Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-23 · 17 (23.4.1897) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021186--06678-3030970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

■11 I IL ilft! «BW Seite 354 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr-. 17 Altar führte. Die Trannngsfvrmel sprach der Bräutigam iü correctesteui Hebräisch. Etwa 60 seiner früheren Glaubensgenossen, den angesehensten reformirten Familien Kamocsas angehörig, hatten Halaß hierher begleitet und wohnten mit Interesse der Ceremonie bei. Oberrabbiner Richter richtete an das junge Paar eine schwungvolle Ansprache und spendete den Neuvermählten den Segen. Das Gotteshaus war anläßlich dieser Trauung vollständig gefüllt. — Die Vereinigung „Freies Israel" hat sich mit der Bitte an den Magistrat gewandt, es möge den bei ihr angestellten Schächtern die Bewilligung zum rituellen Schlachten von Tbiereu im Schlacht- Hause ertheilt werden, ebenso wie dies der Pester israelitischen Cultusgemeinde und der orthodoxen Gemeinde gestattet worden ist. Budapest, 9. April. Ungarn hat einen seiner bedeutendsten Kenner der talmudischen und rabbinischen Literatur verloren: Samuel Löb Brill ist gestern Abend im Alter von über 82 Jahren sanft entschlafen. Er war ein Sohn des hiesigen Rabbinats-Assessors Israel Brill und lag von früher Jugend dem Studium des Talmud ob, zuerst in Eisenstadt bei R. Moses Perls und dann mehrere Jahre in Preßburg bei R. Moses Sopher, dem er unter dem Namen S. L. Jsraelsohn einen warmen Nachruf widmete. Mehrere Jahre hielt er sich zum Besuche der Universität in Berlin aus. Volle fünfzig Jahre stand er als Nabbinats- Assessor, beziehungsweise Rabbinats-Präses im Dienste der hiesigen Gemeinde, und über ein Jahrzehnt lehrte er am hiesigen Rabbiuerseminar den Talmud, in dem er auch vor Errichtung desselben mehrere junge Leute unterrichtete. Er hinterläßt eine an seltenen Druckwerken sehr reiche Bibliothek, in der die Responsen-Literatur besonders stark vertreten ist. Sein Leichenbegängniß findet nächsten Sonntag statt, an demselben Tage, an dem vor vierzig Jahren der ihm befreundete hiesige Rabbiner Löb Schwab von hinnen geschieden ist. Eger. Donnerstag den 1. April trat Se. Ehrwürden Herr Dr. Emanuel S ch w a r tz den hiesigen Rabbinerposten an. Bei seiner Ankunft wurde er von mehreren Vorstandsmitgliedern am Bahnhose ehrfurchtsvoll begrüßt. Der eigentliche festliche Empfang seitens der Gesammtgemeinde wurde ihm am Freitag Abends bereitet. Bereits um 6 Uhr waren die Räume des Tempels gefüllt und die Galerien von einem Kreis von Damen besetzt, die dem feierlichen Einzuge des neuen jugendlichen Seelenhirten entgegenharrten. Derselbe erschien nun im Ornate, begleitet von den zwei Tempelvorstehern im Vestibüle, und unter den Klängen eines Orgelpräludiums schritt er bis an das Emporium durch das von der weiblichen Schuljugend gebildete Spalier, dortselbst vom Gesammtvorstande erwartet. Eine Schülerin der dritten Bürgerschulclasse richtete an Se. Ehrwürden eine Begrüßung namens der Schuljugend, die derselbe freundlichst entgegennahm und mit herzlichen Worten dankend erwiderte. Hierauf richtete der Vorsteher Herr Max G o t t l i e b namens der Gemeinde eine Ansprache an den Herrn Rabbiner, in welcher er aus die Hoffnungen hinwies, die die Cultusgemeinde an dessen Amtsantritt setze, sowohl bezüglich der fürsorglichen Führung der gottesdienstlichen Functionen im Gotteshause als auch der erziehlichen Enttvicklung des Religionsunterrichtes in der Schule. Herr Dr. S ch w a r tz beantwortete dieselbe mit der Zusicherung des vollsten Bestrebens, alle die in ihn gesetzten Hoffnungen unter göttlichem Beistände und mit dem Aufgebote aller Kraft zu erfüllen. Mit dem Sülze r'schen Mah-tobu begann hierauf der Abendgottesdienst, der von dem Obercantor Herrn Popper in feierlichster Weise celebrirt wurde. Tags darauf hielt Herr Rabbiner S ch w a r tz eine formvollendete Predigt. Er entwickelte in derselben die herrlichsten Ziele, sowie die ihn leitenden Grundsätze, das freundschaftliche Verhältniß zur Gemeinde sowie zu deren anderen Beamten stets zu pflegen und aufrechterhalten zu wollen. Mit diesen Friedensprincipien hat Herr Dr. S ch w a r tz die Sphäre seines Wirkens eingeleitet und werden dieselben hoffentlich zum Segen der Gemeinde zur vollen That werden. Eine Abendunterhaltung, vom Tempelchorvereine veranstaltet, verlief in animirtester Weise und bildete den Abschluß der denkwürdigen Jnstallationsfeier. fRozntnt. (F ünfzehntes S P e n d e n - B e r z e i chni ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Afylhaufes für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte Poznan sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: Humanitätsloge Breslau (20 Mark) 11 fl. 72 kr.; Humauitätsloge Gleiwitz (20 Mark) 11 fl. 72 kr.; Alfred und Julius Stern, Wien 10 fl.; Max Neuman, Preßburg 6 fl.; Rosa Eißler, Wien 5 fl.; Hermann Altar, Proßuitz 3 fl.; Emanuel Hirsch, Proßuitz 2 fl.; A. Sonnenschein, Königsberg 5 fl.; Chewra-Kadischa Horitz 2 fl.; Chewra-Kadischa Oravicza 1 fl. 80 kr.; Chewra-Kadischa Warmezö 4 fl.; Chewra - Kadischa Racka 2 fl.; Chewra-Kadischa Sebes Keltemes 5 fl.; Chewra- Kadischa Szendro 3 fl. 40 kr.; Chewra-Kadischa Temesvar 5 fl.; Jschre Lew Wien 3 fl.; Franen-Verein Agram 10 fl.; Franen- Verein Teplitz 5 fl.; Franen-Verein Providenti, Wien 5 fl.; Cultusgemeinde Eibenschitz 5 fl.; Cultusgemeinde Wbs a. D. 5 fl.; Frau Serafine Schlesinger, Eger 2 fl. 64 kr., zusammen 112 fl. 64 kr. Letzter Ausweis 3233 fl. 46 kr., Summa 3346 fl. 10 kr. Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf Poll a k, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßuitz. Marens N e n m a n n, Mitglied des Cultnsvorstandes in Proßuitz (Mähren). Drohobyez, 14. April 1897. (Zum K aiser - Iub il ä u in.) Der Großindustrielle Herr Moses G a r t e n b e r g hat der Cultusgemeinde erklärt, zu Ehren des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein israelitisches Spital, nach allen Anforderungen der Hygiene eingerichtet, ans seine eigenen Kosten in Drohobycz zu erbauen und es der Cultnsgenleinde ins Eigenthum zu. übergeben. Mit dem Bau dieses Spitales, welches im Jahre 1898 eröffnet wird, wird noch Heuer begonnen werden. Bekanntlich hat Herr Gartenberg im Jahre 1888 anläßlich des vierzigjährigen Kaiser-Jubiläums ein Siechenhaus mit einem Fonde von fl. 100.000 bereits gestiftet. Marienbad. Der Unterzeichnete Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde M a r i e n b a d sieht sich veranlaßt, den Artikel „Aus Böhmen" in Nr. 14 Ihres geschätzten Blattes vom 2. d., soweit sich derselbe mit der Curstadt Marienbad befaßt, in folgender Weise richtig zu stellen. Die Curstadt Marienbad war von jeher deutschliberal; selbst die gegenwärtige judenfeindliche Tendenz der politischen Strömung vermochte nicht diesen Liberalismus in Marienbad gu beeinträchtigen. Gegenüber den von gewisser Seite inscenirten Wahlagitationen stellte sich der Bürgernreister Marienbads Herr Dr. Herzig, sowie der Stadtrath und die Stadtverordneten an die Spitze des deutschfortschrittlichen Wahlcomites und erließen jenen Aufruf, den auch Sie in Ihrem geschätzten Blatte znm Beweise der fortschrittlichen Gesinnung Marienbads kürzlich veröffentlicht haben. Die von der deutschen Fortschrittspartei aufgestellten Wahlmänner zur Wahl des Abgeordneten der V. Curie wurden auch sümmtlich gewählt. Unter diesen Wahlmännern befand sich der Vorsteher der Cultnsgenleinde Herr Dr. Lang. Ebenso erhielt in der Städtegruppe hier in Marienbad der Candidat der Fortschrittspartei Dr. S t ö h r die Majorität. Daß es hier wie überall Anhänger anderer politischer Richtungen, Christlich- Sociale und Deutsch nationale gibt, soll nicht in Abrede gestellt werden; aber daraus resultirt doch nicht die Berechtigung, den Curort als antisemitisch hinzustellen. Der Schreiber des Artikels „Ans Böhmen" wollte einige Antisemiten annageln. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Aber er goß das Kind mit dem Bade aus. Als Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Marienbad kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß der Antisemitismus in Marienbad keinen Boden gewonnen hat und keinen Boden gewinnen kann, weil der größte Theil der hiesigen Bevölkerung sich vollkommen darüber klar ist, daß sie mit den Curgästen israelitischer Confession als einen bedeutenden Factor rechnen müssen. M a r i e n b a d, 14. April 1897. Dr. Lang, Vorsteher. Lomnitz, 12. April. Löbliche R e d a c t i o n! In der vorwöchentlichen Nummer dieses.geschätzten Blattes wird über meinen in Ung.-Brod gehaltenen Vortrag über Don Josef Nasi, Herzog pon Naxos reserirt. Nach diesem Berichte hätte ich in der Verwischung, der Grenze zwischen Thron und Altar die Quelle des finsteren Fanatismus entdeckt, der die Juden Spaniens gezwungen, den Boden zu verlassen, der schon lange vor der Entstehung des Christenthums ihre liebgewonnene Heimat gewesen. Obwohl dieser Ausfassung nichts Unhistorisches zu Grunde läge, sehe ich mich dennoch zu einer Berichtigung genöthigt, weil meine eigene Individualität nicht mehr wiederzuerkennen wäre. Ick, bin durchaus nicht sentimental veranlagt. Nie entfuhr noch meinen Lappen ein Stoßseufzer, der denen gegolten, die unverschuldet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.