Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-23 · 17 (23.4.1897) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021186--06677-3030969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 17 Vr. Vlvch's MochenfitzrM Seite 353 Upkimny über die Stellung des Zionismus zum Socialismus, Cand. Med. Sigm. Kraus über nationale und internationale Assimilation, Cand. Tech. Neustadtl referirte über die Broschüren von Dr. Ludwig Ernst, „Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit", „Kalte und warme Herzen", Cand. Tech. Glück und Pollak über das Programm der Jüdisch-Nationalen. Die drei letzteren als Preisarbeiten für die Burschenreception. Es besteht nämlich in der „Kadimah" die Einrichtung, daß diejenigen unter den jüngeren Mitgliedern (Füchse), die frühestens nach einem Semester in das Stadium der „Bursche" ausgenommen werden wollen, durch einen Vortrag beweisen müssen, daß sie die Tendenzen und das Programm der Jüdisch-Nationalen vollkommen verstehen. Nach Außen hat die „Kadimah" im Vereine mit anderen jüdisch-nationalen Verbindungen die Bestrebungen des Wiener „Zion-Vereines" kräftig unterstützt. Auf den von diesenl Vereine in mehreren Bezirken veranstalteten Makkabäerfeiern und jüdischen Volksversammlungen traten die Redner der Verbindung wiederholt als Festredner, beziehungsweise als Referenten auf. Fiir die körperliche Ausbildung sorgte die Leitung durch Anhalten der Mitglieder zum fleißigen Turnen und Fechten. Was das Letztere betrifft, hat die „Kadimah" auch über den Rahmen der Verbindung hinaus zur Wehrhaftmachung eines Theiles der jüdischen Studentenschaft beigetragen, indem sie in der Jüdischen akademischen Lesehalle die Leitung der Festsection übernahm, einen Fechtleiter und 4 Fechtlehrer beistellte. In die Leitung ftir das Sommer-Semester wurden neu gewählt: Cand. Med. Samuel Wassermann, Präses, Cand. Med. Beril Ehrlich, Bicepräfes, Cand. Med. Julius Uptimny, Fechtleiter, Cand. Med. David Kreisling, I. Schriftführer. Graz, 6. April. (Antisemitische S t u d e n t e n- E x c e s s e.) Heute begann die Verhandlung gegen sechs Studenten, vier Juristen und zwei Mediciner, welche des Verbrechens der öffentlichen Gewaltt hä t i gk e i t, begangen durch boshafte Beschädigung fremden Eigenthums, nach § 85 Strafgesetz angeklagt sind. Am 21. October vorigen Jahres, gegen 3 Uhr Morgens, erwachte der Diener des hiesigen israelitischen Tempels, Heinrich Weiß, über ein lautes Geschrei und bemerkte am Tempeleingange einen mächtigen Feuerschein. Als er hinauseilte, fand er, daß die vor dem Portale des Tempels angebrachten zwei Gaslampen ihrer Brenner beraubt waren und daß das aus den Röhren strömende Gas in so mächtigen Flammen brannte, daß das Metallgerippe der Laternen zu schmelzen begann. Vor dem Gitter auf der Straße standen mehrere junge Leute, welche den Diener beschimpften und mit Steinen bewarfen. Gegen das beim Tempel befindliche Schulhaus wurde geradezu Sturm gelaufen und drei Fensterscheiben eines Schülzimmers eingeschlagen. Später bemerkte der Tempeldiener, daß von der eisernen Einfriedung 21 Spitzen abgebrochen waren und der Tempeleingaug besudelt war. Die Frau des Dieners rief einen Wachmann herbei, welcher die aut der Straße stehenden Leute — vier Studenten — arretirte. Zwei noch betheiligt gewesene Studenten waren davongelaufen. Die Beschuldigten ' behaupten, volltrunken gewesen zu sein. Diese Verantwortung ist jedoch nicht glaubwürdig, weil Zeugen zugeben, daß die Studenten zwar angeheitert, jedoch ihrer Sinne vollkommen mächtig waren. Es läßt sich allerdings nicht nachweifen, was jeder Einzelne der Angeklagten gethan hat, allein schon das gleichzeitige Erscheinen derselben in frühester Morgenstunde in einer Straße, in welcher keiner der Angeklagten wohnt, in welcher sich auch kein Gast- oder Kaffeehaus befindet, gerade vor dem israelitischen Tempel läßt erkennen, daß es sich um einen Vorgang handelte, dessen Ausführung entweder früher besprochen war oder womit doch sofort und ohne besondere Verabredung Jeder, als er sah, um was es sich handle, einverstanden gewesen ist. Die Verhandlung wurde zum Zwecke weiterer Erhebungen vertagt. Chodorow, 15. April. Wir erhalten aus Chodorow folgende Zuschrift: Die „Oesterreichische Wochenschrift", welche bei jeder Gelegenheit warm für die Interessen des Judenthums im Allgemeinen und für arme, verfolgte Juden insbesondere eintritt, wird sicherlich auch ihre Theilnahme der Deputation nicht versagen, welche kürzlich vor dem Reichsrathsabgeordneten Doctor Emil Byk in Lemberg erschien. Die Deputation, welche von dem hiesigen Rabbinatsasseffor und Cultusvorsteher Herrn Weber geftihrt 'wurde, wollte Herrn Dr. Byk die traurige Lage der Chodorower Juden seit den bekannten Excessen schildern und ihn um Hilfe unb Beistand für dieselben bitten. Nach langem Warten wurde die Deputation endlich vorgelassen und das Facit war, daß der Herr Abgeordnete sie mit heftigen Vorwürfen überschüttete, als ob sie und nicht die entmenschten Excedenten die Schuld an den bekannten traurigen Scenen trügen. Der Herr Abgeordnete Dr. Byk nahm sich in dieser Angelegenheit keineswegs an Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbinec Schmelkes ein Beispiel, der seinerzeit sich für die Chodorower Juden bei dem Vice-Statthalter verwendete und um seinen Schutz für dieselben ansnchte. Als der Vice-Statthalter bemerkte, vielleicht hätten auch die Juden einige Schuld an den Excessen, indem sie schlechten Branntwein den Arbeitern verkauften, die dann im berauschten Zustande die Ausschreitungen begingen, erwiderte der Herr Oberrabbiner: „Ja, eine gewisse Schuld trifft schon die Juden Diese haben nämlich auch bei den letzten Wahlen für den Regierungscandidaten gestimmt und dadurch die Arbeiter gegen sich erbittert." Der Herr Abgeordnete Dr. Byk versteht feine Aufgabe, die Interessen seiner Glaubensgenossen zll vertreten, offenbar ganz anders als der Herr Oberrabbiner Schmelkes. Lemberg, 14. April. Unter Vorsitz des hiesigen Cultuspräsidenten Sam. Edlen v. H o r o w i tz im Vereine mit den Herren Ehrwürden Oberrabbiner Isaak S ch m e l k e s, Dr. C a r o, den Gemeindemitgliedern Julius H o ch f e l d, Julius L u r i e, Osias D o r u z w e i g, F. Bode k, A. Losch wurde beschlossen, die israelitischen Soldaten der hiesigen Garnison während der Osterfeiertage mit ritueller Kost zu versehen. Das erwähnte Comite erwirkte auch, daß die Soldaten an den Feiertagen vonr Dienste befreit wurden. — Der hiesige bekannte Philantrop Herr Dr. Wilhelm hat als Obmann des Vereines „Schowei Schabes", 40 verschämte Familien während der Feiertage beköstigt. Ebenso der Nachahmung würdig ist die That des hiesigen achtbaren Kaufmannes I. L. S ch n a p e k und .dessen Frau, die, anstatt eines 25jährigen Hochzeits- und Geschäftsjttbilänms, lieber viele Anstalten mit Spenden bedacht und verschämten Armen reichlich Unterstützungen zu Theil werden ließen. Lemberg, 15. April. (Der Bescheid der Statth altere i.) Dieser Tage erhielt das C e n t r a l w a h lcomite den Bescheid der Statthalterei bezüglich des Protestes gegen den neuen Statutenentwurf. Die Statthalterei hat den Recurs des israelitischen Gemeindevorstandes gegen den Bescheid des Magistrates abgewiesen und denselben vollinhaltlich bestätigt. Die Statthalterei hat gleichzeitig den ihr vom Cultusvorstand v o r g e l e g t e n S t a t u t e n e n t w u r f die Bestät i g u n g verweigert und denselben mit der Bemerkung zurückgestellt: 1. War bei der Berathung der Statuten die erforderliche Anzahl von 16 Anwesenden nicht vorhanden, die Commission daher nicht beschlußfähig. 2. Da Dr. Caro blos Prediger und nicht auch Rabbiner der Gemeinde ist, so durste er bei Abfassung der Statuten nicht Mitwirken. Dem Referenten und den Verfassern der neuen Statuten bleibt jetzt nur noch der Recurs an das Ministerium offen. Krakau. Am 15. d. M. ist hier der Cultusvorsteher Herr Hendel Tilles im Alter von 78 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der durch 15 Jahre Cultusvorsteher war, hat sich durch Fleiß und aufopfernde Thätigkeit in dieser Körperschaft ausgezeichnet. Durch viele Jahre hat derselbe die Armenabtheilung in der hiesigen Cultusgemeinde geleitet und hat während dieser Zeit aus diesem Gebiete viel Schönes geleistet. Die rapide erfolgreiche Entwicklung der Verhältnisse unserer Gemeinde hat auch auf dem Gebiete des Armenwesens einen thatkräftigen Manu erfordert. An dem Leichenbegängnisse, an dem sich die hiesige Bürgerschaft zahlreich betheiligte, nahmen der Cultusvorstand in corpore mit dem Präses der Cultusgemeinde, Gemeinderath Dr. Leon Horovitz, und dem Bice-Präses der Cultusgemeinde, Gemeinderath Hirsch Landau, das Rabbinat mit dem Rabbiner- Stellvertreter Ch. L. Horovitz, sowie sümmtliche Beamten des Cultusvorstandes theil. — Der Concipist der k. k. Finanzdirection in Krakau Herr Dr. Moritz Daniel ist zum Commissär ernannt worden. Budapest, 11. April 1807. Eine interessante Trauung hat im Tempel zu Neuhäusel stattgesunden. Der Kamocsaer Einwohner Tischlermeister H a l a ß war vom resormirten Glauben zum Judenthum übergetreten, hatte sich in Wien der rituellen Operation unterzogen und iii Preßburg das Beten in hebräischer Sprache erlernt. All das einem Mädchen, Fräulein Mahler, zu Liebe, das er nun auch zum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.