Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Vloch's WochrnfthrM Seite 329 wissenlose Streber verführten Volksmassen zu bewirken. Es zeichnet sich bochachtungsvoll ein wahrhaft Liberaler. Marienbad, 12. April. Als eifrige Leserin und Anhängerin Ihres Blattes habe ich bis jetzt die Erfahrung gemacht, daß in diesem wirklich die Interessen des Judenthums verfechtenden Organe nur Artikel in streng logischer und gerechter Weise zum Ausorucke gelangen und war daher nicht wenig erstaunt, in einer der letzten Nummern einen Artikel über die böhmischen Curorte zu lesen, der mit den Intentionen der „Österreichischen Wochenschrift" absolut nicht übereinstimmt. Erstens finde ich den Appell an die jüdische Bevölkerung, diese weltberühmten Curorte durch zwei Jahre zu meiden, für vollkommen ungerechtfertigt; der Schreiber dieses Artikels vergißt wahrscheinlich, daß Karlsbad, Marienbad und Franzensbad keine Luxusbäder sind, von deren Besuch man so ohne Weiteres abstehen kann, sondern, daß hier wirklich Kranke zu den „sogenannten Quellen" ihre Zuflucht nehmen, weil sie sich von diesen eben Heilung von so manchem Leiden versprechen und diese Kranken werden wahrscheinlich auf die confessionellen Zwistigkeiten keine Rücksicht nehmen, sobald es. der Arzt für gut befindet, sie nach einem dieser drei Curorte zu dirigiren. Außerdem würde der Boycott der Badeorte auf die jüdischen Bewohner derselben, die doch ihre ganze Existenz hier finden, sehr nachhaltig wirken, und zwar am empfindlichsten auf diese; denn der antisemitische Hotelier oder Hausbesitzer wird in seinen Anhängern zum Mindesten einen kleinen Ersatz für die ausgebliebenen jüdischen Gäste finden, wie steht es aber um den jüdischen Gewerbetreibenden, zu dem sich ’ gewiß kein Arier verirren wird? Ja, sehen Sie, sehr geehrter Herr Doctor, wenn Sie in Ihrem geschätzten Blatte mit aller Macht dafür plaidiren würden, daß der jüdische Curgast — soweit es in seiner Macht steht — nur den Juden aufsuche, da würden Sie des aufrichtigen Dankes gar Vieler gewiß sein, denn leider wird darauf nur sehr wenig Rücksicht genommen, und der jüdische Besucher legt gar keinen Werth darauf, ob er im Hause eines Glaubensgenossen wohnt, im israelitischen Restaurant — obwohl gerade diese in den Badeorten durch ihre besonders schmackhafte Küche, besondere Reinlichkeit und Eleganz über jedes Vorurtheil erhaben sind — speist, und ob er einen jüdischen Arzt zu Rathe zieht. Ich weiß, daß Sie, geehrter Herr Doctor, in Ihrem Organe schon früher eine Anregung in diesem Sinne gegeben haben, nur glaube ich, daß dies eindringlicher geschehen müßte, um einen nachhaltigen Effect zu erzielen. Zum Schluffe erlauben Sie mir, entgegen der irrigen Ansicht Vieler, zu constatiren, daß anläßlich der letzthin stattgefundenen Reichsrathswahl die Bevölkerung Marienbads nur liberale Wahlmänner aufstellte. Ch. B. RoLrrau. (Vierzehntes Spenden- Verzeichniß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte R o L n a u sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: Oberrabbiner K a y s e r l i n g, als zweite Spende, Budapest, fl. 8.50; Manno S ch ö n a u g, Budapest, fl. 10.—; Emilie von Pfeiffer, Wien, fl. 5.—; „Menschenfreunde", Teplitz, fl. 5.—; Cilli L ö w y, Flöhau, fl. 1.—; Verein „Kadimah", Wien, fl. 5.—; Chewra-Kadischa Lackenbach fl. 5.—; Chewra- Kadischa Teczö fl. 2.30; Chonen D a l l i m, Wien, fl. 3.—; Cultus Vorstand-Schlän fl. 5.—; „Frauen-Verein" Butschowitz fl. 3.—; „Frauen-Verein" Tabor fl. 3.—; Hertz ka, Mistelbach, fl. 2.60; Jakob S ch r ö t t e r, MoAenitz fl. 5.—; zusammen fl. 63.40; letzter Ausweis fl. 3170.06; Summa fl. 3233.46 Dr. L. S. Skr ei nka, Adolf Poll ak, Curarzt in RoZnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n n. Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Dobra. Am 7. d. M. starb die 14jährige Tochter des Cultusvorstehers von Dobra, Herrn I. Frisch mann, Realitätenbesitzer und Kaufmann in Braschkow. Trotz des schlechten Wetters gaben die christlichen Mitschülerinnen der armen Verblichenen, die der Liebling ihrer Eltern und Lehrer war, bis auf den 1'/* Stunden entfernten Friedhof in Hostonu das Geleite, woselbst bei zahlreicher Betheiligung der Mitglieder beider Gemeinden, sowie vieler Mädchen und Bauern aus Braschkow und Umgebung die Beerdigung stattfand. Der Rabbiner für die beiden Gemeinden Hostonu und Dobra, Herr Gabriel G o t t l i e b, recitirte ein Gebet in böhmischer Sprache vor und hielt am Grabe eine ergreifende Leichenrede. Ein G e g e n st ü ck. Es fragte ein Lehrer in Hostonu einen Schüler, was er wohl zur Verherrlichung des Vaterlandes thun möchte: „die Juden austreiben" war die rasche Antwort. Der Lehrer erwiderte: „Ich würde, wenn ich die Macht hätte, solche Lumpen, wie du bist, sofort am ersten Baum aufhängen lassen. Brandeis a/E., 8. April. Als Pendant zu Ihrem jüngsten Arttkel über den „Antisemitismus in den böhmischen Bädern" will ich Ihnen über einen Herrn I. Kralik, Besitzer eines eisenhaltigen Bades in Tausim an der Localbahn Celokowic-Brandeis a/E. berichten. Dieses Bad dritten Ranges wird wegen seiner geringen Entfernung von Prag zu zwei Drittel von Prager Juden besucht, welche während der Saison bei dem guten Manne Tausende verausgaben. Er äußerte sich wiederholt, daß er seinen Wohlstand lediglich den Juden zu verdanken habe. Dafür aber ist er einer der größten und gefährlichsten Antisemiten des Bezirkes, hält förmliche Brandreden in den Gasthäusern und entblödet sich nicht, zu sagen, die Juden sollen froh sein, daß man sie duldet, und wenn es auf ihn ankäme, sollte man diesen Fremdlingen das passive Wahlrecht entziehen. I. Reumann. Hohenau, 5. April. An Spenden sind zum Tempelbau weiter eingelaufen von den Herren: Reichsrathsabgeordneten Rudolf Auspitz, Wien 100 fl.; D. Ritter v. Guttmann 200 fl.; Leopold Strauß, Wien 5 fl.; Gustav Pisk, Drösing 2 fl.; Ludwig Abeles, Mistelbach 5 fl.; Jacob Oser, Neusiedl a. d. Zaja 10 fl.; Dr. Hermann Rieß. Auspitz 1 fl.; M. Baar's Söhne, St. Johann a. d. March 3 fl. 85 kr.; Hermann Wittmanu, Olmütz 2 fl.; B. Kohn, Kostl 5 fl.: Leopold Blau, Bernhardsthal 10 fl.; Bernhard Feßler, Unter-Gänserndorf 5 fl.; M. B. mit dem Motto: „Wenig aber vom Herzen", Klagenfurt 4 fl.; O. N., Preßburg 1 fl.; Heinrich Ellinger, Pohrlitz 1 fl.; Bernhard Kaufmann, Olmütz 5 fl.; S. Friedmann, Wien, Franz Josefs-Quai 25, 4 fl.; Frau Serafine Schlesinger, Eger 2 fl.; hiezu die bereits ausgewiesenen 1321 fl., zusammen 1686 fl. 85 kr. — Wir bitten nochmals inständigst _bie geehrten Cultusgemeinden und gutherzige Glaubensgenossen, um Unterstützungen zu diesem dringenden Tempelbau, da wir in Folge der hier stattfindenden antisemitischen Umtriebe kein Betlocal gemiethet bekommen können. Wir können nirgends unsere Andacht verrichten und sind daher gezwungen, noch Heuer den Tempel zu bauen. Olmütz. (Die Einweihung des israelitischen Tempels.) Im Beisein der Spitzen der Civil- und Militärbehörden, der Vorstände unserer Schulen, Aemter und öffentlichen Anstalten, der ganzen Gemeinde und vielen Deputationen aus den Brüdergemeinden Mährens und Schlesiens fand Sonntag den 11. d. M. die feierliche Einweihung des mit einem Kostenaufwande von nahezu einer viertel Million Gulden erbauten, prächtigen israelitischen Tempels statt. Der Schöpfer des im maurischen Style gehaltenen, durch die Schönheit seiner Architektur und die einfach künstlerische Zier der inneren Ausstattung jeden Beschauer entzückenden Monumentalbaues, den die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder erstehen ließ, ist der Wiener Architekt I. Gärtner. Vor dem feierlichen Weiheacte fand die Schlußsteinlegung statt, welche der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Eduard Hamburger mit folgenden Worten einleitete: Hochgeehrte Anwesende: Der Bau dieses Gotteshauses ist nach zweijähriger Arbeit glücklich beendet. Wir wollen nunmehr die Vollendung dieses Baues in feierlicher Weise begehen und verkünden und nach altem Brauche den letzten Stein dem Gemäuer dieses Hauses einfügen. Und indem wir Alle den Segen Gottes auf diese dem Glauben geweihte Stätte und auf diese Gemeinde herabflehen, . lade ich die hochverehrten Herren Würdenträger dieser Stadt, den Cultusvorstand unserer Gemeinde und die Erbauer dieses Hauses in geziemender Weise ein, durch das Symbol der drei Hammerschläge der Vollendung die Weihe zu ertheilen. Herr Baumeister A u l e g k fügte den Schlußstein ein und Herr Eduard Hamburger begleitete die ersten drei Hammerschläge mit den Worten: „Zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde, zur Zierde der Stadt". Rabbiner Dr. Oppenheim fügte der Ceremonie einen hebräischen Spruch bei. Feldmarschalllieutenant Ritter von Mertens, Gemeinderath H e i m r o t h, Bürgermeister Carl Br and Hub er, Altbürgermeifter von i Engel, Handelskammerprüsident Robert P r i m a v e s i, Kreis-