Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 19 (7.5.1897)
- Date
- 1897-05-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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®>eite 396 Dr. Vloch's Wochrnsthrist. Mi 19 Die Jsak Leb Kleinberg und Lea Kleinberg'sche Stiftung für Hochschüler (3 Plätze ä 300 fl.) wurde au 3 Studirende, und zwar einen Mediciner, einen Juristen und einen Techniker verliehen. In das Altersversorgungshaus werden 5 Personen ausgenommen. Die Zinsen der Jacob, Josef und Fanni Schnabel'schen Stiftung wurden an 8 arme, würdige Personen vertheilt. Dem Bethausvereine „Am VolkerU wurde über Antrag der I. Section zu der budgetmäßigen Subvention von 300 fl. für das Jahr 1897 eine weitere außerordentliche Subvention von 200 fl. gewährt. Im Sinne des § 93 des Statutes wurden für den Gemeindetempel in Fünfhaus zu Bethausvorständen ernannt die Herren: Moriz B l ö d y, Alexander Hoch, David K o h n, Samuel Moor, Heinrich N e u f e l d, Samuel Steiner, Alois Schick, Ludwig Spitzer Schließlich wurden die von der Hl. Wohlthätigkeitssection vorgeschlagenen Subventionen und periodischen Unterstützungen an arme, würdige Personen nach dem Referate des Obmannes, Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt genehmigt und hierauf die Sitzung um halb 10 Uhr Abends geschlossen. Generalversammlung der Vestrrreichisch-IsrarMifchen Union. Unter reger Betheiligung seitens der Mitglieder, sowie zahlreicher Gäste, unter welchen man u. A. die Herren Reichsraths-Abgeordneten Hofrath K a r e i s, Landtags-Abgeordneten Dr. O f nF r. den Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n und Cultusvorsteher Architekt Mar Fleischer bemerkte, hielt dieser Verein Donnerstag den 29. April d. I. seine II. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Präsident Dr. Grün selb eröffnete die Ver. sammlung, worauf Secretär Josef Fuchs im Namen des Vorstandes folgenden Rechenschaftsbericht zur Vorlesung brachte: Geehrte Versammlung! Um Ihnen ein klares Bild unserer Thätigkeit im verflossenen Bereinsjahre geben zu können, müssen wir an den Rechenschaftsbericht unserer letzten Generalversammlung anknüpfen. Sie werden in demselben den Schlüssel für alle von uns seither unternommenen Actionen finden. In diesem Berichte, welcher in der vorerwähnten Generalversammlung Ihre volle Zustimmung gefunden hat, haben wir nicht nur dem Wunsche nach einer wirklich und aufrichtig liberalen Partei lebhaften Ausdruck gegeben, sondern geradezu unser ferneres Verbleiben im Rahmen der existenten „deutschliberalen Partei" davon abhängig gemacht, daß dieselbe nicht wie in den letzten Jahren nnr scheinbar, vielmehr auch in Wirklichkeit die freiheitlichen Principien rücksichtslos gegen und für Jedermann bethätige und die liberalen Grundsätze überall, auch wenn und sobald es sich um uns Juden handelt, vertrete. Wir haben uns aber auch nicht gescheut, direct auf den wunden Punkt hinzudeuten, aus welchem jene nach dieser Richtung unleugbare Schwäche der liberalen Partei entstammt. Weit davon entfernt, uns auf einen ausschließlich jüdischen öder gar jüdisch-nationalen Standpunkt zu stellen, haben wir allezeit der Ansicht gehuldigt, daß der Natioualitätenkampf jener für Oesterreichs Frieden und friedliche Entwicklung gefährlichste Punkt sei. Die Deutschliberalen waren eben, sind auch noch eine wesentlich nationale Partei. Gar keine nationale Partei kann aber das, was nicht nur wir Juden, sondern Alle — Alle in Oesterreich vor Allem brauchen: gerecht sein. Daraus ergibt sich klar, daß keine Aussicht auf eine wirklich freisinnige Partei in Oesterreich vorhanden ist, insolange dieser unglückselige Nationalitätenkamps den Sinn für Gerechtigkeit und für einen vernünftigen Wettstreit der Nationen auf culturellem Gebiete untergräbt. Keine andere als die deutschliberale Partei selbst war es, welche unmittelbar darauf den eclatantesten Beweis für die Richtigkeit dieser uuserer Anschauung geliefert hat. In einer Zeit, in welcher in der Legislative auf wirthschaftlichem Gebiete ein Vernichtungskrieg gegen 'uns Juden geplant wurde und wird, hat sie gelegentlich der vorjährigen Landtagswahlen in Mähren, einiger Mandate wegen oder wie die Formel lautet, um ihren nationalen Besitzstand zu erhalten, sich nicht gescheut, uns, ihren getreuesten Kampfgenossen seit einem halben Jahrhundert — wir können wohl sagen — ihre Märtyrer preiszugeben, mit den gefährlichsten und gehässigsten Gegnern des Judenthums, mit den antisemitischen Dentschnationalen einen Pakt zu schließen und hat dadurch gezeigt, daß sie sich wohl eine deutsche Partei nennt, aber keine liberale Partei ist. Wir haben nicht gezögert, aus diesem Pakt die Consequenz zu ziehen. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, die jüdischen Landtagswähler in Mähren, welche trotz des gegen sie seitens der Czechen geführten wirthschaftlichen Boycotts den Deutschen noch immer kämpfend zur Seite standen, eindringlichst davor zu warnen weiter nationalen Chauvinismus zu treiben, und gegen ihre czechischen Mitbürger aus keinem anderen Grunde, als weil sie nicht der deutschen Nation angehören, einen Krieg zu führen; und zwar gerade f ü r jene Partei, welche die alleinige Verantwortung für die antisemitische Hetze trägt. Wir legten es unseren Glaubensbrüdern dringend an's Herz, auf diesen Pakt ihrer bisherigen Bundesgenossen mit den Deutschnationalen mit ihrer Abstinenz bei den bevorstehenden Landtagswahlen zu antworten. Wir haben den jüdischen Wählern in den deutsch-slavischen Provinzen zweierlei klar zu machen gesucht. Erstens, daß bei der Concurrenz der Parteien innerhalb der deutschen Volkskreise die gemäßigt deutsche Partei gegen die ausgesprochen antisemitische „deutsch-volkliche" unterliegen werde. Die aufgeregte Bevölkerung werde sich dorthin wenden, wo man ihr den Antisemitismus nicht verhüllt, sondern als offenes Programm anbietet. Zweitens, daß wenn die dortigen Juden weiter an diesem Kampfe der Deutschen gegen die Czechen Theil nehmen, sich zu dem schon bestehenden deutschen Antisemitismus unbedingt ein czechischer gesellen müsse. Constatiren wir ohne Scheu, daß zwar nicht unsere Glaubensgenossen in Mähren und Böhmen, leider aber die Ereignisse uns Recht gegeben haben. Die jüdischen Wähler haben sich nicht abhalten lassen, nach Commando der deutschliberalen Partei zu stimmen, und die Czechen haben ausdrücklich als Antwort durch den Mund Eduard Greger's laut nub vernehmlich das antisemitische Programm dem jungczechischen einverleibt. So weit von unserer Einflußnahme außerhalb Wiens. In Wien selbst stehen sich tatsächlich nicht nationale Parteien, sondern als einziges scheidendes politisches Interesse gegenwärtig nur Rückschrittler und Freisinnige, Antisemiten und Nichtantisemiten gegenüber. Die Abstinenz auch hier in Wien zu proponiren, war demnach noch keineswegs an der Zeit. Im Gegentheile war es geboten, vorläufig den Kampf gegen die Antisemiten weiterzuführen. Nur war es klar, daß die deutsch-liberale Partei zu diesem Kampfe in der öffentlichen Meinung viel zu discreditirt war. Sie hätte sich, wie von unserer Seite vorgeschlagen war, in eine „social-liberale" umwandeln müssen. Dazu fehlte dem Gros der Partei das Berständniß, den Führern durchaus der Wille, gegen neue jüngere Elemente zurückzutreten. Das mußte uns ein Grund sein, unsere ganze Hoffnung auf das Entstehen einer neuen Partei zu richten, einer Partei, welche getragen ist von der Ueberzeugung. daß jede Nationalität ihr Recht und ihre Entwicklung innerhalb des weiten Rahmens der Freiheit und Gleichheit finden muß. Wenn in einem Staate, wie in dem unseren, verschiedene Nationalitäten um die Herrschaft kämpfen, und selbst die freisinnigste Partei, sobald es sich um das kleinste nationale Interesse handelt, demselben, wie jetzt die Jungczechen, ihre liberalen Zdeen unterordnet, so ist die Schaffung einer Partei, welche den großen, ihrer Lösung harrenden socialen Fragen ihr Hauptaugenmerk zuweudet, eine directe politische Nothwendigkeit. Dieser Ueberzeugung hat unser politischer Referent Herr Sigm. Mayer in unserem Sinne wiederholten entschiedenen Ausdruck in den Referaten am 23. Mai und 26. September 1896 gegeben. Wir haben mit Genugthuung das auf gleicher Basis ftlßende Programm einer zur selben Zeit sich bildenden Partei, jener der „Socialpolitiker", begrüßt und den Candidaten dieser neuen Partei durch die Zusage unserer Unterstützung den Muth und die Möglichkeit geboten, bei der letzten Landtagswahl in den politischen Wahlkampf einzutreten. Und wenn auch unsere damaligen Bemühungen nur halb von Erfolg gekrönt waren, nur die Hälfte der socialpolitischen Candidaten durchgedruugen sind, so war hieran — zu der Zeit, bei der Landtagswahl — keineswegs eine Differenz zwischen der politischen Meinung der liberalen Wählerschaft und dem socialpolitischen Programme die Ursache, sondern ganz bestimmt nur die persönliche Anhänglichkeit und ein ehrenwerthes Dankgefiihl derselben gegen zwei bisherige Abgeordnete. Unter allen Umständen aber nehmen wir es als ein