Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 18 (30.4.1897)
- Date
- 1897-04-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 382 Vr. Vloch's Wochenschrift Kr. 16 heranzuziehen, eine Versammlung ein. Am 19. d. M. fand nach Herablangen der Statuten die I. constituirende Generalversammlung des Vereines „Frohsinn" in Anwesenheit des Cultusvorstehers Herrn Carl L i e b m a n n und dessen Stellvertreters Herrn Rudolf P o l l a k statt. Herr Ignaz Simon der zuni Obmann gewählt wurde, erbat sich die Vollmacht zu folgendem Antrag, welcher unter großen Sympathien von der ganzen Generalversammlung einstimmig begrüßt wurde. Der Verein „Frohsinn" spendet unter dem Protectorate des Herrn Cultusvorstehers gelegentlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers eine Decke in den Tempel mit folgender Aufschrift: „Anläßlich des 50jährigen Regiernngsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef 1. der Verein „Frohsinn" zur Erinnerung an seine Gründung." — Den Schluß des Abends bildete eine gemüthliche Unterhaltung. Tarnow, 25. April. Behufs praktischer Durchführung der palästinensischen Colonlsationsbestrebungen und speciell zum Zwecke der Gründung einer galizischen Mustercolonie in Palästina ist hier in Tarnow in Folge Beschlusses des letzten Lemberger zionistischen Parteitages der Verein »Ahavass Zion« in's Leben getreten und hat bereits, nach kaum viermonatlichem Bestände und obwohl noch nicht einmal constituirt, sehr bedeutende Erfolge aufzuweiseu. Die vom Vereine herausgegebenen Einlagsscheine (auf zehn Kronen lautend) finden in ganz Galizien ungeheuren Absatz, in sämmtlichen Städten und Städtchen bildeten sich oder sind in Bildung begriffen Localcomites behufs Verkaufes obiger Einlagsscheine und au bloßen Anzahlungen sind bereits über 1500 fl. eingeflossen. Auch viele angesehene Rabbiner betheiligen sich lebhaft an der Action, darunter obenan der ehrwürdige Rabbiner von Bohorosczany, Herr Feiwel Schreier, welcher nicht blos eine rührige locale Agitation entfaltet, sondern auch auf andere galizische Rabbiner einwirkt und ihr bisheriges Mißtrauen gegen die Colonisationsidee zu zerstreuen trachtet. Einen Beweis für die Sympathien, deren sich der Verein erfreut, erbrachte auch der am 20. d. M. von ihm veranstaltete Festabend. Ein zahlreiches Publicum füllte den geräumigen Bereinssaal und zollte den Festrednern, nämlich dem Herrn Dr. Salz (deutsch), Herrn S. Bromberg (polnisch) und insbesondere dem Herrn S. F u cb s, Redacteur des . Hamagid" aus Krakau, welcher durch seine in einem classischen Hebräisch gehaltene schwungvolle Ansprache Alle begeisterte, reichlichen Beifall. Den Glanzpunkt des Abends bildete aber die Dilettanten- Vorstellung der Schüler der hiesigen von Herrn S. M. S p i r a begründeten und geleiteten hebräischen Schule (Beth sefer ibri), welche das dreiactige Dramolet »Chananiah Meschuel w Azaziah« von Samuel David Luzzato im reinsten Hebräisch vortrugen. Wer diese Kinderschaar das hebräische Idiom so fließend beherrschen, ihre reine Aussprache hörte, das Verständniß, mit welchem sie ihre Rolle spielten, das Feuer und die Begeisterung, die aus ihren Augen sprühten, sah, der wird den Beifallssturm, welchen sie entfesselten, begreifen. Der Eindruck dieser hebräischen Kindervorstellung war ein gewaltiger und ergreifender und ungetheiltes Lob wurde dem Herrn S p i r a von allen Seiten zutheil. Am Lag b'omer (18. und 19. Mai) wird die Constituirung und erste Generalversammlung des Vereins »Ahavass Zion« in Tarnow stattfinden. Zu derselben werden Delegirte aus den meisten galizischen Städten und wohl auch des Verbandes „Zion" aus Wien erscheinen, nachdem auch das Verhältniß der galizischen Einzelvereine zum Wiener Verbände daselbst erörtert und eine strammere Organisation durchgeflihrt werden soll. E. S. Lemberg. (R a b b i n a t s j u b i l ä u m. — Statutenberathungen.) Heute, am 26. April, feierte in aller Stille Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Jsak Schmelkes sein 40jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner in Galizien. Der Jubilar, der zu den berühmtesten Koryphäen unter den Rabbinern Galiziens zählt, hat sich jede Ovation verbeten. Nur die conservative Partei gratulirte durch eine Deputation, bestehend aus den Herren: Samuel Rockach, David Maschler, Julius H o ch fe l d, Chaim Weiser und Josef Taube. In Angelegenheit des Statutenentwurfes schweben Unterhandlungen zwischen den beiden streitenden Parteien. Die Conservativen haben nachstehende Postulate aufgestellt: 1. Daß ein conservativer und ein fortschrittlicher Rabbiner bestellt werde. 2. Der conservative Rabbiner führt im Rabbinatscollegium den Vorsitz und seiner Aufsicht unterstehen Talmud-Thora und die rituellen Institutionen. 3. Bestehende Bethäuser dürfen nicht aufgelassen werden. 4. Festreden dürfen in jeder Synagoge gehalten werden. 5. Die Wahlen erfolgen in zwei Curien. Am siebenten Festtage hielt Herr Aron L e w i n, ein verhältnißmäßig noch sehr junger Theologe, ein Enkel des hiesigen Rabbiners S ch m e l k e s, in der hiesigen Synagoge eine zündende Rede, welche allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Königinhof. An die werthe Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" in Wien! In Ihrem werthen Blatte vorn 9. April 1897 wurde eine meine Person und das von mir gepachtete Hotel Kopp in Königinhof a. E. betreffende Zuschrift veröffentlicht, aus welcher der Leser schließen könnte, daß ich die Herren Reifenden jüdischer Consession in meinem Hotel beleidigen ließ und Antisemit bin. ' Da der Inhalt der Zuschrift der Wahrheit theilweise nicht entspricht, und nanrentlich die obige Schlußfolgerung vollkommen unrichtig ist, so erlaube ich mir diese Zuschrift nachstehend richtigzustellen: Am 31 März 1897 saß wohl an einem Tische meines Hotels eine größere deutsche Gesellschaft, welche sich Stücke im Polyphon Vorspielen ließ. Es war mir jedoch nicht bekannt, daß unter den neugelieferten Polyphoneinlagen und den gespielten Musikstücken der Luegermarsch sich befindet und war mir auch dessen Melodie gänzlich fremd, was auch bei dem Herrn Einsender der Zuschrift der Fall gewesen sein dürfte, da er selber zugibt, daß er auf diesen Marsch von einem anderen Herrn aufmerksam gemacht wurde. Ich war den ganzen Abend, mit Rücksicht auf den damaligen Besuch, im Ausschanke derart beschäftigt, daß ich erst später zum Einsender der Zuschrift — Herrn N. — welcher mich zu sich rufen ließ — konnten könnte. Derselbe war bereits vor dem Abende aus anderen Gründen sehr schlecht gelaunt, und war wahrscheinlich in Folge der von ihm geschilderten, mir damals nicht bekannten Mittheilung des Herrn S. umsomehr aufgebracht, und es war demnach eine ruhige Discussion umso weniger zu erwarten, als Herr N. bereits in früherer Zeit gegen mich voreingenommen zu sein schien. N u r a n s d i e s e m Grunde und ohne jeden Nebengedanken sagte ich zu ihm, daß wir hierüber nicht heute, wo eine größere Gesellschaft anwesend war, sondern den Tag daraus sprechen werden. Es ist jedoch nicht wahr, daß ich mich in rüder Weise geberdete und daß ein Collega des Herrn N. mir zu verstehen gab, er werde sofort übersiedeln, wenn ich mich nicht anständig benehme; zur Gänze ist es jedoch unrichtig, wenn ich wegen dieser von mir doch nicht verschuldeten Affaire als Antisemit bezeichnet werde. Wie falsch eine solche Schlußfolgerung wäre, beweist am besten der Umstand, daß sämmtliche frühere Herren Gäste jüdischer Consession aus der Stadt und Umgebung, welche doch meine Gesinnungen viel besser kennen müssen, mich auch weiterhin besuchen und daß gerade in meinem Hotel Angehörige beider Consessionen und beider Nationalitäten täglich friedlich nebeneinander verkehren. In meinem Geschäfte bin ich stets von der Intention beseelt, meine sämmtlichen Herren Gäste — ohne Unterschied — zufried»n zu stellen. Dies wird auch in Zukunft mein Bestreben bleiben, Hildes könnte nur auf Mißverständniß oder Unkenntniß der thatfächlichen Verhältnisse beruhen, wenn man mich als einen Antisemiten bezeichnen und mein Hotel deshalb den jüdischen Herren Reisenden oder Gästen verleiden wollte. Ich hoffe daß Sie diese wahrheitsgemäße Berichtigung, zu welcher ich im Interesse des guten Rufes meines Hotels genöthigt bin, in Ihrer» werthen Blatte aufnehmen werden und zeichne Hochachtend K ö n i g i n h o f a. E., am 21. .April 1897 Ferdinand R o ö e k, Hotelier. »RoLnan. (Sechzehntes Spenden-Berzeichn i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte