Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr. Vlvch's Wochen fchrist. leiden. Meine ganze Theilnahme wendet sich in der Regel den Verfolgern in dem Maße zu. daß ich darüber den Schmer; der Verfolgten übersehe. Meine Thränen des Mitleides mit den Ruchlosen fließen so reichlich, daß mir keine mehr für die bleibt, denen die Wunden gechlagen werden. Mein Vortrag hatte nur die Tendenz, der spanischen Cultur, deren Grab die unselige Verbindung von Thron und Altar gewesen, eine Leichenrede zu halten. Zu diesem Zwecke entwarf ich ein culturhistorisches Bild, das die Blüthe der Künste und Wissenschaften auf der Pyrenäischen Halbinsel aus der Epoche reflectire, wo die christliche Toleranz noch nicht Wurzel gefaßt hatte, zeigte auch an der Hand geschichtlicher Daten den Antheil der Juden an diesem Culturausschwung. Weiter schilderte ich den allmäligen Verfall der Cultur. der mit der Verquickung von Religion und Politik begonnen. Endlich ließ ich von zwei christlichen Zeugen aus dem 16. Jahrhundert, dem deutschen Reisenden Niclas Niclai und dem venetianischen Fürsten von Soranzo, den kulturellen Aufschwung bestätigen, den die Türkei „mit der Christenheit großen Schaden und Nachtbeil" durck Aufnahme der aus Spanien vertriebenen Juden erfuhr. Das die Quintessenz meines Vortrages. Vielleicht dürste noch die geschätzten Leser dieses Blattes eine Beschwerde interessiren. welche der „christlich e" König von Frankreich, Heinrich II, beim „mohammedanischen" Sultan Sulaiman gegen Don Josef Rast geführt. Diesem schuldeten nämlich sämmtliche europäische Souveränen große Summen aus der Zeit noch, wo er in Europa gelebt. Und als er in der Türkei eine Zuflucht gegen die Nachstellungen der Inquisition gefunden, forderte er von Frankreichs gekröntem Haupte die Summe zurück, die er ihm geliehen. Da ließ er durch seinen Botschafter in Constantinopel beim Sultan die Beschwerdeüber den Hochmnth des JudenNasi anbringen, der sich vermaß, von ihm sein Geld zurückzufordern. „Religion nnd Gesetz" heißt es in der Beschwerdeschrift, „verboten ibm, dem christlichen Herrscher, einen Juden Schulden zu bezahlen." Aber zum Glücke war der Herrscher des Halbmondes, der Berständniß genug besaß, um die volitischen Dienste voll und ganz zu würdigen, die ihm Josef Rast geleistet, solchen religiösen Gesetzen nicht zugänglich. Dr. Simon Wolfsohn, Rabbiner. Stanidlan. Die Hiesige städtische Sparcasse hat beschlossen, vom Reingewinne des Jahres 1866 einen Betrag von 7430 fl. ö. W., humanitären nnd gemeinnützigen Zwecken zu widmen und bedachte die jüdischen Institute mit ansehnlichen Beträgen. Es erhielten an Subvention: die polnisch-jüdische Schule 100 fl. ö. W. der Unterstützungsverein jüdischer Ghmnasialschüler 80 fl., der Frauenwohlthätigkeitsverein 100 fl., Volksküche 250 fl.. Cbesed Weemes 100 fl., Dorschei tow 30 fl., Linas hazedek 30 fl.. Marbizei thoru 50 fl.. Jadcharuzim 30 fl., Agudas Achim 50 fl. u. s. w., ferner erhielt der Tempelbaufond 100 fl. ö. W. Der größten Anstrengung der antisemitischen Horde, trotz Gründung eines antisemitischen Sudelblättchens und lebhafter Agitation, ist es bis nun nicht gelungen, das gute Einvernehmen zwischen den hiesigen Bürgerm verschiedener Confession zu stören. In Anbetracht der hohen Intelligenz der hiesigen Bevölkerung, werden hier Zustände wie — — — anderswo hoffentlich niemals Platzgreisen. F. Berlin. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin, Königin von Preußen. Augusta Victoria, hat dem von Herrn und Frau Moritz M anh eim er erbauten Hospital der jüdischen Gemeinde mittelst Cabinetsschreiben vom 18. d. M. eine Zuwendung von 10.000 Mark gemacht, mit der Allerhöchsten Znsage, die Räume der Anstalt in Bälde in Augenschein zu nehmen. Grünberg f. Lchl., 30. März. Die Diamanthochzeit feiert heute im Kreise der Familie, umgeben von vier Kindern, zehn Enkelkindern und zwei Urenkeln, das Isidor P i n c u s'sche Ehepaar Hierselbst. Der Jubelgreis hat bereits das 92. Lebensjahr überschritten, während die Jubilarin ink 80. Lebensjahre steht. Mittags 12 Uhr erschien bei dem hochgeachteten Ehepaare der Vorstand der Synagogengemeinde, dem sich Abgeordnete des Magistrats- und Stadtverordnetencollegiums sowie Landrath v. Lamp recht anschlossen. Nach einer Ansprache des Predigers Dr. Samt er überreichte der Landrath dem Jubelpaare unter beglückwünschenden Worten die E h ejubiläumsmed aille. Zur Feier des seltenen Ehrentages ist eine Tochter des würdigen Paares ans Amerika herübergekommen. Zittau, 30. März. Der Begründer der bekannten Textilwaarenfirma I. T. Brendler in Reichenau, Herr Johann Tobias Brendler, ist am Sonntag Abend im Alter von 82 Jahren gestorben. Derselbe hat unter den bescheidensten Verhältnissen seine erfolgreiche Laufbahn begonnen. Einst faß er selbst hinter dem Handwebstuhl heute sind in seiner Fabrik weit über 600 Arbeiter beschäftigt. Außerdem gehören dem Verstorbenen mehrere Seite 355 Landgüter, was ihn jedoch nicht abgehalten hat, Mitglied des Schutzverbandes gegen agrarische Uebergriffe zu sein. Brandenburg, 30. März. Den Reichsverband jüdischer Lehrer hat der Brandenburgische Provinzialverband zwecks Hebung der socialen nnd materiellen Lage der jüdischen Lehrer, nach der „Post", zu veranlassen beschlossen, an geeigneter Stelle dahin zu petitioniren, daß die Kündigung von Beamten seitens der Gemeinden der behördlichen Prüfung und Genehmigung 51t unterliegen habe nnd daß ferner nur staatlich geprüfte Lehrer in Zukunft angestellt würden. Weilburg, 14. April. (B e e r d i g u n g s f e i e r.) Ungewöhnlich groß war das Geleite, das heute unseren! Mitbürger Herrn C 0 m m e r z i e n r a t h Rudolf Herz zu seiner letzten Ruhestätte folgte. Aus Nah und Fern waren die zahlreichen Freunde herbeigeeilt, ihm die letzte Ehrung zu erweisen; Magistrat und Stadtverordnete folgten dem Sarge; Abordnungen der Corporatiouen und Bereinigungen, denen der Verblichene angehört hatte, waren erschienen, auch der fürstliche Hof zu Braunfels hatte seine höchsten Beamten zur Vertretung entsendet. Schier unermeßlich war die Blnmenfülle, bestimmt, das Grab zu schmücken. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dvctvr Landau herzliche Worte, die den Todten ehrten und die Nachlebenden zur Nachahmung aneiferten. Herr Dr. L a q u e r, als Sprecher der Freimaurerloge „S 0 k r a t e s" z u F r a n k f u r t, feierte den Verblichenen als treuen Genossen, der die edlen Zwecke der Freimaurer-Bruderschaft auf's Reinste und Treueste zu erfüllen gestrebt hat, und spendete ihm drei Rosen in's Grab, die einzige Ehrung, welche die Loge zu vergeben hat. Noch sprach Herr Oberlehrer Krausban er als Vertreter der hiesigen Freinlaurer-Bereinigung und Herr Apotheker Corcilius als Vertreter des Magistrats und der Stadt. BreSlan, 14. April.Das „I s r a e li t i s ch e M ä d ch e ritz eim" zu Breslau gibt soeben seinen Rechenschaftsbericht für die Jahre 1864 bis einschließlich 1866 heraus, dem wir Folgendes entnehmen: Das Mädchenheim, welches im. September 1861 mit 7 Mädchen eröffnet wurde, hat bis jetzt deren 68 zur Ausbildung für ihren Beruf ausgenommen, unter denen sich vier befanden, die zum zweiten Mal vorübergehend Aufnahme geftlnden hatten, weil sie zur Zeit stellungslos waren. Augenblicklich befinden sich in dem Institute siebzehn Mädchen. Für diese Alle war das Mädchenheim ein Segen, keine ist mißrathen. Die Meisten haben ein Unterkommen in der Heimat, und die Uebrigen in Oesterreich-Ungarn, besonders für's Erziehungsfach, gefunden. Die Auswärtigen stehen in schriftlichem, wie die hiesigen in persönlichem Verkehr mit dem Müdchenheim, und alle denken mit Liebe an die Wohlthaten, die sie in demselben genossen haben.. Diese Erfolge sind in erster Reihe der werkthätigen Mithilfe von 580 beitragzahlenden Mitgliedern zu verdanken. Dem Vorstände sind zwei Mitglieder, Frau Laura T r e u e n f e l s und Herr Isidor Freu n d, durch den Tod entrissen worden. Das Vereins- Vermögen des Mädchenheims bestand laut dem Rechenschaftsberichte am 1. Jänner 1897 aus baar M. 4218°71, aus 3'/.percentigen Posener Creditscheinen M. 11.000, aus 4perceutigen Schlesischen Landescultur-Rentenbriefen M. 500, also zusammen aus M. 15.718,71. Vennilchtes. Wien. (O e st e r r e i ch i f ch - Israelitische U n i 0 n.) Donnerstag den 26. April l. I., halb 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner, l., Schottenring 16, die elfte Generalversammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Caffabericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. Wien. (T r a u n n g.) Sonntag den 25. April, 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Leopoldstadt, die Trauung von Frl. Anna Weiner, Tochter des Herrn Philipp Weiner aus Wien, mit Herrn Ludwig Weiß aus Neubidschow, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 2. Mai l. I., 12 Uhr Mittags, findet im israelitischen Tempel Tabakgasse zu Budapest die Trauung des Herrn Dr. Paul Cohn, des Sohnes des Cultusvorstehers Herrn Salo Cohn in Wien, mit Frl. Jolau Weiß aus Budapest statt.