Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr. Vlortz's Wochrnfttzrtst. Seite 365 Schluß ein dankbares Hoch ausbringen auf die Jüdisch-Akademische Lese-Gesellschaft, welche uns versammelt hat. (Langanhaltender Beifall.) Ein Trinkspruch ans Dr. F i a l l a, welchem das Verdienst gebührt, die Lazarus-Woche in Wien veranstaltet zu haben, veranlaßte diesen zu nachstehender beifällig aufgenommenen Rede: D r. F i a l l a: Verehrte Versammlung! In diesem Kreise heute als Gast das Wort zu ergreifen, ohne das Glück zu haben, Professor Lazarus zu sein, heißt der angenehmen Versuchung ausgesetzt zu werden, diesem Manne, der in der doppelten Majestät der Wissenschaft und des Alters diesen Abend verherrlicht, seine Huldigung darzubriugen. Und wenn dies, wie es nicht ist, heute auch meines Amtes wäre, ich könnte diesen Hymnus nicht prägnanter und charakteristischer einleiten, als mit den stolzen Worten, die Goethe seinem großen Freunde, dem gleichgeordneten Dichterfürsten für alle Ewigkeit gewidmet hat: „D e n n e r i st u n s e r!" Und dieses freudige Gefühl, gewonnen aus den Schützen des Schriftthmns unseres großen Meisters, war es auch, welches mich bestimmte, ihm die Bitte zu unterbreiten, hieher nach Wien zu kommen und in seiner prophetischen und patriarchalischen Weise, er, der u n s r i g e, mit seiner erlauchten Gattin, die die unsrige g e w o r d e n, einen Mahn- und Weckruf unserer Gemeinde zu offenbaren, die, wie mir scheinen wollte, desselben dringend bedurfte. Und nun wird für diese meine Initiative der Dank ausgesprochen. Es wäre unaufrichtig, denselben zurückzuweisen. Es darf mir und dem „Politischen Volksvereine", an dessen Spitze zu stehen ich die Ehre habe, das Gefühl der Befriedigung gegönnt bleiben, eine Veranstaltung augeregt und durchgeführt zu haben, die, nach dem Eindrücke zu urtheilen, den unser großer Lehrmeister mit seinem Vortrage auf die lauschenden Zuhörer gemacht, die nach dem Geiste zu urtheilen, der seit seiner Anwesenheit unsere Gemeinde durchweht, geradezu als ein „kidusch hasehem" bezeichnet werden darf. (Lebhafter Beifall.) Und für diese „Heiligung des Namens" konnte kein würdigerer Vertreter, kein erhabenerer Repräsentant gefunden werden, als der Meister, der Forscher, der Denker, den wir mit Recht den Lehrer unserer Lehrer nennen. Und doch, verehrte Anwesende, war es auch eine Andacht, gefeiert auf den Höhen des religiösen Geistes, auf den Höhen der Ideen des Judenthums, würdig des Mannes, der gewohnt ist, in seinem Berufe seit jeher nur aus dem Tiefelk, Unendlichen und Heiligen zu schöpfen, — war es eine solche Andacht auch, die uns beschieden war, der Zweck wäre nicht vollständig, würde es nur bei diesem tiefen, möglicherweise aber doch verrauschenden Eindrücke bleiben. Der Gesichtspunkt, der den Veranstaltern dieses Feste s, möchte ich sagen, vorschwebte, er war ein weitergehender, ein tieferer; er deckt sich mit den Worten unseres verehrten Meisters, die er in seinem ersten Antwortschreiben auf meine Einladung an mich gerichtet hat: „Es wird der Zweck sein, (der Z'.veck dieser völkerpsychologischen Betrachtung, mit der er uns beglückte), daß die Zuhörer über das Wesen ihrer Religion in erhebender Weise aufgeklärt und in ihrem Selbstbewußtsein geläutert und gestärkt werden". Und wenn es diesem Bortrage gelungen ist, diese Läuterung und Stärkung wirklich in uns oder doch in einenr großen Th eile von uns Hervorzurufe», dann ist die Ausgabe segensreich erfüllt, der Zweck erreicht, alle Mühe belohnt, denn dann haben wir dauernde Vortheile, fortwirkende Segnungen davon zu verzeichnen. Allerdings, die ethische Wirkung, den großen, tiefen Eindruck aust Herz und Gemüth, den* kann der Redner, der Meister schaffen. Die Fortbildung und Fortentwicklung dessen aber, was in uuser Gemüth gelegt wurde, das ist eines jeden Einzelnen Sache und Aufgabe, dazu gehört die Mitwirkung des Individuums selbst, das zur Ausgestaltung und Lebensfrucht gedeihen zu lassen, was als geistiges Samenkorn in sein Herz und seinen Geist gelegt wurde. (Bravo). Und hiemit tritt die Pflicht an uns, an jeden Einzelnen heran, im realen Leben das zu bekunden, was uns hochgestimmt aus den Eröffnungen und Offenbarungen unseres großen Gelehrten erfüllt. Wir haben Läuterung und Stärkung unseres Selbstbewußtseins gesucht und gefunden, wir sollen und müssen sie aber auch im Leben bethätigen! Wir müssen uns dessen inne werden, daß jeglicher Abfall zur Sünde und zum Verrath wird (Beifall), sei es jener geheime Abfall, der den Muth nicht hat, sich zu bekunden und sich innerlich vollzieht, sei es der äußere Abfall, der überdies eine schwere Pflichtverletzung gegenüber der Gesammtheit bekundet. (Beifall.) Unser ausgezeichnete Gast sagt in seinen Schriften an einer wunderbaren Stelle: „Treue ist die Wurzel unserer Religion, wie unsere Religion die Wurzel unserer Treue ist." Diese Treue haben wir zu bewahren, diese Treue uns und unserer ganzen Stammesgenossenschaft. Die Pflicht des Inden erschöpft sich nicht mit den Rücksichten gegen sich selbst; jeder Einzelne von uns hat gesteigerte Pflichten gegen die Gesammtheit seiner Genossen und umsomehr, je größer die Bedräugniß, je größer die Anfeindungen sind, der unser Volksthum, unsere Religion, uuser Glaube preisgegeben ist (lebhafter Beifall), und ich kann nicht umhin, in diesem Sinne, da wir unter dem Zeichen des Professor Lazarus vereiniget sind, noch eine Stelle aus dem unerschöpflichen Borne seiner Schriften zu citireu, die da lautet: „Die Genossenschaft, und zwar die unsrige, die Geuossenschaft wird gezählt und gewogen nach ihren Angehörigen, und darum ist es Pflicht gerade derer, die hoch hinaufsteigen in irgend einer Weise, in bürgerlicher Stellung, in Fähigkeit oder Leistung, ihre Pflicht ist es am meisten, b e i den Ihrigen zu bleibe n." Das ist ein Appell, den wir nicht genug beherzigen können, ein Appell, gerichtet au Diejenigen, die bereits etwas geworden sind, und nicht minder au Diejenigen, di.' berufen erscheinen, etwas Tiichtiges und Vollkommenes zu werden. Zu seiner Erfüllung gehört nichts anderes als das stolze Gefühl, als das Bewußtsein, in der Religion, der wir angehöre», jenes kostbare Juwel zu besitzen, welches nicht seinesgleichen hat in der Culturgeschichte aller Welten mit» aller Zeiten, und aus diesem Bewußtsein wird der Mikth ersprießen, diese Religion, allen Wiedersachern gegenüber nach Außen zu bekennen, zu vertheidigen, hochznhalten und am allermeisten selbst mit Ueberzeugung in ihr zu verharren. Dieser Muth soll Niemandem von uns fehlen, nichts darf, ihn zu bethätigen, uns beirren oder abschrecken, auch nicht die traurige Gestalt unserer derzeitigen Verhältnisse, die — mögen sie uns noch so sehr umdräuen — sich verlaufen müssen, unterliegen müssen und werden gegenüber dem uttverlileidlichen Siege des Rechtes und der Gerechtigkeit, mag dieser auch beklagenswerth lange auf sich warten lassen. Nicht ruhen und nicht rasten soll darum auch unser Kampf für Religion und Stamniesart, ein Kampf, zu führen nach jenem Mahnworte, welches wir heute aus berufenem Munde vernommen haben: „Mäßigung und Läuterung durch Weisheit und Nützlichkeit". Es wird oft ein größerer Muth dazu gehören, sich den Anforderungen dieser Weisheit und Mäßigung unterzuordnen, als in etwa überschäumendem Kraftgefühl das richtige Maß zu überschreiten und die eigenen Ziele dadurch in noch weitere Fernen zu schieben. (Lebhafter Beifall.) Sie haben das heutige Fest mit einem Gesänge eröffnet, mit der» „Gaudeamus", welches immer und in jeder Lage das Herz eines Studenten und eines Jeden, der ein solcher gewesen, innig berührt. Ich möchte aus diesem studentischen Weckrufe das „G" streichen aber Ihnen zurufen: nicht blos „Gaudeamus", sondern auch „audeamus"! Freuen wir uns nicht blos, sondern wage n wir auch, wagen wir es, unserer Freude Ausdruck zu geben, aber auch als das zu scheinen, was wir sind: Juden mit Herz u n d G e m ü t h, unter Aneignung der besten Eigeuschafteu dieses Stammes, in jeder Lebenslage für und für! Darum rufe ich Ihnen zu: nicht blos „G a u d ea m u s", sondern auch „Audeamu« igitur"! (Lang anhaltender stürmischer Beifall.) Wahlerlebniffe in Galizien. In der „Volksstimme", dem officiellen Organ der demokratischen Partei veröffentlichte der Redacteur des Blattes, Herr Siegfried Fleischer eine Serie von Artikeln, in welchen er seine Erlebnisse gelegentlich der jüngsten Wahlcampagne in Galizien oiittheilt. Herr Fleischer war im Aufträge seiner Parteileitung mit einem Einpfehlungsschreiben Dr. Kronaw e t t e r's nach Galizien abgereist, und er war Zeuge jener merkwürdigen Wahlvorgänge, die zum Siege des Dr. Byk in Brody führten, während die Wähler den Dr. Bloch in den Reichsrath entsenden wollten. Dr. Bloch erklärte aber, daß er es ablehne, zu eandidiren, daß er aber eine aus spontaner Entschließung der Wählerschaft hervorgegangene Wahl an« nehme, wenn mit derselben nicht die Verpflichtung des Bei