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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 330 Vr VlvrVs VochrnfchrM Nr. 16 gerichtspräsident Dr. N o b r, Bezirkscommissär Vychvdil von H a n n a b u r g, Laudesausschußbeisitzer, Abgeordneter Doctor Za Sei, Handelskammerrath Zweig und die Vorstandsmitglieder Loew und Josef G r o ä f vollendeten diesen Act. Doctor Zacet sprach, indem er die Hammerschläge ansführte: „Znm Zeichen der Einigkeit und des nationaler: Friedens." Nach der Schlußsteinlegung erfolgte die Uebertragung der Gesetzesrollen in den neuen Tempel. Die herrlichen Klänge der großen Orgel, von Capellmeister M o r g e n st e r n meisterhaft gespielt, begleiteten den Zug, an dessen Spitze Rabbiner Dr. O P P e n h e i m schritt. Vor Einstellung der Gesetzesrollen intonirte Obercautor Schlesinger das „Höre Israel". Sodann sprach Dr. Oppenheim das Weiheg?bet, welches in seiner poetisch schönen Form einen mächtigen Eindruck, machte. Mit einem allgemeinen Segen schloß Rabbiner Dr. Oppenheim seine begeisterte Rede und mit dem wirksam executirten Mendelssohn-Bartholdyschen Chor „Psalm 100" endet die würdig verlaufene Feier nach zweistündiger Dauer. Das Feftcomite, an dessen Spitze Vorstandsmitglied Herr Sigmund Zwei g stand, hatte die Gemeindemitglieder für den Abend zu einer internen Feier in den Sitzungssaal der Cnltnsgemeinde eingeladen, woselbst sich denn auch eine sehr zahlreiche Gesellschaft einfand. Hier kam die Festesstimmung zu fröhlichstem Ausdrucke. In schwungvollen Toasten wurden die besonderen Verdienste der einzelnen Vorstandsmitglieder um das Gelingen des Werkes im Allgemeinen und des Festes im Besonderen gefeiert. Beglückwünschungstelegramme waren eingelangt von den Cultusgemeinden Auspitz, Austerlitz, Boskowitz, Ung.-Brod, Jglau, Nikolsburg. Mistek, Mißlitz, Gr.-Meseritsch, Mähr.-Ostrau, Straßnitz, Teltsch, Triesch, Troppau, Zlabings, Znaim, Zwittau, von den Rabbinaren in Boskowitz. Lomnitz, Nikolsburg, Ung.- Ostra, Mähr.-Ostrau, Teschen und Begluckwünschnngsschreiben von allen anderen mährischen und schlesischen Cultusgemeinden, ferner von den Abgeordneten Ritter v. P r o s k o w e tz und Dr. P r o m b e r, von Herrn Oberst Ritter v. Z w a ck s, von Herrn David Ritter v. G u t t m a n n in Wien, von Herrn Kammerrath B a ck in Proßnitz, von den Herren Falter-Krakau, Drucker-Brünn, und Frau Marie Brecher, der Witwe des verstorbenen Dr. Brecher in Prag. Herr Dr. Oppenheim aus Brünn, welcher als Vertreter des mährischen Landesmassafondes dem Feste angewvhnt hatte, anerkannte bei diesem Anlasse in herzlicher Rede die unermüdliche Thätigkeit des Herrn Josef Loew während der ganzen - Entstehung des Werkes, welcher sich im Vereine mit Herrn Sigm. Zweig hervorragend an allen Arbeiten des Baucomites betheiligt hatte. Mit Stolz und Befriedigung darf die Gemeinde auf den Erfolg gemeinsamen Strebens, auf das herrliche Monument der Gesinnungstüchtigkeit und Einigkeit ihrer Mitglieder blicken. Lemberg. (Die Gräuelthaten in C h o d o r o w.) Wir erhalten eine Zuschrift seitens des israelitischen Gemeinde- Vorstandes in Chodorow, welche eine herzzerreißende Schilderung der gräulichen Scenen enthält, deren Schauplatz dieser Ort und deren bedauernswerthe Opfer die armen Juden waren. Die Ursache, welche die Excesse veranlaßte, war, wie aus dieser Zuschrift hervorgeht, lediglich die nichtswürdige Geldgier der bei dem Bahnbau beschäftigten Arbeiter, die sich mit der Hoffnung ge tragen hatten, einen täglichen Verdienst von 1 fl. 50 kr. bis 2 fl. zu erhalten und erbittert darüber waren, daß sie blos 80 bis 85 kr. erhalten sollten. Es ist dies zwar für die dortigen Verhältnisse eine keineswegs zu verachtende Bezahlung, aber die gestachelte Geldgier trieb die Enttäuschten zu wahnwitziger Wuth. Und die Opfer waren natürlich die armen unschuldigen Juden. Das ist ja in unseren Tagen überall so, nicht nur in dem armseligen Chodorow. sondern auch in der Haupt- und Residenzstadt Wien. Der Umstand, daß der Bahnbau-Unternehmer auf jener Strecke ein Jude ist, war wohl ein nebensächlicher; er hätte welcher Confeffion immer angehören können, die entfesselte Vvlkswuth hätte sich zuerst an den Juden gekühlt. Dafür hat die unablässig betriebene antisemitische Agitation gegen die Juden schon gesorgt. Lemberg. Im Status der Finanzbehörden wurden die Finanzcommissäre Moritz H e r z e r zum Finanzsecretär, Jsak Herschdörfer zum Obcrfinanzcommiffar, sowie Dr. Stanislaus Grabscheid zum Steueroberinspector, sämmtliche in der Vill. Rangsclaffe, befördert. — Am 31. v. M. concertirte hier Alfred Grünfeld mit durchschlagendem Erfolge. Der Künstler spielte mehrere Meisterstücke von Beethoven, Schubert, Brahms und Chopin, sowie auch eigene Compositionen mit der ihm eigenen Vollkommenheit. Das den besten Kreisen angehörende Publicum blieb wie festgebannt unter dem Eindrücke der großartigen Leistungen und uöthigte G r ü u f e l d, zum Schluffe mehrere Piecen zuzngeben. Krakau, 6. April. Eine neue antisemitische Organisation ist soeben in's Leben getreten: die G u t s p ä ch t e r haben sich, allerdings nur 20 Mann hoch, zusammengethan und einen Verband gegründet, der den Zweck verfolgt, die „Interessen" der Standesgenossen zu wahren und die „Hochflut!)" des Judenthums einzudämmen. In Galizien gibt es zahlreiche jüdische Gutspächter, und es ist bezeichnend, daß die als die besten Laudwirthe und Administratoren bekannten polnischen Magnaten ihre Güter mit Vorliebe an Juden verpachten, und daß die Verwaltungen der ungeheuer ausgedehnten Kirchengüter das Gleiche thun. So haben die Fürsten S a p i e h a, die Grafen B a d e n i und viele bischöfliche Besitzungen fast ausschließlich jüdische Pächter und Gutsverwalter. Beinahe ein Drittel der gesammten bebauten Ackerfläche Galiziens wird von seinen Besitzern verpachtet, davon entfällt mehr als die Hälfte, nämlich 54 Percent auf jüdische Pächter. Von den jüdischen Großgrundbesitzern, die insgesammt 13 Percent des gesammten Ackerlandes ihr eigen neunen, verpachten kaum 5 Percent, also ein Zwanzigstel, ihre Güter; der Rest bestellt und verwaltet den Boden selbst. Diese Ziffern sind einerseits eine elastische Illustration für das Gefasel von der Abneigung und Unfähigkeit der Juden zum Ackerbau, andererseits geben sie denselben Preßbanditen, welche diese Lüge unaufhörlich wiederholen, Anlaß, zugleich über die „Verjndnng der polnischen Erde" zu jammern. Der Großgrundbesitzer weiß jedoch, was er thut, wenn er mit Vorliebe die Pachtungen Inden tlberläßt und nur sehr ungern auf seinen Gütern einen „Bruder Schlachziz" duldet, der gewöhnlich in dem Besitzthum des Magnaten nach altpolnischer Weise, wie in seinem Eigenthnm schaltet, und eine directe Raubwirthschast führt. Dieses Mal dürften die Pfleger der unbefleckten „National-Traditionen" jedoch im buchstäblichen Sinne die Rechnung ohne den Wirth gemacht haben. Das ganze Vorgehen reiht sich würdig dem der hiesigen Tischlerznllft an, welche sich weigerte, eineil Juden zur ehrlichen Ausübung seines Handwerks zuzulaffen. Auf allen Punkten Organisationen zur Verdrängung der Juden aus dem ehrlichen Berufe; wann werden endlich die galizischen Juden diesem Treiben eine Organisation entgegenstellen? („Jüd. Pr.") Prag, 11. März, lieber Anordnung des Oberrabbinates wurde am 7. April der Frühgottesdienst in allen Bethäusern um 5 Uhr begonnen und versammelten sich dann alle Beter in der Altneusynagoge um die Benediction an diesem Tage, wo die Sonne ihren 28jährigen Kreislauf beendet, beim Anblicke der Sonne an einem freien Platze gemeinschaftlich zu verrichten. Die Synagoge vermochte die Erschienenen nicht alle zu fassen und die anstoßendell Straßen waren mit Menschen gefüllt. Allein, als man sich ans einen freien Platz begab, war die Sonne von Wolken verhüllt. Sonntag hielt der Oberrabbiiler die übliche Schabes ha godol Derascha in der Altneusynagoge vor einem zahlreichen Auditorium, in welcher er die Aendernngen, welche sich in der 28jährigen Periode des Sonnennmlaufes zngetragen, in wirkungsvoller Weise beleuchtete und die moralische Nutzanwendung zog. Der Predigt folgte ein wohldurchdachter talmudischer Vortrag, welcher den Beifall der Kenner fand. Heute wurden die irdischen Ueberreste des Dr. Sam. Fr e u n d, Advocat, Prager Stadtverordneter und Mitglied des Landesschulrathes rc., zur Erde bestattet. Der Verstorbene, der czechischen Partei angehörend, war ein bei allen Parteien beliebter Mann, welcher" sich lebhaft für jüdische Angelegenheiten interessirte. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem großartigen, wie es hier schon lange nicht gesehen wurde. Dem Leichenwagen folgte der Oberrabbiner und die anderen Rabbiner, der Bürgermeister Dr. P o d l y p n i, der Bürgermeister-Stellvertreter Dr. S r b, der gesammte Stadtrath, die israelitische Cultusgemeinde-Repräsentanz und deren Präsident Dr. Ros'enbacher, Reichsraths- und Landtagsabgeordnete, Geistliche, Officiere und eine unabsehbare Menschenmasse, in welcher beide Confessionen beider Nationalitäten vertreten waren. Am Friedhofe verrichtete der Oberrabbiner ein ergreifendes hebräisches Gebet, Dr. Kreuz, Rabbiner in Beneschau, dem Geburtsorte des Verstorbenen, hielt ihm einen czechischen

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