt, der neugewählte Vorstand sich bereits längst constituirte, erlauben sich die Gefertigten abermals an die Berücksichtigung ihrer Eingaben zu erinnern und bitten ergebenst, durch baldige günstige Erledigung den Bestand der Tempelvereine zu sichern. Den zeitgemäßen Einrichtungen zugänglichen, und um das Wohl der gesammten Judenschaft besorgten Mitgliedern des jetzigen Vorstandes wird es einleuchten, wie nothwendig der Bestand der Tempelvereine als Krystallisationskern für die Erhaltung und Entfaltung des religiösen Lebens ist. Wir dürfen daher hoffen, der löbl. Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde werde geruhen, das am 26. Mai 1895 überreichte Gesuch baldigst in günstigem Sinne zu erledigen. Wien, den 7. April 1897. Der Vorstand des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk. „ „ „ „ „ „ VI. und VII. Bezirk. „ „ „ » VIII. Bezirk. „ „ „ Bethausvereines im IX. Bezirk. „ „ „ Tempelvereines für den X. Bezirk. Correspondenzen. Wien. (B o m Verwaltu n g s - Gerichtshöfe. Die A u t o n o m i e der Wiener israelitischen Eultusgemeinde.) Wegen zu hoher Besteuerung seitens der Wiener israelitischen Eultusgemeinde recurrirte der Fabriksbesitzer Ignaz Fluß gegen die Vorschreibung an den Magistrat der Stadt Wien und betonte darin, daß er hier gar nicht cultussteuerpflichtig sei, da er in Freiberg, wo seine Fabrik ist, schon Cultusstener bezahle. Der Magistrat erkannte im Sinne dieser Anschauung, die Statthalterei als Ober-Instanz stellte sich dagegen auf den Standpunkt der Eultusgemeinde. Das Cultusministerium cassirte sowohl die magistratische Entscheidung als auch die der Statthalterei, da es der Ansicht war, daß diese Behörden nicht entscheidungsberechtigt seien. Dagegen erhob Ignaz Fluß die Beschwerde an den Verwaltungs-Gerichtshof, über welche heute verhandelt wurde. Für das Ministerium intervenirte Ministerial-Secretär Dr. H e r n r iit, für die israelitische Eultusgemeinde Dr. Adolph Stein. Der Verwaltungs-Gerichtshof w i e s die Beschwerde a b, d a d i e C ult n s g e m ei nd e in Finanz-Angelegenh e i t e n v o l l st ä n d i g autonom sei u n d d e m Besch we r d e f ü h r e r nur der Recurs an den Cultusa u s s ch u ß offen g e st a n d e n wäre. Die Staatsbehörde könne erst dann einschreiten, wenn die Eultusgemeinde wegen Mangels von Leistungswilligkeit ein Executionsgesuch an sie richte. Nationaljudenthum und Zionismus. Aus den Kreisen der Zionisten erhalten wir nachstehende Zuschrift, mit der Bitte um Publication. Geehrter Herr Redacte irr! Der „Reiche", der sich in der letzten Nummer der „Oest. Wochenschrift" gegen den Zionismus vernehmen läßt, macht sich /die Sache ein Bischen leicht. Dieser Unbekannte erklärt einfach den Judenstaat für undurchführbar. Gründe für seine Meinung gibt er nicht an, das hat er nicht nothwendig — er ist ein Reicher. Man weiß aber auch nicht, aus welche Autorität diese selbstbewußte Erklärung sich stützt — man braucht es nicht zu wissen, denn er ist ein Reicher. Er nennt seinen Namen nicht, klopft nur auf seinen Geldsack (?), und das soll genügen: er ist ein Reicher! Ich könnte ja bezweifeln, ob er wirklich ein Reicher sei — die schnurrige Autorität! — aber der selbstzufriedene und abweisende Ton seiner wenigen Zeilen beweist, daß es thalsächlich ein „vermögender" Mann sein muß. Und als solcher möge er sich gefälligst sagen lassen, daß der Zionismus von der freundlichen Einladung, sich fortab ruhig zu verhalten, keinen Gebrauch machen wird. Wer mit uns Zionisten anbinden will, soll nur kommen. Will Einer aber nicht hochmüthig streiten, sondern sucht er Aufklärung über die menschenfreundlichen Ziele des Zionismus, so braucht er nur die Discussionsabende (Dienstag) im Verein „Zion", II., Rembrandtstraße Nr. 11, zu besuchen. Dort treffen sich auch „ernste, nicht nur sitnirte Männer" und finden es mit ihrem Ernst und ihrer eigenen Sättigung vereinbar, die zionistische Sache zu fördern. Es wird dort weniger dumm und in der Regel gebildeter gesprochen, als in den Salons der Aufgeblasenen. lind wer dort war, tit dem taucht die Ahnung aus, daß der Zivnismns zwar eine lammfromme Bewegung sei, daß man sie aber nicht bös machen dürfe. Hände weg, wer nicht mitthnn will! Wir verstehen Spaß, aber nicht zu viel. Achtungsvoll E i n A r m e r. Nachschrift der R e d a c t i v n: Energie der Ueberzeugung, llngeftünl und Ueberschwang im Angriff war seit je das Merkmal junger Seeten und neuer Bekenntnisse: die schlagfertigen, wortmächtigen Führer des Zionismus machen von diesem alten Vorrecht hinreichend Gebrauch. Jndeß geht es nicht an, jede ruhige kaltblütige und sachliche Meinungsäußerung durch die Drohung, „man könnte bös werden", unterdrücken zu wollen. Nicht Jeder ist auch von Natur ans derart beanlagt, durch solche schreckliche Drohungen eingeschüchtert zu werden. Das Schreiben des „Reichen" in der letzten Nummer unseres Blattes rechtfertigt durchaus nicht den gereizten Ton der vorstehenden Erwiderung, noch weniger den Vorwurf, daß der Verfasser, welcher in der Idee eines alle Völker umschließendeu allgemeinen Menschenthums den Stolz der jüdischen Tradition erblickt, — lediglich „aus seinen Geldsack klopft." Wohl nannte er sich einen „Reichen" aber nicht in eitler Prahlerei, sondern, wie es derlei Leuten heute geziemt, in stiller Resignation, als Eingeständniß der Zugehörigkeit zu den „Verpönten" und Diffamirteu, mit der Volksacht Bedrohten, auf deren Haupt alle Sünden Israels abgeladen werden. Und wenn in der Rembrandtstraße 11 allwöchentlich am Dienstag keine weitere Belehrung zu holen ist, als daß mau den Zionismus „nicht bös machen darf", so hat Derjenige, welchem die Realisirbarkeit der judenstaatlichen Idee in naher Zukunft zweifelhaft erscheint, für seine Ketzerei keine Spießruthen verdient. Wien. (Ausweis e i n g e g a n g e n e r Spende n z u m Baue e i n e s T e m p e l s in der Brigittenau.) Carl Neuschloß sc Söhne, Budapest 20 fl., L. & W., Wien 10 fl., A. Pollak & Sohn 10 fl., C. Lemberger 10 fl., Ignaz Frankl 10 fl., Josef Steiner 10 fl., Moriz Eltbogen, 2. Spende 10 fl., Hermann Eltbogen, 2. Spende 10 fl., Leopold Spira, 2. Spende 10 fl., Heinrich Weiner, 2. Spende 10 fl., S. Flatter, 2. Spende 5 fl., Rafael Kohn 5 fl.. Adolf & B. Hofbauer 5 fl., Dr. Brunauer 3 fl., Moriz Steinbrecher 2 fl., Jaques Eltbogen S. Schlesinger, 2. Spende 2 fl., M. Reiter, 8. Spende 2 fl., I. Segall 1 fl., Bernhard Körner 1 fl., zusammen 138 fl., bereits ausgewiesen 10.503 fl., im Ganzen 10.641 fl. Budapest, 26. April. In einem Klausenburger Blatte lesen wir von folgendem ergötzlichen „R i t u a l m o r d" : „Das jüdische Paffahfest kann noch immer nicht feinen ruhigen Verlaus nehmen, ohne daß das Schaudermärchen der Blutanklage wieder auflebt. In Z s a d a n y wollte man Heuer ein Mädchen, Namens Anna G u l y a s zur Esther Solymoffy „weihen". Die Sensationsgeschichte nahm aber recht bald mit einer pikanten Enthüllung ein Ende. Das Mädchen verschwand nämlich an dem Rüsttage zum Passahfeste. Die Phantasie des Volkes, die dazu in den Hetzreden gewisser „Bolksftennde" genügende Anregung fand, begann ihre Thätigkeit, und bald wurde von der „Ermordung des Mädchens in der Synagoge" erzählt. Die unausbleiblichen Augen- und Ohrenzeugen des Blutmordes meldeten sich, die Judenhetzen nahmen ihren Anfang, und so ging es nach altbewährtem Muster weiter. Endlich wurde von der Behörde die Untersuchung eingeleitet und folgendes Resultat erzielt: Das