Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 18 (30.4.1897)
- Date
- 1897-04-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 384 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 18 stehende Weltkongreß der Zionisten bildete das Referat für diese Volksversammlung. Der Referent, Professor Belkowsky führte mit wissenschaftlich begründeten Beweisen ans, daß die Juden das Recht haben, die Unterstützung der Völker für die zionistischen Bestrebungen in Anspruch zu nehmen. Der Redner führte ferner in warmen Worten aus, daß es die heiligste Gesammtpflicht der Juden ist, dem bevorstehenden Münchener Congreß ein großartiges Gebilde zu geben. Der Vicepräses des Landescomites, Ministerial-Bnreauches Carl Herbst, sprach über die Bedeutung des Zionismus und appellirte in rührenden Worten an das patriotische Gefühl der jüdischen Väter und Mütter. Unter stürmischem Beifall schloß er mit den Worten: „Jüdische Mütter, säuget wieder Maccabis!" Hierauf sprach noch Herr Rechtscandidat C a l e b, worauf Herr Professor Belkowsky zu einer Schlußrede das Wort nahm, in welcher er eine Resolution empfahl, welche dem Zionistenführer Dr. Th. Herzl und sämmtlicheu Mitgliedern der Congreß-Organisation die Approbation der Idee des Congresses aussprach. Diese Resolution wurde von der Versammlung per Acclamation angenommen. Das Landescomittz wurde beauftragt, dafür Sorge zu tragen, daß das Judenthum Bulgariens sich lebhaft an dem Congreß betheilige. Alle verließen in gehobener Stimmung die Versammlung in der Ueberzeugung, daß auch für uns der Tag der Erlösung bald herannahen müsse. Corfu. Es gab in Corfu keine Juden vor dem 12. Jahrhundert, trotzdem sie schon viel früher auf anderen Inseln des griechischen Archipelagus zerstreut lebten. Rabbi Benjamin voll Tudela, der um diese Zeit Corfu besuchte, erzählt, daß er, während Arta und Naupaktos je 100, Guboa und Krissi je 200 und Theben etwa 3000 Juden zählte, in Corfu nur einen einzigen Juden gefunden hatte. Im 13. Jahrhundert wanderte eine ganze Colonie aus dem Osten eiil. Sie sprachen griechisch und ihre Synagoge wurde die „griechische Synagoge" genannt. Wohl hatten die Juden in Corfu oftunter Verfolgung zu leiden, doch erfreuten sie sich oft auch des Schutzes mancher Monarchen, welche die Gleichberechtigung der Juden zum Gesetz machten, da wurden sie als Bürger anerkannt und nicht zu schwer besteuert. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wendete sich eine Deputation von Heiden an den Dogen mit der Bitte, sämmtliche Juden zum Tode zu verurtheilen. Dieser Wunsch wurde uun nicht erfüllt, doch hatten die Juden von nun ab unter vielen Einschränkungen zu leiden. Sie durften keinen Grundbesitz erwerben und mußten den „gelben Fleck" tragen. Seit dem Jahre 1414, als das jüdische Viertel niedergeriffen wurde, lebten die Juden mit den Christen in der Stadt. Das erregte uun wieder Unwillen und ein langer Kampf folgte, bis die Juden im Jahre 1622 wieder in einen Stadttheil verbannt wurden, den sie ohne Erlaubniß des Proveditore nicht verlassen durften. Erst mit dem Niedergang der Republik kam auch siir die Juden eine bessere Zeit. Als Corfu im Jahre 1797 unter französische Herrschaft kam, drang auch in das Ghetto von Corfu ein Strahl von Freiheit und Gleichheit. Auch das Intermezzo englischer Herrschaft gereichte den Juden von Corfu zum Vortheile; aber volle Gleichberechtigung mit den Christen wurde ihnen erst zutheil, als Corfu im Jahre 1863 unter'griechische Herrschaft kam. Die jetzige jüdische Bevölkerung Corfus beträgt etwa 3000 Seelen und ist zum Theile griechischen und spanischen, zum Theile italienischen Ursprungs. Der Dialect, den die Juden in Corfu sprechen, ist aus dem Griechischen und Italienischen zusammengesetzt. London. Bei der letzten Versammlung der jüdisch-englischen Allianz (Anglo Jewish Association) waren anwesend: Der Vorsitzende Claude G. Montefiore, Hauptmann M. Nathan, Mocatta, Myers, Grunebaum, Adler, Franklin, Schloß, Oswald I. Simon, Lucien Wolf rc. Mr. Jacob G. Schiff aus New- Pork war als Gast anwesend und wurde vom Präsidenten herzlich begrüßt. Der Präsident berichtet, daß die Herren N. M. Rothschild und Söhne 250 Pfund zur Tilgung der Schuld des neuen Gebäudes der Evelina de Rothschild-Mädchenschule in Jerusalem gespendet haben. Der Secretär verliest den Bericht des Executivcomitös, der sich hauptsächlich mit Schulen im Osten beschäftigt. Die jüdische Schule von Bafforah wurde durch den Besuch des Generalgouverneurs Arif Pascha geehrt, der jo befriedigt war von den Erfolgen der Lehrer, daß er einen monatlichen Beitrag von 3 Pfund.zeichnete. Die Mädchenschule in Constautinopel bittet um Erneuerung des Beitrages von 200 Pfund. Am Schluffe des Jahres 1896 zählte die Schule 131 zahlende und 278 befreite Schülerinnen. Die Schule könnte, wenn die Räumlichkeiten nicht so beschränkt wären, die doppelte Anzahl aufnehmen, denn der Stadttheil Haskeui, in welchem die Schule sich befindet, hat eine Bevölkerung von fast 20.000 Juden, welche nur eine von der Alliance Jfraölite gegründete Knaben- und Mädchenschule besitzen. Diese Schulen wurden neulich von einem Delegirten des französischen Unterrichtsministers besucht, der dieselben für die besten Elementarschulen Constantinopels erklärte. Jeden Freitag zahlen die besser situirten Schüler der Haskeni-Schule fünf Centimes, und so ist langsam ein Fond entstanden, aus welchem Nahrung und Medikamente für ihre arinen Mitschülerinnen bestritten werden, wenn es der Stand des Fonds erlaubt, werden auch Kleider beschaffen. Die armen Kinder erhalten täglich ein Mittagessen. Die Talmud-Thoraschule und die Mädchenschule in Damascus bitten um fernere Gewährung der Unterstützung von 60 und 32 Pfund. Die Kinder der Talmud-Thoraschule haben sich um 18 verringert, jetzt sind 464. Sie lernen arabisch lesen, schreiben und rechnen. Die Mädchenschule zählt heuer um 97 Schülerinnen mehr als im verflossenen Jahre; es sind 130 zahlende und 167 befreite Kinder. Bewilligt wurden: für Constantinopel 200 Pfund; Damascus 60 Pfund und 32 Pfund; Bafforah 30 Pfund; Evelina de Rothschild-Schule 18 Pfund. > Auf Einladung des Präsidenten hielt Mr. Jacob Schiff eine Ansprache an die Versammlung, in welcher er höchst interessante Aufschlüsse über die Juden in New-Aork gab. Dieselben zählen jetzt 350.000 Seelen, mehr als 15 Percent der Gesammtbevölkerung. Unter diesen sind etwa 80.000 Erwachsene männlichen Geschlechts, aber nur 5000 unterstützen ihre Glaubensgenossen, von denen viele monate-, ja jahrelang ohne jedwede Beschäftigung waren. Doch ist diese Zeit nun glücklich überstanden, und es geschieht sehr viel zu ihrer Erziehung. Die Gewerbeschule zählt 225 Schüler, die Handwerkerschule entläßt alljährlich 125 fertige Handwerker. Es ist sicher anzunehmen, daß die Juden in New-Iork nicht nur, sondern in den Vereinigten Staaten überhaupt — die gesammte jüdische Bevölkerung beträgt etwa 600.000 Seelen — im nächsten Geschlecht sich vollständig selbst, erhalten werden. Es ist klar, daß es die Pflicht der amerikanischen Juden ist, dafür zu sorgen, die eingewanderten Glaubensgenossen der großen Stellung, die sie einstens entnehmen werden, würdig zu machen. Denn die Zukunft gehört den Juden russischen Ursprungs; diese werden auf die Juden der ganzen Welt Einfluß üben. Denn so wie vor 30—40 Jahren die portugiesischen Juden in New-Aork vorherrschend waren, aber von den deutschen Juden verdrängt wurden, so wird nach 50 Jahren der deutsche dem russischen Einfluß gewichen sein. Die amerikanischen sind gerade so gute Juden wie die europäischen, die nicht vergessen dürfen, daß ihre Glaubensgenossen in Amerika sozusagen erst ein junges Reis auf den alten Stamm pfropfen mußten. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen und schloß die Sitzung. London. (Baron Ferdinand Rothschild.) Es verlautet in verschiedenen Kreisen, daß Baron Ferdinand Rothschild gelegentlich der Jubiläumsfeier der Königin von England die erbliche Pairswürde erhalten soll, der Baron hat aber offenbar keine Sehnsucht danach, einen Sitz im Hause der Lords zu erhalten, denn er hat jüngst in einer Versammlung seiner Wähler von Mid'-Bucks erklärt: „Was für Verhältnisse auch eintreten, was für Versuchungen auch an mich herantreten mögen, niemals werde ich den Raum überschreiten, der das Unterhaus vom Oberhaus trennt. Ob ich im Parlamente bleibe oder nicht, ich habe nicht beit Ehrgeiz, einen Sitz im Oberhaus erlangen zu wollen. Ich fühle, daß ich die Pflichten, die zu erfüllen man mich beruft, viel besser in meiner jetzigen Stellung erfüllen kann — ich bin ein Mitglied des Unterhauses, und ein Mitglied des Unterhauses gedenke ich zu bleiben." Port Clizabeth (Südafrika). Mit tiefem Bedauern theilen wir Ihnen mit, daß Lieutenant Mark Harris in der Schlacht bei Mamffepe im Bechuanaland seinen Tod gefunden hat. 1869, als der Sohn des Mr. Ephraim Harris, des Di-