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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-30 · 18 (30.4.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 376 Vr Vloch's Wochrnlchrift Nr. 18 diesen französischen Adler trug, war auch einer von unserer Abkunft. So führten wir das Ding auf gern einsame Rechnung aus!" — So erzählt nicht etwa ein böses Antisemitenblatt, sondern die jüdisch-freisinnige „Weserzeitung". So weit die „Hannover'fche Post." Die Erzählung ist hübsch, und in einer antisemitischen Versammlung mit dem gehörigen Pathos vvrgetragen, wird sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Die arische Wahrheitsliebe und Gewissenhaftigkeit im Citireu seitens der „Hannoverschen Post" ist mir verdächtig, und ich wandte mich an die Redaction der „Weserzeitung" um gefällige Quellenangabe der Erzählung. Mit wendender Post erhielt ich darauf folgende Antwort: „Auf Ihre w. Anfrage v. 22. ds. erwidern wir, daß in unserem Blatte so zu lesen stand: „In der „Saturday Review" wird eine heitere Anekdote über die Beziehungen der Rothschild zum Kriege 1870 berichtet. Einer dieser Geldfürsten hatte eine ansehnliche Summe u. s. w. Es ist also eine Anekdote aus der „Saturday Review", sie war uns auf den Redactionstisch geflattert. Wir haben das Ganze, wie wohl jeder nicht übelwollende Leser, als einen guten Witz aufgefaßt, dies auch zum Schluß hinzugesetzt, doch ist durch einen Zufall dieser Passus, der auf einem kleinen Stück Papier stand, fortgeblieben." Die ehrliche „Hannover'sche Post" hat also die einleitenden Worte der „Weserzeitung", die das Ganze als eine heitere Anektode bezeichnten, einfach fortgelassen und es als ein geschichtliches Ereigniß hingestellt, um der jüdischen Tapferkeit einen Hieb zu versetzen. Die Anekdote ist übrigens nicht neu; sie ist in etwas anderer Weise, wenn ich nicht irre, bereits von Maurus Jokai in einer kleinen Erzählung verwandt; vielleicht kennt einer der Leser dieser Blätter den Namen der Erzählung, der mir entfallen. Dr. I. K a y s e r l i n g. Ein iutereffantes historisches Document. Die Münchener „Neuesten Nachrichten" bringen den Wortlaut der Urkunde, die Abfchwörungsformel des sächsischen Kurfürsten August des Starken, welcher vom Protestantismus zum Katholicismus übertrat, um König von Polen werden zu können. Sie ist gegeben zu Baden in Oesterreich, gezeichnet von Christian A u g u st, Bischof zu Raab, am 2. Juli 1667, mithin zweihundert Jahre alt. In der Abfchwörungsformel, die von dem vormaligen katholischen Priester und Lehrer am k. k. Hofkloster der Augustiner zu Wien, R. Fiedler, zum erstenmale im Jahre 1770 veröffentlicht wurde und gegenwärtig handschriftlich in der königl. Bibliothek zu Berlin aufbewahrt ist, lauten die bemerkenswerthesten Punkte: „1. Ich bekenne und glaube, daß der Papst Christi Statthalter sei und nach seiner Beliebung den Menschen die Sünden zu vergeben, zu behalten, in die Hölle zu verstoßen und in den Bann zu thun, Vollmacht habe. 2. Ich bekenne, daß, was der Papst Neues gestiftet hat, es sei in oder außer der Schrift, und was er anbefohlen. Wahrhaftig, Göttlich und Selig sei. welches der gemeine Mann höher achten soll, als die Gebote des lebendigen Gottes. 3. Ich bekenne, daß der Papst das Haupt der Kirche sei und nicht irren könne. 4. Ich bekenne, daß der allerheiligste Papst von jedermann soll mit göttlicher Ehre verehrt werden, und zwar mit tieferen Kniebeugungen, als dem Herrn Christi gebürt. 5. Ich bekenne und beichte, daß der Papst von allen in allen Stücken als ein allerheiligster Vater soll geehrt werden, dannhero sollen solche Ketzer, welche seinen Schriften zuwider leben, ohne alle Acceptiones, ohne Barmherzigkeit nicht allein durch Feuer aus den Mitteln geräumt, sondern auch mit Leib und Seele in die Hölle verstoßen werden. 6. Ich bekenne, daß das Lesen der heiligen Schrift der Ursprung aller Rotten und Secten, wie auch eine Quelle der Gotteslästerung sei. 7. Ich bekenne, daß die verstorbenen Heiligen anzurufen, die heiligen Väter zu verehren, die Knie vor ihnen zu beugen, zu denselben Wallfahrten anzustellen, sie bekleiden, vor ihnen Lichter anzuzünden, gottselig, heilig und nützlich sei. 8. Ich bekenne, daß ein Priester viel größer sei als die Mutter Gottes Maria selbst, als welche den Herrn Christum nur einmal geboren und nicht mehr gebieret bat, aber ein römischer Priester opfert oder verschafft den Herrn Christum nicht allein, indem er will, je nachdem er ihn verschaffet, verschließt er ihn auch. 10. Ich bekenne, daß der Papst Macht habe, die Schrift zu verändern und nach Belieben zu vermehren oder zu vermindern. 18. Ich bekenne, daß die Gebeine der Heiligen große Kraft in sich haben, weswegen sie von den Menschen sollen geehrt und ihnen Kapellen aufgebaut werden. 19. Ich bekenne, daß der römisch-katholische Glaube uuverfälscht göttlich, seligmachend und wahrhaftig, der evangelische aber, von welchem ich gutwillig abgetreten, falsch, irrig, gotteslästerlich, verflucht, ketzerisch, schädlich, aufrührerisch, gottlos ersonnen und erdichtet sei; weil derowegen die römische Religion durchaus gut und heilsam, so verfluche ich also diejenigen, welche mir diese widerwärtige und gottlose Ketzerei unter beiderlei Gestalten hergebracht; ich verfluche meine Eltern, die mich bei dem ketzerischen Glauben auferzogen; ich verfluche auch diejenigen, welche mir den römisch-katholischen Glauben zweifelhaft und verdächtig gemacht, gleichwie auch die, welche mir den verfluchten Kelch dargereicht, ja ich verfluche mich selbst und heiße mich verflucht, weil ich diesen verfluchten Ketzerkelch, aus welchem mir nicht zu trinken geziemt, mich theilhaftig gemacht habe. 20. Ich bekenne, daß die heilige Schrift unvollkommen und ein todter Buchstabe sei, so lange er von dem Papste in Rom nicht erklärt und dem gemeinen Manne zu sehen zugelassen wird. 21. Ich bekenne, daß eine Seelenmesse eines römischen Priesters viel nützlicher sei als hundert Predigten und darum verfluche ich alle dieselben Bücher, die ich gelesen, darinnen diese ketzerische und gotteslästerliche Lehre enthalten, ich verfluche auch alle meine Werke, die ich, so lange ich bei diesem ketzerischen Glauben gelebt, verrichtet, damit sie am jüngsten Gericht nicht etwa (mir bei) Gott etwas verdienen. Ich verspreche auch, daß, so lange ich einen Blutstropfen in meinem Leibe habe, ich mein Kind nicht ferner zu dieser verfluchten Lehre halten, auch mit meinem Wissen nicht zugeben will, daß es durch andere soll dazu gehalten werden, welches ich auch zugleich hiemit in diesem Klafter verlobe, daß es mit meinem Willen darin zu einem Diener Gottes soll auferzogen werden. Ich beschwöre auch, daß ich diese verfluchte evangelische Lehre gänzlich, heimlich und öffentlich mit Worten und Werken, auch das Schwert nicht ausgeschlossen, will helfen verfolgen. Letztlich schwöre ich vor Gott' und den Engeln, auch vor Euch Anwesenden, daß ich weder eine Veränderung, es sei im .weltlichen oder geistlichem Stande machen, weder aus Furcht noch aus Gunst von dieser römischen, katholischen und göttlichen Kirche einmal abweichen, noch zu der verfluchten evangelischen Ketzerei wiederkehren, noch dieselbe annehmen will. Zur Bekräftigung meines Eides empfange ich zugleich das heilige Abendmahl und lasse auch dieses mein schriftliches Bekenntniß in das heilige Kirchenbuch aufheben, welches ich eigenhändig unterschreiben auch geschrieben Hab." Das Document bedarf weiters keines Commentars — es spricht für sich allein ganze Bände. Sch. Dr. S. N. Weitz. Literarisches Charakterbild von Heinrich G l ü ck s m a n u. (Aus dem am 15. April im „Wissenschaftlichen Club" gehaltenen Vortrage.) Im Saale des Wissenschaftlichen Club hielt am 17. d. M. der Schriftsteller Heinrich Glücksmann einen Vortrag über den verstorbenen Lyriker S. A. Weiß. Von der stimmungsvollen Einleitung bis zum allzufrüh erfolgten Schluffe war es ein Meisterstück literarischer Porträtirkunst und rednerischer Vollendung, was Glücksmann dem überaus zahlreich erschienenen Publicum bot. Zug um Zug erstand die bedeutende Physiognomie des verstorbenen Dichters vor unseren Augen, gespannt folgten wir den Schicksalen des Schwergeprüften von Anfang bis zu Ende, und rauschender Beifall belohnte Glücksmann für die fein pointirten Reeitationen mehrerer Gedichte, die er mit geschickter Hand den Werken von S. A. Weiß entnommen hatte. Auf unsere Bitte wurde uns von befreundeter Seite ein Auszug des Vorttages zur Verfügung gestellt, welchen wir nachstehend zum Abdruck bringen: j Die Natur selbst läßt es nicht zu, daß wir uns i^ diesen 1 Tagen des Gedankens und des Glaubens an Auferstehung er- 1 wehren. Sie übt an uns tausendfältige Suggestion. Auferstehung

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