Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 19 (7.5.1897)
- Date
- 1897-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 19 Vr. Vloch's MoltzenphrM Seite 395 ganze die Gemeinde von nun ab in der Lage sein wird, gerechten Bedürfnissen und Ansprüchen zu entsprechen. Diese treten aber zahlreicher denn je an die Gemeinde heran. Es ist in erster Linie die Armenpflege, welche bei dem stets wachsenden Elende unserer Glaubensgenossen noch höhere Auftnerksamkeit wie bisher, aber auch bedeutend höhere Kosten fordern wird. Die Bestrebungen der verschiedenen Tempelbauvereine haben gewiß Anspruch ans Förderung seitens der Gemeinde. Demgemäß werden n. A. für die 'Tempelbauvereine Brigittenau, Simmering rc. Subventionen einzustellen sein. Seit Jahren werden von den verschiedenen Belhausvereinen erhöhte Subventionen beansprucht. Die Gemeinde that ihr Möglichstes, war aber nicht in der Lage, den Anforderungen nachzukommen. Das sich hiedurch für die nächste Zukunft ergebende Erforderniß ist ziffermäßiq noch nicht festqestellt, wird aber jedenfalls ein bedeutendes sein. Für das Bethaus in Fünfhaus erschien jchon im abgelaufeuen Jahre die Herstellung einer Heizanlage, die bisher mangelt, nothwendig und wird dieselbe im heurigen Jahre erfolgen müssen. Die Instandhaltung der alten Friedhöfe wird ein Mehrerforderniß in Anspruch nehmen. Die Tempelgebäude in der Leopvldstadt und der ehemaligen Borortegemeinden harren seit Jahren auf die nothwendige Restaurirung. Für letztere Zwecke wurde ein Pauschalbetrag von 9000 fl. votirt, doch ist es offenbar, daß mit dieser Post das Auslangen nicht gefunden werden ioird. Die Renovirung des Amtsgebäudes im I. Bezirke, der Amts- und Wohnhäuser im II. Bezirke, sowie die Reorganisation und Erweiterung der längst nicht mehr ausreichenden Kanzleien sammt Einrichtung der Letzteren, und die seit Jahren vorbereitete und nothwendige Systemisirung des Beamtenpersonales wird einen Betrag in Anspruch nehmen, welcher mit circa 25.000 fl. veranschlagt wird. Aus oer Ihnen gegebenen Darstellung nrögeu Sie ersehen, daß die bisherigen Einnahmen der Gemeinde unbedingt eine Steigerung von 150.000 fl. erfordern, um das thatsächlich vorhandene Deficit zu beseitigen anderseits um die in früherer Zeit unterlassenen dringenden Herstellungen, Adaptirungen rc. nachzutragen, endlich um den budgetgemäß pro 1897 unabweislichen Mehrbedarf zu decken. Meine Aufgabe als Referent wäre damit erschöpft gewesen, wenn ich Ihnen die Ziffern des Rechnungsabschlusses einfach wiedergegebeu und den Vergleich mit dem Präliminare pro 1896 hergestellt hätte. Ich glaube, daß Sie damit einverstanden sind, daß ich meine Aufgabe weiter erfaßt und Ihnen mit dieser Arbeit auch ein Bild des diesjährigen Jahreserfordernisses entworfen habe, einerseits mit Rücksicht auf die erfolgte neue Constituirung unserer Gemeinde, anderseits mit Rücksicht auf die pro 1897 eingetretene Erhöhung der Cultussteuer. Der Appell an unsere Gemeindemitglieder ist sonach nicht allein gerechtfertigt, sondern eine ganz unabweisbare Nothwendigkeit, damit endlich die unentbehrlichsten Voraussetzungen für die Schaffung eines geordneten Haushaltes gegeben werden und die endliche Inangriffnahme der Aufgaben in cultureller und humanitärer Beziehung erfolgen kann, welche der Cultusgemeinde Wien obliegen. Die Verlesung des Rechnungsabschlusses und die interessanten Erläuterungen, welche der Referent Herr Cultusvorsteher Moritz Hirsch denselben beifügte, waren von einer eingehenden Debatte begleitet. Der Cultusvorsteher Edler v. M i s e s, Dr. Steiner, Carl Cohn, Ritter v. Goldschmidt urgirten einzelne Aufklärungen über verschiedene Ziffern. Der Präsident Herr kais. Rath K l i n g e r betonte die Nothwendigkeit, bei der unverhältnißmäßig hohen Ausgabepost von Beleuchtung Ersparnisse zu erzielen und werden in diesem Sinne an den Gebäudeinspector Instructionen ergehen. Der Rechnungsabschluß wurde hierauf einstimmig genehmigt und dem Referenten Herrn Cultusvorsteher Moritz Hirsch für seine erfolgreiche Mühewaltung der Dank ausgesprochen. Der Präsident beantragt, dem früheren Finanzreferenten Herrn Commercialrath L e i n k a u f in gleicher Weise den Dank zu votiren. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Präsident gibt Mittheilung über die Tagung des Gemeindebundes und über das Resultat der gepflogenen eingehenden Berathungen. In Rücksicht auf die dem Wiener israelitischen Cultusvorstand übertragenen redactionellen Aufgaben zur Finalisirung des Statutenentwurfes für den Gemeindebund beantragt der Präsident die Wahl eines Redactionscomites und schlägt für dasselbe vor außer den beiden Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Gustav K o h n noch die Cultusvorsteher Dr. Steiner, Dr. S t e g e r und Dr. Stein vor. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Cultusvorsteher Herr H i e l d b u r g h ä u s s e r referirt über den Vorschlag der Vertrauensmänner, betreffend die Bestellung eines Bethausvorstandes für den Tempel in Ottakring. Es werden in Vorschlag gebracht: Salomon R o s n e r, Cultusvorsteher, Albert Hohenberg, Fabrikant, Leopold K o h n, Restaurateur, Samuel K o h n, Kaufmann, Eduard Politzer, Lederhündler, Jg. P o l l a ck, Schuhfabrikant, Alexander Steiner, Kausinann und Adolf W a h r i n g e r, Wechselstubenirrhaber. Der Vorschlag wurde genehmigt. Präsident Dr. Alfred Stern referirt über die dem israelitischen Tempel im X. Bezirk zu gewährende Bausubvention und beantragt, nachdem die Theilsubvention per 3000 fl. bereits im vorigen Jahre zur Auszahlung gelangte, den Restbetrag von 7000 fl., und zwar 3000 fl. als Schenkung und 4000 fl. als unverzinsliches Darlehen im Laufe dieses Jahres zu liguidiren. Nach Genehmigung dieses Antrages erklärt der Vorsitzende, kais. Rath Heinrich K l i n g e r, die öffentliche Sitzung für geschlossen. In der hierauf stattfindenden vertraulichen Sitzung wurde zur Kenntniß gebracht: Spende des Herrn Bernhard Hirsch per 500 fl. an verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten, Spende „einer Mutter" per 5 fl. für arme Kinder. Spende eines „Anonymus" per 10 fl. für Arme, Spende des Herrn Rudolf Auspitz per 500 fl. für Arme. Den Spendern wird der D a n k votirt. Mittheilung des Herrn Hartwig Fischet, daß er im Einvernehmen mit seiner Mutter und deren Geschwister, nachdem das Wirken seines verewigten Großvaters, des Predigers I. N. Mannheimer stets auf die Förderung des Wohles und des Gedeihens der Wiener israelitischen Cultusgemeinde gerichtet war, die Concepte sümmtlicher Predigten, Gedächtniß- und Leichenreden, ivelche sich im schriftlichen Nachlasse des Verewigten vorfanden, damit dieselben auch weiterhin Gutes zu wirken im Stande sein mögen, dem Cultusvorstand übermittelt mit der Bitte, es möge für eine sichere Aufbewahrung der Manuskripte dauernd gesorgt werden, welche deren gute Erhaltung und deren Zugänglichkeit für Studienzwecke gleichzeitig verbürgt. Wird angenommen und beschlossen, den Spendern den wärmsten Dank auszudrücken. Dankschreiben des Herrn Hofrathes von Hahn für die Glückwünsche anläßlich der ihm von Sr. Majestät gewordenen Auszeichnung. Zur Kenntniß. Dankschreiben der Frau Emilie von Pfeiffer für die Theilnahme des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, Herrn Hofrath Josef M. Ritter von Pfeiffer. Frau von Pfeiffer theilt gleichzeitig mit, daß sie und ihre Kinder für den Sitzungssaal der Cultusgemeinde das Bildniß des Verstorbenen zur Verfügung stellen werde. Wird dankend zur Kenntniß genommen. I. Vice-Präsident Dr. Stern referirt über das Anerbieten des Herrn Jacob M a r m a r o s ch, zum Andenken seines in jungen Jahren verstorbenen Sohnes Max eine Sttftung von 10.000 fl. zu errichten. Das Zinsenerträgniß des Stiftungscapitales sei vorerst dazu bestimmt, daß daraus die Familiengruft des Herrn Jacob Marmarosch auf der israelitischen Abtheilung des Wiener Centralfriedhofes für immerwährende Zeiten in gutem, ordentlichen Zustande erhalten werde und soll der nach Bestreitung des hiefür erforderlichen Ailfwandes erübrigende Rest dazu verwendet werden, um damit alljährlich ein oder zwei würdige Frequentanten der Handelsakademie zu betheileu. Die Verwaltung der Stiftung solle dem Vorstande der Cultusgemeinde zufallen. Ueber Antrag des Referenten wird die Annahme der Stiftung unter den bezeichnten Modalitäten beschlossen. Zu ständigen Obmännern für das Schiedsgericht im Sinne des tz 106 des Statutes werden bestellt die Herren: Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Leopold K o h n, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Leopold L i b i tz k y, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Wilhelm Zucker, Wilhelm K u f f n e r, Commercialrath Moriz L e i n k a u f und Adolf Singer (Chef der Firma K a n n u. Singe r).