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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-30 · 18 (30.4.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Seite 373 Dr. Vloch's WochenfchrM. theilen kann. Gegen diese gibt es nur ein Mittel, das ist die Entziehung des Rechtes zur ärztlichen Praxis. Aus die Anspielung eines Redners, daß dieses jus gladii nur zu ost in Anwendung kommen könnte, wenn ein antisemitischer Ehrenrath über einen jüdischen Arzt zu Gericht sitzen würde, erklärt Doctor Gruß mit Emphase, er bekenne sich zwar als Antisemit, der antisenntische Richter aber, der einen jüdischen Arzt ungerecht verurtheilt, sei ein Schurke (was ist vom antisemitischen Standpunkte einem Juden gegenüber ungerecht? Anmerkung der Redaction.). Docent Dr. Max Herz erklärt im Namen mehrerer ärztlicher Vereine, als deren Delegirter er in dieser Versammlung spreche, die beabsichtigte Erweiterung der Disciplinargewalt als eine Polizeimaßregel, die dem ärztlichen Stande nicht ziemt, da die Aerztekammer schon jetzt über geeignete Mittel verfüge, um einige wenige Mitglieder, die sich gegen die Standesehre vergehen, zu strafen. Dr. Ignaz Weiß spricht im Namen des ärztlichen Vereines des II. Bezirkes gegen den Antrag und schlägt vor, denselben dem Aerztekammertage zuzuweisen. Dr. Julius Stricker bezeichnet den Antrag als „brutal", worauf sich ein Tumult erhebt, der mit einem Ordnungsrufe seitens des Vorsitzenden, Primarius Dr. Heim, endet. D r. H e i n r. Weiß bezeichnet den Antrag als Ruin für die Aerzte und beantragt Uebergang zur Tagesordnung. Es sprechen noch Dr. K o r n f e l d, Dr. Pins und Dr. T e l e k y gegen den Antrag. Bei der Abstimmung wird der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung abgelehnt, ebenso der Antrag des Wiener Aerztevereines. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Der Antrag des Dr. I. Weiß, auf dem nächsten Kammertage die erforderlich erscheinenden Aenderungen des Kammergesetzes iit Berathnng zu ziehen, wird unter stürmischem Beifall angenommen mit dem Zusatzantrage Dr. Herz', es sei nicht angezeigt, eine Erweiterung der Disciplinargewalt der Kammer eintreten zu lassen. Als charakteristisch für die Methode der Antisemiten sei erwähnt, daß sich für ihren Antrag, der angeblich im Namen von 325 Aerzten eingebrachl wurde, bei der Abstimmung nur 71 Mitglieder erhoben. Vom Jahrmarkt des Lebens. „Zionismus" und „Nationaljudenthum." In Bezug auf eine Bemerkung in dem letztwöchentlichen Artikel des Herrn Dr. Theodor Herzl, betreffend den Chief-Rabbi von London Herrn Dr. Adler, entnehmen wir einem ausführlichen Schreiben des Herrn Aron Marcus in Podgorze nachstehenden Brief, welcher auch von historischem Interesse ist. Es ist ein hebräisches Schreiben, von welchem Herr Aron Marcus uns nachstehende Uebersetzung übermittelt: Brigthon, Donnerstag, 21. Tebet 5645. Herrn Samuel Mohilewer, Rabbiner in Bialystok! Ihr Geehrtes vom Neumond Kislew habe erhalten, und wenn auch die Liebe zu Jerusalem wie Feuer in meinem Herzen brennt, so bin ich doch zu alt und zum Curgebrauch gezwungen.' Ich hoffe jedoch auf Gottes Hilfe, den Colonisationsverein unterstützen zu können, wie ich dies treu in Gesellschaft des edlen Moses Montefiore gethan habe. Und des Vaters Wunsch ist auch der meiner Söhne, des R. Naftali und des besonders frommen Marcus, deren ganzes Sinnen und Trachten auf die Rettung unserer armen Brüder geht, um ihnen auf heiligem Boden Ansäßigkeit zu schaffen. Aber unsere Haute finance will abwarten, ob die Colonisten wirklich zur Feldarbeit tauglich sind, einstweilen haben sie für die jüdischen Handwerker in Jerusalem große Beträge gespendet, aber auch den hiesigen Zionverein unterstützt. Gott erhöre Zion mit dem Gebete Ihres Verehrers Nathan Adler, Chief-Rabbi. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Geehrter Herr Redaeteur! Die Controverse Dr. Herzl contra Dr. G ü d e m a n n ist zu interessant und wichtig, als daß nicht Jeder, der sich für Zeitfragen interessirt, zu derselben Stellung nehmen sollte. Gestatten Sie mir mit diesen Zeilen, um deren Veröffentlichung ich ersuche, diese Stellungnahme, wie ich gleich betonen will, als Parteigänger des Herrn Dr. G ü d e m a n n. Ich bin von der Ansicht durchdrungen, daß der Zivnismus, welcher ja in seinen letzten Zielen undurchführbar ist, zu einer Entfremdung seiner Anhänger von ihrem derzeitigen Vaterlande führen muß, an welchem wir Juden trotz Allem und Allem festhalten müssen. Die Entwicklung der Menschheit liegt, wie sehr auch die Gegenwart dem widersprechen mag, nicht in der Richtung der Nationalität, sondern der Humanität. Die heutigen Kämpfe sind Phasen, und die Judenfrage wird unfraglich ihre heutige Bedeutung verlieren. Ich habe wohl den Vortheil, zu den von Herrn Dr. Herzl so verpönten reichen Inden zu zählen und als solcher die Besserung der Verhältnisse ruhig abwarten _ zu können, allein meine Ansicht entspricht nicht dem Egoismus, sondern der altruistischen Erkenntniß, daß diejenigen, wie rein auch ihre Absichten sein mögen, dem Judenthum einen schlechten Dienst erweisen, welche, den Zionismus verbreitend, dasselbe von dem in der jüdischen Religion begründeten Ideale des reinen Menschenthumes, auf welches es bisher mit Recht stolz war, abdrängen, und es zu den Fehlern und Jrrthümern verleiten, welche wir an Nichtjuden bekämpfen. Herr Dr. H e r z l, dessen hohe Gesinnung und Einsicht ich nicht verkenne, spielt mit dem Feuer, denn sein Zionismus ist in seinen letzten Zielen ein ökonomischjüdisches Ideal, etwa im Sinne der Baron H i r s ch'schen Colonisations-Jdee, und er bedient sich des jüdischen Chauvinismus nur als Vorspann, für seine Ideen, während sein ''Anhang die Bewegung politisch anffaßt und mißbraucht. So begreiflich auch der Zionismus als Gegenbewegung des Antisemitismus, welcher die Juden social und national ächtet, in den Kreisen der Jugend als Aeußerung ihres, wenngleich mißleiteten' Idealismus ist, in den Kreisen ernster, nicht nur saiurirter Männer darf er keine Förderung finden, denn die jüdische Humanitäts-Idee war und bleibt der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, was auch die nächste Zukunft bringen mag. Die Gründung eines Judenstaates ist ebenso undurchführbar, wie das antisemitische wirtschaftliche Programm, das sollten die Mitglieder dieses großen Gründungs-Syndicates vermöge ihrer gerühmten jüdischen Einsicht denn doch bald zugeben lernen. Achtungsvoll Ein Reicher. Deutsche Treue — christliche Moral. Ja, die Wiener, die haben's gut. Da nicht jeden Tag die große Comödie einer Lueger wähl inscenirt werden kann, so veranstaltet man zur Abwechslung das kleine Wurstelspiel einer S t r o b a ch wähl. Ob nächsten Sonntag dem jubelnden Wien als zweite Auflage des Lueger- Hochamtes ein S t r ob a ch - Hochamt veranstaltet werden wird, das ist zur Stunde noch unbekannt und uns höchst gleichgiltig, genau so gleichgiltig. wie die Thatsache der Wahl S t r o b a ch's zum ersten Vicebürgermeister. Der Lueger hat seinen S t r o b a ch, der Hausherr seinen Hausmeister. Ganz gleichgiltig, ob die commuualen Ehrenstellen mit diesem oder jenem S t r o b a ch besetzt werden. Aber die Wahl gerade dieses Mannes hatte eine gewisse Pikanterie durch oen Umstand, daß 93 Stimmen auf seinen Namen entfielen. Man erinnert sich daran, wie die sogenannten deutschnationalen Antisemiten sich in die Brust warfen, wie sie Lueger den Gehorsam verweigerten, wie sie den Größenwahn an den Tag legten, kein Pappendeckel zu fein, sondern lebende Menschen, wie sie behaupteten, nicht Sägespäne, sondern wahrhaftes rothes Blut im Leib zu haben, wie sie revoltirten und mit ziemlichem Geschick die Scene aus der „Puppenfee" spielten, wie Wurstel und Hampelmann sich gegen ihren Besitzer auflehnen und sich plötzlich auf eigene Füße stellen. Jetzt hat es zwölf Uhr geschlagen, jetzt hat der Zauberspuk sein Ende. „Besen, Besen sei gewesen." Dr. Lueger ist die soi äisant-Geister, die er allerdings nicht rief, wieder los. die deutsch-nationalen Krampusse haben sich in ihrer ganzen gedörrten Zwetschkengefährlichkeit heraus gestellt. Der Rütli-Bund dieser Schweizer aus Hernals und Ottakring ist gesprengt, nicht nur vor dem Geßlerhut L u e g e r's machen diese Herren ihre Reverenz. Dr. Lueger hat nicht einmal nothwendig, seinen Hut auf einer Stange aufpflanzen zu lassen und die gebührende Reverenz zu verlangen, er kann seine abgelegten Hüte ruhig einem jüdischen Hausirer verkaufen. Er braucht' blvs seinen abgelegten S t r o b a ch aufzustelleu. S t r o b a ch hat bei der Bicebürgermeisterwahl auch die Stimmen der Deutsch-Nationalen erhalten, was man deutsche

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