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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-23 · 17 (23.4.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Vr. Vloch's WochrnkchrM Seite 349 Ihre Füße, sie reißen sich blutig unter den Dornen und Disteln, die auf dem Pfad verstreut, giftige Thiere und Pflanzen gefährden ihr Dasein, fügen ihnen durch ihre Berührung brennende Wunden zu. Die fchäumeilden Bäche drohen sie zu vernichten, die harten Felsblöcke sie zu zermalmen. Sie wandern fort, obgleich ihr Leib sterbend, ihre Seele verschmachtet. Es hält sie etwas aufrecht, eine geheime Kraft verleiht ihnen Muth, nicht zu erliegen. Dunkel ist Alles um sie her. In tiefe Nacht, in Schatten ist der Wald getaucht. Doch inmitten all der trostlosen Finsterniß strahlen ihnen zwei wundersam Helle Sterne entgegen, sie führend und leitend, sie ermuthigend und tröstend. Die irrenden Kinder folgen ihnen mit hingebendem, festen Vertrauen und nie wankender Zuversicht. Diese Sterne, sie zeigen ihnen, wenn auch nur selten, süß duftende Freudenblumen, die ihren rauhen Pfad schmücken, die sie mit ihren: Duft, mit ihrem Glanz und Schimmer auf kurze Zeit die Schwere und die Last des langen, mühseligen Weges vergessen lassen, die ihnen Muth geben, weiter zu schreiten bis zu dem Ziele, das die leuchtenden, wundersam blinkenden Gestirne ihnen verheißen. So wandelt die kleine Schaar fort in endloser Geduld und Ergebung, stets auf ihre Führer blickend, den unwegsamen, gefahrvollen Pfad, der sie durch tausend Irren und Wirren, durch ewig drohende Gefahren führt. Noth, Tod und Elend rauben ihnen viele Gefährten, viele berauschen sich au dein Gifte wunderbar fremder Blüthen, bleiben am Wege, suchen zu vergessen, geben sich dein Genüsse des Augenblicks hin. Die Furcht vor neuem Eleiid raubt ihnen beit Much, ihren Brüdern zu folgen. Gering wird die Zahl der irrenden Kinder, aber die Sterne am dunklen Himmel, sie leuchten heller ihnen voran und die kleine Schaar schließt sich enger zusammen und wandert weiter. Die Menschen verspotten, verhöhnen, verachten die irrenden Wanderer, die kein Heim haben, überall nur geduldet sind. Sie dürfen ja nicht ruhen, nicht rasten, es treibt sie fort in weite Ferne — sie heben ihre inüden Hände zum Himmel und ihre Lippeii flehen um Ruhe und Frieden. Doch die Sterne am Himmel gießen ihren göttlich verklärenden Schein in ihre Brust. Vergessen ist Leid, Drangsal und Kummer. Muthig greisen sie von Neuem zum Wanderstab durch Nacht und Waldesdickicht. So geht ihr Weg jahraus jahrein durch Frühlingsweheil, durch 'Sonnenglut, durch Winterfrost und Herbstessegen. Die Zeit eilt. Oft lüftet sich das Dickicht zitternd, voll froher Ahnung aus eirdliche Erlösung begrüßerr sie den Sonnenstrahl, doch leider folgt dem kurzen Lichtblick wieder Nacht und Qual und Schatten. Der Weg ist weit, das Ziel ist fern. Irrende Kinder — heimatlos, friedlos. Volk Israel, durch Jahrtausende gehetzt, in der Welt zerstreut, ewig auf rauhen und undurchdringlichen Pfaden im Waldesdickicht, fern von der breiten, ebenen Straße, auf der Freiheit und Gleichheit rüstig schreiten. Ewig gehemmt, ewig verachtet, ewig die Zielscheibe des Spottes, des Hohnes, des Neides, der Scheelsucht. Warum nur erliegst Du nicht nach all der unglaublichen Qual, nach all den Demüthigungen, die Du erlitten? Wie viele Deiner Treuen starben in wildverzehrenden Flammen, wie viele rissen schäumende Wogen mit, wie viele tödteten giftige Pfeile, wie viele glitten zu anderen hinüber, endlich müde all der Verfolgungen, Erdenglück suchend, Freiheit ersehnend. Immer noch stehst Du im Kanipfe, in der Verirrung, im Dickicht des Waldes, umgeben von tausend Gefahren, von Finsterniß, Unduldsamkeit und Härte. Die hellen Sterne in ihrer reinen Klarheit, mit ihrer göttlichen Kraft, sie leuchten dir, sie sind die Gaben, die der allgütige Vater dir aus den herben Lebensweg mitgegeben. Sein Geschenk für die Kinder, die er ausersehen hat zum Leiden, zum Ertragen. Diese Sterne! — Glaube und Liebe — sie erwärmen und durch glühen dich mit wunderbarer Gewalt und Macht. Sie erhellen das Dickicht des Waldes, in dem du irrst. Sie verleihen deinen! müden Leib Kraft und Stärke, deiner Seele Schwingen. Sie tragen dich durch Erdennoth und Verzweiflung in jene lichten Höhen, die keines Menschen Wort, kein giftiger Pfeil, keine zerstörende Woge erreicht. Sie schützen dich und umgeben dich mit einem Panzer, der alle Verfolgungen, alle Versuchungen abprallen läßt, sie machen dich frei, trotzdem du in Ketten schmachtest, sie erhöhen dich, obgleich du gedemüthigt und gedrückt bist, sie bieten dir Genuß und Lebenskraft, die man dir oft entziehen will. Sie senden aus deinen Pfad den Sonnenschein, der des Waldes Dickicht flieht. In deiner Seele, du irrend heimatloses Volk, glühen diese Himmelslichter und lasten dich hoffen auf einen Tag, aus eine Zeit, in der in jedes Menschenbrust die gleichen Strahlen aufleuchten werden, in der der Glaube an den einig einzigen Vater alle Menschen einen und die Liebe ihren verklärend reinen Hauch ergießen wird in die Brust Aller, die sich dann mit warmer Innigkeit zum Bruderbünde einen. Diesem Ziele streben die irrenden Kinder im Waldesdickicht entgegen. Wie rauh und mühselig der Weg auch ist, sie kämpfen sich durch, ihre Sterne geleiten sie. Wie klein auch mit der Zeit die Zahl der Pfadesuchenden wird, wie viele am Wege bleiben, ein jedes dieser Kinder trägt Gott in seiner Brust, unendliche Hoffnung auf unendlich Hohes, Großes und Edles erfüllt ihr Denken und Empfinden. Irrende Kinder im Waldesdickicht, wie fern ist das Ziel, wie heiß der Kampf, wie lang die Qual. Wie müßt ihr die lichten Sterne, die hehren Flammen in Eurem Herzen nähren, daß ihr ausharret, um nicht gekrönt zu werden. Muth, Hoffnung und Vertrauen werden euch zu Theil, wenn ihr um euch blicket. Aus Eurer Mitte ragen Menfchenblüthen, die ihr kurzes Sein so edel austtiltzen, daß sie euch ein Beispiel sind, ein Leitstern auf euren'unwegsamen Pfaden. Menschen, die den Gottgedanken in der Brust tragen, deren Hand verwirklicht und ausführt, was das Herz ersehnt. Menschen, die erfüllt sind von reinen Gefühlen, deren Seelen voll Erbarnren und Liebe für euch, für alle Erdenkinder erglüht. Menschen, die, vom Glück gesegnet, reiche Gaben ausstreuen, edle Zwecke fördernd, die versuchen, Aufklärung allüberall zu schaffen, selbst auf den pfadlos finsteren Wegen, die abseits liegen von der Heerstraße, in die kein Licht dringt. Solche Menschen ragen aus eurer Mitte hervor und ihr segensreiches Schaffen und Wirken es ermuntert und ermuthigt euch. Ist oft ihr Leben auch zu kurz, gleich dem Blühen einer Blume ihr Schaffen trägt unvergängliche Blüthen bis in die fernsten Tage, ihr Name ist ein Markstein auf euren Weg. — — — Unvergessen, ewig lebend, geht er von Mund zu Mund. Ihn preisen nachkommende Geschlechter. In dankbarer Erinnerung wird ihm ein Denkmal im Herzen aller seiner Mitbrüder errichtet. . . Darkbarkeit und innige Verehrung lassen mich ein irrend Kind im Waldesdickicht an dieser Stelle des großen Mannes gedenken, der mit wunderbar klarem Geist, mit scharfem Verstand und unendlich großem Erbarmen für seine leidenden Brüder gesorgt und gestrebt hat. Vom Glück gesegnet, durfte er, ein Werkzeug Gottes, seinen unglücklichen Glaubensbrüdern helfen — und wie hals er? Bon Nord und Süd, von Ost und West tönt von dankbaren Lippen sein Name gleich einem Gebet. Nicht nur äußere Noth hat er gesucht, zu lindern, nein, auch auf höhere größere Ziele erstreckte sich sein Wirken. Er sorgte für Aufklärung und Belehrung der Jugend in den weltvergessenen dunklen Erdenwinkeln, ihm verdankt sie, daß ihr Herz und Geist geöffnet wird. Die ausgestoßenen Brüder, sie durften, von ihm geleitet, in ein Land ziehen, wo Milch und Honig fließt, sie dursten dort sich würdigen Beschäftigungen hingeben. Er gab ihnen den Boden, damit sie ihn bearbeiten und von den Ertrag leben konnten. Die armen Elenden sie wurden gesund an Leib und Seele, sie schauten hinauf zum klaren blauen Himmel im freien Lande. Die Sonne wärmte ihre Glieder, ein neuer stischer Stamm blühte empor. Greise dursten in stoher Hoffnung die Augen schließen, denn ihre Kinder, ihre Enkel, hatten ein Heim gesunden, eine Ruhestätte. Dank, inniger Dank, sei ihm den großen Wohlthäter! Ist sein Leib im Staub vergangen, seine Werke leben, sein Andenken erlischt nie und nimmer. Er ist ein leuchtend Bild, ein Hoffnungsstrahl seiner Brüder auf dunkler Wanderung. Er ist ein edles Beispiel, ein Vorbild zu gleichem Thun. Irrende Kinder im Waldesdickicht, wie klein auch eure Zahl ist, wie oft euch eure Brüder aus eurer Mitte euch verlassen

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