Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Br. Vloch's Wochrnschrifi Seite 333 Tochter des Großindustriellen Herrn Emanuel Feuerstein in Hontz, statt. Stanislau. Der eben erschienene Geschäftsbericht pro 1896 des hiesigen Spar^ und Credit-Vereines gibt Zeugniß lobenswerther Thätigkeit und wohlthuender Wirksamkeit. Die Caffabewegung erreichte die ansehnliche Höhe von ungefähr 3'/, Millionen Gulden, der Reservefond 72.200 Gulden, die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1896 nahezu 800. Die reichen und bedeutenden Erfolge sind dem Eifer und der Werkthütigkeit des Vereinsvorstandes, an dessen Spitze die Direktoren Michael H a l p e r n, Kasiel K i e s l e r und Mendel Lebensart stehen, zu danken. Budapest. Wie wir Bndapester Blättern entnehmen, ist der Herausgeber der „Ungarischen Montan-Jndustrie- und Handelszeitung" Bergrath S i l b e r st e i n, von Sr. Excellenz dem Herrn Staatssecretär Bela v. Gr änzenstei n vor einigen Tagen empfangen worden, um, als Kenner der galizischen Petrolbergbau-Berhältnisse, über die dort in Aussicht stehende Productionsfähigkeit und über den heutigen Stand der Production auf Rohöl Aufklärungen zu geben. Es dürfte dies wohl mit der jetzt in Schwebe stehenden „Rohölzollerhöhung" im Zusammenhänge stehen. Herr Silberstein wird ein ausführliches Memorandum dem Ministerium darüber unterbreiten. Raab. Der Raab- und Raab-Szigeter israelitische Frauenverein versendet soeben den h al b h und ertj ä h rig en Vereinsbericht. Der Verein, welcher auf eine intensive und extensive erfolgreiche, humanitäre Wirksamkeit mit Befriedignng zurückblicken kann, zählt unter Anderen die Frauen Gräfin Ludwig Batthyany, David Bischitz de Heves und Heinrich Levay de Kistelek zu seinen Ehrenmitgliedern. Der Verein hat im Jubel-Berichtsjahre 125 arme Schulkinder, unter welchen sich auch Christen befinden, complet bekleidet und hat die Absicht, demnächst eine jüdische Volksküche zu creiren. Gott lohne es Allen, welche diese humanitäre Vereinsthätigkeit fördern helfen. Mähr.-Weistkircheu. Bei der am 2. d. M. abgehaltenen Sitzung der hiesigen Stadtvertretung werden unter Anderem zu Ehrenbürgern ernannt die Herren: Herrenhausmitglied Ritter von G o m p e r z und Landtagsabgeordneter Dr. M e r o r e s. Hohenems. Am 19. d. M. feiert Herr Heinrich Weil mit feiner Frau Johanna, geb. U l l m a n n, Enkelin des berühmten Rabbiners Samuel Ullmann, in rüstigem Alter das Fest der goldenen Hochzeit und zugleich das 50jährige Jubiläum als stellvertretender Cantor. Möge dem Jubelpaare ein weiteres glückliches Alter beschieden sein! Berlin, 1. April. Einer der hervorragendsten Anwälte Berlins, Justizrath Hermann Mako wer, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Er gehörte viele Jahre dem Repräsentantencollegium der jüdischen Gemeinde an. Den Feinden des Judenthums ist er stets offen und energisch entgegengetreten. Makower hinterläßt einen Sohn, der ein Werk über englisches Kirchenrecht verfaßt hat und eine Tochter, die mit dem Landgerichtsrath Löwe vermählt ist. Makower wurde in der Ehrenreihe auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee neben seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin beerdigt. Feuilleton. „Aus dem Lande der Knechtschaft." Von Samuel Gordon. „Nach einer Herberge fragt Ihr, guter Herr? Und das am Sederabend? Wie kommt es, daß Ihr während der Festtage unterwegs seid?" „Ich habe mich in der Entfernung verrechnet, denn ich glaubte, ich würde vor Einbrechen der Nacht in Bikulno fein." „Das ist noch zwei Stunden entfernt und die Wege sind schlecht; kommt also mit mir. Die anderen Hausväter gingen wahrscheinlich an Euch vorüber, als sie sich ihre Gäste unter den Fremden aussuchten, denn Ihr seht nicht Ms, wie Einer, der ein Gast sein will; weder läßt Eure Miene, noch Euer Gewand darauf schließen, und so müßt Ihr schon mit mir vorlieb nehmen." „Ich danke Euch, aber ich brauche keine Mildthätigkeit und verlange keinen Dienst ohne Bezahlung. Mein Sinn steht einmal nach der Herberge." „Dann müßt Ihr gegen Euern Willen mit mir kommen, es gibt kein Hotel in der Stadt — die Reisenden wohnen dort, wo man sie aufnimmt, und es soll Niemand sagen, daß Nechemya Turok der Vorschrift, die sich auf den Fremden in den Thoren bezieht, uneingedenk war. Ebenso wenig ziemt es uns, an einem Festtage von Geld oder Bezahlung zu sprechen. Ist das nicht die Zeit, in der wir sagen: „Hier ist Brot; Jeder der hungrig ist, komme herein und esse?" Die Herzlichkeit, mit welcher der alte Mann den jüngeren nöthigte, ihm Gesellschaft zu leisten, war unverkennbar. Die Beiden standen auf der Schwelle der Synagoge, die bereits vom Dämmerlicht eingehüllt war, denn der Abendgottesdienst war vorüber und Jeder war heimgeeilt, um das Fest inmitten der Seinigen zu beginnen. „Laß' uns nicht länger zögern", fuhr Nechemya fort. „Hagar, mein Weib, wird besorgt sein." „Haltet mich nicht für unfreundlich", sagte der Fremde. „Ich würde gerne kommen, aber ich kann keine sreudeglänzenden Gesichter sehen, ich kann das Lachen nicht hören. Ich ziehe es vor, meinen Aufenthalt bei Wanderern wie ich zu nehmen, wo Einer den Anderen nicht kennt, wo traurige Miene und Schweigsamkeit den Nachbarn nicht kümmern und keine Bemerkungen Hervorrufen werden." „Dann könnt' Ihr beruhigt sein," antwortete Nechemya, „glaubt nur ja nicht, daß Ihr in ein Haus kommt, wo es viele Gesichter und viel Lachen gibt. Es ist ein Haus der Einsamkeit, in welchem ich und mein Weib Hagar wohnen, und wenn Euer Herz nicht in fröhlicher Stimmung ist, so wird es zu den andern passen. Gehen wir etwas schneller, ich bitte Euch, mein Haus ist das letzte in der Stadt, denn — damit Ihr es wißt — ich bin der Hüter des Friedhofs." Und die Beiden schritten schweigend weiter. „Es ist keine günstige Zeit, die Ihr zum Aufenthalt in dieser Gegend gewählt habt", sagte Nechemya nach einer Weile. „Es sind Nachrichten eiugetroffen, daß die Herzen der Herrscher unseren Brüdern abgeneigt sind und man sie gar nicht weit von hier schlecht behandelt, ja sogar mißhandelt. In Olnytzk haben sie das Bethaus verbrannt, in Ramant haben sie die Wohnhäuser geplündert und in anderen Städten haben sie Kinder und bettlägerige Frauen zur Nachtzeit auf die Straße geworfen. Und das ist noch nicht das Schlimmste, was sie gethan haben — ich will meinen Mund nicht zum Bösen aufthun. Gott gebe, das Unglück möge unseren Thoren nicht näher kommen." „Ich habe all' das, wovon Ihr sprecht, mit eigenen Augen gesehen", erwiderte sein Begleiter, „und ich möchte es nicht noch einmal sehen. Aber ich bin nicht hiehergekommen, um hier zu bleiben. Ich bleibe selten an einem Orte, denn mein Herz zieht mich dahin und dorthin, so daß ich keinen Ruheplatz finde. Und gerade um diese Zeit überkommt mich das Gefühl so sehr und ich möchte bis an's Ende der Welt wandern, um mir eine Heimat und Blutsverwandte zu suchen, aber so viel ich auch suche, ich finde sie nicht — das steht in Gottes Hand." „Ihr seid zu jung, um alle Verwandten verloren zu haben", sagte Nechemya. „Ich Hab' sie nicht verloren, ich erinnere mich nicht, sie jemals besessen zu haben. Jch'habe unter Fremden gelebt. Aber was erzähle ich Euch da? Eure Frau wird Euch tüchtig schelten, daß Ihr einen Tischgenoffen gebracht habt, der das fröhliche Fest durch sein Jammern entweiht." Sie waren an das äußerste Ende der Vorstadt gekommen, und Nechemya wies auf die hell glitzernden Fenster seines Hauses. „Ich Hab' Dir einen Gast gebracht, Hagar", sagte er, als er eintrat, „einen nur, nicht zwei, wie Du verlangtest, damit wir einmal die nöthige Anzahl zum Benschen Hütten. Aber es war Niemand mehr übrig. Die Reichen haben immer den Vorzug, daß sie leichter Gnade finden in den Augen Gottes — doch laß' uns für Einen dankbar sein. „Gesegnet sei Euer Eintritt, mein Sohn", sagte die Frau und ihr Blick war so freundlich, wie ihre Worte. Es geschah nicht gar oft, daß ihr einsames Mahl von einem Dritten getheilt wurde. Ein neues Gesicht wird dem unfreundlichen weiten Gemache ein behaglicheres Aussehen geben; sie wird sich auch heimlicher fühlen, denn trotzdem sie lange hart neben dem Friedhof gelebt hatte, fürchtete sie sich doch ein wenig davor, wenn es