Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 356 Dr. Nloch's Wochrnkchrifl. Nr. 17 Wien. (Verlobun g.) Fräulein Helene Friedländer, Tochter des Generalsecretärs der Baron Hirsch-Stiftung, hat sich mit Herrn Theodor Rotter, Beamter des Wiener Bankvereines, verlobt. Wien. Kaiserlicher Rath Ignaz Wilhelm wurde in den Vorstand des isr. Bethausvereines für den IX. Bezirk cooptirt. Wien. Wie wir erfahren, hat die israelitische Allianz zu Wien einer ansehnlichen Anzahl von armen jüdischen Geschäftsleuten, die bei den anläßlich der jüngsten Reichsrathswahlen in der Leopoldstadt stattgefundenen antisemitischen Excessen Schaden erlitten, Aushilfe gewährt, um die Betreffenden wieder in den Stand zu setzen, ihrem Berufe nachzugehen. Wien. Der emeritirte Fürst Palffy'sche Leibarzt Herr Dr. Samuel Kadisch vollendete am 16. d. M. in geistiger und leiblicher Frische sein neunzigstes Lebensjahr. Er beging diesen Ehrentag im Hause seiner ältesten Tochter, Frau Adelheid G e i r i u g e r, wo er sich seit drei Decennien der opferfreudigsten Liebe und Treue erfreute. Ihn umgibl eine zahlreiche Schaar von Kindern, Enkeln, Urenkeln, Verwandten, Freunden und Verehrern, unter ihnen sein Schwiegersohn Herr Rabbiner Dr. Ungerleider aus Berlin. Sie segnen sich allesammt mit dem ehrwürdigen Patriarchen, der aus eine lange heil- und segenschaffende Vergangenheit zurückblicken kann. Wir wünschen dem Jubilar, daß die gottgeweihte Krone des Greisenalters, die er auf dem Wege der höchsten menschlichen Tugenden gewonnen hat, noch lange sein ehrwürdiges Haupt schmücken möge. Wien. (Spenden für das Inserat: „I n st ä n d i g st e Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns von Ungenannt Wien 5 fl.; Herrn Jacob Bodek, k. k. Postamtspi aktikant, Lemberg 50 kr., Frau Rosa Pollak, Wien, II., Untere Donaustraße 39 5 fl.; Rudolf, Clara, Jagnes und Fritzi Unreich 2 st., zusammen 12 fl. 50 kr. zugekommen, welche wir der Bestimmung zugeführt haben. 8. B. Wien. Schachmeister Steini tz, welcher derzeit in Wien weilt, schreibt ein Werk: „D a s Judenthum im Schach", in welchem er die antisemitische Frage in eingehender Weise erörtert. Steinitz beabsichtigt, ein Cömite einflußreicher Persönlichkeiten zu bilden. Es ist ja bekannt, daß dieser mit zahlreichen hochstehenden Personen in Relation steht, denen er durch seine Kunst nahe getreten ist. Mit Hilfe dieser Verbindungen will Steinitz sein Werk dem Kaiser von Rußland vorlegen, um an dieser höchsten Stelle Rußlands die Juaenfrage zur unmittelbaren Erörterung zu bringen. Außerdem arbeitet Steinitz an einer Erfindung, die darin besteht, daß er einen Telephonograph zu construiren versucht, der ohne Draht functivniren soll. Wien. (R u d o l s s b u n d.) Am 7. d. M. hielt dieser Verein seine achte ordentliche Generalversammlung ab, in welcher dem Ausschuß für das Jahr 1897 das Absolutorinm ertheilt wurde. In den Ausschuß wurden neu-, resp. wiedergewählt die Herren: Josef Pollak, Obmann, Ignaz Schufte r, Obmann- Stellvertreter, Tobias P ö ck, Schriftführer, Josef Grün w a l d, Schriftführer, Emanuel Taub, Cassier, Jacob L ö w i n g e r und Moriz Bondi, Controlore, Gustav Weiß, artistischer Leiter, weiters die Herren Sigmund Beck, Leopold Blumen-, t h a l, Dr. Julius F l e ch s, Dr. Leopold B r a d y. Samuel Goldfarb, Adolf Hassan/ David Lustig, Alois Stia ß n y, Ignaz Weiß, Max Weiß, Benno Vogel. Wien. (Ethische Gesellschaft.) „Ein Mittel zur Selbsterkenntniß", betitelte sich der Vortrag, den die bekannte Graphologin Fräulein Dalphine P o p p e e in der Ethi schen Gesellschaft hielt und in welchem sie über das Wesen der Graphologie sprach. Man mag dieser Wissenschaft skeptisch oder gläubig gegenüberstehen — leichtfertig darüber aburtheilen läßt sich keinesfalls, und der Eindruck, den wir aus den Ausführungen der Vortragenden gewannen, war der, daß wir es hier mit einer Wissenschaft zu thun haben, die zwar noch in den Kinderschuhen steckt, immerhin aber eine große Zukunft hat. Nachdem Fräulein P o p p 6 e ihre Lehre psychologisch zu begründen gesucht hatte, was ihr auch mit vielem Glücke gelang, und auf den wohl Jedermann einleuchtenden Werth dieser Wiffenschast hingewiesen, gab sie noch eine glänzende, sorgfältig gearbeitete Darstellung der geschichtlichen Entwicklung derselben. Der Ursprung der Graphologie läßt sich, meinte die Vortragende, bis in's graue Alterthum verfolgen. Aber erst mit dem Beginne unseres Jahrhunderts wurde die Bewegung auf diesem Gebiete eine allgemeinere und lebhaftere. Unter den Bahnbrechern wäre besonders L a v a t e r zu nennen, der berühmte Schweizer Physiognomiker, der eine Abhandlung über den Charakter der Handschriften veröffentlichte. Auch Goethe, dessen allumfassender Geist sich auf allen Gebieten des Wissens, forschend und Wahrheit suchend bewegte, zeigte großes Interesse für die Graphologie und äußerte sich darüber, daß es wohl^keinem Zweifel unterliegen könne, daß die Handschrift Bezug auf Sinnesweise und Charakter des Schreibenden habe. Er selbst soll auch Personen nach ihrer Schrift beurtheilt haben. Am Schluffe ihres mit Demonstrationen an der Tafel begleiteten Vortrages, dem reichlicher Beifall folgte, gab Fräulein P o p p e e Proben ihrer Wissenschaft, indem sie Mairuscripte, die ihr aus dem Publicum vorgelegt wurden, beurtheilte. Wien. Meister Carl G o l d m a r k, der im laufenden Jahre sein fünfzigjähriges Jubiläum als Componist begehen kann — der ursprünglich zum Violin-Virtuosen herangebildete Tonkünstler wendete sich 1847 ausschließlich der Compositivn zu — hat Sonntag den 21. v. wohl mancherlei Ovationen erfahren. Ging doch an dem erwähnten Tage seine Oper „Die Königin von Saba" (Text von S. H. M o s e n t h a l), mit welcher der damals 43 Jahre alte Künstler — Carl G o l d m a r k wurde zu Keszthely in Ungarn am 18. Mai 1832 geboren — am 10. März 1875 im Wiener Hofoperntheater als Operncompvnist glänzend debntirte, zum Hundertstenmale in Scene. Wien. Bor Kurzem hat der in Gelehrtenkreisen bestbekannte Herr Wilhelm S o r, Rabbiner an der hiesigen Schopenhauersynagoge im IX. Stadtbezirke einen schweren Schlag erlitten. Seine durch viele edle Charaktereigenschaften ausgezeichnete Gattin, Frau Ccicilie Sor, geb. Lichtenberg, ist in der Vollkraft ihrer Jahre ihm und der zahlreichen Familie durch den Tod plötzlich entrissen worden. Das unter starker Bethkiligung von Trauergästen abgehaltene Lkichenbegängniß, welches am vorletzten Sonntag .stattgefiinden hat, gestaltete sich zu einer wahren Kundgebung warmer und ausrichtiger Trauer um den so früh erfolgten Tod dieser allgemein verehrten und herzensguten Frau, au deren Bahre der Oberrabbiner Herr Dr. Güdemann einen wohlverdienten Nachruf hielt und besonders hervorhob, daß es die Gattin war, welche schon frühzeitig dem G a t t e n die auf seine spätere Stellung und Thätigkeit abzielende Richtung zum Rabbinerberufe gegeben hatte, weil sie selbst sich stets durch die fromme Begeisterung für den religiösen stand ausgezeichnet hat und ihr ganzes Leben ein jüdisch-religiöses gewesen war. Auch Herr Prediger D. Löwh entwarf in gleichem Sinne ein Bild von dem äußeren und inneren Leben der edlen Frau, welche als Escheth Chajil ein getreues Andenken bei Allen, die sie näher gekannt hatten, zurucklassen wird. Friede sei ibr und Ehre ihrem Andinke,'! —stk"'- Wien. (Literarischer Geselligkeits- Verein jüdischer Mädchen „M o r i a".) Der nächste Vortragsnachmittag dieses Vereines ffndet Sonntag den 25. d. M. statt. Für denselben hat Herr Dr. Proßnitz einen Bortrag angekündigt nnd ergeht hiemit an jüdische Frauen und Mädchen die freundliche Einladung hierzu. Beginn 3 Uhr, Vereinslocal: I., Schottenring 23. Suezatvo. (S ch n l f e i e r.) Wie alljährlich wurden auch in diesem Jahre vor dem Peffach-Feffe fünfzig arme Knochen, welche die hiesige israelitisch-deutsche Volksschule mit gutem Erfolge besuchen, aus den Mitteln der Baron Hirsch- Stiftung mit completen Anzügen und Fußbekleidungen beschenkt. Aus diesem Aulasse fand am 14. April l. I. in der israelitischen Volksschule ein solennes Schulfest statt, an welchem sich die Spitzen der Behörden, der löbliche Cultusvorstaud und Cultusrath, insbesondere der hiesige k. k. Bezirkshauptmauu, Dr. Basil Ritter v. Duziukiewitsch, lebhaft betheiligteu. Mit einem Gebete, welches die Schuljugend in hebräischer und deutscher Sprache unter Leitung des Herrn Lehrers Seidner sprach, wurde der Reigen dieses Festes eröffnet. Hierauf betrat Herr Oberlehrer B. Fränkel die Tribüne und richtete eine zum Herzen dringende Ansprache an die Schuljugend nnd ermahnte sie an die Pflicht der Dankbarkeit gegen den hochseligen Herrn Baron Hirsch, der als Vater der armen nnd bedrückten Menschheit sich ein unvergängliches Denkmal hienieden erworben, für dessen Seelenheil sie zu beten verpflichtet seien. Redner gedachte ferner des gemeinnützigen und opferfreudigen Strebens und Wirkens des Cnltnsvorstehers Herrn Dr. Finkler und der Herrn Vorstandsmitglieder S. Langer und H. Beiner, die keine Zeit und Mühe scheuten, nicht nur die Kleidungsstücke zu wählen, sondern auch sich überzeugten, ob jeder Anzug jedem Schulknaben kleide oder nicht. Sodann wurde der besondere Dank für die Theilnahme am Schulfeste dem Herrn k. k. Bezirkshauptmanne ausgesprochen. Mit begeisterten Hochrufen auf Se. Majestät unser» Kaiser Franz Josef I., den Beschützer und