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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-30 · 18 (30.4.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Skr. 18 Vr. Alortz's Wochenschrift Seite 381 laube ich mir gleichzeitig, die ergebenste Bitte zu stellen, auch die gegenwärtigen Zeilen der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten ititb den Inhalt derselben Ihren geehrten Lesern zur t h u nl i ch st e n B e r ü ck s i ch t i g uitg u n d möglich st e n W e i t e r v e r b r e i t n n g in Bekanntenkreisen gesälligst empfehlen zu wollen. Bei der am 20. März stattgefnndenen Reichsrathswahl haben sich nachbenannte, in Mödling wohnende Geschäftsleute, in sehr t h a t k r ä f t i g e r Weise, und zwar ohne Rücksicht aus die in Folge dessen für ihren Geschäftsbetrieb sich etwa ergebenden, ernsten Conseqnenzen, zu Gunsten des liberalen Candidaten, Herrn Professor Dr. Gustav M a r ch e t, verwendet : 1. Herr Leopold H i r s ch, Kaufmann, Schrannenplatz 4. 2. Herr Andreas Ratz, Bäckermeister, Babenbergergasse 2. 3. Herr Karl R e ck e r t, Farbwaaren- und Droguen- Händler, Babenbergergasse 4. 4. Herr Anton Stelzer, Fleischhauer, Herzoggasse 6. 5. Herr Ignaz M o h l, Bau- und Galauterie-Spängler, Hauptstraße 29. 6. Herr Eugen B i e g l e r, Restaurateur, Wienerstraße 4. Im Hinblicke aus die allbekannte Rücksichtslosigkeit der antisemitischen Wähler und Agitatoren gegenüber den Anhängern der deutsch-fortschrittlichen Partei wird es sicherlich nicht befremden, wenn ich erwähne, daß dieselben nunmehr kein Mittel — auch solche der verwerflichsten Sorte — unversucht lassen, um den genannten Geschäftsleuten, welche sich bei der bezeichneten Wahl wohl für die Sache des. Liberalismus, aber nicht für einen Candidaten von antisemitischer Gesinnungstüchtigkeit begeistern konnten, d u r ch m ö g l i ch st e Entziehung v o n K u n d e n materiellen Schaden z u z n f ü g e n. Mit Rücksicht auf diese bedauerliche Thatsache glaube ich, keine Fehlbitte zu thun, wenn ich an die werthen israelitischen Familien, welche demnächst zum Sommeraufenthalte in Mödling eintreffen werden, das höfliche Ersuchen richte, ihren jeweiligen Bedarf an Artikeln für Küche und Haus womöglich durch Einkauf bei den erwähnten Firmen gütigst decken und die letzteren hiedurch in die Lage setzen zu wollen, den ihnen nur wegen reger Bethätignng ihrer liberalen Gesinnung, die in solch' vollkommener Treue in Geschäftskreisen nur äußerst selten zu finden sein dürfte, bereits zugegangenen und voraussichtlich auch noch weiter zugehenden Schaden zum Theil verschmerzen zu können. Hochachtungsvoll ein wahrhaft Liberaler und guter Christ. Mödling, 25. April 1897. Budapest. D i e P e st e r i s r a e l i t i s ch e R e l i g ionsgemeinde hielt ihre von den Mitgliedern zahlreich besuchte Generalversammlung. Vorsitzender und Präsident Sigmund K o h n e r warf in seiner beifällig aufgenommenen Eröffnungsrede einen Rückblick auf die bisherige Thätigkeit der Religionsgemeinde, welche in erster Reihe der Errichtung cnltureller Zwecke gewidmet war. In nächster Zeit werden religiöse Zwecke, vornehmlich die Erbauung des Leopoldstädter Tempels, im Vordergründe stehen. Der Vorsitzende erklärt die hiemit im Zusammenhänge stehende von einzelnen Blättern verzeichnete Version, als hätte die Gemeinde betreffend den Tempelbau eine internationale Concurrenz ausgeschrieben, als unrichtig. Für dieses Jahr sei überhaupt nur die erste Rate der zu diesem Zwecke bestimm- .ten Summe ins Budget eingestellt. Der Jahresbericht des Gemeindevorstandes wurde auf Antrag Dr. Jacob R o t h's en bloc angenommen. Die Thätigkeit der Gemeinde war vornehmlich Schul- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten gewidmet. Im Vorjahre wurden in Verbindung mit den Knaben- und Mädchenschulen die entsprechenden Bürgerschülclassen errichtet und das neue prächtige Schulgebäude am 6. December seiner Bestimmung übergeben. Die Thätigkeit im Vorjahre ist ferner charakterisirt durch die emsige Fortführung und Beendigung des Baues des Adele B o d y - K i n d e r s p i t a l s. Es sind bereits alle Vorbereitungen getroffen, um dieses der Humanität geweihte Wohlthätigkeitsinstitut schon in den nächsten Tagen (am 9. Mai) seiner erhabenen Bestimmung übergeben zu können. Im weiteren Verlaufe gedenkt der Bericht der Frage der Erbauung desneuen Tempels und betont der Vorstand, daß er sich mit den Modalitäten der Lösung dieser Frage umsomehr eingehender zu beschäftigen wünscht, als betreffend des Zeitpunktes der Erbauung gegenüber der hauptstädtischen Behörde Verpflichtungen übernommen wurden. Bis die Gemeinde für die Beschaffung der außerordentlichen materiellen Mittel zum Tempelbau Vorsorge getroffen, will sie auch die Modalitäten der Durchführung des Baues einem eingehenden Studium unterziehen. Der Bericht beschäftigt sich sodann mit der Thätigkeit der einzelnen Sectionen und Commissionen im Vorjahre, so mit den Unterrichts- und WohlthätigkeitsittstituLionen, dem Bau des Adele Bvdy-Kiuderspitals, der Wirksamkeit der Spitals- und Knabenwaisenhnuscommission, den Verhältnissen im israelitischen Landes-Taubstummeninstitut :c., und gedachte zum Schlüsse der im Vorjahre verstorbenen Mitglieder. Die Bilanz des Vorjahres schließt mit einem Ueberschufse von 8463 fl., welcher Betrag dem Tempelbaufond zugeführt wird. Die Ausgaben betrugen im Vorjahre 372.584 fl. 24 kr., die Einnahmen 381.047 fl. 21 kr. Die Activen der Gemeinde belaufen sich auf 3,050.102 fl. 32 kr. Für das laufende Jahr sind präliminirt an Ausgaben 428.389 fl. 9 kr., an Einnahmen 424.498 fl. 17 kr. Die Differenz soll durch Ersparnisse hereingebracht werden. Die vorgelegten Berichte wurden zur Kenntniß genommen und nach jeder Richtung hin das Absolutorium ertheilt. Mit der Wahl Berthold B e e r's zum Ausschußmitgliede wurde die Generalversammlung geschlossen. Prag. 21. April. Sehr geehrter Herr Redactenr! Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten, die Reichsrathswahl in der Prager allgemeinen Wählerclasfe behandelnden Artikel ersuche ich Sie, gefl. Folgendes zu constatiren: Es ist unwahr, daß ich allein oder mit dem Candidaten in der genannten Curie V. B r e z n o v s k y jüdische Kaufläden besuchte und für ihn Stimmen warb. Ich habe diese Behauptung bereits am 9. März d. I. in der Versammlung der Josesstädter Wähler in Gegenwart und ohne Widerspruch desjenigen, der sie dort vorbrachte, für eine Unwahrheit und den Betreffenden für einen Lügner erklärt. Daß sich diese Behauptung in der von Ihrem Blatte citirten Broschüre abermals vorfindet, ist sehr leicht daraus zu erklären, daß für Broschüren der tz 19 des Preßgesetzes nicht gilt. Auch bezüglich der von mir angeblich erlassenen Wahlanfruse hat es ein anderes Bewandtniß. Ein Wahlaufruf, der Art und Form, wie sie von den Socialdemokrateu und den hiesigen deutschen Juden (?) verbreitet wurden, wurde weder von mir noch von meinen Gesinnungsgenossen erlassen. Wir — Landtagsabgeordneter JUD. Joses Z a l u d, I. S. K r a u s, L. D u x und ich — forderten nur in einer kurzen Enunciation in den „Narodni Lisch" diejenigen böhmischen Juden zur Wahl des V. B r e z n o v s k y auf, denen der Umstand genüge, daß derselbe aus Grund des Programmes der freisinnigen National Partei candidirt und dasselbe einzuhalteu versprach. Diese Enunciation enthielt einen weiteren Satz, in welchem den übrigen böhmischen Juden, denen jene Umstände nicht genügen, Wahlenthaltung empfohlen wurde. Dieser zweite Satz wurde durch einen Mißgriff eines Redactionsmitgliedes der „Narodni Listy" ausgelassen. Seitens der verantwortlichen Leitung dieses Blattes wurde wohl, falls wir es wünschen sollten, eine Nachtragserklärung zugesagt, von uns jedoch nicht mehr verlangt, denn unser öffentliches Eintreten für die betreffende Candidatur zu dem uns einzig und allein nationale Principientrene und Disliplin führten, mußte in dem Momente ein Ende finden, wo es den Anschein gewinnen konnte, als ob es eine Folge des Terrorismus wäre, den wir ganz entschieden verurtheilen. lieber das „wenig Jude" oder „mehr Jude" werde ich mit dem Verfasser bezw. Einsender des genannten Artikels nicht rechten. Ich habe mich nie für infallibel gehalten, aber ebensowenig mich fremder Unfehlbarkeit gebeugt. Ich werde deshalb so wie bisher, denjenigen Weg gehen, den ich und meine Gesinnungsgenossen für den richtigen halten. Gegen eine sachliche, nicht mit „famos" und ähnlichen Anzüglichkeiten geführte Kritik kann und werde ich atterdiilgs niemals eine Einwendung erheben. Achtungsvoll Jul. Jak. Schar f, Landtagsabgevrdneter. Kremsier, 20. April. In den ersten Jänuertagen berief Herr Jacob Bloch zur Gründung eines Vereines, dessen Ten- ' denz es ist. die arbeitende Jugend zur Bildung und Geselligkeit . durch Vorträge, Stenographiecurse, Errichtung einer Bibliothek rc.

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