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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-23 · 17 (23.4.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 352 Vr. Bloch's WorhrnMrM Nr. 17 .W. .. ■ ü" '_ j'': Am JkIhitüc* Einvernehmen mit der Bezirksbehörde, in deren Amtsbereiche der Amtssitz der betreffenden Cuttusgemeinde gelegen ist, auszusprechen. Ein Sabbath Ln Abbazia. Wer jemals Gelkgenbeit gehabt hat.' die märchenhaft schönen Gestade der österreichischen Riviera zu bereisen, und hinsichtlich der ethnologischen Zusammensetzung der Bevölkerung Betrachtungen anstellte, dessen Aufmerksamkeit dürfte der Umstand nicht entgangen sein, daß an den Stätten des alten Liburniens wenige, beinahe gar keine jüdischen Niederlassungen zu finden sind. An der ganzen dalmatinischen Küste findet sich keine einzige jüdische Gemeinde. Blos in Fiume, welches in jüngster Zeit einen so mächtigen Aufschwung genommen hat, besteht eine Gemeinde, welcher nach ihren dereinstigen Institutionen und dem sich regenden Gemeinsinne eine vielverbeißende Zukunft lächelt. In der nächsten Nähe von Fiume, kaum 1'/, Meilen entfernt, breitet sich dem entzückten Auge Abbazia, die „Perle des Quarnero," aus. Was die Natur Schönes geschaffen, das Alles bietet dieses kleine Paradies, wo Natur und Kunst sich brüderlich vereinten, um unserem entnervten Geschlechte Heilung und Zerstreuung in reichem Maße zutheil werden zu lassen. P 5 Nach schwerer Krankheit wollte ich nuu auch die Heilwirkung eines Aufenthaltes in Abbazia erproben. Hier angelangt, besichtigte ich vor Allem den herrlichen Paß mit seinen zahlreichen seltenen exotischen Pflanzen. Wird hier der Botaniker erfreut, so muß der Naturfreund in helles Entzücken gerathen beim Anblicke des unermeßlichen Meeres, welches ringsum von grünen Hügeln und hohen Bergen umsäumt wird. Strahlend lacht die Sonne auf Abbazia herab, und unter ihrem Kusse erwachen die zarten Lorbeerblüthen, öffnen sich die weißen und rothen Eamelienknospen zur herrlichen Blume, die aus dem glänzend dunklen Grün der Oelblätter hervorleuchtet und farbenprächtig das Auge entzückt. Das leise Rauschen des kaum bewegten Meeres zaubert den Frieden in die müde Seele. Und wenn Abends Myriaden funkelnder Sterne ihr silbernes Lickt in den zitternden Wellen spiegeln, und auf der mondbeglänzten Fluth kleine Nachen geisterhaft, lautlos dabingleiten, so ist dies ein unvergeßlicher Anblick für Jeden, der sich nur den geringsten Sinn für Naturschönheiten und Gottes herrliche Schöpfungen gewahrt hat. Biele Hunderte von Fremden, gekommen oft aus weiter Ferne, wimmeln in den herrlichen Anlagen, deren Pracht uns an Armidas Zaubergärten gemahnt. Fröhliches Geplauder, heilere Gespräche werden allenthalben in den verschiedensten Zungen laut. Mein geübtes Ohr vernimmt zu meiner großen Ueberraschung auch die sonoren gutturalen Laute unserer kraftvollen „heiligen Sprache". Es sind Inden aus Palästina, die aus Safed hieherkamen und in der reinen Sprache Jesaias nicht nur die Naturschönheiten bewundern, sondern auch ihrem Bedauern Ausdruck geben, den LsbdatL hagodaul ohne Gottesdienst verbringen zu müssen. Ich trete hinzu, betheilige mich am Gespräche, worüber die Beiden hocherfreut sind. Um die Freuden und den Zauber des Sabbath auf Abbazia voll zu gewinnen, ihn ganz in unsere Seele zu versenken und unser Empfinden in einen unendlichen Harmoniestrom aufzulösen, auf dem die schönsten Erinnerungen unseres Lebens treiben, werfen wir noch einen Blick auf die zauberische Landschaft vor uns. Mit Frieden im Herzen Horen wir Philomelens süßen Schlag aus dem dunklen Laubgezelte. Aus den nebeneinander gelagerten mächtigen Felsblocken brechen zarte Wellenringe hervor, die Luft wird erfüllt mit balsamischwürzigem Hauche, der mild wehende Tramontana scheint uns Grüße aus der Heimat zuznwehen. Der Rest ist Stimmung in uns und um uns; dies war ein „jom schekulo Schabboth", ein vollkommener Sabbath, wie ich noch keinen gefeiert. Unwillkürlich kamen mir Wieland's schöne, tiefempfundene Verse in den Sinn: „Nicht im Getümmel, nein, im Schoße der Natur, am Silberbach, im unbelauschten Schatten, Besuchet uns die holde Freude nur, und überrascht uns oft auf einer Spur, Wo wir sie nicht vermuthet hatten." Abbazia, 12. April 1897. N. Schwarz. Arische Raee. Zur Abwechslung hatte sich einmal die antisemitische Gesinnung an einem 11jährigen, kränklichen, schwachen Judenkinde bethätigt. Wozu ist man denn Anttsemit, wenn man nicht die Lehren Schneider's in's Praktische überträgt. Wie siebt aber das praktische Antisemitenthum des Gemischtwaarenhändlers Rupert M a t u l k a aus? In der Thoreinfahrt eines Hauses spielen mehrere Knaben. Da schleicht sich, mit einem schweren Ochsenziemer bewaffnet, der Anttsemit Rupert Matulka hinzu und nimmt den 11jährigen Schneidergehilfenssohn Moritz Spitz fest. Unbarmherzig läßt er den Ochsenziemer auf den Rücken des sich vor Schmerz windenden Kindes niedersausen; erst als sein Arm erlahmt, läßt R. M a t u l k a, der Anttsemit, den Knaben frei. Das mißhandette Kind eilt in die Wohnung seiner Eltern. Nach einer Weile klingelte die Wohnungsglocke. Der Kleine öffnet die Thür, taumelt aber im nächsten Augenblicke mit einem Schrei zurück, denn Rupert Matulka, der Anttsemit, der draußen stand, hatte ihm einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Der Knabe war infolge der Mißhandlungen fünf Tage bettlägerig. Rupert Matulka, der Anttsemit, wird vom Gerichte verurtheilt. Er büßt seine bestialische Rohheit mit 25 Gulden Geldstrafe und 6 fl. 70 kr. H e i l un g s k o st e n. Ein Feldmarschall-Lieutenant gegen die Heilö-Studenten. Aus Anlaß des Processes, der vor wenigen Tagen in Folge einer Studenten-Mensur in Wien stattfand, erhielt die „N. Fr. Presse" folgende Zuschrift: Die Heilö-Studenten werden an diesen Hieb über das ganze Gesicht zu denken haben. Herr Redacteur! Gestatten Sie mir gütigst ein paar Worte im Nachhange zu dem Abschlüsse der Gerichtsverhandlung „Eine Studenten-Mensur". Ich bin ein alter Militär, dem es gegönnt war. seit 1839 oder richtiger seit Mitte der Vierziger-Jahre — denn bis dahin war Frieden — Alles thättg mitzumachen, was es an größeren oder kleineren Kriegen und Kämpfen zu thun gab. Mir wird man darum die Schwäche verzeihen, daß ich trotz Allem und Allem die Ehre für das höchste Gut des Mannes halte, das ihm um jeden Preis rein bleiben muß. So will ich auch recht von Herzen sagen, daß ich es nicht für ehrenhaft, nicht als ritterlich offen, eher an den Shakespeare'schen Dickwanst gemahnend finde, wenn man sich mit einem Schlagworte wie „s a t i s f a c t i o n s u n f ä h i g" gleich eine ganze Armee von Gegnern vom Leibe hält. Genehmigen Sie die Versicherung der vollsten Hochachtung Ihres ergebenen Baumgarten, Feldmarschall-Lieutenant. Correspondemen. Wien. Seine k. und k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 20. April d. I. dem Oberrabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Dr. Moriz Güdemann das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens allergnädigst zu verleihen geruht. Wien. („I ü d i s ch e s Museum.") Die I. ordentliche Generalversammlung dieser Gesellschaft wird am 8.. Mai d. I., V-8 Uhr Abends, im Festsaale des Kaufmännischen Vereines in Wien stattfinden. An den geschäftlichen Theil der Ge-, neralversammlung wird sich eine überaus interessante Vorlesung Meister Sonnenthal's anschließen. Vorerst werden die Stifter und Mitglieder der Gesellschaft eingeladen, das ihnen zukommende Bezugsrecht auf einen Sitz bis zum 28. d. M. gegen Anmeldung im Bureau der Gesellschaft. Wien, I., Rathhausstraße 13, auszuüben. Nach Maßgabe des sehr beschränkten Raumes werden Karten auch an Nichtmitglieder abgegeben werden. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes die vollständige Tagesordnung veröffentlichen. Wien. (Eingegangene Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau.) Herren Josef Silberstern und Söhne fl. 15, Herren Schulz u. Pollak, Budapest fl. 15, Herren Falter und Dattner, Krakau fl. 15, Herren Robinsohn u. Krauß, Bielitz fl. 15, Dampssäge-Actiengesellschaft Ruttka fl. 10, Herr Leopold Wagner, Wien fl. 10, Frau Charlotte Wagner fl. 5, Herr Moriz Wagner fl. 5, Herr Josef Kowanitz fl. 5, Herren Diosi u. Bäck, Budapest fl. 5, Herren Eduard Fried u. Bruder, Hullein fl. 3, im Ganzen fl. 103; bereits ausgewiesen 'fl. 10.400, im Ganzen fl. 10.503. Wien. Am 29. v. M. fand in der akademischen Verbindung „Kadimah" die Neuwahl für das Sommer-Semester, das XXIX. ihres Bestandes, statt. Der Bericht des abtretenden Präsidiums Piekarski hob besonders hervor, daß die Leitung wie früher auch im verflossenen Semester bestrebt war, die geistige und physische Ausbildung der Mitglieder fortzusetzen. Dem ersteren Zwecke diente eine Bestimmung, wonach die Mitglieder der Reihe nach gezwungen wurden, Vorträge ans der jüdischen Geschichte zu halten. Dadurch sollte erreicht werden, daß die neu Aufgenommenen, die in der Mittelschule größtentheils eine mangelhafte Kenntniß der jüdischen Geschichte sich aneignen konnten, in den Geist der jüdischen Geschichte eingeführt und so in ihnen die Liebe zu unserem Volke geweckt werde. Auf diese Weise wurde die Geschichte bis zu Maimonides durchgearbeitet. Daneben wurden alle Erscheinungen auf social-polittschem und literarischem Gebiete, die mit der Judensrage in Zusammenhang stehen, auf den internen Discussions-Abenden besprochen und discuttrt. So sprachen Cand. Med. B. Ehrlich, S. Wassermann

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