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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-30 · 18 (30.4.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vlortz's Wochrnsttzrifl Rozn au sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: Dr. Josef Hoff, Proßniß 2 fl.; Heinrich Fränkl, Lemberg 15 fl. 60 kr.; Samuel Bloch, Szepes-Ofalu 5 fl.; Alois Weißkopf, Wittkowitz 2 fl.; Frau Dr. Emmi Rosenfeld, Znaim 5 fl.; M. Grab's Söhne, Prag 5 fl.; David Pollak, Atagyar-Lapos 2 fl.; Chewra-Kadischa Melnik 10 fl.; Chewra-Kadischa Eiwanowitz 5 fl.; Chewra-Kadischa Wadovice 5 fl.; Krauken- Unterstützungsverein Montefiore, Wien 10 fl.; Nachlat Jeschurnng, Wien 5 fl.; zusammen 71 fl. 60 kr. Letzter Ausweis 3346 fl. 64 kr., Summa 3418 fl. 24 kr. Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf Pollak, Curarzt in Roznau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n n, Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Berlin, 20. April. „Eine kaiserliche E r zi e h nng" betitelt F. Ayma in Paris ein Buch, das sich mit Kaiser Wilhelm II. beschäftigt. Der Verfasser hat in den Jahren 1875 bis 1877 den damaligen Prinzen Wilhelm und Prinzen Heinrich in Kassel in der französischen Sprache unterrichtet und durfte wohl ein berufener Schilderer des Charakters des Kaisers fern. Darum erscheint uns folgender Satz aus der Schrift der Reproduktion werth: .,Er (Prinz Wilhelm) zog keinen Unterschied zwischen den Adligen und dem Volke, ebenso wenig wie zwischen den Juden und Andersgläubigen, und da er energisch .und autoritativen Temperaments war, paßte er bereits, soweit es ihm möglich, seine Thaten seinen Theorien an.So hatte er sich auf dem Gymnasium mit einem jungen Israeliten befreundet. Er lud zum Scandal des Hofes und der Stadt diesen Freund ein, die Weihnachtsferien in Berlin und Potsdam zu verbringen." — Die hier mitgetheilte Thatsache ist nicht unbekannt, wird nur durch vorstehende Zeilen nachdrücklich st bestätigt. Berlin, 20. April. (D i e I u d e n als Deutsch e.) Im Stöcker'schen „Volk" erschien jüngst eine Serie von Artikeln über die Lage in der Provinz Posen. Darin heißt es über die Juden in Posen: „Auch die Juden der Provinz Posen, die, wie zu ihrem Lobe gesagt werden muß, durchschnittlich bescheidener und zurückhaltender auftreten wie (als) sonst in Deutschland, sind in ihrer Gesammtheit dem deutschen Element zuzurechnen. Sie selbst zählen sich unbedingt dazu, und es kann auch kaum einem Zweifel unterliegen, daß dieselben, so lange ein festes deutsches Regiment im Lande ist, niemals mit Polen gemeinsame Sache machen werden." Berlin, 20. April. Ein geschichtlich - liturgisches C v n c e r t — das erste dieser Art — veranstaltete am 26. April, Abends 8’/2 Uhr, im Concertsaal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, Herr Alexander Weinbau m mit einem eigens hiezu znsammeugestellten großen Chore. Es gelangten neben anderen 3- bis 8stimmige Chore und Soli von dem frühesten historisch nachweisbaren Synagogalcomponisten Salomo di Rossi (lebte um 1600) zur Vorführung, und zwar, wenigstens in Deutschland, zum ersten Male. _ Myslotvitz, 20. April. (D a s „Schächte n" und die So nnt ag srnh e.) Wie berichtet, ist ans Grund eines Urtheils des hiesigen Schöffengerichts das Schächten an Sonn- und Feiertagen als ein Verstoß gegen die äußere Heilighaltung der Sonntagsruhe erachtet und der von der hiesigen Synagogengemeinde angestellte Schächter dieserhalb bestraft worden. Auf Anordnung des Vorstandes der Synagogengemeinde darf nun der Schächter an Sonntagen seines Amtes nicht mehr walten, und da er ja auch am Sabbath Glicht schlachten darf, so sind unserere Hausfrauen dadurch in arge Verlegenheit gebracht, da sie ihr Federvieh, das sie für Sonntag bezw. Montag brauchen, schon am Freitag schlachten nlüssen. Erwünscht wäre es, wenn der Gemeindevorstand die Anordnung treffen wollte, daß vorkommenden Falls Federvieh am Sonnabend Abend nach Ausgang des Sabbaths geschlachtet würde. Zittau, 19. April. (Keine Jude n.) In einem Zeiträume von kaum drei Monaten sind in unserer Nähe drei Personen ermordet worden, eine ältere Händlerin, die auch beraubt wurde, ein Mädchen, an welcher durch einen Förster, der hervorragender Antisemit ist, ein Lustmord begangen wurde, und jüngst ein 13jähriges Mädchen, das ein irrsinniger Unhold in kannibalischer Weise ums Leben brachte. Trotz aller Erregung hat kein Mensch an einen „Ritualmord" gedacht. Nur Zimmerm a n n's „Deutsche Wacht" erinnerte an die Nähe des Pessachfestes. In allen Fällen sind die Mörder entdeckt und dingfest Seite 383 gemacht, sie sind alle Glaubens- und theilweise Gesinnungsgenossen des Herrn Z i m m e r m a n n. Altona, 30. März. Der am 5. Juni 1848 zu Altona verstorbene Rentier Samuel S a l o m o n Warb n r g setzte einen Theil seines Vermögens zu einer Stiftung aus, die jetzt mit den ausgelaufenen Zinsen reichlich eine halbe Million Mark beträgt, und die den Zweck hat, die Verbreitung bürgerlicher Gewerbe unter der jüdischen Bevölkerung der Stadt Alton a zu beförder u. Die diesjährige Vertheilung beziehungsweise Verlosung von zwanzig Portionen 5 1000 Mark findet am 13. Juni statt. Die Bewerber müssen ein bürgerliches Gewerbe bereits betreiben und während fünf Jahren im Besitze des Gemeindebürgerrechts sich befinden und während dieser Zeit ihre Gemeindebeiträge prompt bezahlt hadert. Mitglieder der Familie des Testators, die sich übrigens mehr oder minder in der beneidenswerthen Lage von Millionären befinden, haben bei eventueller Bewerbung Vorzrrgsrechte. Belgrad. H o ch g e e h r t e r He r r R e d a c t e n r! Erlauben Sie.^ dag ich Ihnen einen Act außergewöhnlicher Toleranz von L-einer Majestät unserem Könige A l e x a n d e r I. mittheile. Es dürfte Ihren verehrten Lesern nicht unbekannt sein, daß hier in Serbien kein Antisemitismus herrscht. Es ist dies sowohl der Gutmüthigkeit des serbischen Volkes, als auch der sehr liberalen Gesinnung der Dynastie Obrenowitsch zuzuschreiben. Schon der Begründer dieser Dynastie, der Fürst M i l o s, hatte seinerzeit einen jüdischen. Capellmeister Namens S ch l e s i n g e r zu dem Range eines Majors erhoben und seine Nachfolger auf dem Fürstenthrone wandelten diesbezüglich stets in seinen Fußtapfen. Auch in der serbischen Armee, unter den Offieieren höchsten Ranges, herrscht derselbe Geist der Freiheit und Gleichheit. Ein Beweis hiefür wurde uns erst unlängst geboten. Es ist nämlich hier. die Sitte, daß die Passanten ans der Straße beim Vorüberziehen eines Leichenznges ehrerbietig den Hut ab nehmen, wobei kein Unterschied zwischen den verschiedenen Confessionen gemacht wird. Es ereignete sich nun unlängst, daß ein General einem jüdischen Leichenzuge begegnete; derselbe stellte sich in Habt Acht-Positur und verharrte in derselben so lange, bis der Leichencondnct vorüber wer. Dies ist wohl ein Gegenstück zu den Zöglingen Lueger's und Bergani'S, welche einen jüdischen Leichenzug mit Steinen bewerfen, und ist der Erwähnung werth. Was ich aber Ihren geehrten Lesern hauptsächlich erzählen wollte, ist Folgendes: Seine Majestät der König Alexander hat mehrere jüdische Hoflieferanten und läßt auch seine goldenen Zwicker bei einem jüdischen Optiker Namens S ch e i n e s s o n o s s machen Derselbe ist ein einfacher schlichter Jude und führt auch sein Geschäft in bescheidenem Maße. Als nun der König vergangenen Mittwoch seinen gewöhnlichen Spaziergang vom Konak in den Kalime°idan (Park) machte, besuchte er zweimal den Laden des Herrn Scheinessonof f, woselbst er mit demselben einige Minuten conferirte. Daß sich Herr S ch e i n e s s o u o f s durch diesen allerhöchsten Besuch sehr geehrt fühlt, ist selbstverständlich, und da derselbe auch Tempelvorsteher unserer serbisch eskenasischen Cultusgemeinde ist, um deren Gedeihen er sich in dieser Eigenschaft schon viele Verdienste erworben hat, so gönnen wir ihm diese ihm zu Theil gewordene Ehre vom Herzen. Indem ich Sie, sehr geehrter Herr Redactenr, ersuche, diese Zeilen in Ihrem vielgelesenen Blatte zum Abdrucke zu bringen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Belgrad, 19. April 1897. I. G. Galatz. Aus Galatz . wurde an Herrn Tr. Th. H e r z l nachstehendes Telegramm abgesendet: Dr. Herz l, Wien, Berggasse 6. Generalversammlung aller Chowe-Ziou Rumäniens entbietet Ihnen Gruß. Wir vernahmen mit Enthusiasmus den Inhalt Ihrer Briese und wünschen Realisirung Ihrer Bemühungen. Sophia. (Z i o n i st i s ch e V e r s a m m l u n g.) Das zionistische Centralcomite für Bulgarien veranstaltete am zweiten Pessachsesttage in Sophia eine zionistksche Volksversammlung. Die deutsch-israelitische Synagoge war um 2 Uhr Nachmittags von jüdischen Männern und Frauen förmlich überfüllt. Bon den in der Provinz lebenden 5000 Juden waren zumindest ein in den engen Räumen der Synagoge, während viele Hunderte keinen Einlaß mehr finden konnten. Sephardim und Aschkenasim - alles reichte sich brüderlich die Hand. Der in München bevor-

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