Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 350 ' Vr Vloch's Wochenschrift Nr. 17 und von euch gehen, ihr dürft nicht aufhören zu hoffen, wenn Gott solche Menschenblüthen auf euren: Wege erblühen läßt. So geht ruhig weiter den dunklen rauhen Pfad, we'ttergeleitet von den Hellen Sternen, und hofft auf das Ende, auf das Hobe Ziel, das euch gesetzt. Wenn ihr schwankt, trostlos und wegmüde seid, dann möge der Gedanke an den edlen großen Mann euch stärken und stählen, auf daß ihr ausharret und euch der höchste Sieg, der edelste Preis wird. Dann wird das Waldesdickicht sich lichten. Sonnendurchfluthet wird der Lebenspfad der irrenden Kinder sein, sie werden die heißersehnte Heimat finden, in die der edle Menschenfreund ihnen vorangegangen ist. Vom Jahrmarkt des Lebens. „Nationaljudenthum." Eingesendet. Herr Redakteur! Die am 16. d. M. aus.qegebene „Oesterreichische Wocbenschrist" bringt einen kurzen Auszug aus einem neu erschienenen Werke des Oberrabbiners Dr. G ü d e m a n n ..Nationaljudenthum", in welchem sich derselbe qeqen den Gedanken eines Notionaljudenthums, gegen die Idee der Errichtung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina gegen die physische Besitzergreifung von Jerusalem ausspricht und sieb als entschiedener Gegner des modernen Schlagwortes, das man mit Zionismus bezeichnet, bedient. Ich maße mir nicht an, in dieser alle Juden mächtig bewegenden Frage auch nur eine bescheidene Meinung abzugebev, allein ich balle es für meine Pflicht, die Stimme eines Berufenen, die Stimme eines Großen in Israel ru citiren, umsomebr als es mir scheint, daß bas Wort, das dieser hervorragende Mann vor mebr als 50 Jahren ausoesprochen hat. auch heute seine volle Kraft besitzt, und daß dieses Wott auch in die Gegenwart hineinpaßt, nicht blos deshalb, weil die jüdische Nationalitätsidee damals wie Leute sich als eine dem Judenthum schädliche erweist, sondern weil damals wie heute die Juden um die Anerkennung und Bewahrung ihrer Bürgerja ihrer Menschenrechte kämpfen mußten. Der Mann, aus besten Worte ich mich berufe, stand in vorderster Reibe im Kampfe für den Fortschritt im Judentbum. im Kamvfe für die Rechte der Juden — es war dies der Araber Oberrabbiner Aron Cborin. Ich glaube es auch seinem Namen schuldig zu sein, daß ich seine weit vorausblickenden Worte der Gegenwart in Erinnerung ruke. damit sie sowohl Zeugniß ablegen für den hoben Geist, der diesen Mann beseelte, kür die wahre Liebe, die er für seine Glaubensaenosien heate. wie für die reine Lebre. die er vertrat, als auch dafür, daß stch seine Worte in voller Uebereinsiimmuna mit jenen Grundsätzen befinden, die in Dr. Giidemann's jüngstem Werke ausgesprochen sind. Oberrabbiner Aron CH o r i n hat in den Jahren 1843/4 in seinem achtundsiebriosien und nenuundstebziasien Lebensjahre kurz vor seinem Tode drei Aufsätze in deutscher Sprache niederaeschrieben, deren Beröffentlichuna die damalige Censnr verhindert hat. Im Jahre 1848 bat sein Sobn Heinrich die vom Verfasser zum Druck bestimmten Manuscripte der Oeffentlichkeit übergeben: si» sind in einem Hest vereinigt unter dem Oria'naltitel »Worte der Wahrheit und des Friedens" erschienen. Im ersten Auisatz wendet sich der Verfasser an seine Amtseosteoen, um sikür reitgemäße Reformen zu begeistern; der zweite Aussatz «st ein Gutachten an das Obervorsteher-Collegium der Breslauer Jsraelktengemeinbe. in welchem er sich über die Art, wie Reformen einzufübren wären, und das Recht auf Reformirnng ausspricht, und der dritte Aufsatz dient zur Erklärung eines Ausspruches, ein Gutachten. Mit diesem Ausspruch und seiner Erklärung hoben wir uns zu beschäftigen, sie sind es eben, die in geradem überraschender Weise, wie eine Vorahnung der Gegenwart, vor uns treten. Im erwähnten Gutachten sagt Oberrabbiner C h o r i n: „Mit der Zerstteuunq der Israeliten ist deren Nationalität untergegangen, lind so besteht keine israelitische Nation, sondern das Judenthum besteht nur als eine vereinigte religiöse Gesellschaft, so wie alle übrigen Confessionen bestehen. So wie z. B. der Katholik, der Protestant in jedem Lande, in welchem er als Bürger und llnterthan ausgenommen ist, als ein integrirender Theil der Landes-Nation gerechnet und angesehen wird, so ist auch der Jude in Ungarn ein Ungar, in Deutschland ein Deuffcher, in Frankreich ein Franzose n. -s. w. Diesem Ausspruch läßt Oberrabbiner C h o r i n „ein Wort zu seiner Zeit Nachfolgen, in welchem er ihn ausführlich erklärt und insbesondere die Meinung widerlegt, daß er gegen die heilige Schrift verstoße. Die Zusicherung in der heiligen Schrift: Solltest Du auch bis ans Ende des Himmels verstoßen sein, so wird der Ewige, Dein Gott Dich von daher sammeln und emholen, in das Land zurückzuführen, das Deine Voreltern besessen haben. Werde nur uns verständlich so aufgefaßt, daß die Millionen auf den ganzen Erdball zerstreuten Juden in das engbegrenzte Land, das ihre Vorfahren besaßen, zurückkehrm werden. Auch die Gegner der Gleichberechtigung der Juden berufen sich auf diesen Satz und deshalb fühlt sich Rabbi Chorin verpflichtet^ das Mißv.rständniß aufzuklären. Dieser Aufklärung sendet er das jüdische Glaubens, b e k e n n t n i ß voraus, das er in die Worte Glauben, Vertrauen, Liebe zusammenfaßt und in dessen drittem Satze et den Schwur ablegt. daß er in harmonischem Einklänge mit dem Bekenntniß des Mosaismus und der Verheißungen, das Land wo er geboren, als sein alleiniges Vaterland vom ganzen Herzen liebt und seine Wohlfahrt mit allen möglichen Kräften zu befördern sich verpflichtet findet und seine Religionsgenossen in jedem Land auffordert, ihrem Könige, ihrem Vaterland? mit unerschütterlicher Treue anhängig zu sein, und deren Heil selbst mit ihrem Blute zu vertheidigen; sowie er im vierten Absatz bekennt, daß er alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens als seine Brüder anerkenne und liebe u. s. w. Hieran schließt er nun die Erklärung, daß derwahre Sinn der angegebenen Verheißung von einer all gemeinen Versammlung aller auf dem Erd ball zerstreutenJuden keinepolitische, sondern eine moralische Vereinig u na bedeutet, i n so fern e sie nur eine sittlich religiöse ohne Bezug auf politische Verfaffung in sich enthält. Diese Erklärnna und Ausleaung sei keine polemische Grübelei, nicht willkürliche Spitzfindigkeit, sondern auf Thatsachen begründet und nachdem er diese aus der jüdischen Geschichte mit Berufung auf Jeremias. Esrab angeführt, setzt er hinzu „die von Moses angegebene allgemeine Vereinigung wird umfassender sein, als die des Jeremias; der von Gott bei der Offenbarung auf Sinai gefaßte Plan wird sein Ziel erreichtbaben. Die g esammte Menschheit wird von allem Vorurtheil und Aberglauben erlöst werden. „Die Erkenntniß Gottes wird strömen über der ganzen Erde". „Meinen Tempel nennt man dann „Aller Vötter Andachtshaus", dann wird Israel seine Mission als Priestervolk erfüllt haben. „Alle Völker werden in einer Sprache den Namen des ewigen Gottes anbeten und einig wird erkannt werden der Ewige — einig sein .roßer Namen." Zur Eroberung Jerusalems, das beißt des geistigen Jerusalems, sagt wörtlich Oberrabbi Cborin, der Burg des Friedens, der Einheit und der allgemeinen Gotteserkenntniß. wird es keines übernatürlichen Wundervolkes bedürfen, denn zu jener Zeit werden nicht Kanonen und Bajonette, sondern Wahrheits- und Gerecht,gkeitsliebe entscheiden. Oberrabbi Chorin wendet sich dann zum Schlüsse an seine Glaubensgenossen mit der inbrünstigen Bitte nicht zu verzagen und nicht wankend zu werden, sondern auf Gott zu vertrauen, wie lange es auch währen mag. bis die Verheißung in Erfüllung geht. Und nachdem er seine Glaubensgenossen aufgefordert, dem Glauben treu zu bleiben, setzt er hinzu: „Dieses hindert Euch keineswegs die Pflichten des treuen Untertans und Burgers, die treue Anbänglichleit au das Vaterland, in dem ihr wohnt, mit aller möalichen Willenskraft zu erfüllen, und sonach an den Rechten der Menschheit und des treuen Unterthans und Bürgers, in welchem Staat es Euch von der Regierung vergönnt wird, Antheil zu nehmen." Ich übergehe die Aeußeruvgen des hochseligen Oberrabbiners, mit denen er die falschen Anwürfe gegen die Juden zurückweisi, weil sie mit der Aufgabe, die ich mir hmte gesetzt habe — die Ueber» einstimmung der Ideen Cborin's mit denen Dr. Güdemann's darzulegen — nicht unmittelbar zuiammenbängen. es wird aber vielleicht noch einmal die Zeit kommen, auch diesen Theil s-iner Abhandlung zu revroduciren, um zu zeigen, von welch' großen Ideen dieser edle Mann beseelt war. Johann Lichtenstein. Canonieus Dr. Augrrft Rohling und das Ende des Mist Baughan-SchwtndelS. Nach Pariser Meldungen hat der bekannte clericale Schriftsteller Leo T a x i l zn Paris in einer zu diesem Zwecke eigens einberufenen Versammlung in aller Form erklärt, daß die Miß Diana Vau gh an, mit deren-„Enthüllungen" er seit Jahrzehnten das Freimaurerwesen bekämpfte, gar nie gelebt habe, daß sie vollständig seine Erfindung sei, mit der er blos Aufsehen erregen und Geld verdienen wollte, was ihm auch in reichem Maße gelungen sei. Mit dieser Erklärung findet eines der gelungensten Ca- ( pitel in der Geschichte der menschlichen Dummheit — leider nicht diese selbst — seinen Abschluß, und man muß gestehen, dieser Abschluß wird bei all dem Widerwillen, den der Cynismus des Geständnisses erregen muß, in der ganzen gebildeten Welt mit jener Befriedigung ausgenommen werden, die uns jedesmal erfüllt, wenn Wahrheit und Vernunft über Lüge und Dummheit triumphiren. Auf dem vorjährigen, von der römisch-katholischen Internationale nach Trient einberufenen Antifreimaurercongreß ist be-