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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-30 · 18 (30.4.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seile 380 Dr. Block s IvochrnlchrM Vtr. 18 Wien, 25. April. Im Tempel der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Schopenhauerstraße 39, fand gestern am letzten Tage Pessach eine patriotische Ovation statt. Anknüpfend an seine Predigt vom erster Pessachtage führte Seine Ehrwürden Herr Rabbiner W. S o r die zwei wegweisenden Säulen „Wolken- und Feuer-Säule" in ihrem Gange durch die Geschichte Israels vor und sagte dann ungefähr: .... Auch dieser Tage erhob sich in der Mitte unserer hiesigen Vaterstadt eine schwere Wolkensäule. Ihre Inschrift zu deuten, müssen wir nicht jeder ein Daniel sein, sie spricht es deutlich genug, „ . .. sorgen zu wollen für die Wohlfahrt derjenigen Bevölkerung, die der Säule zu ihrer Erstehung emporhalf." Mit manchem Bangen nur konnte dies im Kreise der hiesigen Judenschaft aufgenommen werden, die das an sich befriedigende Bewußtsein hat, nicht Schulterstück, nicht Sockel dieser emporgestiegenen, düstern Wolkensäule willig gewesen zu sein. Aber, siehe da, noch am selben Tage stieg eine Lichtsäule von hoch oben hernieder, die einen Gnadenstrahl entsendete und damit hoch erfreute unsere als größte, an der Spitze der Judenheit stehende Cultusgemeinde Wien. Seine Majestät, unser allgeliebter Kaiser hat unserem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n eine Ehren-Auszeichnung verliehen. Ist es wohl auch ein persönliches Verdienst für diesen Mann, der reich an Geist und Wissenschaft, an Meisterschaft des Wortes und an Eindringlichkeit in die empfänglichen Herzen seiner reichen Zuhörerschaar, so ist es noch besonders ein Zeichen huldvoller Anerkennung für die österreichische Judenschast und ihre alt- und vielbewahrte patriotische Gesinnung und verdienstliche Mitwirkung um die Förderung und Hebung von Wohlfahrt und Wohlthätigkeit im Vaterlande. Nachdem nun eifrige, warme Anregung zu patriotischer Hingebung und Treue folgte, schloß der Redner hinweisend auf eine Midrasch-Stelle („08 joschir . . . nochaim kisacho me—os“) etwa also: „ ... auch der Thron der Habsburger steht hunderte Jahre glorreich da, doch festgegründet im Sinne der heiligen Schrift auf voller Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen ohne Unterschied der Confeffion vor dem Gesetze ist der leuchtende Thron der Habsburger erst seit jener Zeit, da Gott der Herr unfern allgeliebten Kaiser Franz Josef I., als den Engel der Gerechtigkeit und wahrhaften Menschenliebe entsendet hat — für den wir nun unser Herz in inbrünstigem Gebet zu Gott erheben wollen. Eine feierliche Andacht der ganzen Gemeinde schloß die würdevolle Kundgebung. Em. Hofsmann. Wien. (Verein „F r a u e n h o r t".) Zum Andenken an Baron Moriz v. Hirsch-Gereuth hielt dieser Verein am 21. April eine Trauerfeier ab, welcher nebst dem Gesammtausschuß auch als Gäste beiwohnten: Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Vicepräsident der Cultusgemeinde Herr Dr. Gustav K o h n, der Präsident des Tempelvereines im IX. Bezirk Herr Gottlieb B e t t c l h e i m, Herr Dr. Moriz Friedländer, Generalsecretär der „Baron Hirsch-Stiftung, Herr Scüuldirector F. Mautner und die Tempelvorsteher Herren Julius K o p st e i n und Wilhelm Pappenheim. Nachdem die Präsidentin, Frau Rosa Zifferer, die anwesenden Gäste begrüßt hatte, hielt sie die Gedenkrede auf den große» Menschenfreund und zeichnete in schönen Worten sein unsterbliches Wirken auf allen Gebieten der Humanität und besonders für unsere bedrängten Glaubensgenossen. Zum Zeichen dankbarer Erinnerung an den großen Philantropen erhob sich die Versammlung. Schriftführerin Frau Rosa Feigenbaum erstattet hierauf den Bericht über den Vereinsschützling, eine im II. Bezirk wohnhafte arme Waise, die Stütze ihrer alten kranken Mutter, welcher an diesem Tage die Zinsen der vom „Frauenhort" zum Andenken an den edlen Verstorbenen geschaffenen „Baron Moriz v. Hirsch-Gereuth-Stistung" verliehen wurden. Herr Director Mautner dankt in seiner Eigenschaft als Waiseninspector im Namen seines Schützlings. Der Sprecher führt weiter aus: In dieser schweren Zeit, in der wir jetzt leben, sei die edle Thätigkeit und das fromme Wirken der jüdischen Frau eine Entschädigung, und ihn fteue es umso mehr, heute die schöne Wirksamkeit des „Frauenhort" hervorheben zu können, da er in seiner Eigenschaft als Waiseninspector das humane Wirken dieses Vereines in verschiedenen Bezirken, bei so vielen verwaisten Familien, die seiner Jnspection unterstehen, zu würdigen Gelegenheit gefunden hatte. Die Präsidentin dankt den Anwesenden für ihre Antheilnahme, und die würdige Trauerfeier war beendet. Wien, 23. April. Am 15. d. M. wurden die Religivnslehrer an den Volks- und Bürgerschulen durch den Schulinspector für den israelitischen Religionsunterricht Herrn Prof. M. Kanitz dem Präsidium der israelitischen Cultusgemeinde vorgestellt. Herr Professor Kanitz hob in seiner Ansprache hervor, daß die Festigkeit, religiöse Unerschrockenheit und Opferwilligkeit der künftigen Generationen des Judenthums in erster Linie von der Berufsfreudigkeit, von der gewissenhaften Pflichttreue und der tactvollen Amtsthätigkeit der Lehrer abhänge. Er müsse als Jnspector des Religionsunterichtes constatiren, daß die Lehrer thatsächlich in aufopferungsvollster Weise ihres Amtes walten. Soll jedoch diese Thätigkeit von vollem Erfolge gekrönt sein, so bedürfen die Lehrer der intensiven Unterstützung des Vorstandes, die er eben Namens des gesammten Lehrkörpers erbitten möchte. Die Präsidenten Herr kaiserlicher Rath Klinger, wie auch Herr Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn versicherten, sie wären von der Tüchtigkeit und gewissenhaften Pflichterfüllung der Religionslehrer überzeugt und es werde stets eine ihrer eifrigsten Aufgaben sein, die Lehrer in ihren schwierigen aber auch schönen und segensreichen Bestrebungen auf das Tatkräftigste zu unterstützen. Wenige Tage später waren wir auch thatsächlich Zeuge, welch' schöne Erfolge schon hie und da beim Unterrichte unserer heiligen Schrift erzielt wurden. Am 19. April fand in der Bibelschule im 18. Bezirke eine Prüfung statt, die wahrhaft erhebend auf alle Zuhörer wirkte. Die Erfolge sowohl im hebräischen Lesen, wie auch in den Uebersetzungen von Gebetstücken aus denk Pentateuch und aus den Propheten erregten geradezu das höchste Erstaunen der Zuhörer. Die Correctheit und Gründlichkeit in allen Disciplinen verursachten geradezu Bewunderung und wir gratuliren den Herren Lehrern zu diesen glänzenden Erfolgen. Besondere Anerkennung gebührt dem Obmanne des Bibelcomites Herrn Emanuel Hoffmann und dem städtischen Lehrer und Religionslehrer Herrn M. Zeckendorf für ihr thatkräftiges, erfolgreiches Wirken. Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß in der letzten Conferenz der israelitischen Religionslehrer die so langersehnte Geschäftsordnung zu Stande kam. Ob diese neue Schöpfung wirklich den Erfolg herbeiführen dürfte, wie wir ihn in dem Währinger Talmud-Thora-Verein bemerkten, wollen wir sehr bezweifeln. Mit Hilfe aller Geschäftsordnungen der Welt, dürfte kaum ein besseres Resultat erzielt werden; das sind Förmlichkeiten, die weder den Kindern, noch der Schule, noch den Lehrern irgend welchen Nutzen bringen. Es ist nur schade um die Zeit, die bei den Berathungen solcher nichtigen Themen verloren geht. Bei aller Anerkennung der Mühe, die sich der Referent bei der Festsetzung der Geschäftsordnung gegeben, glauben wir dennoch, daß es dankbarer gewesen wäre, die Zeit der Conferenzen zu folgenden Themen zu verwenden: 1. Wie kann der hebräische Lese- und Bibelunterricht gehoben werden? 2. Welche Mittel wären geeignet, unsere Jugend mit der Liturgie des Gottesdienstes bekannt zu machen? 3. Wie wäre es möglich, bei den Schülern Lust und Liebe zur Fortbildung für den hebräischen Sprachunterricht zu erwecken? Bei unseren derzeitigen Lehrplänen für den israelitischen Religionsunterricht und bei dem geringen Zeitausmaß, das dieser Disciplin zugemessen werden kann, wäre gerade der letzte Punkt von weittragender Bedeutung; daß es nur in der Hand des Lehrers liegt, hierin die schönsten Erfolge zu erzielen, sei an einem Exempel klar gelegt. Ein Schüler der 3. Classe am Communal-Realgymnasium in der Sperlgaffe, der eine auffallende Abneigung für das Studium der hebräischen Disciplinen an den Tag legte, suchte in letzter Zeit seinen gewesenen Lehrer in der Volksschule auf und bat denselben, ihm eine hebräische Grammatik zu empfehlen, mit deren Hilfe er sich durch Selbststudium fortbilden könnte. Auf die Frage des Lehrers, wie es komme, daß er jetzt fo viel Interesse an der hebräischen Sprache bekunde, gab der Knabe zur Antwort: „Herr Professor K ... hat uns durch seine Vorträge den Gegenstand so interessant zu machen gewußt, daß wir fast alle mehr wissen möchten, als uns in der Schule geboten wird." Ob wohl die neue „Geschäftsordnung" für die Lehrer- Conferenzen ähnliche Erfolge wird aufweisen können? Wir wagen es, zu bezweifeln. Mödling. Geehrte Redaction! Ihnen für die fteundliche Veröffentlichung meiner Zuschrift vom 12. April in Nr. 16 Ihrer sehr geschätzten Wochenschrift bestens dankend, er-

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